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Kulturnachrichten

Dienstag, 5. September 2017

Nekropolis in der Felsenstadt Perperikon freigelegt

Sensationeller Fund in Bulgarien

In der auf Naturfelsen angelegten antiken Stadt Perperikon in Bulgarien ist eine riesige Grabstätte freigelegt worden. Bei der Bischofsbasilika auf dem 470 Meter hohen Felsberg im Südosten des Balkanlandes seien Menschen in mehreren Epochen beigesetzt worden. "Die Nekropolis war derart populär, so dass die Menschen buchstäblich aufeinander bestattet wurden", erläuterte der renommierte bulgarische Archäologe Nikolaj Owtscharow im Fernsehsender bTV. Die Totenstadt auf Perperikon ist der sensationelle Fund der diesjährigen Grabungskampagne Owtscharows. In den Gräbern fand Owtscharows Team persönliche Gegenstände der Toten sowie Schmuck. Ein Ohrring kam sogar vor laufender bTV-Kamera zu Tage. Nach 18-jährigen Ausgrabungen wurde Perperikons Geschichte bis in die Kupferzeit nachvollzogen.

PEN-Zentrum will Gomringer-Gedicht erhalten

Studierende wollen Text an Hochschulfassade wegen Sexismus entfernen lassen

In den Streit um ein Gedicht an der Fassade der Alice-Salomon–Hochschule in Berlin hat sich das PEN-Zentrum Deutschland eingeschaltet. Die Präsidentin, Regula Venske, forderte Hochschulleitung und Studierende auf, den Text nicht zu entfernen. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: "Wir sind zutiefst beunruhigt über eine Entwicklung, die darauf abzielt, der Kunst einen Maulkorb vorzuspannen oder sie gar zu verbieten." Im Juli hatten Studierende gefordert, das Gedicht des schweizerischen Dichters Eugen Gomringer wegen Sexismus zu entfernen. Daraufhin hatte die Hochschule einen Aufruf zur Neugestaltung der Fassade veröffentlicht. Das spanischsprachige Gedicht war 2011 mit dem Poetik-Preis der Hochschule ausgezeichnet worden.

Böhmermann droht Kanzlerin mit Klage

Merkels Kommentar zum Schmähgedicht sei Vorverurteilung gleich gekommen

TV-Moderator Jan Böhmermann droht einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" zufolge Kanzlerin Angela Merkel mit einer Klage. Der Anwalt des Satirikers, Christian Schertz, halte ihre Einschätzung, Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei "bewusst verletzend" gewesen, für rechtswidrig. Die Zeitung berichtet, Böhmermann wolle die Bundeskanzlerin verklagen, falls sie ihre öffentliche Bewertung nicht zurücknehme. Merkel habe mit ihrer Kritik eine "juristische Bewertung des Werkes seines Mandanten vorgenommen, die einer Vorverurteilung gleichkommt", so die Argumetation des Anwalts. Böhmermann hatte das Gedicht, das diplomatische Verwicklungen mit der Türkei zur Folge hatte, Ende März 2016 in seiner Satiresendung "Neo Magazin Royale" vorgetragen.

Chemnitzer Kunstsammlungen verliert Mössinger

Neue Leitung wird international gesucht

Nach mehr als 20 Jahren gibt Ingrid Mössinger die Leitung der Kunstsammlungen Chemnitz ab. Voraussichtlich 2018 endet die Ära der Generaldirektorin, die die sächsische Industriestadt wieder ins Licht der Kunstwelt rückte. Die Stadt hat die Stelle "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" ausgeschrieben. Gesucht wird international, wie ein Sprecher sagte. Zuvor hatte das Rathaus den im nächsten Jahr bevorstehenden Wechsel an der Spitze des Museumsverbundes bekanntgegeben. Eine Findungskommission, der auch die 74jährige Mössinger angehört, soll die Nachfolge bestimmen. Die vielfach ausgezeichnete Museumschefin leitet die Kunstsammlungen seit 1996 als Direktorin.

