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Freitag, 23.10.2020
 
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Kulturnachrichten

Freitag, 4. September 2020

US-Autoren um Paul Auster protestieren gegen Trump

Eine Gruppe von US-Autoren um Paul Auster und dessen Ehefrau Siri Hustvedt protestiert gegen eine mögliche Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump. Die Schriftsteller haben ihrer Gruppe den Namen "Writers Against Trump" gegeben. Sie hätten sich zusammengeschlossen, um sich "gegen das rassistische, destruktive, inkompetente, korrupte und faschistische Regime von Donald Trump zu stellen", heißt es in einer Mitteilung der Autoren. Sie wollten ihre Sprache, ihre Gedanken und ihre Zeit einsetzen, um Trump bei der Wahl Anfang November zu besiegen. Seine Präsidentschaft sei "auf einzigartige Weise gefährlich" für die "derzeitige und zukünftige Gesellschaft". Zahlreiche weitere Autorinnen und Autoren haben sich inzwischen angeschlossen, darunter auch die Kanadierin Margaret Atwood.

Preis der Stiftung Buchkunst geht nach Leipzig

Ein Band über das Wiedervereinigungsjahr 1990 ist mit dem diesjährigen Preis der Stiftung Buchkunst geehrt worden. Das teilte die Stiftung in Frankfurt am Main mit.
"Das Jahr 1990 freilegen" ist im Leipziger Verlag Spector Books erschienen und enthält auf knapp 600 Seiten aufwendig recherchiertes Fotomaterial, Zitate, Aufsätze und Interviews. Das Werk von Spector Books-Verleger Jan Wenzel und Grafiker Wolfgang Schwärzler ermögliche individuelle Einstiege in das umwälzende Jahr 1990, erklärte die Stiftung. Bisher zum Teil unveröffentlichte, überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltene Bildstrecken von Fotografen machten das von großen Erwartungen und erster Ernüchterung geprägte Jahr lebendig. Der Preis für das schönste deutsche Buch wird seit 1984 verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Schauspieler Birol Ünel gestorben

Der Schauspieler Birol Ünel ist tot. Die Intendantin des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, bestätigte, der 59-Jährige sei nach einer schweren Krankheit gestorben. Ünel wurde in der Türkei geboren und wuchs in Bremen auf. Er spielte in mehreren Filmen des Hamburger Regisseurs Fatih Akin und gewann 2004 den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller für den Kinofilm "Gegen die Wand". Der Autor Imran Ayata würdigte Ünel im Deutschlandfunk Kultur als besonderen Menschen und besonderen Schauspieler: "Er war jemand, der markant war, der exzentrisch war. Für mich war er nach Klaus Kinski der exzentrischste deutsche Schauspieler, an den ich mich erinnern kann", sagte Ayata. Ünel sei nonkonformistisch gewesen. "Für mich war er auch in der Art und Weise des Spielens eigentlich immer ein Rebell, den es heute gar nicht mehr gibt oder geben kann."

Cartoonist Uli Stein mit 73 Jahren gestorben

Der als Deutschlands bekanntester Cartoonist geltende Künstler Uli Stein ist tot. Stein sei vor einer Woche mit 73 Jahren unerwartet in seinem Haus bei Hannover gestorben, sagte Katja Seifert, Vorstand der Uli-Stein-Stiftung für Tiere in Not in Hannover. Seine Beerdigung fand demnach bereits im engsten Freundeskreis statt. Uli Stein, der mit bürgerlichem Namen Ulrich Steinfurth heißt, hat seit den Achtzigerjahren nach eigenen Angaben fast 200 Millionen Postkarten und zwölf Millionen Bücher verkauft. Seine Mäuse, Pinguine, Hunde und Katzen haben den zurückgezogen lebenden Künstler bekannt gemacht. Er war außerdem auch als Fotograf tätig.

Erstes Chorkonzert nach Corona-Pause

Unter strengen Coronaschutz-Auflagen ist am Donnerstagabend in Dortmund das bundesweit erste große Chorkonzert seit Beginn der Pandemie über die Bühne gegangen. Das Balthasar-Neumann-Ensemble spielte das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn. Im Saal waren knapp 90 Musiker und rund 700 Zuschauer. Alle Musiker waren drei bis vier Mal auf Corona getestet worden. Außerdem wohnten sie während der Proben isoliert in einem Hotel nahe dem Konzertsaal und durften keinen physischen Kontakt mit ihren Familien haben. Der Intendant des Konzerthauses Dortmund, Raphael von Hoensbroech sprach zu Beginn von einem "Weckruf" für die Musikszene.

