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Kulturnachrichten

Mittwoch, 29. April 2015

EU-Abgeordnete fordern Schutz von Kulturgütern vor Terror-Miliz

UN und EU sollen gemeinsam gegen Zerstörung vorgehen

Der Kulturausschuss des EU-Parlaments hat ein stärkeres Engagement der EU zum Schutz kultureller Güter vor einer Zerstörung durch die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) gefordert.
"Europa darf sich nicht zurückhalten. Es geht nicht nur um das Kulturerbe eines Landes, sondern um das Erbe der Menschheit", sagte die sozialdemokratische EU-Parlamentarierin Silvia Costa heute in Straßburg. Der IS zerstöre nicht nur die kulturelle Grundlage, sondern verkaufe die archäologischen Funde etwa auf Märkten in Damaskus, um seine Waffen zu finanzieren. "Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", so Costa. Sie forderte die EU-Kommission und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini auf, gemeinsam mit der UN gegen die Zerstörungen vorzugehen. Morgen will das EU-Parlament über eine entsprechende Entschließung abstimmen.

Beerdigung von Günter Grass

Abschied im engsten Familienkreis

Zwei Wochen nach seinem Tod ist Günter Grass in Behlendorf bei Lübeck beigesetzt worden. Der Schriftsteller wurde heute auf dem Friedhof seines langjährigen Wohnorts beerdigt. Nur die engste Familie sei dabei gewesen, sagte Behlendorfs Bürgermeister Andreas Henschel. Der Literaturnobelpreisträger war am 13. April im Alter von 87 Jahren an den Folgen einer schweren Infektion gestorben. Grass war der weltweit wohl bekannteste deutsche Schriftsteller der Gegenwart. Schon sein erster Roman "Die Blechtrommel" aus dem 1959 geriet zum Welterfolg. 40 Jahre später wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Die öffentliche Gedenkfeier zum Abschied des großen Autors findet am 10. Mai im Lübecker Theater statt. Dazu werden Bundespräsident Joachim Gauck und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erwartet.

Grimme Online Award Nominierungen bekannt gegeben

Jury vermisst aber Aktualität und geringe Themenauswahl der Einsendungen

Fotos aus dem Weltraum, aufrüttelnde Reportagen und raffiniert gemachte Digital-Reportagen sind heute für den Grimme Online Award nominiert worden. Astronaut Alexander Gerst gehört mit seinen Twitter- und Facebook-Beiträgen aus dem Weltraum dazu. Ebenso wie "Spiegel"-Reporter Cordt Schnibben, zwei Nachrichtenredakteure des Portals "Floskelwolke", das Städel-Museum und das Recherchebüro "Correctiv". Für die bis zu acht Preise sind diesmal 25 Webangebote aus 1400 Vorschlägen nominiert. Die Vielfalt der eingereichten Formate sei von hoher Qualität, sagte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. Allerdings sorge sich die Jury um die mangelnde Aktualität in den Einreichungen. Auch die meisten großen und relevanten politischen Reizthemen wie Überwachung, Bürgerrechte, Freihandel und zunehmende Arm/Reich-Schere fanden auch diesmal so gut wie gar nicht statt.

Unesco richtet Datenbank zu Erdbeben-Schäden in Nepal ein

Informationen zur Tempelzerstörungen durch Bevölkerung und Priester

Im Tal von Kathmandu stehen sieben Weltkulturdenkmäler. Die Erdstöße brachten den 61 Meter hohen Dharahara-Turm in Kathmandu und den Basantapur-Palast zum Einsturz. Jetzt beginnt die Unesco, alle Informationen über das Ausmaß der Zerstörung des Weltkulturerbes zu bündeln. Das Unesco-Büro in Kathmandu habe eine Datenbank eingerichtet, in der die Schäden dokumentiert werden, sagte Direktor Christian Manhart heute dem Evangelischen Pressedienst. "Informationen über die Zerstörung bekommen wir von der Bevölkerung vor Ort, von Priestern in den Tempeln und von der Denkmalschutzbehörde." Bereits morgen werde ein Treffen örtlicher Organisationen stattfinden, um die Bemühungen zum Wiederaufbau zu koordinieren. Neben der UN-Kulturorganisation Unesco seien die Denkmalschutzbehörde Nepals, die Stiftung zur Erhaltung des Kathmandu-Tals sowie mehrere österreichische Architektur-Spezialisten beteiligt.

1400 Jahre alter Rheinländer erhält sein Gesicht zurück

Schädelfund nach 60 Jahren rekonstruiert

Ein 1400 Jahre alter Rheinländer hat sein Gesicht zurück bekommen. In aufwendiger Kleinarbeit haben Wissenschaftler das Gesicht des "Herrn von Morken" rekonstruiert. Das Ergebnis ist jetzt im Landesmuseum des Landschaftsverbands in Bonn zu sehen. Die sterblichen Überreste des Mannes waren 1955 in einem fränkischen Gräberfeld bei Arbeiten zum Braunkohletagebau in Morken bei Bedburg entdeckt worden. Dank der gut erhaltenen Schädelknochen und Zähne sei eine Nachbildung möglich gewesen, die mit großer Wahrscheinlichkeit dem tatsächlichen Aussehen des Mannes entspreche, sagte Constanze Niess vom Frankfurter Institut für Rechtsmedizin heute.

