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Kulturnachrichten

Samstag, 16. August 2014

Peter Scholl-Latour ist tot

Journalist Peter Scholl-Latour im Alter von 90 Jahren gestorben

Es gab wohl kaum eine Talkshow-Couch, auf der er nicht saß und in seinem berühmten Nuscheln die Welt erklärte: Peter Scholl-Latour prägte das Bild der Deutschen von der Weltpolitik. Als Fernsehreporter war er eines der populärsten TV-Gesichter, als Sachbuchautor brachte er es mit Büchern wie "Der Tod im Reisfeld" auf Millionenauflagen. Im Alter von 90 Jahren ist Scholl-Latour am Samstag in Rhöndorf am Rhein gestorben.
Unermüdlich bereiste Scholl-Latour bis ins hohe Alter die Welt. Er war überall und kannte sie alle - vom Ajatollah Khomeini bis zum Vietcong-General Vo Ngyuen Giap. Stempel von 200 Staaten, von denen mancher schon lange untergangen ist, hatte er in seinen Pässen. Noch kurz nach seinem 90. Geburtstag am 9. März plante er die nächste Reise in den Tschad. "Ich muss wieder raus", sagte er damals.
Viele seiner mehr als 30 Bücher erzählen von Kriegen. Schon die Titel lassen wenig Gutes ahnen. Ob "Der Wahn vom Himmlischen Frieden" über China, "Allah, Blut und Öl" oder "Afrikanische Totenklage", "Welt aus den Fugen" - Scholl-Latours Welt war geprägt von Mord und Totschlag, Machtkämpfen und Verschwörungen. Damit landete er fast immer Bestseller.

Generationswechsel an der Kammeroper Rheinsberg

Siegfried Matthus übergibt künstlerische Leitung an Sohn Frank

Nach 24 Jahren an der Spitze der Kammeroper Rheinsberg reicht Komponist Siegfried Matthus die künstlerische Leitung an seinen Sohn Frank weiter. Im Anschluss an die letzte Aufführung der Spielzeit 2014, Mozarts «Zauberflöte» übergibt der 80-jährige Matthus am Samstagabend die Schlüssel der Kammeroper an seinen 30 Jahre jüngeren Sohn. Der Regisseur und Schauspieler hat einen Drei-Jahresvertrag und will neue Akzente setzen. Sein Programm will er im Oktober vorstellen.
Der 1934 geborene Siegfried Matthus war Meisterschüler von Hanns Eisler. Er gründete nach der Wende 1990 die Kammeroper und inszenierte 24 Jahre lang in den Sommermonaten Opern-Premieren. Dabei setzte er auf junge Musiker und erfahrene Opernmacher.

Locarno: Goldener Leopard geht an philippinischen Regisseur

Historiendrama gewinnt Hauptpreis des 67. Internationalen Filmfestivals Locarno

Ausgezeichnet wird Regisseur Lav Diaz für sein fünfeinhalb Stunden dauerndes Drama "From what is before" ("Von dem, was war"), wie das Festival am Samstag mitteilte. In dem Film geht es um die gravierenden Auswirkungen der Diktatur von Ferdinand Marcos auf den Philippinen in den 1970er Jahren. Die fünfköpfige Jury, der auch der deutsche Regisseur Thomas Arslan angehört, folgte damit den Erwartungen eines Großteils von Publikum und Kritikern. Im Wettbewerb liefen 17 Spiel- und Dokumentarfilme aus aller Welt.

Schriftsteller-Protest gegen Amazon weitet sich aus

Immer mehr Schriftsteller schließen sich dem Protest gegen die Methoden des Onlinehändlers Amazon an.

Einen offenen Brief unterzeichneten bis Samstagnachmittag rund 1000 Autorinnen und Autoren, wie die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland auf ihrer Webseite mitteilte. Darunter sind weitere prominente Namen wie Amelie Fried, Franziska Sperr, Christoph Hein, Doris Dörrie, Gaby Hauptmann, Jan Brandt und Ilija Trojanow.
In dem Brief werfen die Autoren dem Unternehmen vor, gezielt Empfehlungslisten zu manipulieren und Bücher bestimmter Verlage verlangsamt auszuliefern, um höhere Rabatte durchzusetzen. Die Autoren würden im Konflikt mit Verlagen in «Beugehaft» genommen. Zuvor hatten auch schon in den USA mehr als 900 Autoren, darunter Stephen King und John Grisham, mit einem offenen Brief gegen Amazon protestiert. Dabei ging es um den seit Monaten schwelenden Streit mit dem US-Verlag Hachette.

