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Kulturnachrichten

Samstag, 8. August 2020

Befreiungstheologe Casaldaliga ist tot

Pedro Casaldaliga, der frühere Bischof von Sao Felix in Brasilien, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Als einer der profiliertesten Vertreter der Befreiungstheologie geriet er Mitte der 1980er-Jahre in Konflikt mit dem Vatikan.1988 musste er in Rom beim damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, Bericht erstatten. 2012 erhielt Casaldaliga aus den Händen von Brasiliens Staatspräsidentin Rousseff einen Menschenrechtspreis. Damit würdigte die Regierung das Engagement des Kirchenmannes für die Landrechte des indigenen Xervantes-Volkes, das für eine Rückgabe seines traditionellen Siedlungslandes im nördlichen Bundesstaat Mato Grosso kämpft.

Bundespräsident Steinmeier besucht Open-Air-Konzert

Mit dem Besuch eines Open-Air-Konzertes des Schleswig-Holstein Musik Festivals hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die unter der Corona-Pandemie leidende Kunst- und Kulturszene gewürdigt. Bei regionalen Festivals von den Küsten bis zu den Alpen könnten Menschen wieder Musik erleben, sagte das Staatsoberhaupt nach einem Konzert des österreichischen Percussion-Virtuosen Martin Grubinger. Die Künstler bräuchten wieder Auftrittsmöglichkeiten. "Kultur ist nicht nice to have, sondern Kultur ist ein Lebensmittel", sagte Steinmeier. Das Schleswig-Holstein Musik Festival musste in der geplanten Form abgesagt werden. Stattdessen gibt es unter dem Motto "Sommer der Möglichkeiten" ein an die Corona-Bedingungen angepasstes Programm.

Augsburger Friedenspreis für Marx und Bedford-Strohm

Der Augsburger Friedenspreis geht in diesem Jahr an den katholischen Münchner Kardinal Reinhard Marx und den evangelischen bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Mit der Auszeichnung würdige man zwei Männer, die den Blick nicht auf Unterschiedlichkeiten lenkten, sondern das Gemeinsame betonten, sagte Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber heute. Die beiden Geistlichen hätten sich in der Vergangenheit immer wieder - stellvertretend für ihre Kirchenmitglieder - einander zugewandt und einander die Hand ausgestreckt, ergänzte Weber. Die Auszeichnung soll besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten und Verdienste zur Verständigung zwischen den Religionen würdigen. Der Preis ist mit 12.500 Euro dotiert. Verliehen wird er traditionell im Herbst.

Museumsdirektoren wollen mehr Verantwortung

Nach heftiger Kritik an Berlins Staatlichen Museen Berlin wollen die betroffenen Museumsdirektoren in Zukunft mehr Eigenverantwortung. In einer gemeinsamen Stellungnahme werden langwierige und intransparente Prozesse in der bisherigen Hierarchie beklagt. Diese verhinderten ein schnelles Eingehen auf aktuelle Fragestellungen und die Initialisierung neuer Forschungsvorhaben. Der Wissenschaftsrat hatte vor einem Monat nach zwei Jahren Analyse der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Museen gehören, konstatiert, die Dachkonstruktion schränke die Entwicklung der Einrichtungen ein. In dem nun von Kulturstaatsministerin Grütters geplanten Reformprozess wollen die Museumsdirektoren aktiv einbezogen werden.

Ausladung der Kabarettistin Eckhart - Veranstaltungsort dementiert Drohungen

Der Leiter des österreichischen Paul-Zsolnay-Verlags, Herbert Ohrlinger, hat die Ausladung seiner Autorin, der Kabarettistin Lisa Eckhart, vom Hamburger Lesefest "Harbour-Festival" kritisiert. Im Deutschlandfunk Kultur sprach er von einem Skandal, wie er ihn in seiner gesamten Verlagszeit noch nicht erlebt habe. Es sei absurd, Eckhart Antisemitismus vorzuwerfen. Einer der Festivalleiter, der Verleger Nikolaus Hansen, hatte die Ausladung im Deutschlandfunk Kultur verteidigt. Man habe konkrete Drohungen vom Schwarzen Block erhalten und "Angst vor rabiater Gewalt“. Zudem hätten sich Autoren geweigert, am 14. September mit Eckhart im "Debütantensalon“ aufzutreten. Mittlerweile hat der Veranstaltungsort "Nochtspeicher" auf der eigenen Homepage darauf hingewiesen, dass es keine Drohungen aus der radikalen linken Szene gegeben habe, sondern lediglich "besorgte Warnungen aus der Nachbarschaft". Man sei sich aber sicher gewesen, dass die Lesung "gesprengt werden würde, und zwar möglicherweise unter Gefährdung der Beteiligten, Literaten wie Publikum."

