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Kulturnachrichten

Montag, 30. September 2019

Aachener Kunstpreis doch nicht für Walid Raad

Die Stadt Aachen will ihren Kunstpreis wegen Antisemitismus-Vorwürfen nicht wie geplant an den libanesisch-amerikanischen Künstler Walid Raad überreichen. Man ziehe sich aus der Verleihung in diesem Jahr zurück, hieß es in einer Mitteilung. "Wir müssen nach entsprechenden Recherchen davon ausgehen, dass der designierte Preisträger Anhänger der BDS-Bewegung ist und mehrfach an Maßnahmen zum kulturellen Boykott Israels beteiligt war", sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) in der Begründung. Darauf angesprochen, habe sich Raad auch nicht ausreichend von der vom Landtag als antisemitisch eingestuften Bewegung distanziert. Mit dem Preis sollte Raad im Oktober für sein 15 Jahre dauerndes Projekt "The Atlas Group" gewürdigt werden. Darin setzt sich der 1967 geborene Künstler mit der gewaltsamen Geschichte des Libanon auseinander. Alle zwei Jahre wird der Kunstpreis Aachen von der Stadt, dem Kunstfreundeverein des Ludwig Forums und der Aachener Wirtschaft vergeben.

Axel Springer kündigt Umbau bei "Bild" und "Welt" an

Axel Springer beginnt mit einem Umbau im Verlagsgeschäft: Die "Bild am Sonntag" verliert ihre Eigenständigkeit und wird künftig in einer gemeinsamen Redaktion mit der "Bild"-Zeitung erstellt. Auch Stellen werden wegfallen - wie viele, ließ der Konzern offen. In den kommenden drei Jahren werde man zugleich sparen und investieren, kündigte der Medienkonzern an. Demnach ist ein Personalabbau in Verlag, Redaktionen, Vertrieb und Vermarktung geplant. Die werktäglichen Ausgaben von "Welt Kompakt" und "Welt Hamburg" werden eingestellt. Insgesamt will Springer den Angaben zufolge im Konzern-Bereich News Media National, zu dem "Welt" und "Bild" gehören, in den kommenden drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro investieren.

Havel-Preis für Regierungskritiker und Jugendinitiative

Der Vaclav-Havel-Preis des Europarates hat in diesem Jahr erstmals zwei Gewinner. Die Parlamentarische Versammlung zeichnete den inhaftierten chinesisch-uigurischen Wirtschaftswissenschaftler und Regierungskritiker Ilham Tohti aus. Zweiter Preisträger ist die Jugendinitiative für Menschenrechte, YIHR, die sich in mehreren Balkanländern engagiert. Für Tohti nahm ein Stellvertreter die Ehrung in Straßburg entgegen. Mit dem Vaclav-Havel-Preis zeichnet der Europarat seit 2013 Menschenrechtsaktivisten aus. Die Auszeichnung ist mit 60.000 Euro dotiert und benannt nach dem 2011 verstorbenen Bürgerrechtler und Präsidenten der Tschechischen Republik.

"Geo"-Chefredakteur leitet künftig Henri-Nannen-Schule

Der Chefredakteur der Zeitschrift "Geo", Christoph Kucklick, wird neuer Leiter der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Der 55-Jährige übernimmt den Posten zum Jahreswechsel von Andreas Wolfers, der die Journalisten-Ausbildungsstätte auf eigenen Wunsch nach zwölf Jahren an der Spitze verlässt. Die Verlagschefin von Gruner+Jahr, Julia Jäkel, lobte Kucklick als klugen Journalisten, er vereine "die klassischen Tugenden des Journalismus mit einem breiten Wissen über die Herausforderungen der digitalen Transformation, inhaltlich wie technologisch". Die Journalistenschule hatte ihr Konzept zuletzt überarbeitet und unter anderem die Ausbildung verlängert und das Lehrprogramm erweitert. Kucklick hat von 1985 bis 1987 selbst die Ausbildung der Henri-Nannen-Schule durchlaufen.

Wohnungssuche für Studierende "extrem schwierig"

Auch in diesem Jahr ist zum Start des Wintersemesters die Wohnsituation für Studierende in Deutschland angespannt. In den ohnehin begehrten Hochschulstädten, in denen die Mehrheit der rund 2,8 Millionen Studierenden wohnt, wurde die Suche nach der passenden Unterkunft im Vergleich zu 2018 sogar eindeutig schwerer. Zu diesem Ergebnis kommt das Moses Mendelssohn Institut bei einer Analyse aller 98 Standorte mit mehr als 5000 Studierenden. Beispielsweise erhöhten sich die Preise für WG-Zimmer in den untersuchten Uni-Städten binnen nur eines Jahres im Schnitt von 363 auf 389 Euro, also um rund 7 Prozent. Sogar der Preis-Spitzenreiter München legte mit jetzt 650 statt 600 Euro für die durchschnittliche WG-Bleibe noch mal kräftig zu. "Einen solch deutlichen Aufwärtstrend bei den Kosten hatten wir nicht erwartet" sagt Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts.