Knochenmehl statt Tänzer

Ruhrtriennale eröffnet mit Strawinskys "Sacre du Printemps"

Ballett ohne Tanz: Mit Igor Strawinskys berühmtem "Sacre du Printemps" ist am Freitag in Duisburg die Ruhrtriennale eröffnet worden - und Knochenmehl ersetzt dabei die Tänzer. Die radikale Inszenierung von Romeo Castellucci überzeugt, lässt das Publikum jedoch irritiert zurück.
In dem 1913 uraufgeführten Originalstück geht es um die Opferung einer Frau an einen Frühlingsgott. Castellucci, verantwortlich für Regie und Konzept, hängt in den hohen, aber schmalen Bühnenraum Behälter in verschiedenen Formen in den Schnürboden, die mit Tiermehl gefüllt sind. Der Musik folgend, öffnen computergesteuerte Maschinen synchron die Behälter - spielt das Orchester leise, rieselt das Tiermehl nur, beim Crescendo fallen Wellen und beim Fortissimo stürzen ganze Ladungen nieder. Sechs Tonnen Tiermehl würden verwendet, behauptet der italienische Regisseur und Gesellschaftskritiker; die Skelette von 75 Rindern seien hier zermahlen.

Festgottesdienst zur Wiedereröffnung des Hildesheimer Doms

1000 Gäste und mehr als 30 Bischöfe feiern Wiedereröffnung

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist der Hildesheimer Dom Freitagnachmittag nach knapp fünf Jahren Sanierung wiedereröffnet worden. Zum Auftakt schlug Bischof Norbert Trelle am Freitag mit dem Bischofsstab an die berühmte Bernwardtür am Hauptportal, öffnete sie und zog in den Dom ein. Ihm folgten mehr als 30 weitere Bischöfe und andere Geistliche aus Deutschland. Der Dom gehört zum Weltkulturerbe.
Bischof Trelle betonte in seiner Predigt: "Die Kirche muss auf die Zukunft hin leben, so wie sie aus der Vergangenheit heraus lebt." Trelle sprach auch die Grausamkeiten an, denen die Christen und Jesiden im Nordirak ausgesetzt sind. "Während wir hier einen Dom wiedereröffnen, brennen dort die Kirchen", sagte der Bischof. Er erwarte, dass die politisch Verantwortlichen weltweit entschlossen gegen den «furchtbaren Völkermord» einschritten.
Der nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute und 1960 eröffnete Dom wurde in den vergangenen fünf Jahren an die ursprüngliche Architektur aus dem Mittelalter angepasst. Anbauten sowie eine eingezogene Decke aus den Nachkriegsjahren wurden entfernt und der Fußboden auf sein ursprüngliches Niveau abgesenkt. Die bronzene Bernwardtür befindet sich jetzt an ihrem ursprünglichen Platz. Der neue Altar stammt von dem Bildhauer Ulrich Rückriem. In die Umgestaltung der romanischen Kathedrale flossen 37,2 Millionen Euro von der katholische Kirche, der EU und des Bundes sowie Spenden.

