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Donnerstag, 14.11.2019
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 15. September 2019

Nazi-Satire "Jojo Rabbit" gewinnt beim Filmfest in Toronto

Die Satire "Jojo Rabbit" von Regisseur Taika Waititi ist der Siegerfilm beim 44. Toronto International Film Festival (TIFF). Die Komödie mit Scarlett Johansson und Waititi in den Hauptrollen begeisterte das Publikum, das traditionell an Stelle einer Jury den Gewinner wählt. "Jojo Rabbit" erzählt die Geschichte des deutschen Jungen Jojo, der sich mit seinem imaginären besten Freund Adolf Hitler berät. Ein jüdisches Mädchen, das sich in seinem Haus versteckt, schafft es aber, seine Sichtweise auf die Welt zu ändern. Regisseur Waititi sagte in einer Video-Botschaft auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, der Preis bedeute ihm unendlich viel. "Wir müssen uns immer daran erinnern, dass es auf dieser Welt keinen Platz für Hass und Intoleranz gibt. Lasst uns dem ein Ende setzen und es durch Liebe ersetzen", so Waititi weiter. "Jojo Rabbit" soll am 23. Januar 2020 in den deutschen Kinos anlaufen. Beim zehntägigen Festival in Toronto wurden dieses Jahr 333 Filme aus 84 Ländern gezeigt, darunter 30 deutsche Beiträge und Koproduktionen. Unter anderem hatte Ina Weisses "The Audition/Das Vorspiel" mit Nina Hoss in der Hauptrolle in Toronto Weltpremiere gefeiert.

Hunderte Models setzen Zeichen gegen Schlankheitskult

Hunderte Models haben bei einer Modenschau in Paris ein Zeichen gegen die Fixierung auf angebliche Idealmaße in der Mode und der Werbung gesetzt. Bei der Schau mit dem Titel "Body Positive" defilierten Frauen und Männer mit unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Größe und einem unterschiedlichen Körperbau. Die Models waren im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Hunderte Zuschauer, darunter viele Touristen, applaudierten und jubelten ihnen zu. "Die ganze Welt braucht diese Bewegung", sagte die Initiatorin der Aktion, Georgia Stein. Mit der "Body Positive"-Modenschau, die bereits zum dritten Mal stattfand, soll der Schlankheitskult angeprangert werden, der viele Frauen leiden lasse. Das Defilee fand in der Nähe des Centre Pompidou im Zentrum von Paris statt.

ZDF-"Fernsehgarten" lädt Comedian Kawusi aus

Rund vier Wochen nach dem umstrittenen Auftritt des Comedian Luke Mockridge im ZDF-"Fernsehgarten" hat die Traditionssendung seinen Kollegen Faisal Kawusi ausgeladen. Dieser kritisierte auf Instagram, seine seit langem geplante Darbietung beim "humorvollsten Laden Deutschlands" auf dem Mainzer Lerchenberg sei nur zwei Tage zuvor von dem Sender "knallhart abgesagt" worden. Scherzhaft fügte Kawusi hinzu, der Auftritt seines Kollegen Mockridge habe wohl zu der Absage geführt. Das ZDF teilte mit, dass der Inhalt für ein Familienprogramm am Sonntagvormittag nicht geeignet gewesen sei. Sein Kollege Mockridge hatte Mitte August zum Entsetzen von "Fernsehgarten"-Moderatorin Andrea Kiewel in ihrer Live-Sendung Senioren beleidigt, mit einer Banane telefoniert, Furzgeräusche gemacht und einen Affen imitiert.

Kulturstaatssekretär: Schlösserstiftung muss gelingen

Sachsen-Anhalt hofft auf eine rasche Einigung mit Thüringen über die gemeinsamen Schlösserstiftung, die vom Bund gefördert werden soll. "Wir haben einen Staatsvertrag schon seit Monaten liegen. Aber es gibt immer noch Abstimmungsschwierigkeiten", sagte Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger der Deutschen Presse-Agentur. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Haushaltspolitiker im Bundestag seien beteiligt. Der Bund stellt für die kommenden acht Jahre Thüringen und Sachsen-Anhalt mit einem Sonderinvestitionsprogramm jeweils 100 Millionen Euro für die Sanierung ihrer bedeutsamen Bauten in Aussicht. Voraussetzung ist, dass die beiden Länder jeweils 100 Millionen Euro eigenes Geld beisteuern und die gemeinsame Stiftung gründen. Der Bund würde zudem jährlich Betriebskosten hinzugeben. Im kommenden Jahr wären das 7,5 Millionen Euro je Land und ab 2021 jeweils 15 Millionen Euro.

Maas stellt sich hinter Grönemeyers Engagement

Deutschpop-Star Herbert Grönemeyer (63) hat für sein politisches Engagement Unterstützung von Außenminister Heiko Maas bekommen. "Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Danke an Herbert #Groenemeyer und allen anderen, die das jeden Tag tun." Dazu stellte Maas das Video eines Konzerts, das bei einem Auftritt in Wien entstanden sein soll. Darin ruft Grönemeyer dazu auf, "keinen Millimeter nach rechts" zu rücken. Der Musiker hat sich bereits oft so geäußert. Bei Twitter gab es am Wochenende Stimmen unter anderem von AfD-Politikern, die Grönemeyers teilweise herausgebrüllten Aufruf mit Nazi-Propaganda verglichen.

