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Kulturnachrichten

Dienstag, 13. September 2016

Müller hält an Sasha Waltz als Staatsballett-Chefin fest

Die Ernennung des Führungsduos sei die richtige Entscheidung

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hält auch nach Protesten der Tänzer an Sasha Waltz als künftige Ko-Intendantin des Staatsballetts Berlin fest. Die Ernennung von Waltz und des Schweden Johannes Öhman als Führungsduo ab Mitte 2018 sei die richtige Entscheidung, sagte Müller, der auch Kultursenator ist. Das Staatsballett bekomme eine zukunftsweisende Leitung für zeitgenössischen Tanz und Ballett. Waltz sagte im Interview mit dem 3Sat-Magazin "Kulturzeit", sie wolle eine Brücke bauen zwischen der Klassik und dem zeitgenössischen Tanz. "Gemeinsam werden wir eine spannende und herausfordernde Programmatik entwickeln, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft abbildet", sagte Waltz. In einer im Internet veröffentlichten Petition hatte das Ensemble Waltz für den Posten abgelehnt. Als Vertreterin des Tanztheaters sei sie für die Leitung einer klassischen Ballettcompagnie ungeeignet.

Weltkriegsmuseum in Danzig vor dem Aus

Regierungspartei PiS will verändertes Konzept

Dem Danziger Museum zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs droht das Aus. Polens rechtskonservative Regierungspartei PiS, allen voran Jaroslaw Kaczynski, wirkt auf einen Abbruch der Planungen hin. Dem international ausgerichteten Konzept würde der Blick des polnischen Volkes fehlen. Der Freiburger Historiker Ulrich Herbert sitzt im Beirat des geplanten Museums. Im Deutschlandradio Kultur sagte er: "Das Ziel ist dieses Museum in dieser Form zu schließen und ein neues aufzubauen. Die Kritik ist so radikal, dass man an eine Fortsetzung dieses Museums nicht denken könnte. Insgesamt sei dieser Ansatz zu neutralistisch und zu kosmopolitisch. Das ist insofern problematisch, als der Begriff kosmopolitisch in Polen und anderswo auch als Tarnbegriff für jüdisch angesehen wird." Das Ursprungskonzept hatte der designierte Direktor unter der Vorgängerregierung entwickelt: es will die deutschen und sowjetischen Kriegsverbrechen beleuchten und auch die dunklen Seiten der polnischen Geschichte aufarbeiten. Laut Plan soll das Museum im Januar 2017 eröffnet werden.

Shortlist Man-Booker-Preis: Briten, Amerikaner und eine Kanadierin

Berühmte Namen wurden nicht berücksichtigt

Drei Briten, zwei Amerikaner und eine Kanadierin stehen auf der Shortlist des Man-Booker-Preises 2016. Als überraschendster Kandidat gilt der Schotte Graeme Macrae Burnet. In "His Bloody Project", erzählt er die Geschichte eines Mordes im Schottland des 19. Jahrhunderts. Auch Andrea Levy aus London ist weiter für den Preis nominiert, der mit 50 000 Pfund dotiert ist. Im Roman "Hot Milk" schreibt sie über eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung. Der dritte Brite ist David Szalay mit "All That Man Is". Ferner haben es die Amerikaner Ottessa Moshfegh mit dem Psychothriller "Eileen" und Paul Beatty mit "The Sellout" auf die Shortlist des wichtigsten britischen Literaturpreises geschafft. Ebenso die Kanadierin Madeleine Thien, die in "Do Not Say We Have Nothing" eine Dissidenten-Geschichte erzählt. Berühmte Namen der Longlist haben es nicht in die Runde der letzten sechs geschafft, darunter J. M. Coetzee und Elizabeth Strout. Der Man-Booker-Preisträger 2016 wird am 25. Oktober bekannt gegeben.

Keine Goldene Rose der EBU für deutsche TV-Produktionen

Die Auszeichnungen wurden bei einer Gala in Berlin verliehen

Beim Medienpreis Goldene Rose sind die beiden nominierten deutschen Fernsehsendungen leer ausgegangen. Im Bereich "Entertainment" hatte der Sat.1-Krimi "Mordkommission Berlin 1" sein Glück versucht. In der Kategorie "Comedy" stand eine Folge aus der NDR-Reihe "Der Tatortreiniger" zur Wahl. Die Europäische Rundfunkunion zeichnete stattdessen die Produktion des Eurovision Song Contest 2016 (Sender SVT, Schweden) und die Game-Show "Pick Me!" von ITV aus Großbritannien. Die "Raised by Wolves"-Sitcom (Produktionsfirma Big Talk, Großbritannien) aus. Insgesamt war die BBC dreifach erfolgreich: mit der Drama-Serie "River", der Promi-Sendung "The Real Marigold Hotel" und der Comedy "Inside No. 9". Auch der Preis für das Lebenswerk ging an einen Briten: Den Schauspieler und Regisseur John Cleese der legendären Monty Python.