Großteil der geschädigten Bücher in der Anna-Amalia-Bibliothek wieder nutzbar

Restaurierung und Wiederbeschaffung kosteten bisher knapp 40 Millionen Euro

Zehn Jahre nach der Brandkatastrophe in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek steht der größte Teil der 118.000 verbrannten oder beschädigten Bücher wieder für die Benutzung zur Verfügung. Restaurierung und Wiederbeschaffung in den vergangenen Jahren seien "eine gewaltige Aufbauleistung und Erfolgsgeschichte", sagte Kultusminister Christoph Matschie (SPD). Mehr als die Hälfte davon wurde den Angaben zufolge aus öffentlichen Mitteln aufgebracht. An den Spenden von über elf Millionen Euro beteiligten sich mehr als 22.000 Privatpersonen sowie Unternehmen und Institutionen. Die Gesamtkosten für die Sanierung der 2007 wieder eröffneten historischen Bibliothek wurden mit 14 Millionen Euro angegeben. Stiftungspräsident Hellmut Seemann betonte, der Großbrand und seine Folgen hätten das Bewusstsein für die öffentliche Verantwortung gegenüber wertvollem Kulturgut gestärkt. Der Gesamtschaden werde auf 67 Millionen Euro geschätzt. Die Durchsicht der Aschebücher könne voraussichtlich bis 2016 abgeschlossen werden. Mit dem stark verkohlten Erstdruck einer Schrift von Nikolaus Kopernikus aus dem Jahr 1543 präsentierte Bibliotheksdirektor Michael Knoche eines der wertvollsten Bücher der Bibliothek, das seit dem Brand als verschollen galt und nunmehr bei der routinemäßigen Sichtung der Aschebücher entdeckt wurde. Die Schrift "De Revolutionibus Orbium coelesticum, Libri VI" ist das Hauptwerk des Astronomen, der darin sein neues Weltbild mit der Sonne als Mittelpunkt entwickelt.

Hunderte Warhol-Filme werden nach Jahrzehnten wieder publiziert

Mehr als 500 Filme sollen in den nächsten Jahren digital aufbereitet und veröffentlicht werden - viele zum ersten Mal

Berühmt wurde er für seine Bilder, aber Andy Warhol hat auch Hunderte Filme gemacht. Das Warhol-Museum in Pittsburgh und das New Yorker Museum of Modern Art kündigten am Donnerstag ein großangelegtes Digitalisierungsprojekt an.
Viele der Filme seien nie zu sehen gewesen, manche zuletzt vor mehr als 40 Jahren, hieß es von den Museen. Sie waren zwischen 1963 und 1972 entstanden, einige sind nur ein paar Minuten lang. Andere gehen über Stunden: "Sleep" (1963), einer von Warhols Filmen mit seiner ersten Kamera, ist fast fünfeinhalb Stunden lang - und zeigt nichts als einen schlafenden Mann. Sein größter Erfolg war der Episodenfilm "The Chelsea Girls".

"Tänzer des Jahres" aus Wuppertal - Ballett am Rhein beste Kompanie

Paul White vom Tanztheater Wuppertal und Ballerina Natalia Osipova sind die "Tänzer des Jahres"

Erneuter Erfolg für Martin Schläpfer und sein Ballett am Rhein. Das Ensemble wird als "Kompanie des Jahres" ausgezeichnet. Es gewann den Preis bei der jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift "tanz" wie bereits im Vorjahr. "Einmal mehr steht Martin Schläpfers Ensemble auf dem Siegertreppchen", heißt es im "tanz"-Jahrbuch 2014 über die Sieger-Kompanie. "Weil es keinen altbackenen Corps-Geist pflegt, sondern sich aus erlesenen Körperinstrumenten zusammensetzt - die wunderbar klingen, einzeln wie kollektiv." Der zum "Tänzer des Jahres" gekürte 31-jährige Paul White habe das Publikum im Sturm erobert. "Weil der Novize des Wuppertaler Tanztheaters genau das in den Kreislauf der Kompanie einspeist, was dringend gebraucht wird: frisches Blut und jede Menge Energie." Die "Tänzerin des Jahres", Natalia Osipova, würdigten die Macher von "tanz" als weltweit erfolgreiche Erste Solistin des Royal Ballet London und des American Ballet Theatre. Sie gilt als eine der herausragenden Ballerinas ihrer Generation. Die in Berlin lebende, amerikanische Choreografin Meg Stuart wählten die 41 europäischen Tanzkritiker zur "Choreografin des Jahres". Stuart lasse "aus einzelnen Ideen in physischen Versuchsanordnungen und Improvisationen, beeinflusst von Büchern, Gesprächen, anderen Künstlern, nach und nach eine eigene performative Welt entstehen." Die "Tanz-Produktion des Jahres" heißt "tauberbach" und stammt von dem belgischen Choreografen Alain Platel, der auf den "Abfallbergen der brasilianischen Zivilisation mit einer Ästhetik der Selbstbehauptung überzeugt", so die Kritikerin Eva-Elisabeth Fischer.

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