Grütters gegen Vertreter Israels im Jüdischen Museum

Kulturstaatsministerin Grütters hat sich gegen die Entsendung israelischer Vertreter in den Beirat des Jüdischen Museums in Berlin ausgesprochen. Es gehe dort um die Geschichte des Judentums in Deutschland, nicht um die des Staates Israel, sagte die CDU-Politikerin der "Welt am Sonntag". In allen Beraterkreisen und auch im Stiftungsrat gebe es jüdische Experten, betonte Grütters, die auch Vorsitzende des Stiftungsrats ist. Man könne es aber nicht jedem recht machen, und diesen Ehrgeiz sollte ein Museum auch nicht haben. Mitte Juni war der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Schäfer, nach harscher Kritik des Zentralrates der Juden zurückgetreten. Die Pressestelle des Museums hatte zuvor eine Leseempfehlung zur umstrittenen Boykottbewegung BDS gegeben.

Adichie mit Kasseler Bürgerpreis geehrt

Die nigerianische Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie (42) ist mit dem Kasseler Bürgerpreis "Glas der Vernunft" ausgezeichnet worden. Adichie sei eine kämpferische, aber nicht fanatische Persönlichkeit, die anprangere, aber auch Wege zur Veränderung aufzeige, hieß es zur Begründung. Adichie sei eine der großen jungen Stimmen der Weltliteratur und nutze diese auch als ein politisches Medium. Sie ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden und war im vergangenen Jahr auch auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast, wo sie zur Eröffnung sprach. Einen Textabschnitt aus ihrem Manifest "Mehr Feminismus" hat die Sängerin Beyoncé für ihr Lied "Flawless" übernommen. Der Preis "Glas der Vernunft" ist mit 10.000 Euro dotiert. Mit ihm werden Personen und Institutionen geehrt, die sich in besonderer Weise um die Maximen der Aufklärung wie Vernunft und Toleranz sowie um die Überwindung ideologischer Schranken verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger waren unter anderen Hans-Dietrich Genscher, Joachim Gauck, Ai Weiwei und Edward Snowden.

Parzinger vermisst Kultur-Begriff in der EU-Kommission

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Parzinger, hat der künftigen Chefin der EU-Kommission, von der Leyen, vorgeworfen, die Kulturpolitik zu vernachlässigen. Es sei sehr bedauerlich, dass es keinen Kommissionsposten mehr gebe, der den Begriff "Kultur" auch im Titel führe, sagte Parzinger der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei in der Aufgabenbeschreibung der neuen bulgarischen EU-Kommissarin Gabriel auch von Kultur die Rede - doch ihr Ressort heiße nur noch "Innovation und Jugend". Das Fehlen eines Kultur-Titels war auch in Brüssel kritisiert worden. Dort hatte die CDU-Politikerin von der Leyen am vergangenen Dienstag die von ihr nominierten EU-Kommissare vorgestellt.

Kurt-Tucholsky-Preis für Margarete Stokowski

Die Autorin und "Spiegel Online"-Kolumnistin Margarete Stokowski wird mit dem Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik geehrt. Die Kolumnen Stokowskis zeichneten sich durch eine kompromisslose Entlarvung gesellschaftlicher Missstände, präzise Sprache und gekonnte Ironie aus, begründete die Jury ihre Entscheidung. Damit stehe sie unzweifelhaft in der Tradition Kurt Tucholskys. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 1995 alle zwei Jahre vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen der Journalist Deniz Yücel und der Liedermacher Konstantin Wecker.

Ai Weiwei verteidigt umstrittene Aktion in München

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat seine umstrittene Aktion im Münchner Haus der Kunst verteidigt. Der 62-Jährige hatte das Museum gestern besucht und sich mit Mitarbeitern solidarisiert, die wegen einer Umstrukturierung um ihre Arbeitsplätze fürchten. Anschließend hatte er in den sozialen Netzwerken Fotos veröffentlicht, die ihn im Gespräch mit Geschäftsführer Bernhard Spies zeigen. Dass das Museum teure Kunstwerke für Ausstellungen einkaufe, "während Leute mit geringer Bezahlung entlassen werden sollen", sei nicht in Ordnung, sagte Ai Weiwei der Nachrichtenagentur dpa. Dagegen betonte die Geschäftsführung, dass die Umstrukturierung möglichst sozialverträglich ablaufen solle.

Goldene Toilette aus Kunstausstellung gestohlen

Diebe haben eine goldene Toilette aus einer Kunstausstellung in Großbritannien gestohlen. Das Werk "America" des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan, eine voll funktionsfähige 18-Karat-Goldtoilette, wurde nach Polizeiangaben in der Nacht aus dem Schloss Blenheim Palace in der englischen Grafschaft Oxfordshire gestohlen. In dem Schloss, das zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, gab es eine Überschwemmung. Das Klo war zuvor im New Yorker Guggenheim Museum ausgestellt gewesen und hatte im vergangenen Jahr eine gewisse Berühmtheit erlangt, weil das Museum es US-Präsident Donald Trump als Leihgabe angeboten hatte. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben einen 66-jährigen Verdächtigen fest. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass mehrere Täter an dem Diebstahl beteiligt waren und mindestens zwei Fahrzeuge nutzten. Das Kunstwerk wurde zunächst nicht wiedergefunden. Die Polizei arbeitete nach eigenen Angaben aber mit Hochdruck daran, es zu finden.

Grütters würdigt Alexander von Humboldt

Bei einem Festakt im noch unfertigen Humboldt-Forum in Berlin ist sein Namensgeber, Alexander von Humboldt, heute mit einem Festakt geehrt worden. Von Humboldts Vermächtnis sei "so aktuell wie eh und je", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum 250. Geburtstag des Universalgelehrten - vor allem "in einer Zeit, in der vielerorts Welten aufeinanderprallen", fügte die CDU-Politikerin hinzu. Das Humboldt-Forum soll als neues Kulturforum im September 2020 eröffnet werden. Untergebracht ist es in einer gut 600 Millionen Euro teuren Rekonstruktion des Hohenzollern-Schlosses in der Mitte Berlins.

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