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Montag, 09.12.2019
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 2. November 2019

Goldene Tauben bei DOK Leipzig verliehen

Mit der Goldenen Taube im internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm des Dokumentarfilmfestivals DOK Leipzig ist der Film "Exemplary Behaviour" ausgezeichnet worden. Die litauischen Filmemacher Audrius Mickevicius und Nerijus Milerius ergründen darin Schuld und Sühne am Beispiel zweier zu lebenslanger Haft verurteilter Straftäter. Damit qualifiziert sich die litauische Produktion automatisch auch für den US-amerikanischen Oscar-Wettbewerb in der Kategorie Dokumentarfilm, sofern die formalen Kriterien erfüllt werden. Der Film wurde außerdem mit dem Internationalen Kritikerpreis und mit dem Preis der Interreligiösen Jury ausgezeichnet. Als beste Produktion im deutschen Wettbewerb der langen Dokumentar- und Animationsfilme wurde "Zustand und Gelände" von Ute Adamczewski mit einer Goldenen Taube und einem Preisgeld von 10.000 Euro ausgezeichnet.

Protest im Iran gegen staatliche Filmzensur

Im Iran haben über 200 Filmemacher, Produzenten, Drehbuchautoren und Schauspieler gegen die steigende staatliche Zensur im Filmgeschäft protestiert. In einem Schreiben an Justizchef Raeissi protestierten die Unterzeichner besonders gegen Zensur, Diskriminierung sowie Unterdrückung und Inhaftierung unabhängiger Filmemacher durch Behörden. Hintergrund der neuesten Protestwelle ist der von den Behörden verbotene Film "Chaneh'e Pedari" - Vaterhaus - des iranischen Regisseurs Kianusch Ajari. Der gesellschaftskritische Film aus dem Jahr 2000 erhielt letzten Monat endlich die Erlaubnis für eine öffentliche Aufführung, wurde aber nach nur fünf Tagen wieder verboten - angeblich wegen einiger Gewaltszenen. Die Begründung seitens der Behörden wurde aber in Filmkreisen als absurd zurückgewiesen. Das Verbot sei politisch bedingt gewesen und richte sich ihrer Meinung nach gegen den regimekritischen Filmemacher selbst.

Georg-Büchner-Preis 2019 für Lukas Bärfuss

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss ist in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis 2019 ausgezeichnet worden. Der 47-Jährige erhielt die Auszeichnung für seine Dramen und Romane, wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mitteilte: "Seine Werke erkundeten mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum existenzielle Grundsituationen des modernen Lebens stets neu und anders." Die Jury lobte den Schweizer unter anderem für seine "distinkte und dennoch rätselhafte Bildersprache, sein politisches Krisenbewusstsein, die psychologische Sensibilität und seinen Wille zur Wahrhaftigkeit". Zu Bärfuss' bekanntesten Dramen zählen "Die sexuellen Neurosen unserer Eltern" (2003), "Frau Schmitz" (2016) und "Der Elefantengeist" (2018). Sein erster Roman "Hundert Tage" über den Völkermord in Ruanda erschien 2008. Für seinen zweiten Roman "Koala" wurde ihm 2014 der Schweizer Buchpreis verliehen. Sein jüngster Roman "Hagard" handelt von einem erfolgreichen Geschäftsmann, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst. Der mit 50 000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh auch den mit 20.000 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa an den in Wien geborenen Kulturwissenschaftler Thomas Macho. Die ebenfalls in Wien geborene Literaturkritikerin Daniela Strigl erhielt den ebenfalls mit 20.000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay.

