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Mittwoch, 18.09.2019
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 20. August 2019

Weltversammlung von "Religions for Peace" eröffnet

Bundespräsident Steinmeier hat in Lindau am Bodensee die zehnte Weltversammlung von "Religions for Peace" eröffnet. Zum Auftakt sagte er, kein Krieg dürfe im Namen der Religion geführt werden. Statt Anlass für Unfrieden, Hass und Gewalt zu sein, sollten Religionen als Werkzeuge des Friedens agieren. Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten. Religion könne sich aber gerade durch den Einfluss zynischer und gewissenloser Anführer auch als furchtbare, als buchstäblich gnadenlose Macht erweisen. "Religions for Peace" ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in New York, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch interreligiösen Dialog Friedensarbeit zu leisten. Die erste Weltkonferenz fand 1970 in Kyoto statt. Am Treffen in Lindau nehmen bis Freitag rund 900 Delegierte aus mehr als 100 Ländern teil.

Tanztheater-Kündigung von Adolphe Binder unwirksam

Ein weiteres Gericht hat die Kündigung von Adolphe Binder als Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch für unwirksam erklärt. Wie die erste Instanz befand auch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf, dass die angeführten Gründe nicht für eine fristlose Kündigung reichen. Das Arbeitsverhältnis mit der Kulturmanagerin war vom Theater im Juli 2018 nach einem Jahr beendet worden. Begründet wurde dies vor allem mit dem Fehlen eines umsetzbaren Spielplans. Über eine von Binder ebenfalls geforderte Zahlung einer Vergütung seit der Kündigung und eine Weiterbeschäftigung will das Gericht später entscheiden. Inzwischen hat das Theater mit Bettina Wagner-Bergelt eine neue künstlerische Leitung.

Computerspielmesse "Gamescom" gestartet

In Köln hat die weltweit größte Computer- und Videospielspielemesse "Gamescom" offiziell begonnen. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr das sogenannte Cloud-Gaming, bei dem Spiele auf externen Servern laufen und dadurch die Endgeräte der Spieler entlasten. Bundesverkehrs- und digitalminister Andreas Scheuer (CSU) sagte in seiner Eröffnungsrede, dass er die zugesagte finanzielle Förderung der Games-Branche in Deutschland nicht streichen wolle. Er werde sich weiter für den Fördertopf von 50 Millionen Euro einsetzen.

Klassik Stiftung soll "Thinktank" werden

Politischer, digitaler und mit mehr Privatgeldern ausgestattet: So stellt sich die neue Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, unter anderem die Zukunft ihrer Institution vor. Das sagte sie in Weimar. Die Stiftung - eine der größten Kulturstiftungen Deutschlands - könne zu einem "Thinktank", einer Denkfabrik, für Politik und Gesellschaft werden, so Lorenz. Die 1963 in Gera geborene Lorenz kündigte zudem an, Digitalisierung zur Chefsache zu machen und mit einem neuen Beratungsgremium aus Wirtschaft und Gesellschaft mehr Spendengelder etwa von Privatunternehmen für die Stiftung generieren zu wollen.

Twitter sperrt chinesische Accounts

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat mehr als 200 000 mutmaßlich falsche Nutzerkonten gesperrt. Diese seien an einer Online-Kampagne der chinesischen Regierung beteiligt gewesen, die die Protestbewegung in Hongkong beeinflussen solle, teilte das Unternehmen mit. Twitter führte die Kampagne gegen die Hongkonger Demonstranten zu zwei gefälschten chinesischen und englischen Twitterkonten zurück, die sich als Nachrichtenorganisationen mit Sitz in Hongkong ausgaben. Die Regierung in Peking gab sich ahnungslos. Prodemokratische Demonstranten sind seit Wochen auf den Straßen und fordern volle demokratische Rechte und eine Untersuchung von mutmaßlicher Polizeigewalt gegen Protestierende.

Künstler Opolka: Mit Wolfsskulptur gegen die AfD

Der Brandenburger Künstler Rainer Opolka hat mit einer mehr als mannsgroßen Skulptur eines Wolfes vor der AfD-Parteizentrale gegen die Partei demonstriert. "Wir warnen vor einer rechtsradikal gewendeten AfD", sagte Opolka zu der Kunstaktion in der Innenstadt. Die Bronzeskulptur eines Wolfsmenschen, der einen Hitlergruß zeigt, hatte Opolka auf einem Anhänger vor die Landesgeschäftsstelle gefahren. Dazu enthüllten er und die Publizistin Lea Rosh Banner mit Slogans wie "AfD - keine Alternative für Brandenburg" und "Rassisten gehören nicht in den Landtag". Die Aktion wurde nach zwei Stunden beendet. AfD-Parteisprecher Detlev Frye wollte sich nicht zu der Aktion äußern.

