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Kulturnachrichten

Mittwoch, 27. September 2017

Cembalistin und Bach-Expertin Ruzickova tot

Musik half der Holocaust-Überlebenden bei Verarbeitung des Traumas

Die tschechische Cembalistin Zuzana Ruzickova ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Als Erste spielte Ruzickova zwischen 1965 und 1974 die kompletten Bach-Werke für Tasteninstrumente auf dem Cembalo ein. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde Ruzickova als Kind in mehrere nationalsozialistische Konzentrationslager verschleppt. Aus ihrer Familie überlebte sonst nur die Mutter. Nach dem Krieg half ihr Bach, das Trauma zu verarbeiten. "Seine Musik ist etwas, was uns überragt, etwas, was das menschliche Böse und das menschliche Leid überragt - immer ist da etwas Höheres", sagte sie einmal. Von 1979 bis 1990 war Ruzickova Solistin der Tschechischen Philharmonie. Erst ab dann war sie Professorin an der Prager Musikhochschule - die Kommunisten hatten das Cembalo als "feudales und religiöses" Instrument abgelehnt.

Nobelpreisträger bekommen höheres Preisgeld

Finanzielle Lage der Stiftung stabil

Die Gewinner der Nobelpreise bekommen in diesem Jahr ein höheres Preisgeld. Wie die Nobelstiftung auf ihrer Internetseite bekanntgab, werden in diesem Jahr in jeder Kategorie neun Millionen schwedische Kronen (rund 940 000 Euro) vergeben. In den vergangenen Jahren hatte es je acht Millionen Kronen gegeben. "In einer Zeit, in der Wissen und Fakten infrage gestellt werden, sind diese Werte wichtiger denn je", begründete Stiftungsleiter Carl-Henrik Heldin die Änderung. Im Jahr 2011 war das Preisgeld von damals zehn Millionen auf acht Millionen Kronen reduziert worden - unter anderem wegen der schlechten Zinssituation. Inzwischen habe sich die finanzielle Lage stabilisiert, erklärte die Stiftung. Die Träger der diesjährigen Nobelpreise werden in der kommenden Woche verkündet.

Gasag Kunstpreis an Julian Charrière

Sein Werk denkt Veränderungen der Lebensräume mit

Der in Berlin lebende Schweizer Künstler Julian Charrière erhält den Gasag Kunstpreis 2018. Der noch junge Künstler, Jahrgang 1987, habe die Jury mit der Ernsthaftigkeit und Stringenz überzeugt, mit der er seinen Weg gehe, teilte die Gasag mit. Der Energieversorger vergibt die Auszeichnung in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Berlinische Galerie. Sie ist mit rund 10 000 Euro dotiert und schließt den Ankauf eines Werkes über 5000 Euro ein. Charrière setzt sich mit der Frage auseinander, was das Eingreifen des Menschen in natürliche Lebensräume bedeutet.

Barenboim über Staatsoper: Neuer Klang hervorragend

"Präludium" zur Wiedereröffnung des Berliner Hauses

Nach sieben Jahren Umbauzeit steht die Berliner Staatsoper Unter den Linden vor ihrer Wiedereröffnung am 3. Oktober. Im Zuge der Sanierung wurde für eine bessere Akustik die Decke um mehrere Meter gehoben. "Ich bin erstaunt, wie hervorragend der Klang geworden ist", sagte Generalmusikdirektor Daniel Barenboim heute nach mehreren Orchesterproben. Die Staatsoper startet mit einem mehrtägigen "Präludium", darunter ein Open-Air-Konzert auf dem Bebelplatz, Auftritte der Staatskapelle Berlin mit Barenboim und den Wiener Philharmonikern und der Inszenierung von Intendant Jürgen Flimm "Szenen aus Goethes Faust" von Robert Schumann. Nach dem Eröffnungsreigen wird das Opernhaus noch einmal schließen, um die neue Technik den Erfordernissen des Opernbetriebs anzupassen.

Initiative: Kulturausschuss darf nicht an AfD gehen

Injektion von "nationalistischem Gift" verhindern

Kulturschaffende und Politiker warnen davor, der AfD den Vorsitz im Kulturausschuss des Bundestags zu übertragen. Es dürfe nicht passieren, dass eine "rechtsradikale Partei" an einer der sensibelsten Stellen des parlamentarischen Systems ihr "nationalistisches Gift" injiziere, heißt es in einem Offenen Brief an den Ältestenrat des Bundestags. Zu den Unterzeichnern gehören die Schauspielerin Iris Berben und die Präsidenten von Bühnenverein, Goethe-Institut und Preußenstiftung, Ulrich Khuon, Klaus-Dieter Lehmann und Hermann Parzinger. Von den Parteien sind Diether Dehm (Linke), Bernd Fabritius (CSU), Elisabeth Motschmann (CDU), Michelle Müntefering (SPD) und Claudia Roth (Grüne) vertreten. Die AfD war bei der Bundestagswahl drittstärkste Fraktion geworden. Die Ausschüsse werden entsprechend den Kräfteverhältnissen im Parlament mit Abgeordneten der verschiedenen Parteien besetzt.

