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Kulturnachrichten

Mittwoch, 6. November 2019

Fledermäuse stoppen Baustart des Einheitsdenkmals

Der Bau des geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin ist vorerst gestoppt. Grund sind auf der Roten Liste stehende Fledermäuse, die bereits ihr Winterquartier im Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Humboldt-Forum bezogen haben. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz lehnte einen Antrag des Bundes und des ausführenden Büros Milla & Partner auf eine Ausnahmegenehmigung ab. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland, der gegen die Ausnahmegenehmigung geklagt hatte, ist ein Baubeginn vor Mai 2020 damit nicht mehr möglich. Laut Nabu sind aber bisher weder ein ausreichendes Ersatzquartier noch alternative Brutplätze für die Fledermäuse geschaffen worden. Für das seit Jahren umstrittene Projekt hatte der Bundestag im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro freigegeben.

Kinderhörspielpreis für Stück von Angela Gerrits

Der Deutsche Kinderhörspielpreis geht in diesem Jahr an das Hörspiel "Eineinhalb Wunder und ein Spatz". Die Autorin Angela Gerrits lasse äußerst bedachtsam Aspekte wie Fremdenfeindlichkeit und falsche Autoritäten in ihr Hörspiel über die Freundschaft von zwei elfjährigen Jungen einfließen, gab die Filmstiftung NRW das Urteil der Jury wieder. Es greife aktuelle Migrationsfragen ebenso nachvollziehbar auf der Alltagsebene auf wie die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. "Ein Hörspiel mit klarer Haltung zum Wert der Freundschaft und zum Mut, dem eigenen Verstand zu folgen." Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für die Produktion von Hessischem Rundfunk und Deutschlandfunk Kultur wird am Samstag auf den ARD Hörspieltagen in Karlsruhe vergeben.

Jüdische Gemeinde kritisiert AfD-Option

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und der Verein "Other Music Academy" sind schockiert darüber, dass Thüringer CDU-Politiker ergebnisoffene Gespräche mit der AfD bezüglich der Bildung einer Landesregierung vorschlagen. Das äußerten die Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung. Besorgt sei man, wie sich jüdisches Leben und jüdische Kultur in Thüringen entwickeln solle, wenn die AfD - in einer Koalition oder duldend - Teil einer Landesregierung werde. Die Jüdischen Gemeinde Thüringen setze sich für eine Gesellschaft der Vielfalt ein und stehe damit diametral den nationalistischen und rassistischen Forderungen der AfD gegenüber. Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen und die Other Music Academy appellierten in dem Schreiben an die CDU Thüringen, einen solchen Tabubruch nicht zu begehen.

Putin fordert russische Alternative zu Wikipedia

Russland soll nach Auffassung von Kremlchef Wladimir Putin eine eigene Alternative zum Online-Lexikon Wikipedia bekommen. Es sei besser, Wikipedia durch eine neue, große russische Enzyklopädie zu ersetzen, sagte der Präsident nach Angaben der Agentur Ria Nowosti. "Das werden dann verlässliche Informationen sein - präsentiert in einer guten, modernen Form." Die Regierung will dafür den Angaben nach bis 2022 umgerechnet 24 Millionen Euro bereitstellen. Erst vor kurzem war ein umstrittenes Gesetz für ein eigenständiges Internet unter kompletter Staatskontrolle in Kraft getreten. Kritiker sehen es als einen Vorwand für eine Ausweitung der politischen Kontrolle in Russland.

Michael Sagmeister wird mit Jazzpreis ausgezeichnet

Der Frankfurter Gitarrist Michael Sagmeister wird mit dem Hessischen Jazzpreis ausgezeichnet. Sagmeister zähle zu den renommiertesten Jazz- und Fusion-Gitarristen der Gegenwart und gelte als einer der führenden zeitgenössischen Musiker seines Genres weltweit, teilte die hessische Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) zur Begründung mit. Sagmeister sei ein faszinierender Musiker und begeistere nicht nur mit seinem virtuosen, ideenreichen Gitarrenspiel, sondern wirke auch als überzeugter Pädagoge und Vermittler. Sagmeister wurde 1959 in Frankfurt am Main geboren und hat mit den bedeutendsten Jazzmusikern der Welt zusammengearbeitet. Er hat mehr als 30 Schallplatten und CDs produziert. Seit 1999 ist er Professor für Jazzgitarre an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Der Preis wird ihm am Freitag im Theater Rüsselsheim verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Karlspreis sucht herausragende Jugendprojekte

Die Karlspreisstiftung und das Europäische Parlament suchen wieder herausragende europäische Jugendprojekte, die zur europäischen und internationalen Verständigung beitragen. Bis zum 31. Januar können sich junge Menschen einzeln oder in Gruppen um den Europäischen Jugendkarlspreis 2020 bewerben, wie das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Berlin ankündigte. Der Wettbewerb richtet sich an 16- bis 30-Jährige in allen EU-Mitgliedstaaten, die sich zum Beispiel für die Organisation von Jugendveranstaltungen in den Bereichen Sport, Kunst und Kultur oder für Jugendaustausch- oder Internetprojekte mit europäischer Dimension engagieren. Aus allen eingereichten Projekten werden dann 28 nationale Gewinner gewählt. Aus diesen wählt anschließend eine europäische Jury den europaweit besten Beitrag. Der Jugendkarlspreis wird in diesem Jahr bereits zum 13. Mal ausgeschrieben. Die Preisverleihung wird am 19. Mai in Aachen stattfinden.