Jane Fonda wegen Klimaschutzprotest im Gefängnis

US-Filmstar Jane Fonda ist bei einem Protest für mehr Klimaschutz in Washington festgenommen worden. Fonda demonstrierte gestern zusammen mit mehreren Dutzend anderen Aktivisten vor dem Senatsgebäude in der US-Hauptstadt. Da dort Proteste verboten sind, wurde die 81-Jährige von Polizisten festgenommen. Nach einem Bericht des "Hollywood Reporter" sollte Fonda für eine Nacht im Gefängnis bleiben, um dann einem Gericht in Washington vorgeführt zu werden. Die Schauspielerin zeigte sich von der Festnahme unbeeindruckt. "Diesmal könnte ich über Nacht eingesperrt werden, aber das ist ausgezeichnet für eine Nacht", sagte sie zu Journalisten. Zu ihrem Klima-Protest, den sie singend auf dem Boden vor dem Senat vollzog, wurde Fonda nach eigenen Angaben von der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg inspiriert. Es sei wichtig, dass die Politik rasch handle, um den Klimawandel zu stoppen, sagte sie. Zugleich kündigte sie an, bereits am kommenden Freitag ihren Protest fortzusetzen.

Regisseur verteidigt seinen Film über Papst Benedikt

Regisseur Christoph Röhl hat mit Unverständnis auf Kritik aus Kirchenkreisen an seinem Dokumentarfilm "Verteidiger des Glaubens" über Papst Benedikt XVI. reagiert. Auf seiner deutschlandweiten Kino-Tour habe er in vollen Kinosälen mit einem sehr interessierten und engagierten Publikum diskutiert, sagte Röhl dem Portal katholisch.de. Er wies darauf hin, dass sein Film vor allem bei gläubigen Katholiken überwiegend positive Resonanz erhalten habe. Sein Film sei nicht nur ein Porträt über den emeritierten Papst Benedikt XVI., sondern decke Strukturen innerhalb der katholischen Kirche auf, die zu dem massiven Vertrauensverlust nach dem Missbrauchsskandal geführt habe, sagte Röhl. "Verteidiger des Glaubens" solle "ein Beitrag zu einer konstruktiven Debatte" sein, die hoffentlich bald zwischen der institutionellen Kirche und den Gläubigen beginne, so Röhl.

"Charlie Hebdo"-Zeichnerin verteidigt Religionenskritik

Eine Zeichnerin des Pariser Satiremagazins "Charlie Hebdo" hat Religionskritik in ihrem Blatt verteidigt. "Wir haben die katholische Religion kritisiert, wir kritisieren den Islam, wir kritisieren Buddhisten dafür, die Rohingya angegriffen zu haben", sagte "Coco" dem Sender Franceinfo. Man nehme sich das Recht, Religion zu kritisieren, wie man es immer getan habe. Die Redaktion nimmt erstmals seit dem Anschlag im Januar 2015 wieder an einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung beim "Weltforum für Demokratie" in Straßburg teil. Politische Karikaturen seien in Gefahr, sagte Coco. Die Zeichnerin verwies auf die Entscheidung der US-Zeitung "New York Times", ihre politischen Karikaturen in der internationalen Ausgabe komplett einzustellen. Am 7. Januar 2015 waren zwei Islamisten in die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" eingedrungen und hatten dort zwölf Menschen getötet, unter ihnen mehrere bekannte Zeichner des Blattes.

USA fürchtet Spionage durch China mit App TikTok

Nach dem Huawei-Konzern nimmt die US-Regierung nun offenbar auch die chinesische Video-App TikTok unter die Lupe. Ein Regierungsgremium solle prüfen, ob die insbesondere wegen ihrer Karaokevideos beliebte App Daten an die chinesischen Behörden weiterleite. Das berichtet die "New York Times". US-Parlamentarier hatten den Geheimdienst vor einer "potentiellen Gegenspionagegefahr durch mehr als 110 Millionen Downloads allein in den USA" gewarnt. TikTok hat versichert, dass es nicht durch die chinesische Regierung beeinflusst werde. Die US-Regierung hat auch schon das chinesische Telekommunikationsunternehmen Huawei als Sicherheitsrisiko für die Vereinigten Staaten eingestuft. Sie wirft dem Konzern Sabotage und Spionage für die chinesische Regierung vor. Huawei weist die Vorwürfe zurück.