Praemium Imperiale für Martin Scorsese und Gidon Kremer

Japanese Art Association gibt Preisträger bekannt

Einen der wichtigsten Kunstpreise der Welt, den Praemium Imperiale, erhalten Hollywoodregisseur Martin Scorcese und der lettisch-deutsche Geiger Gideon Kremer für ihr Lebenswerk. Weitere Preisträger sind die amerikanische Künstlerin Cindy Sherman, die französische Installationskünstlerin Annette Messager und der brasilianische Architekt Paulo Mendes da Rocha. Das gab Goethe-Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann am Dienstag in Berlin im Namen der Japanese Art Association bekannt. Die japanische Kunst-Vereinigung stiftet den Preis. Er ist mit umgerechnet jeweils rund 130 000 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft des japanischen Königshauses.

Amatrice klagt gegen Satiremagazin "Charlie Hebdo"

Anwalt des vom Erdbeben zerstörten Dorfes spricht von "unfassbarer Schmähung"

Die vom Erdbeben in Mittelitalien zerstörte Gemeinde Amatrice hat die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" wegen Diffamierung verklagt. Grund sind Karikaturen, mit denen das Magazin die Erdbeben-Opfer als Nudelgerichte dargestellt hatte. Die Zeichnungen stellten eine "unfassbare, törichte und makabere Schmähung der Opfer einer Naturkatastrophe" dar, zitierten italienische Medien den Anwalt Mario Cicchetti. Nach dem Beben vom 24. August, bei dem 295 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte "Charlie Hebdo" eine Zeichnung des Karikaturisten Felix veröffentlicht. Unter dem Titel "Erdbeben nach italienischer Art" bezeichnete er eines der blutüberströmten Opfer als "Penne mit Tomatensauce". Opfer, die von einstürzenden Häusern begraben wurden, nannte er "Lasagne". Nach wütenden Protesten in den sozialen Netzwerken, den italienischen Medien und von Justizminister Andrea Orlando reagierte die "Charlie Hebdo"-Zeichnerin Coco mit einer weiteren Karikatur, in der eine unter Trümmern begrabene Frau den Italienern zuruft: "Nicht 'Charlie Hebdo' baut Eure Häuser, sondern die Mafia".

Ranking sieht Stuttgart als Kulturstadt Nummer eins

Zwei Metropolen aus dem Süden liegen vorn

Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart ist einem Ranking zufolge bei Kulturangebot und -nachfrage die Nummer eins unter Deutschlands Städten. Dahinter folgen München, Dresden, Berlin und Bonn. Das ergab eine Untersuchung der Berenberg Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Damit gab es bei den Top 5 keine Veränderung zur vorherigen Untersuchung. Stuttgart hatte bereits bei den beiden Vorgänger-Studien in den Jahren 2012 und 2014 den Spitzenplatz eingenommen. HWWI und Berenberg haben die 30 größten Städte in Deutschland auf ihr kulturelles Angebot und die Nachfrage durch die Bewohner und Besucher untersucht. Gemessen wurden zum Beispiel das Angebot an Opernhäusern, Theatern, Museen und Kinositzplätzen und die Zahl der Besucher. Über die Qualität und Bedeutung der Angebote werden keine Aussagen getroffen.

Unbekannte zerstören Skulptur vom Merseburger Raben

Sandsteinvogel in Tausende Teile zerbrochen

Unbekannte haben im Schloss in Merseburg (Saalekreis) die Skulptur des berühmten Raben mit dem goldenen Ring zerstört. Wie ein Polizeisprecher sagte, ist der überdimensionale Vogel aus Sandstein in Tausende Einzelteile zerbrochen. Die Figur befand sich hoch oben auf einem Portal aus Stein. Es gehört zum Ensemble der historischen Rabenanlage. Ob es die Täter auf den Ring abgesehen hatten, sei noch nicht klar, sagte er. Nach ersten Ermittlungen war der Ring aus Stein mit einem goldenen Anstrich. Den in der Voliere lebenden Raben sei nichts passiert, die Höhe des Sachschadens noch nicht bekannt.