Die Regisseurin Cornelia Crombholz ist gestorben

Die Regisseurin Cornelia Crombholz ist tot. Das schreibt die österreichische Kleine Zeitung in einem Nachruf. Auch das Schauspielhaus Magdeburg bestätigte den Tod der Regisseurin. Nach ihrer Ausbildung zur Schauspielerin an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam und einem Regiestudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien war sie 13 Jahre am Schauspielhaus Graz als Hausregisseurin engagiert. Nach Stationen in Rostock und Heidelberg wirkte sie ab 2014 als Schauspieldirektorin am Theater Magdeburg. Dort hatte sie 2011 mit Leoš Janáčeks "Jenufa" auch ihr Debüt als Opernregisseurin gegeben. In ihrer Zeit als Schauspieldirektorin in Magdeburg wurde das Theater mehrfach ausgezeichnet, u.a. von der Zeitschrift Die Deutsche Bühne als "Bestes Theater abseits der Zentren". Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit als Regisseurin waren auch internationale Kooperationen, unter anderem in Rumänien, Malta und in der Ukraine. 2016 kuratierte sie das Theaterfestival "Wilder Osten. Ereignis Ukraine" in Magdeburg. Cornelia Crombholz starb im Alter von 52 Jahren.

Beethovens Fünfte Sinfonie zum Mauerfalljubiläum

Die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim spielen anlässlich des 30. Jubiläums der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls Beethovens 5. Sinfonie am Brandenburger Tor. Das Konzert ist Teil eines Bühnenprogramms am Abend des 9. Novembers, die den Höhepunkt der Festivalwoche "30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall" bildet, das bis zum 10. November an sieben Orten in ganz Berlin stattfindet. Das Bühnenprogramm, eine rund zweistündige Inszenierung, erzählt von einem Teil der deutschen Freiheitsgeschichte und wird getragen von musikalischen Beiträgen, Schauspiel- und Lichtdarbietungen sowie den Beiträgen zahlreicher Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Begleitend zum Auftritt der Staatskapelle Berlin wird historisches Bild- und Filmmaterial gezeigt, in dessen Verlauf ein zeitgeschichtlicher Bogen gespannt wird: vom Bau der Mauer über die Zeit der Teilung Deutschlands bis hin zum Mauerfall.

Der US-Schriftsteller Ernest J. Gaines ist tot

Der renommierte afroamerikanische Schriftsteller Ernest J. Gaines ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das gab das Gouverneursbüro von Louisiana bekannt. Gaines war bekannt für seine Werke über die Herausforderungen von Schwarzen in einer von Weißen dominierten US-Gesellschaft. Sie wurden in mehrere andere Sprachen übersetzt. In Deutschland ist sein 1993 veröffentlichter Klassiker "A Lesson Before Dying" für den Schulunterricht aufbereitet worden. Gaines wuchs in ärmlichen Verhältnissen in einer Plantagen-Stadt in Louisiana auf. Seine Erfahrungen verarbeitete er zu universalen Geschichten, insgesamt schrieb er acht Bücher. Aus "The Autobiography of Miss Jane Pittman" von 1971 und "A Gathering of Old Men" (1984) wurden in den USA auch Fernsehfilme gemacht.

Lawrow lehnt Verbot von Deutscher Welle ab

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat sich gegen ein vom Parlament angeregtes Verbot der Deutschen Welle ausgesprochen. Er unterstütze Vorschläge zum Entzug der Arbeitserlaubnis ausländischer Medien nicht, erklärte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. Das Parlament hatte das Außenministerium im September zu einer Prüfung aufgefordert, ob die Deutsche Welle weiterhin in Russland arbeiten dürfe. Es berief sich auf eine Untersuchung, wonach der Sender im Sommer zur Teilnahme an nicht genehmigten Protesten aufgerufen habe. Der Rundfunkrat der Deutschen Welle hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Stuttgarter Opernsanierung wird teuer

Die Sanierung der Stuttgarter Oper könnte mehr als eine Milliarde Euro kosten und länger dauern als angenommen. Nach einer jahrelangen Debatte über das Projekt haben Stadt und Land dem Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater die Pläne vorgelegt - für die Gestaltung des Dreispartenhauses und eine Übergangslösung. Das gut 100 Jahre alte Opernhaus muss dringend generalsaniert werden. Unter anderem soll eine moderne Kreuzbühne Bühnenbildwechsel vereinfachen, außerdem hat die Intendanz Tausende Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche angemeldet. Stadt und Land rechnen nun für die Sanierung und Erweiterung des Opernhauses mit Kosten zwischen 740 und 960 Millionen Euro. Zusätzlich werden Kosten von über 100 Millionen Euro für die Interimsstätte am Kulturzentrum Wagenhallen erwartet. Mit einem Baubeginn wird jetzt frühestens 2025 gerechnet.