Davies wird neuer Chefdirigent der Philharmonie Brünn

Förderer moderner Musik

Der US-Amerikaner Dennis Russell Davies wird neuer Chefdirigent der Philharmonie Brünn (Brno) in Tschechien. Der 73-Jährige habe einem Engagement ab der Saison 2018/2019 für vier Jahre zugestimmt, kündigte das Orchester der mährischen Stadt an. Es geht auf eine Gründung des Komponisten Leos Janacek (1854-1928) zurück und pflegt besonders dessen Erbe. Es werde aufregend sein, mit hervorragenden Musikern die tschechische Musik der Gegenwart und Vergangenheit zu entdecken sowie den Kontakt zwischen Brünn und internationalen Komponisten und Künstlern zu vermitteln, teilte Davies mit. Sein Vertrag beim Bruckner Orchester Linz war vor kurzem nach 15 Jahren ausgelaufen. Davies gilt als Förderer moderner Musik und arbeitet oft mit dem US-amerikanischen Komponisten Philip Glass zusammen.

Bühnenverein findet Situation an Volksbühne verfahren

Präsident Khuon: Besetzer müssen von "Position der Arroganz" runterkommen

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters Berlin, hat die Situation an der besetzten Berliner Volksbühne als "extrem verfahren" bezeichnet. "Man muss eines sehen: Alle Theater sind ja nicht nur Hüllenhäuser, sondern extrem zerbrechliche, sehr komplex arbeitende Mechanismen und Konstruktionen", so Khuon im RBB-Kulturradio. "Diese Arbeit ist extrem störanfällig." Das unterbreitete Angebot, zwei Räume des Theaters zu nutzen, finde er richtig. Die Besetzer müssten jedoch dringend von ihrer "Position der Arroganz, der Überheblichkeit, der Selbstgewissheit" runterkommen und das Angebot annehmen. Seit sechs Tagen halten Polit- und Kunstaktivisten das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz besetzt.

Regisseur Michael Haneke übt Kritik an Medien

"Wir beschäftigen uns nur mit uns selbst"

Der Regisseur Michael Haneke hat die politische Berichterstattung in den Medien pauschal kritisiert. "Was die Medien anrichten, gerade auf politischem Gebiet, da kann einem schlecht werden", sagte der 75-Jährige der Wochenzeitung "Die Zeit". Sie vermittelten die Realität einseitig und blieben dadurch außen vor - "durch ihren Hang zum Spektakel, zur Zuspitzung, zum Nichtkomplexen". "Es mag sein, dass sie etwas zeigen, aber nichts, was mich angeht, im wahrsten Sinne des Wortes", sagte Haneke weiter. Über Syrien etwa wisse er nichts, obwohl er "hunderttausend Berichte" darüber gesehen habe. "Wir in unseren wirklich reichen Ländern beschäftigen uns nur mit uns selbst", kritisierte Haneke. "Wir sind emotional blind." Auch er selbst habe ein schlechtes Gewissen.

Twitter testet Tweets mit 280 Zeichen

Der Kurznachrichtendienst erwägt, die Länge von Tweets zu verdoppeln

Twitter testet aktuell mit einer kleinen Gruppe doppelt so lange Tweets und stellt damit sein bekanntestes Markenzeichen in Frage. Viele Nutzer reagierten skeptisch. Der Test solle in allen Sprachen außer Japanisch, Chinesisch und Koreanisch laufen - weil in diesen Sprachen ohnehin mehr Inhalt mit weniger Schriftzeichen vermittelt werden könne, erklärte Twitter. Die Beschränkung auf 140 Text-Zeichen ging ursprünglich darauf zurück, dass Twitter beim Start vor mehr als zehn Jahren zunächst noch auf Basis von SMS-Nachrichten aufgebaut war. Nach kurzer Zeit war sie dann technisch nicht mehr erforderlich - blieb aber als Markenzeichen erhalten.