Warnstreik beim MDR sorgt für Programmausfälle

Verdi fordert eine bessere Bezahlung

Ein Warnstreik beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in Leipzig sorgt für Programmausfälle. Der Sender informierte via Twitter über mögliche Änderungen im TV-Programm. Inzwischen beteiligen sich der Journalistengewerkschaft DJV zufolge rund 400 Mitarbeiter an dem Ausstand. Die Gewerkschaften fordern für die festen und freien Mitarbeiter des MDR eine Gehaltssteigerung von 5,5 Prozent. Außerdem sollen die Sonn- und Feiertagszuschläge der Freien auf das Niveau der Festangestellten angehoben werden, sowie der in der ARD üblichen Familienzuschlag gezahlt werden.

Witherspoon: Romantische Komödie am Ende

Schauspielerin wurde selber mit dem Genre berühmt

Die US-Schauspielerin Reese Witherspoon sieht für das Kino-Genre der romantischen Komödie in unveränderter Form keine Zukunft. Der New York Times sagte sie: "Ich denke, dass die Menschen inzwischen wissen, dass nicht jedes Leben ein Happy End hat, und sie wollen keine vorgefertigte Vorstellung von Romantik aufgezwungen bekommen. Und sie wissen, dass ihre Leben nicht unbedingt von einer romantischen Beziehung geprägt werden, die alle ihre Probleme löst." Moderne Komödien müssten deutlich variabler sein mit mehr Menschen verschiedener Herkunft und mehr Ausdrucksweisen von Liebe und Romantik. Witherspoon war unter anderem mit romantischen Komödien wie "Natürlich blond" oder "Sweet Home Alabama - Liebe auf Umwegen" berühmt geworden.

Monica Bonvicini wird Professorin in Berlin

Ab Oktober lehrt sie Bildhauerei

Monica Bonvicini, eine der gefragtesten Künstlerinnen der Gegenwart, lehrt künftig an der Universität der Künste in Berlin. Ab Oktober wird sie Professorin für Bildhauerei, das teilte die Universität mit. Die gebürtige Italienerin arbeitet medienübergreifend mit Installation, Skulpturen, Video, Fotografie und Zeichnung. Inhaltlich setzt sie sich mit Machtstrukturen und dem Geschlechterverhältnis auseinander. Seit 2003 lehrt sie Performative Kunst und Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Monica Bonvicini studierte an der Hochschule der Künste Berlin und am California Institute of the Arts in Valencia. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.

Gehry entwirft Museum für Modellzüge und Architektur

Bau soll 65 Millionen Dollar kosten und 2020 abgeschlossen sein

Star-Architekt Frank Gehry entwirft ein neues Museum im US-Bundesstaat Massachusetts. Der Bau des "Extreme Model Railroad and Contemporary Architecture Museum" in North Adams soll nach Schätzungen der Auftraggeber rund 65 Millionen Dollar (etwa 55 Millionen Euro) kosten und könne bis 2020 abgeschlossen sein, berichtete die "New York Times". Hinter der Idee stecken die Betreiber des Massachusetts Museum of Contemporary Art (Mass MoCA) in North Adams, das gerade deutlich vergrößert wurde und von Experten gefeiert wird. Mit dem Gehry-Museum wollen die Betreiber noch mehr Besucher ins nordwestliche Massachusetts ziehen. In dem Museum sollen Modelle berühmter Bauten aus der ganzen Welt, wie etwa des Empire State Building, zu sehen sein, um die herum Modelleisenbahnen fahren.

