Montag, 19.08.2019
 

Kulturnachrichten

Sonntag, 24. September 2017

Menschenrechtspreis für "Gruppe Caesar"

Gräueltaten des syrischen Bürgerkriegs dokumentiert

Ein anonymer ehemaliger syrischer Militärfotograf und seine Helfer haben den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis erhalten. Unter dem Codenamen "Gruppe Caesar" veröffentlichten sie zahlreiche Fotos von Folteropfern aus syrischen Gefängnissen im Internet. "Caesar" lebt heute versteckt in Nordeuropa. Stellvertretend für ihn nahm die französische Journalistin Garance Le Caisne den mit 15.000 Euro dotierten Preis entgegen. Zu der Auszeichnung gratulierte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Stephen J. Rapp, ehemaliger Chefankläger beim Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und beim Sondergerichtshof für Sierra Leone, äußerte die Hoffnung, dass es mit "Caesars" Dokumenten möglich werde, die für die Gräueltaten Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Internationale Menschenrechtspreis knüpft an die Geschichte Nürnbergs an. Die dort nach dem Zweiten Weltkrieg geführten Kriegsverbrecherprozesse gegen führende Mitglieder des NS-Staates gelten als Wiege des modernen Völkerstrafrechts. Die Auszeichnung wird seit 1995 alle zwei Jahre an Menschen vergeben, die sich zum Teil unter großen Risiken für Menschenrechte einsetzen.

Ronja von Rönne wechselt zur "Zeit"

Ab Oktober erscheinen ihre Texte beim neuen Arbeitgeber

Die Journalistin und Schriftstellerin Ronja von Rönne wechselt von der "Welt" zur "Zeit". "Aus der normalen Welt verschwinde ich übrigens nicht (sorry): Ab Oktober findet ihr meine Texte in der ZEIT und bei Zeit Online. Und darauf freu ich mich", postete von Rönne bei Facebook. In der "Welt am Sonntag" erschien ein Abschiedsbrief von ihr an ihren bald ehemaligen Arbeitgeber. Bekannt wurde von Rönne vor zwei Jahren mit einem provokanten Text zum Feminismus ("Warum mich der Feminismus anekelt"), was ihr über Wochen die Schlagzeilen im Feuilleton sicherte. Später distanzierte sie sich von dem Text. Noch im selben Jahr gewann sie beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen inoffiziellen Nebenpreis, 2016 erschien ihr erster Roman "Wir kommen". Dieses Jahr veröffentlichte sie eine Sammlung ihrer Kolumnen in dem Buch "Heute ist leider schlecht: Beschwerden ans Leben".

Russland: Verhaftung wegen "Matilda"-Drohungen

Chef der Gruppe "Christlicher Staat" wird Nötigung vorgeworfen

In der Kontroverse um den russischen Kinofilm "Matilda" ziehen die russischen Behörden die Zügel an. Nach Drohungen gegen Kinobetreiber nahm die Polizei einen ultraorthodoxen Verdächtigen bis 22. November in Untersuchungshaft, wie eine Sprecherin des Innenministeriums am Samstag mitteilte. Alexander Kalinin, Chef der weitgehend unbekannten radikalen Gruppe "Christlicher Staat", wird Nötigung vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis. Kalinin bestreitet die Vorwürfe. Der von Hardlinern angefeindete Film, in dem der deutsche Schauspieler Lars Eidinger die Hauptrolle spielt, erzählt von der Beziehung zwischen dem russischen Thronfolger Nikolaus II. mit der polnischen Tänzerin Matilda Kschessinskaja. Der Film soll am 26. Oktober anlaufen. Kinoketten hatten erklärt, ihn aus Sicherheitsgründen nicht zeigen zu wollen. Mit den Festnahmen und einer überraschend deutlichen Stellungnahme von Kulturminister Wladimir Medinski machen sich die Behörden nun stark für den Film.