Warnstreik: "Morgenmagazin" im Dunkeln

Im Morgenmagazin saßen die Moderatoren am Dienstag im Dunkeln. Wegen eines Streiks beim WDR hatten die Beleuchter das Studiolicht abgeschaltet. Ein Teil der Sendung kam danach aus der Konserve. Die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatten dem Warnstreik aufgerufen. Als Folge musste das in Köln produzierte ARD-"Morgenmagazin" zwischen 8.30 und 9 Uhr eine Wiederholung senden, wie der WDR bestätigte. Der Warnstreik soll Druck vor der vierten Runde der Tarifverhandlungen am Freitag machen: "Der WDR hat sich auch nach dritten Runde nicht bewegt", sagte DJV-Vertreter Volkmar Kah der dpa. Die Gewerkschaften wollen unter anderem, dass sich die Tarifsteigerungen beim WDR weiter am Öffentlichen Dienst orientieren.

Wissenschaftler: Intelligenz des Neandertalers fraglich

Ob der Neandertaler so schlau war wie angenommen, ist laut Forschern fraglich. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die frühen Menschen in einem aufwendigen Verfahren Klebstoff aus Birkenpech herstellten, wie die Universität Tübingen mitteilte. Forscher der Uni fanden jetzt zusammen mit Wissenschaftlern aus New York heraus, dass der Klebstoff auch ganz unkompliziert aus verbrannter Birkenrinde gewonnen werden kann. Nach Einschätzung des Leiters der Forschungsgruppe, Patrick Schmidt, kann der Klebstoff deshalb nicht länger als Hinweis für modernes oder komplexes Verhalten gelten. Die Neandertaler hätten den Kleber auch "bei ihren Alltagsaktivitäten spontan entdecken" können.

Paraderäume im Dresdner Schloss rekonstruiert

Die Rekonstruktion der barocken Repräsentationsräume im Dresdner Schloss ist fast abgeschlossen. Das Audienzgemach und das Paradeschlafzimmer sind in etwa dreijährigen Arbeiten in der historischen Fassung von 1719 wiederhergestellt worden und vom 28. September an für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Kosten für das Projekt belaufen sich laut Haß auf rund 35 Millionen Euro, davon hat der Bund zwölf Millionen Euro übernommen. Die sogenannten Paraderäume ließ der sächsische Kurfürst August der Starke anlässlich der Hochzeit seines Sohnes neu einrichten.

Japans "Kriegskaiser" bereute Zweiten Weltkrieg

Der frühere japanische Kaiser Hirohito hat zu seinen Lebzeiten reumütig und mit Bedauern an den Zweiten Weltkrieg gedacht. Das ist in 18 Notizbüchern eines Ex-Mitarbeiters des Kaiserlichen Hofamts zu lesen, die dem japanischen Rundfunksender NHK vorliegen. Demnach versuchte Hirohito vergeblich, in einer Rede von 1952 das Wort "Reue" einzubauen, wurde aber von dem damaligen Ministerpräsidenten Shigeru Yoshida davon abgebracht. Der Zweite Weltkrieg endete 1945 mit Japans Kapitulation nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Der Krieg wurde in Japan im Namen des Kaisers geführt, der in der Bevölkerung als gottgleich galt. Nach dem Krieg erlaubte die US-Besatzung dem Kaiser zwar, das Amt zu behalten, seither ist es aber ohne politische Macht.

Staatsgalerie Stuttgart gibt Raubkunst zurück

Nach fast 80 Jahren werden zwei Zeichnungen aus der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart an die Erben des ursprünglichen Besitzers zurückgegeben. Die beiden Werke gehörten nach Angaben des Museums zur Sammlung des jüdischen Juristen Michael Berolzheimer (1866-1942). Gemeinsam mit seiner Familie hatte er Deutschland unter dem Druck des Nationalsozialismus im Sommer 1938 verlassen und war in die USA emigriert. Seine Kunstsammlung ließ er zurück, sie wurde 1938 und 1939 in München versteigert. "Die Familie Berolzheimer hatte keinerlei Zugriff auf die Verkaufserlöse", teilte die Staatsgalerie mit. Bei den Zeichnungen handelt es sich um Werke des schwäbischen Spätromantikers Theodor Christoph Schüz (1830-1900) und des niederländischen Malers und Radierers Samuel van Hoogstraten (1627-1678).