Bekannter "Fake News"-Autor aus den USA ist tot

Satiriker Paul Horner starb mit 38 Jahren

Der durch seinen Einfluss auf die US-Wahl 2016 bekannt gewordener Autor Paul Horner ist tot aufgefunden worden. Der 38-Jährige sei in seinem Bett entdeckt worden und vor neun Tagen gestorben, teilten die Behörden in Phoenix mit. Eine nicht beabsichtigte Überdosis sei womöglich die Todesursache. Eine "Fake Story" von Horner behauptete, Ex-Präsident Obama sei homosexuell und ein radikaler Muslim. In einer anderen hieß es, Demonstranten bei Trumps Wahlkampfveranstaltung bekämen Tausende Dollar für ihren Einsatz. Horners Geschichten wurden häufig in den sozialen Netzwerken geteilt, ohne dass sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft wurden. In einem Interview mit der "Washington Post" sagte er im vergangenen Jahr, er glaube, Trump habe das Rennen ums Weiße Haus wegen ihm gewonnen.

Volksbühnenbesetzer wollen Interimsintendanz

Opposition fordert von Kultursenator Lederer ein Ende der Theater-Besetzung

Im Konflikt um die Berliner Volksbühne fordern die Theater-Besetzer eine Übergangsintendanz. "Wir schlagen eine Interimsintendanz von zwei Jahren vor, um mit Stadt, Senat, Mitarbeitern und Künstlern ein Konzept für die Volksbühne zu entwickeln", sagte die Sprecherin der Volksbühnen-Besetzer, Sarah Waterfeld. Zu der umstrittenen Besetzung sagte die Politik- und Literaturwissenschaftlerin: "Wir finden, es ist nicht hinnehmbar, wie in dieser Stadt die Freiräume verschwinden." Die Berliner Volksbühne hatte den Besetzern angeboten, ihre Aktionen in zwei Räumlichkeiten des Theaters fortzusetzen. Dieses Angebot hatten sie nicht angenommen. Seit fünf Tagen halten Politaktivisten das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz besetzt.

Deutsches Literaturarchiv kauft Handke-Tagebücher

Mehr als 23 000 Seiten aus den Jahren 1990 bis 2015

Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach hat weitere Tagebücher des österreichischen Schriftstellers Peter Handke erworben. Seit knapp zehn Jahren sind bereits 66 Tagebücher aus den Jahren bis 1990 in Marbach, nun kommen mehr als 151 Tagebücher aus der Zeit danach hinzu. Nach Angaben des Archivs umfassen sie 23 500 mit der Hand geschriebene Seiten. Die Tagebücher seien für das Verständnis seines Werks von überragender Bedeutung, so ein Sprecher des Archivs. Sie enthalten Tagesnotizen, Werkentwürfe und Aphorismen, Notizen zu Reisen, Vokabellisten, Bildbeschreibungen, Naturbeobachtungen, Zeichnungen sowie Überlegungen zu seinen Werken. Die bereits in Marbach vorhandenen Tagebücher gehörten zu den meistgenutzten Beständen.

"Pretty Woman" kommt als Musical an den Broadway

Mit Musik von Bryan Adams

Die Liebeskomödie "Pretty Woman" wird im kommenden Jahr als Musical an den weltberühmten Broadway kommen. Für die Musik ist der kanadische Rockmusiker Bryan Adams ("Summer of '69") zuständig. Der Film von 1990 mit Julia Roberts und Richard Gere in den Hauptrollen handelt von der Prostituierten Vivian und Geschäftsmann Edward, der sich in Vivian verliebt. Regisseur und Choreograph Jerry Mitchell wird das Musical inszenieren. Die Hauptrollen übernehmen Samantha Barks ("Les Misérables") und Tony-Award-Gewinner Steve Kazee. Das Musical soll nach einem Gastspiel in Chicago im Herbst 2018 in New York starten.

Guggenheim zieht Videos nach Protesten zurück

Tierschützer protestierten u.a gegen "Dogs That Cannot Touch Each Other"

Das Museum Guggenheim in New York hat nach Protesten von Tierschützern mehrere Ausstellungsstücke zurückgezogen. Das berichtet die "New York Times". Vor dem Museum hatte es Demonstrationen gegeben, eine Onlinepetition gegen die Ausstellung wurde von 500 000 Leuten unterschrieben. Drei Kunstwerke hatten die Proteste ausgelöst: Das Video "Dogs That Cannot Touch Each Other" zeigt vier Paar Hunde, die aufeinander zulaufen, sich aber nie erreichen können, weil sie auf Laufbändern angekettet sind, in "A Case Study of Transference" sind zwei Schweine zu sehen, die vor Publikum miteinander Sex haben und "Theater of the World" involviert hunderte Insekten und Reptilien unter einer Lampe. Das Museum teilte mit, die Werke seien "aus Sorge um die Sicherheit der Mitarbeiter, Besucher und Teilnehmer" entfernt worden.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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