Berlin zählt bei SPK-Reform auf Länder

Berlins Kultursenator Lederer sieht bei der Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz weiterhin auch die Länder in der Pflicht. Wegen der strukturellen Unterfinanzierung der SPK kämen mit Sicherheit hohe zweistellige Millionensummen auf die Träger der Gesamtstruktur zu, sagte der Linken-Politiker der "tageszeitung". Das Land Berlin werde das allein nicht stemmen können. Derzeit trägt der Bund Dreiviertel der Betriebskosten der Stiftung in Höhe von 120 Millionen Euro, die Länder ein Viertel. Entsteht ein zusätztlicher Finanzbedarf, übernimmt der Bund auch davon 75 Prozent, für die restlichen 25 Prozent muss dann aber das Land Berlin aufkommen.

"Batman"-Dreharbeiten wegen Corona unterbrochen

Offenbar wegen einer Corona-Infektion von Hollywood-Star Robert Pattinson sind die Dreharbeiten zum neusten "Batman"-Film erneut unterbrochen worden. Die Produktionsfirma Warner Bros. erklärte lediglich, dass sich ein "Mitglied" des Teams mit dem Virus infiziert habe und deshalb unter Quarantäne gestellt worden sei, doch nach Informationen des Branchenmagazins "Vanity Fair" handelt es sich dabei um den 34-jährigen Darsteller des "Batman" selbst. Die Dreharbeiten waren bereits im März in Großbritannien aufgrund der Pandemie gestoppt und erst vor wenigen Tagen wieder aufgenommen worden.

Hamburger Mariendom mit virtuellem Rundgang

Ab sofort kann der katholische Sankt-Marien-Dom in Hamburg auch online erkundet werden. Auf www.mariendomhamburg.de wird ein interaktiver Rundgang durch die Bischofskirche des Erzbistums Hamburg angeboten, wie das Metropolitankapitel mitteilte. Der virtuelle Besucher erhält Informationen zur Ausstattung des Doms, kann Emporen, Krypta oder das Kolumbarium erkunden und die Orgel zum Klingen bringen. Die 3D-Multimedia-Tour kann auf eigene Faust oder geführt unternommen werden. Der Sankt-Marien-Dom, der zwischen Hauptbahnhof und Alster liegt, ist damit Hauptkirche der knapp 400.000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg und Sitz des Hamburger Erzbischofs.

New Yorker Whitney Museum wieder geöffnet

Nach fast sechsmonatiger Schließung wegen der Corona-Krise hat das New Yorker Whitney Museum für amerikanische Kunst wieder geöffnet. Zahlreiche Menschen nutzten die Chance für einen Besuch in dem renommierten Museum in Südwesten Manhattans. Tickets müssen nun vorab online gebucht werden, außerdem werden weniger Menschen gleichzeitig in die Ausstellungsräume hinein gelassen - und es gelten Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln. Seit der vergangenen Woche dürfen Museen in New York, die fast alle seit März geschlossen hatten, offiziell unter strengen Auflagen wieder öffnen - tun dies jedoch nur nach und nach.

Anthropologe David Graeber gestorben

Der Anthropologe David Graeber ist tot. Seine Ehefrau, die Künstlerin und Publizistin Nika Dubrovsky, bestätigte auf Twitter, ihr Mann sei gestern in einem Krankenhaus in Venedig gestorben. Der US-Amerikaner wurde 59 Jahre alt. Besonders Graebers Buch "Bullshit-Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit" hatte 2018 auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregt. Darin argumentiert der Autor, der an der London School of Economics and Political Science lehrte, dass bis zu 40 Prozent der Arbeit, die heute in den westlichen Industriegesellschaften getan wird, Bullshit seien, also: überflüssig. Auch Graebers Buch "Schulden: Die ersten 5000 Jahre" wurde ein Bestseller.