Carola Lentz wird neue Präsidentin des Goethe-Instituts

Die Ethnologin Carola Lentz wurde einstimmig zur neue Präsidentin des Goethe-Instituts gewählt. Ab dem 19. November 2020 wird sie das Amt des derzeitigen Präsidenten Klaus-Dieter Lehmann übernehmen. Bundesaußenminister Heiko Maas bestätigte die Wahl und begrüßte die Entscheidung des Goethe-Instituts. Auch Lehmann, der seit 2008 die Präsidentschaft des Goethe-Instituts innehat, zeigte sich sehr zufrieden mit der Wahl seiner Nachfolgerin: "Dass eine renommierte Wissenschaftlerin mit einem internationalen Netzwerk künftig die Geschicke des Goethe-Instituts lenken wird, begrüße ich sehr. Bildung und Kultur sind für mich ein Begriffspaar." Lentz studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Pädagogik an der Universität Göttingen und der Freien Universität Berlin. Seit 2002 ist sie Professorin für Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

"Bully" Herbig verfilmt "Spiegel"-Skandal

Der Schauspieler und Regisseur Michael "Bully" Herbig soll den Fälscherskandal beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ins Kino bringen. In dem Film "Der Fall Claas Relotius" übernimmt Herbig ("Der Schuh des Manitu", "Ballon") die Regie, wie die Produktionsfirma Ufa Fiction in Potsdam mitteilte. Der Kinofilm basiert auf dem Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus" des "Spiegel"-Reporters Juan Moreno, der seinen Kollegen Relotius überführte. Das Magazin hatte den Skandal Ende 2018 selbst öffentlich gemacht. Dem "Spiegel" zufolge waren seit 2011 rund 60 Texte erschienen, die Relotius geschrieben hatte oder an denen er beteiligt war. Darin hatte er Protagonisten und Szenen frei erfunden. Moreno war ihm bei der Recherche zu einer gemeinsamen Geschichte auf die Schliche gekommen.

Nina Hoss mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet

Die Schauspielerin Nina Hoss ist beim Hamburger Filmfest mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet worden. Der Theaterregisseur Michael Thalheimer sagte in seiner Laudatio: "Ich kenne keine Schauspielerin, die sich so intensiv auf Ihre Rollen vorbereitet wie Nina Hoss. Alles möchte sie wissen, alles möchte sie tief ergründen. Sie sucht die Diskussion und den Diskurs." Nach der Preisverleihung feierte der Film "Pelikanblut", in dem Hoss die Hauptrolle spielt, seine Deutschland-Premiere. Die 44-Jährige ist nach Jodie Foster, Isabelle Huppert, Tilda Swinton und Catherine Deneuve die fünfte Schauspielerin, die mit dem undotierten Preis geehrt wird. Bereits gestern wurde Hoss zum Abschluss des Filmfestivals im nordspanischen San Sebastián mit der Silbernen Muschel als beste Schauspielerin geehrt.

Ersatz für "Nazi-Glocke" im niedersächsischen Faßberg

Die Michaeliskirche im niedersächsischen Faßberg bei Celle hat für die bisherige "Nazi-Glocke" einen Ersatz bekommen. Landessuperintendent Dieter Rathing weihte am Sonntag die Nachfolger-Glocke ein. Er begrüßte die "klare und mutige Entscheidung" des Kirchenvorstands für den Austausch. "Damit ist der Ton gesetzt, unter dem alle weitere Aufarbeitung der belasteten Vergangenheit in der Kirchengemeinde fortgesetzt werden möge", so Rathing. Auf dem Vorgänger-Exemplar aus der NS-Zeit befindet sich ein einige Zentimeter großes Hakenkreuz sowie ein Luftwaffenadler. Die neue Glocke trägt ein schlichtes christliches Kreuz. Der Fall war 2017 öffentlich geworden und hatte bundesweite Aufmerksamkeit erfahren, da zur selben Zeit auch weitere Hakenkreuz-Glocken für Schlagzeilen sorgten. Die alte Glocke wird in Zukunft als Mahnmal ausgestellt.

Papst enthüllt Plastik auf Petersplatz

Papst Franziskus hat am Ende eines Gottesdienstes zum Welttag der Migranten auf dem Petersplatz die Plastik eines Flüchtlingsschiffes enthüllt. Das aus Bronze und Ton gestaltete Werk des kanadischen Künstlers Timothy Schmalz zeigt ein Schiff, an dessen Bord 140 Migranten verschiedener Herkunftsländer und Zeiten zu sehen sind. Die Plastik trägt den Titel "Angels unaware" ("Unwissende Engel"). Der Titel des Kunstwerks bezieht sich auf einen Satz im Brief an die Hebräer aus dem Neuen Testament. Darin heißt es: "Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!". Er habe diese Plastik für den Petersplatz ausgesucht, damit sie "stets an die Herausforderungen der Gastfreundschaft aus dem Evangelium erinnert", so Franziskus am Ende des Gottesdienstes.

London erinnert mit Viehtrieb an alten Brauch

In London ist - einer uralten Tradition folgend - eine Herde von etwa 30 Schafen über die London Bridge getrieben worden. Die Aktion findet einmal jährlich in der britischen Hauptstadt statt. Sie erinnert an einen jahrhundertealten Brauch: Ehrenbürger haben in London das Recht, ihre Tiere und Werkzeuge in die Stadt zu bringen, ohne Steuern dafür zahlen zu müssen. Trotz Regens haben in diesem Jahr mehr als 600 Ehrenbürger an der Veranstaltung teilgenommen. Die Einnahmen aus der Veranstaltung werden für wohltätige Zwecke gespendet.

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