Protest gegen Umbau von HR2-Kultur zur Klassikwelle

Kulturschaffende warnen vor dem Umbau des Hörfunksenders HR2-Kultur zu einer Klassikwelle. "Wenn jetzt auch noch aus der Kultur Konfetti gemacht wird, ausgestreut über die letzten Hörer oder in der Hoffnung, damit neue zu gewinnen, zeigt das nur die Torschlusspanik eines Senders, der den Glauben an die intelligenten Hörerinnen und Hörer verloren hat", schrieb der Autor Bodo Kirchhoff in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Der Hessische Rundfunk (HR) hatte Mitte Juli angekündigt, dass Wortinhalte zu Kulturthemen künftig vor allem über die Informationswelle HR-Info oder im Internet ausgespielt werden sollen. Die Reformpläne kritisierten in der FAZ auch der Mitbegründer des Satiremagazins "Titanic", Pit Knorr, die Schriftstellerin Eva Demski, der Verleger Klaus Schöffling und Heinz Drügh, Professor für Literaturgeschichte an der Goethe Universität Frankfurt.

Marbach bekommt Archiv von Reinhard Jirgl

Das Literaturarchiv Marbach erhält das Archiv des Schriftsteller Reinhard Jirgl. Er stellt der Forschung seine handschriftlichen Manuskripte und Vorarbeiten zu seinen Werken ebenso zur Verfügung wie einen Commodore 64 samt Floppy-Disks. Jirgl arbeitete zunächst als Beleuchtungstechniker an der Berliner Volksbühne, sein erstes Erzählwerk Mutter Vater Roman lehnte der Aufbau Verlag 1985 aus politischen Gründen ab. Seit 1996 sind die Romane "Abschied von den Feinden", "Die atlantische Mauer" oder "Oben das Feuer, unten der Berg" erschienen. Für sein innovatives erzählerisches Werk wurde Reinhard Jirgl mit nahezu allen wichtigen deutschen Literaturpreisen geehrt, darunter der Alfred-Döblin-Preis und der Georg-Büchner-Preis. Anfang 2017 erklärte Jirgl, er ziehe sich aus der Öffentlichkeit zurück, schreibe weiter, wolle aber nichts mehr veröffentlichen.

Viele Debüts auf der Longlist für Deutschen Buchpreis

Viele neue Autoren haben es in die Auswahl für den Deutschen Buchpreis 2019 geschafft. Auf der Longlist, die 20 Titel umfasst, stehen aber auch bekannte Namen wie Sascha Stanicic, Ulrich Woelk oder Marlene Streeruwitz. Die Longlist spiegle "die stoffliche Vielfalt und den stilistischen Reichtum" der deutschsprachigen Neuerscheinungen wider, so der Sprecher der Jury, Literaturkritiker Jörg Magenau, in Frankfurt. "Gesellschaftsanalyse und Geschichtsforschung, Paranoia und Phantasie, Wunsch und Welterkundung von Kalifornien über die deutsche Provinz bis in den Kaukasus haben darin Platz." Die Verlage hatten mehr als 200 Titel eingereicht, am 17. September wird die Liste auf sechs Titel, die Shortlist, verkürzt. Der Sieger wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse im Oktober verkündet. Er erhält 25 000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro.

Ethikkommissionen für Museen gefordert

In der Diskussion um den Einfluss von Mäzenen in der Kunstszene hat Jörg Heiser, der Direktor des Instituts für Kunst im Kontext an der Universität der Künste in Berlin, Ethikkommissionen für Museen gefordert. Erst in den letzten Jahren sei die Diskussion so geworden, dass auch Museen darüber nachdenken müssten, dass sie einen Ruf zu verlieren hätten, sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Es müsste bei Museen und Kunsthallen wie in anderen Branchen sein, dass es eine Kommission gebe, auch mit externen Mitgliedern, die gemeinsam über solche Fälle berate. Das müsse kein Institut für Gesetze oder Verbote sein, so Heiser, sondern eines, dass Stellung beziehe und einen moralischen Kompass an einer Stelle einführe, an der es ans Eingemachte gehe.

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