Bürger wollen Columbus- durch Prince-Statue ersetzen

3700 Unterschriften in zwei Tagen

Eine Petition im US-Staat Minnesota fordert, die Statue von Christoph Columbus vor dem Parlament des Bundesstaates in der Hauptstadt St. Paul abzubauen - und stattdessen eine Statue des verstorbenen Pop-Stars Prince aufzustellen. "Statt einen Mann zu glorifizieren, der Schwarze und Ureinwohner auslöschen wollte, sollten wir Mitglieder unserer Gesellschaft ehren, deren Führung wir inspirierend finden", heißt es im Petitionstext. Prince, der in Minnesota zur Welt kam und starb, verkörpere die Werte des US-Staates besser als Columbus. Die Initiatoren schließen sich mit der Aktion einer breiten Bürgerbewegung in den USA an, die seit Monaten den Abriss von Denkmälern der sogenannten Weißen Vorherrschaft fordert. In der Stadt Charlottesville war es am 12. August zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern einer solchen Konföderierten-Statue gekommen, bei denen die 32-jährige Heather Heyer getötet wurde.

Gestohlene Baselitz-Werke aufgetaucht

Nach vier weiteren Kunstwerken wird noch gefahndet

Bayerischen Ermittlern ist es gelungen, 15 gestohlene Werke des Malers Georg Baselitz im Wert von rund 2,5 Millionen Euro wiederzubeschaffen. Dies hat die Staatsanwaltschaft München I mitgeteilt. Nach weiteren vier Kunstwerken im Wert von rund 130 000 Euro werde noch gefahndet. Ein 39-Jähriger aus Düsseldorf soll die Werke im Zeitraum von Juni 2015 bis März 2016 bei einer Spedition in München entwendet haben, bei der er beschäftigt war. Unter dem Verdacht der Hehlerei wird zudem gegen einen 51-Jährigen und dessen 26 Jahre alten Sohn aus Leverkusen ermittelt.

Grütters will Kolonialismus-Forschung unterstützen

Aufgabe sei "historische Verpflichtung"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will die Erforschung des kolonialen Erbes in den deutschen Museen bundesweit unterstützen. "Diese Aufgabe ist eine historische Verpflichtung, der wir uns alle stellen müssen", sagte Grütters der Deutschen Presse-Agentur. "Ähnlich wie im Umgang mit Nazi-Raubkunst wollen wir Wege finden, wie wir mit Knowhow und mit personellen und finanziellen Ressourcen Hilfestellung leisten können." Das Thema Kolonialismus war durch das im Berliner Schloss geplante Humboldt Forum auf die Tagesordnung gekommen. Kritiker hatten der mitbeteiligten Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorgeworfen, sich nicht ausreichend um die Provenienzrecherche zu kümmern.

Gerhard Richter schenkt Bundestag Bilder-Zyklus

Bereits zweites Werk des Künstlers im Reichstagsgebäude

Der Künstler Gerhard Richter hat dem Bundestag seinen vierteiligen Bilderzyklus "Birkenau" übergeben. Die Werke aus dem Jahr 2014 sind eine Schenkung des Malers und in der Westeingangshalle des Parlamentsgebäudes zu sehen, wie die Bundestagsverwaltung mitteilte. Richter hatte die Bilder nach Fotografien, die 1944 heimlich in dem NS-Vernichtungslager aufgenommen wurden, angefertigt. Der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages hatte sich im Juni nach einem Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) für den Zyklus entschieden. Richter hat bereits mit einer abstrakten schwarz-rot-goldenen Farbkomposition die nördliche Wand der Eingangshalle zum Parlament gestaltet.

Theologen ernüchtert vom Reformationsgedenken

Bilanz des Gedenkjahres sei "enttäuschend"

Kurz vor dem Ende des Reformations-Gedenkjahres haben der frühere Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff und der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer eine ernüchternde Bilanz gezogen. Unter dem Titel "Reformation in der Krise" legten die Autoren laut "Leipziger Volkszeitung" eine kontroverse Streitschrift vor. Darin werfen sie den führenden Protestanten des Landes vor, das Reformationsjahr nicht genutzt zu haben. "Es ist leider kaum etwas erkennbar, was mir Mut macht, dass Kirche sich wieder hinwendet zum Alltag der Menschen oder die Gemeinden vor Ort stärkt", kritisiert Schorlemmer. Beide Autoren sind "tief beunruhigt, dass sich die Begeisterung für die Themen des Reformationsjubiläums sehr in Grenzen hält".