Judi Dench ist oft unzufrieden mit sich

Bei Kinofilmen könne man keine Fehler korrigieren

Judi Dench erkennt im Filmgeschäft einen Makel. "Ich bin oft nicht zufrieden mit mir", sagte die britische Schauspielerin der "Bild am Sonntag". "Im Theater kann man es am nächsten Tag besser machen - im Kino nicht." Es sei schmerzhaft, wenn man bei Szenen denke, man hätte sie im Nachhinein anders gespielt.
Dench geht offen mit einer schweren Augenkrankheit um. Seit ein paar Jahren könne sie keine Drehbücher mehr lesen: "Jemand liest sie mir vor. Schon auf dem Filmplakat kann ich kaum was erkennen." An der Rolle der James-Bond-Chefin "M", die sie zwischen 1995 und 2012 siebenmal spielte, gefiel ihr, dass sie damit die Freunde ihres Enkels beeindrucken konnte.

Besetzung der Volksbühne: Leitung appelliert an Politik

Intendant Dercon: "Nicht hinnehmbar"

Der Ton wird konfrontativer: Nach der Besetzung der Berliner Volksbühne durch ein Künstlerkollektiv, hat die Leitung des Hauses die Aktion als "nicht hinnehmbar" bezeichnet. "Wir fordern, dass die Politik jetzt dringend ihrer Verantwortung nachkommt und handelt", erklärten Intendant Chris Dercon und Programmdirektorin Marietta Piekenbrock in einer Mitteilung. Sie verurteilten die Besetzer und deren Anliegen nicht, ihre stadtpolitischen und sozialen Themen seien wichtig für die Hauptstadt. "Aber wir verurteilen die unverantwortliche Art und Weise, wie sie sich am Freitagnachmittag das Haus gegriffen haben." Die Theaterleitung kündigte an, am Montag den Probenbetrieb, der am Freitag unterbrochen werden musste, wieder aufzunehmen. Das sei mit den Veranstaltungen der Aktivisten nicht vereinbar. Das Künstlerkollektiv "Staub zu Glitzer" hält das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz seit Freitagnachmittag besetzt. Um das Theater gibt es schon lange Streit. Auslöser ist die Übernahme des Hauses durch Dercon, der als Nachfolger des langjährigen Chefs Frank Castorf kam.

ARD: Vertrag mit Anne Will verlängert

Vertrag geht bis Ende 2020

Polittalkerin Anne Will bleibt der ARD als prägendes Gesicht des Sonntagabendprogramms erhalten. Der Vertrag mit der Will Media GmbH sei um drei Jahre bis Ende 2020 verlängert worden und umfasse 90 "Anne Will"-Folgen, teilte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mit. "Anne Will ist eine überaus kompetente Gastgeberin der meist gesehenen politischen Gesprächssendung im deutschen Fernsehen", kommentierte NDR-Intendant Lutz Marmor die Vertragsverlängerung. Will hatte Anfang 2016 von Günther Jauch den Polittalk-Sendeplatz im Ersten am Sonntagabend nach dem "Tatort" übernommen. Bereits von 2007 bis 2011 hatte die Journalistin den Sonntagstalk moderiert. Die Live-Sendung wird aus einem Studio in Berlin-Adlershof übertragen.

Benny Andersson: Kein Abba-Comeback

Von dem Musiker erscheint stattdessen ein Soloalbum

Über ein Comeback der legendären schwedischen Band Abba wird immer wieder spekuliert - doch nach Ansicht des einstigen Bandmitglieds Benny Andersson (70) hat das keinen Sinn. "Die Leute haben ein Bild von uns im Kopf", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sie haben die Videos und die Filme gesehen, sie wissen, wie wir aussahen und geklungen haben. Es wäre nichts Neues an einem Comeback - nur vier siebzigjährige Typen auf der Bühne, die etwas abzuliefern versuchen, das sie besser nicht täten." Zu Abba gehörten neben Andersson noch Björn Ulvaeus, Anni-Frid "Frida" Lyngstad und Agnetha Fältskog. Nach riesigen Erfolgen mit Hits wie "Dancing Queen" oder "The Winner Takes It All" hatte die schwedische Popband ihre gemeinsame Karriere Ende 1982 beendet. Von Benny Andersson erscheint am 29. September das Soloalbum "Piano" mit Klavierballaden.