Schwulenbewegung bekommt Denkmal in Berlin

Sechs überdimensionierte Blumen in Regenbogenfarben

Der Weg für ein Denkmal in Erinnerung an die weltweit erste homosexuelle Emanzipationsbewegung im Berliner Regierungsviertel ist frei. Das Bezirksamt Berlin-Mitte und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hätten sich auf einen Vertrag zur Überlassung einer Teilfläche des Magnus-Hirschfeld-Ufers in Tiergarten verständigt, teilte der LSVD Berlin-Brandenburg mit. Das Denkmal soll im kommenden Jahr eingeweiht werden. Der Entwurf, sechs überdimensionierte Blumen in den Regenbogenfarben, stammt von einer Gruppe aus Künstlern, Architekten und Designern an der Universität der Künste Berlin. Er symbolisiert die sexuelle Vielfalt anhand der Calla-Lilie, die weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze besitzt. Für die Realisierung ist der Architekt Sascha Ratayski zuständig. Das rund 125.000 Euro teure Denkmal wird aus Spenden finanziert.

Berliner Staatsballett gegen Sasha Waltz als Chefin

Ensemble fürchtet um seinen Weltruhm

Die Nominierung von Sasha Waltz als neue Ko-Intendantin des Berliner Staatsballetts sorgt für Unruhe. Waltz und ihr Ko-Chef Johannes Öhman seien fehlnominiert für die Führung eines klassischen Balletts. Die Compagnie startete auf dem Internetportal "Change.org" einen Aufruf gegen das Engagement der Regisseurin. Darin heißt es: "Die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts Berlin lehnen die Ernennung von Sasha Waltz und Johannes Öhman zu Co-Intendanten des Staatsballetts ab der Spielzeit 2019/20 ab." Die gesamte Compagnie stehe hinter der Petition, heißt es aus Ballett-Kreisen, man lehne Waltz aus künstlerischen Gründen ab. Die Petition richtet sich auch an den Stiftungsrat, der - so heißt es im Text - die Personalie "auf keinen Fall" ratifizieren soll. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Waltz künftig zusammen mit dem Schweden Johannes Öhman das Staatsballett leiten soll. Waltz tritt damit die Nachfolge des Intendanten Nacho Duato an, dessen Vertrag im Juli 2019 ausläuft.

Regisseurin Doris Dörrie hält Leipziger Poetikvorlesung

Künftig sollen verstärkt Künstler zu Wort kommen, die außerhalb der Literatur tätig sind

Die Filmemacherin Doris Dörrie hält in diesem Jahr die Leipziger Poetikvorlesung. Dörrie werde am 31. Oktober im Alten Rathaus Einblicke in ihre Arbeitsweisen geben, teilten die Veranstalter am Montag mit. Zum zehnten Jubiläum der Veranstaltung sei das Konzept überarbeitet worden: Künftig sollen verstärkt auch Künstler zu Wort kommen, die außerhalb der Literatur tätig sind. Frühere Poetikvorlesungen hatten unter anderem Uwe Tellkamp, Herta Müller und Harry Rowohlt gehalten. Die Poetikvorlesung wird vom Deutschen Literaturinstitut und dem Leipziger Kulturamt veranstaltet.

Jutta Limbach gestorben

Bislang einzige Frau an der Spitze des BVG

Die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, ist tot. Die erste Frau an der Spitze des obersten deutschen Gerichts starb am Samstag im Alter von 82 Jahren in Berlin. Limbach war auch Präsidentin des Goethe-Instituts und seit 2003 Vorsitzende der „Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“. Die sogenannte Limbach-Kommission befasste sich als staatliche Institution mit Raubkunst und deren Rückgabe an die Erben.

Charlotte Knobloch mit Eugen-Biser-Preis ausgezeichnet

83-Jährige wird für ihre Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland geehrt

Als erste jüdische Preisträgerin ist Charlotte Knobloch am Montagabend in München mit dem Eugen-Biser-Preis geehrt worden. Die Stiftung zeichnete die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern für ihren Beitrag zur Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland von der Nachkriegszeit bis heute aus. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ist nach dem katholischen Religionsphilosophen Eugen Biser benannt und wird seit 2003 in unregelmäßigen Abständen vergeben. In seiner Laudatio würdigte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) das Engagement Knoblochs gegen Antisemitismus und für Aussöhnung. Noch immer gebe es in Deutschland in offener und unerträglicher Weise Rechtsradikalismus und Antisemitismus. "Ich glaube an die Menschen, trotz der Menschen", erklärte die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. In diesem Vertrauen sei sie nach der Erfahrung des Holocaustes in Deutschland geblieben. "Aber ich lebe in diesem, unserem Land mit der Forderung, unsere Geschichte nicht zu vergessen!", sagte Knobloch.

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Fazit

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