Bühnenschriftsteller fordern Corona-Hilfen

Deutsche Bühnen-Schriftsteller haben in einem offenen Brief in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" um Hilfe gebeten. Ihre Arbeit sei für die Theater unverzichtbar, jedoch fielen sie bei den Corona-Hilfen durch alle Raster der Hilfsangebote. Verfasser des Briefes sind der Dramatiker Kristof Magnusson, die Autorin Ingeborg von Zadow und der Regisseur Ulrich Hub. Bezahlt würden die Bühnenautoren nach Publikumserfolg - seit die Theater Mitte März geschlossen worden seien, seien deshalb die Tantiemen der Autoren gegen Null gegangen. Darum fordern die Verfasser einen Bundesfonds für Bühnenautoren, aus dem eine Aufstockung der Tantiemen für die Zeit der Besucherbeschränkungen finanziert werden könne.

DHM schließt Hauptgebäude bis 2025

Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin wird sein zentrales Ausstellungsgebäude, das Zeughaus Unter den Linden, für eine Sanierung und Neugestaltung voraussichtlich von Mitte 2021 bis Ende 2025 schließen. In der Zeit bleibe der benachbarte Pei-Bau mit Wechselausstellungen und einer eigens entworfenen Ausstellung zur deutschen Geschichte geöffnet, teilte das DHM mit. Notwendig sei vor allem eine umfassende Sanierung der Klimatechnik.

Nina Hoss erhält Hannelore-Elsner-Preis

Die Schauspielerin Nina Hoss erhält den diesjährigen Hannelore-Elsner-Preis des oberbayerischen Fünf-Seen-Filmfestivals. Hoss habe seit Jahren und mit jedem Film national als auch international bewiesen, welch herausragende Schauspielerin sie sei, sagte Festivalleiter Matthias Helwig in Starnberg. Mit ihrem Spiel erhielten die von ihr verkörperten Frauenfiguren Vielschichtigkeit und Tiefe. Die Auszeichnung soll Hoss am Samstag in Starnberg verliehen werden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird zum zweiten Mal verliehen und erinnert an die 2019 verstorbene, vielfach prämierte Schauspielerin Hannelore Elsner.

Kohl-Biograf muss Witwe Auskunft geben

Der Bundesgerichtshof hat der Witwe von Altbundeskanzler Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter, im Dauerstreit um die sogenannten Kohl-Tonbänder den Weg für Schadenersatz eröffnet. Wie die Karlsruher Richter entschieden, hat Kohl-Richter Anspruch auf Auskunft über Kopien von Tonbandaufnahmen, die der Ghostwriter Heribert Schwan zu Gesprächen mit dem Altbundeskanzler angefertigt hatte. Für die Witwe ist es ein Etappensieg. Das letztinstanzliche Urteil des BGH bringt sie ihrem Ziel näher, alle Kopien aus den Gesprächen des Altkanzlers mit seinem ehemaligen Ghostwriter ausgehändigt zu bekommen. Es geht um 200 Tonbänder mit über 600 Stunden Gesprächsdauer, die der Journalist und Historiker Heribert Schwan 2001/2002 in Kohls Haus in Ludwigshafen aufgezeichnet und vervielfältigt hat.

Zweifel am Alter der Himmelsscheibe von Nebra

Wissenschaftler haben das Alter der Himmelsscheibe von Nebra angezweifelt. Archäologen der Ludwig-Maximilians-Universität München und Historiker der Goethe-Universität in Frankfurt am Main haben nach eigenen Angaben erneut die verschiedensten Daten zur Rekonstruktion von Fundort und Begleitumständen analysiert. Sie halten die Scheibe für echt, aber 1000 Jahre jünger als bisher angenommen. Dagegen stammten die mit der Scheibe sichergestellten Bronzestücke nach ihren Angaben tatsächlich aus der Bronzezeit und seien etwa 3600 Jahre alt. Die Himmelsscheibe ist die älteste konkrete Himmelsabbildung der Welt. Sie wurde 1999 von zwei Raubgräbern nahe Nebra entdeckt. Erst 2002 konnte der Schatz bei einer fingierten Verkaufsaktion in Basel sichergestellt werden.

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Fazit

Neu im Kino: "Bohnenstange"Bruch mit dem Heldenmythos
In einem Filmstill aus "Bohnenstange" ist eine Schauspielerin mit Kopftuch zu sehen. (Eksystent Distribution / Liana Mukhamedzyanova)

Leningrad nach dem Zweiten Weltkrieg: Zwei traumatisierte Frauen schlagen sich durch die zerstörte Stadt. "Bohnenstange" von Regisseur Kantemir Balagow ist kraftvolles Kino mit herausragenden Darstellerinnen und setzt auch politisch neue Akzente.Mehr

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