BBC zieht sich wegen Zensur aus Myanmar zurück

Staatliche Eingriffe in Berichterstattung über Rohingya-Minderheit

Aus Protest gegen staatliche Zensurversuche hat die britische BBC ihre Nachrichten-Zusammenarbeit mit einem TV-Sender in Myanmar aufgekündigt. Die BBC könne "Zensur und Einmischung" nicht tolerieren, teilte die britische Rundfunkanstalt mit. Hintergrund sollen staatliche Eingriffe in die Berichterstattung über die Minderheit der muslimischen Rohingya sein. Von der Kündigung betroffen ist die tägliche birmanischsprachige Nachrichtensendung, die die BBC seit 2014 für den Sender MNTV produziert hatte. Sie hatte täglich 3,7 Millionen Zuschauer.

Bürgermeister von Florenz sorgt sich um Uffizien

Direktor Eike Schmidt will 2019 gehen

Nachdem Eike Schmidt, der deutsche Direktor der Uffizien, seinen Weggang für 2019 angekündigt hat, sorgt sich der Bürgermeister von Florenz um die Gemäldegalerie. Grund sei, dass der Abgang so früh bekannt gemacht wurde, sagte Dario Nardella der italienischer Nachrichtenagentur Ansa. "Es ist, als würde ein Trainer einer großen Fußballmannschaft schon zu Beginn sagen, dass er zu einer anderen Mannschaft geht." Die Uffizien seien ein Aushängeschild Italiens, man könne nicht anderthalb Jahre in Unsicherheit leben. Nardella forderte das weltberühmte Museum auf, sofort mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen. Vergangene Woche hatte Eike Schmidt mitgeteilt, dass er nach Ablauf seines Vierjahresvertrages an das Kunsthistorische Museum in Wien wechselt.

Satire-Partei übernimmt AfD-Fan-Accounts

Shapira: "Ab jetzt werden Sie von echten Menschen verarscht"

Die Satire-Partei "Die Partei" hat die Accounts von 31 AfD-Unterstützergruppen auf Facebook gekapert. Ziel sei es gewesen, dieses Netzwerk "nicht ungestört walten" zu lassen, sagte der Satiriker Shahak Shapira im Deutschlandfunk Kultur. Zum anderen habe man aufzeigen wollen, "was für eine Manipulation da stattfindet und wie Menschen mit Hilfe von Fake-Accounts und gewissen Algorithmen ganz klar manipuliert werden". Die Accounts wurden bislang von Bots gegründet und verwaltet. "Ab jetzt werden Sie von echten Menschen verarscht", erklärt Shapira in einem Video.

Serebrennikow bleibt im Hausarrest

Starregisseur darf jeden Tag zwei Stunden spazieren gehen

Der unter Hausarrest stehende russische Starregisseur Kirill Serebrennikow darf laut Gerichtsbeschluss seine Wohnung täglich zwischen 18 und 20 Uhr für Spaziergänge verlassen. Er dürfe jedoch nicht außerhalb seines Stadtbezirkes unterwegs sein. Anträge auf Beistand durch einen buddhistischen Geistlichen oder Yoga wurden abgelehnt. Die Ausreise nach Deutschland zu den Proben an der Stuttgarter Oper ist auch nicht möglich. Serebrennikow steht seit knapp zwei Wochen unter Hausarrest. Das Staatliche Ermittlungskomitee wirft ihm vor, 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) staatlicher Gelder unterschlagen zu haben. Der Regisseur bestreitet die Vorwürfe.

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