Ehrenpreis für Regisseur Rosa von Praunheim

Für seine Verdienste um den deutschsprachigen Film erhält der Regisseur Rosa von Praunheim (76) den Ehrenpreis des Saarbrücker Filmfestivals "Max Ophüls Preis" (MOP) 2020. Er sei Anfang der 1970er durch seine Filme zum "öffentlichen Wegbereiter der Schwulenbewegung in Westdeutschland" geworden, erklärten die Festivalorganisatoren. Viele Beiträge in den vergangenen 40 Jahren des Nachwuchsfilmfestivals wären ohne das Wirken Praunheims nie entstanden. Es sei für die jungen Talente, aber auch für die Gesellschaft in seinem vielschichtigen Schaffen ein unbedingtes Vorbild. Der in Berlin lebende Praunheim drehte seit 1967 bis heute den Angaben zufolge rund 150 Kurz- und Langfilme. Außerdem inszeniere er an Oper und Theater, schreibe Bücher und Gedichte, zeichne, male, fotografiere und sei Aktivist. Seine Art des Erzählens sei direkt, persönlich und teils unkonventionell. Damit habe er zahllose Künstler inspiriert. Das Festival findet vom 20. bis zum 26. Januar statt. Der undotierte Ehrenpreis wird zur Eröffnung an Praunheim verliehen.

Bosnier demonstrieren gegen Nobelpreis für Handke

Mehrere Dutzend Überlebende des Bosnien-Kriegs haben in Sarajevo gegen eine Nobelpreisvergabe an Peter Handke demonstriert. Sie riefen das Nobelkomitee auf, seine Entscheidung zu revidieren. Die Demonstranten versammelten sich vor der schwedischen Botschaft im Zentrum der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Auf ihren Transparenten wurde Handke mit dem serbischen Autokraten Slobodan Milosevic sowie mit Radovan Karadzic und Ratko Mladic, bosnisch-serbischen Führern aus der Zeit des Kriegs der Jahre 1992 bis 1995, verglichen. Handke wird seit Langem dafür kritisiert, dass er während der Kriege auf dem Balkan in den 1990er Jahren Serbien mit seiner Arbeit als Autor verteidigte. 2006 sprach er auf Milosevics Beerdigung.

Berliner Kult-Kino Moviemiento bedroht

Die Betreiber des Berliner Kult-Kinos "Moviemento" fürchten um ihre Existenz. Wie die "taz" berichtet, will die Immobilienfirma Deutsche Wohnen das Gebäude im Bezirk Kreuzberg, in dem sich neben Wohnungen auch das Kiez-Kino befindet, verkaufen. Mehr als zwei Millionen Euro sollen die etwa 600 Quadratmeter großen Filmräume kosten. Die Betreiber des Moviemento, Wulf Sörgel und Iris Praefke, befürchten eine Verfünffachung der aktuellen Miete und wollen das Lichtspielhaus retten, indem sie es selber kaufen. Dazu haben sie eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Die Spendenkampagne wird von Kunstschaffenden und Filmemachern unterstützt, zum Beispiel vom bekannten Regisseur Tom Tykwer, der fast 15 Jahre als Filmvorführer, Kassierer und Programmier im Moviemiento gearbeitet hat. Das 1907 eröffnete Kino Movimiento ist eines der ältesten in Deutschlands.

Wissen auf Himmelsscheibe kommt vom Nahen Osten

Das Wissen auf der über 3600 Jahre alten "Himmelsscheibe von Nebra" stammt aus dem Nahen Osten. Dieser Nachweis ist nun auf Grund von Funden in Süditalien gelungen. Ein Team von Wissenschaftlern des Landesmuseums Halle rekonstruierte die Route bei einer Expedition an der Adriaküste in Süditalien. "Die Forschungsergebnisse geben einzigartige Einblicke in die Infrastruktur der Bronzezeit", sagte Landesarchäologe Harald Meller. Die Himmelsscheibe ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts. Sie zeigt Horizontbögen, Mond, Sterne und ein Schiff. Es ist zugleich ein Bildprogramm. Archäologen fanden heraus, dass die Scheibe als kombinierter Sonne- und Mondkalender benutzt wurde und sich mit ihr der kürzeste Tag des Jahres damit bestimmen ließ. Die Himmelsscheibe gehört zu einem Bronzeschatz, der 1999 auf dem Mittelberg nahe der Kuppe gefunden wurde. Seit 2008 ist die Himmelsscheibe in der Dauerausstellung des Landesmuseums in Halle zu sehen.

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