Tausende Katalanen demonstrieren für Referendum

Spanische Regierung will Referendum verhindern

Tausende Spanier haben in Katalonien für das geplante Unabhängigkeitsreferendum demonstriert. Die Menschen versammelten sich auf öffentlichen Plätzen in Barcelona und anderen Städten, schwenkten Fahnen und forderten, das Referendum müsse wie geplant am 1. Oktober stattfinden. Zu den Demonstrationen am Sonntag riefen katalanische Politiker und Organisationen auf. Die Präsidentin des katalanischen Parlaments, Carme Forcadell, forderte eine hohe Beteiligung an dem Referendum. "Ich bitte euch zu wählen", sagte sie vor Unterstützern in Barcelona. "Wählt für die Zukunft Kataloniens." Die Zentralregierung in Madrid bezeichnet die Abstimmung als illegal und will sie verhindern. Die Separatisten halten dennoch an ihrem Vorhaben fest und wollen die Unabhängigkeit ausrufen, sollte das "Ja"-Lager gewinnen.

Besucherrekord bei Reeperbahnfestival

Jade Bird erhält Anchor-Award

Mit einem Besucherrekord ist das Hamburger Reeperbahnfestival in der Nacht zu Sonntag zu Ende gegangen. Mehr als 40 000 Besucher waren seit Mittwoch auf den Kiez geströmt, um den gut 600 Konzerten von rund 420 Bands und Künstlern wie Liam Gallagher oder Beth Ditto zu lauschen. Und so fiel das Fazit von Festivalchef Alex Schulz rundum positiv aus: "Wir haben das qualitativ hochwertigste Reeperbahnfestival erlebt", sagte er. Aus dem Programm stach unter anderen die Britin Jade Bird heraus, die am letzten Festivaltag den Anchor-Award erhielt. "Sie hat eine großartige Zukunft vor sich", lobte der Jury-Vorsitzende Tony Visconti, Produzent zahlreicher David-Bowie-Alben, die junge Singer-Songwriterin aus London. Traditionell geht es beim Reeperbahnfestival darum, eher wenig bekannte Künstler zu entdecken. Das Reeperbahnfestival gilt nach Angaben der Organisatoren als größtes Clubfestival Europas.

Soul-Sänger Charles Bradley gestorben

Der Musiker wurde 69 Jahre alt.

Der Soul-Sänger Charles Bradley ist tot. Wie das Musik-Magazin "Billboard" berichtete, starb er nach einer Krebserkrankung im Kreise seiner Familie, Freunde und ehemaliger Band-Mitglieder in New York. Der Musiker wurde 69 Jahre alt. Bradley war für seine raue, kräftige Stimme bekannt und wurde mit Soul-Größen wie James Brown und Otis Redding verglichen. Bradley wurde von der Musikindustrie erst in seinen letzten Lebensjahren entdeckt. Sein Debütalbum erschien 2011, als er bereits 62 Jahre alt war. Dem Musiker, der sich jahrelang mit Gelegenheitsjobs durchschlug und sogar obdachlos zu werden drohte, war später doch noch ein kommerzieller Erfolg beschieden. Mehrere Musikmagazine listeten sein Album "Changes" von 2016 unter den Spitzenalben des Jahres. Der tiefgläubige Christ forderte seine Zuhörer auf, ein Leben in Liebe und ohne Rassismus zu führen. Während seiner Konzerte verließ er oft die Bühne, um Fans zu umarmen und ihnen Rosen zu überreichen.

Neue Leitung beim Deutschen Symphonie-Orchester

34-jähriger Senkrechtstarter Robin Ticciati

Von diesem Dienstag an wird das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) von dem britischen Dirigenten Robin Ticciati geleitet. Der 34-Jährige ist in London geboren und gilt als einer der Senkrechtstarter der jungen Dirigentengeneration. Vor einer Woche hatte bereits Vladimir Jurowski sein Antrittskonzert beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) gegeben. Ticciati, Nachfahre italienischer Einwanderer, hat bereits eine beträchtliche Karriere hinter sich. 2005 war er der jüngste Dirigent, der je an der Mailänder Scala dirigierte, damals war er erst 22. Neun Jahre später wurde er Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera, ein Posten, den er in Zukunft weiter neben seiner Berliner Position inne hat. Seinen ersten Auftritt als Leiter des DSO wird Robin Ticciati am 26. September in der Berliner Philharmonie haben.

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