In Griechenland soll Öffentlich-rechtlicher Sender wieder starten

Regierung löst erstes Wahlversprechen ein

Der vor zwei Jahren im Zuge der Sparmaßnahmen dichtgemachte öffentlich-rechtliche griechische Rundfunksender ERT soll seinen Betrieb wieder aufnehmen. Das Parlament beschloss heute, mehr als 1500 Mitarbeiter wieder einzustellen und eine Protest-Fernsehstation einzugliedern, die online von gefeuerten Angestellten betrieben werden soll. Im Juni 2013 waren die Fernseh- und Radiosender von ERT abrupt abgeschaltet worden. Ein neuer Rundfunksender wurde später gegründet, der weniger Mitarbeiter hat. Griechenland steht unter dem Druck seiner internationalen Kreditgeber, schnell die Größe seines öffentlichen Dienstes zu verkleinern, um weiter Notkredite zu bekommen.

Wikileaks-Aktivist Appelbaum und Künstler Ai Weiwei arbeiten zusammen

Filmdokumentation zeigt Ergebnis der gemeinsamen Arbeit

Für eine Kunstaktion hat sich der Wikileaks-Aktivist Jacob Appelbaum mit dem chinesischen Konzeptkünstler Ai Weiwei zusammengetan. In Peking hätten die beiden zusammen ein Kunstwerk erstellt, teilte das New Museum in New York mit. Die Filmemacherin Laura Poitras, die mit ihrer Dokumentation über den US-Whistleblower Edward Snowden in diesem Jahr einen Oscar gewonnen hatte, habe die Arbeit der beiden dokumentiert. Ihr Film werde bei einer Veranstaltung am Samstag in dem Museum in Manhattan Premiere feiern und später online veröffentlicht werden. Seit 2010 führt das New Museum die jährliche Veranstaltungsreihe "Seven on Seven" durch, die Künstler mit Technik-Experten zusammenbringt. Gemeinsam sollen sie innerhalb von 24 Stunden ein Kunstwerk erstellen.

Stiftung für Raubkunstforschung eröffnet Zentrale

Magdeburger Zentrum soll Provenienzforschung bündeln

Das Deutsche Zentrum zur Suche nach NS-Raubkunst hat einen festen Standort. Erstmals tagte der Stiftungsrat im neuen Stiftungsgebäude in Magdeburg. Das Zentrum hat die Aufgabe, bei der Suche nach NS-Raubkunst zu helfen. Die Vorsitzende des Stiftungsrates, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, hob bei dem Treffen hervor, die Stiftung sei in weniger als einem Jahr errichtet worden. Mit der Berufung von Rüdiger Hütte (55) zum hauptamtlichen Vorstand sei nun auch das Leitungsteam vollständig. Der Stiftungsrat ist das Aufsichtsgremium des Zentrums. Ihm gehören 15 Mitglieder aus dem Kreis von Bund, Ländern und kommunale Spitzenverbänden an. Die zum 1. Januar 2015 errichtete Stiftung soll die Provenienzforschung vor allem zur NS-Raubkunst bündeln und ausbauen. Sie ist zentrale Ansprechpartnerin zur Umsetzung der "Gemeinsamen Erklärung", die Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände zur Auffindung und Rückgabe von NS-Raubkunst vereinbart haben.

4000 Jahre altes Ziegelstück an den Irak zurückgegeben

Fund war per Post geschickt worden

Ein mehr als 4000 Jahre altes Ziegelstück mit einer sumerischen Inschrift ist an den Irak zurückgegeben worden. Wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitteilte, hatte sie den wertvollen Fund vor einigen Wochen per Post geschickt bekommen. Der Absender gab an, das Ziegelfragment in den 1980er Jahren im Südirak als Souvenir erhalten zu haben. Wie die wissenschaftliche Analyse ergab, handelte es sich bei der Inschrift um eine Widmung des altorientalischen Herrschers Amar-Suena (21. Jh. v. Chr.), der vom Bau eines Tempels für den Gott Enki berichtet. Höchstwahrscheinlich stamme das Stück aus der antiken Stadt Eridu, dem heutigen Tell Abu Schachren im Südirak, berichtete die Stiftung. Offensichtlich illegal eingeführte Objekte sollten nicht in die Sammlungen der Stiftung gelangen, sagte deren Präsident Hermann Parzinger. "Das entspricht unserer Verantwortung für das Kulturerbe der Menschheit."

Festspielintendant hält Veränderung an der Volksbühne für aggressiven Vorgang

Thomas Oberender fürchtet Schaden für die Berliner Festspiele durch ähnliche Theaterkonzepte

Der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, teilt die Sorge, dass mit der geplanten Veränderung an der Berliner Volksbühne die Berliner Festspiele kopiert würden. "Ich finde, das ist durchaus ein relativ aggressiver Vorgang, aus einem Künstlertheater ein Cluster zu machen, das verschiedene Spielstätten und Kunstformen unter ein Dach nimmt", sagte er dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Das tangiere die Festspiele, aber auch andere Akteure in der Stadt, wie das HAU. Der Londoner Museumsmacher Chris Dercon (56) wird im Jahr 2017 Nachfolger von Volksbühnen-Intendant Frank Castorf. Die Personalie hatte einen Streit um die Zukunft der Berliner Theaterlandschaft ausgelöst. Mehrere namhafte Intendanten, allen voran der scheidende Berliner-Ensemble-Chef Claus Peymann, warfen den politisch Verantwortlichen vor, die traditionsreiche Volksbühne zu einer Art Festivalhaus umbauen zu wollen. Das werde für das Haus der Berliner Festspiele richtige Konsequenzen haben, so Oberender weiter, wenn die Volksbühne in dem Feld anfange zu produzieren, in dem auch die Festspiele im Moment produzieren. Die Dynamik seines Hauses werde von dieser Veränderung stark beeinflusst werden.

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