Über 900 Medienschaffende in zehn Jahren getötet

Mehr als 900 Medienschaffende sind in den vergangenen zehn Jahren weltweit wegen ihres Berufs getötet worden. Das teilt die Organisation Reporter ohne Grenzen am heutigen internationalen Tag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten mit. Die meisten Reporter stürben nicht in Kriegsgebieten, sondern in Ländern wie Mexiko, Kolumbien, Indien und den Philippinen. Sie hätten über organisierte Kriminalität, Korruption, Machtmissbrauch oder Menschenrechtsverletzungen berichtet. Mehr als 90 Prozent dieser Verbrechen seien weltweit ungestraft geblieben. Reporter ohne Grenzen erneuerte die Forderung nach der Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten. Er müsse direkt dem UN-Generalsekretär unterstehen und die Befugnis zu eigenständigen Untersuchungen haben, wenn Staaten nach Gewalttaten gegen Medienschaffende nicht ermittelten.

"Unwort"-Vorschläge rückt Klimadebatte in Fokus

Nach den Themen Migration und Flüchtlingspolitik rücken zunehmend Begriffe zur Klimadebatte in den Fokus beim "Unwort des Jahres". Dazu zählten etwa „Ökoterrorismus“, „Ökodiktatur“oder „Verschmutzungsrechte“, aber auch „CO2-Jünger“ oder „Klimakirche“, sagte die Sprecherin der Jury, Nina Janich, der Deutschen Presse-Agentur. Das spiegele die politische Debatte wider. Bislang gebe es aber noch relativ wenig Vorschläge. Das "Unwort des Jahres 2019" wird am 14. Januar in Darmstadt bekanntgegeben. Vorschläge können noch bis Ende des Jahres eingereicht werden.

Rabbiner Teichtal warnt vor Vertrauensverlust in Politik

Der Berliner Rabbiner Yehuda Teichtal warnt vor einem sinkenden Vertrauen von Juden in die deutsche Politik. Das sagte er in einem Interview der Zeitung "Welt". Er forderte die Politik auf, Gesetze so zu gestalten, dass sich die Menschen vom Rechtsstaat auch tatsächlich geschützt fühlten. Man müsse auch mehr im Bildungsbereich tun. Viele Lehrer wüssten nicht, wie sie mit Antisemitismus an der Schule umgehen sollten, sagte Teichtal. Prävention sei wichtig, denn bei Kindern könne man noch viel bewirken. Oft fehle es in der Gesellschaft an Zivilcourage, beklagte der Rabbiner. Zwar sei die Mehrheit für Toleranz und ein jüdisches Leben in Deutschland. Aber die Frage sei, ob die Menschen auch bereit seien aufzustehen, wenn es darauf ankomme.

Geldsorgen bei Gedenkstätten an früherer DDR-Grenze

Viele der Gedenkstätten und Museen an der früheren innerdeutschen Grenze haben mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Das berichtet die Nachrichtenagentur DPA und beruft sich dabei auf die Forschungsgruppe "Grenzgeschichte" an der Universität Hannover. Viele der Einrichtungen seien nach der Wende von Ehrenamtlichen gegründet worden. Die finanzielle Ausstattung sei deswegen gering, oft fehle der Nachwuchs, beschreibt ein Mitarbeiter der Forschungsgruppe die aktuelle Lage. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge rund 900 Museen und Gedenkorte an der früheren deutsch-deutschen Grenze. Besonders für die jüngere Generation seien diese wichtig, teilte die Forschungsgruppe mit. Nur so könnten beispielsweise Überbleibsel der Teilung wie alte Wachtürme in den richtigen Kontext gestellt werden.

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Fazit

Ersan Mondtags "Die Verdammten" in KölnUnter Untoten
Eine lange Tafel, an deren beiden Enden zwei Frauen sitzen. Eine Frau sitzt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein überdimensioniertes Foto eines Babys zu sehen. Dahinter ist eine Treppe zu sehen, auf deren oberen Ende ein Mann sitzt. Über allem liegt eine Schicht weiße Federn. (Birgit Hupfeld / Schauspiel Köln)

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis „Die Verdammten“ am Schauspiel Köln. Das Stück über eine deutsche Industriellenfamilie, die sich mit den aufstrebenden Nationalsozialisten einlässt, lässt für unseren Kritiker Michael Laages Fragen offen.Mehr

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