Daniela Krien erhält Sächsischen Literaturpreis

Daniela Krien erhält den mit 10.000 Euro dotierten Sächsischen Literaturpreis 2020. Die Fachjury würdige mit ihrer Entscheidung eine wichtige und faszinierende Autorin, die mit einem präzisen Blick selbstbewusste Frauen in den Mittelpunkt stelle, erklärte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch in Dresden. Die Bücher der in Leipzig lebenden Autorin seien "bedeutende sprachliche Kunstwerke" und regten zum Nachdenken über die Gesellschaft an. Die Preisverleihung ist für Anfang Dezember geplant.

Kritik an geplantem Konzert in Düsseldorf

Ein trotz der Corona-Pandemie in Düsseldorf geplantes Konzert mit 13.000 Zuschauern hat zu Verstimmungen zwischen der Landeshauptstadt und der Landesregierung geführt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann zweifelt an der rechtlichen Grundlage des Vorhabens. Konzept und Genehmigung seien nicht mit dem Land abgestimmt worden, sagte Laumann der Deutschen Presse-Agentur. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel reagierte verwundert auf die Kritik. Es sei ausführlich untersucht worden, ob das Konzert mit der Corona-Schutzverordnung vereinbar sei. Dem Infektionsschutz werde "in vollem Umfang Rechnung getragen." Aus seiner Sicht gebe es keine Veranlassung, das Konzert zu untersagen, so Geisel. Bei dem Konzert am 4. September sollen unter anderen Bryan Adams, Sarah Connor und The BossHoss auftreten.

Eurovision Song Contest bekommt USA-Ableger

Der Eurovision Song Contest (ESC) bekommt Ende 2021 einen Ableger in den USA. Das hat der Veranstalter, die European Broadcasting Union (EBU), mitgeteilt. In dem US-Format American Song Contest (ASC) sollen Vertreter der 50 Bundesstaaten gegeneinander antreten. Nach Angaben des schwedischen Eurovision-Produzenten Anders Lenhoff steht der neue Wettbewerb allen Bands und Sängern offen, sowohl Profis als auch Amateuren. Der ASC soll erstmals im kommenden Jahr stattfinden, einige Monate nach dem ESC. Dieser ist vom 18. bis 22. Mai in Rotterdam geplant. Der ESC wurde in diesem Jahr zum ersten Mal seit seiner Gründung 1956 wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Lorenzo Soria mit 68 Jahren gestorben

Lorenzo Soria, der Vorsitzende der Hollywood-Auslandspresse, die alljährlich die Golden Globes verleiht, ist gestorben. Lorenzo Soria wurde 68 Jahre alt. Das teilte die Hollywood Foreign Press Association auf Twitter mit. Der gebürtige Argentinier berichtete seit den 80er-Jahren für italienische Publikationen aus Hollywood. Zuletzt war Soria im Juni 2019 zum Vorsitzenden des Filmverbands gewählt worden. Seit 2003 hatte er diese Position mehrmals inne. Der Golden-Globe-Verband vergibt die Preise seit 1944. Die Trophäen gehören nach den Oscars und den Emmys zu den begehrtesten Auszeichnungen für Kinofilme und Fernsehsendungen.

"Dirty Dancing" bekommt eine Fortsetzung

Der 80er-Jahre Kultfilm "Dirty Dancing" bekommt eine Fortsetzung. Das bestätigte der Chef der Filmproduktionsfirma Lionsgate, John Feltheimer. Demnach soll der Film "nostalgisch" und "romantisch" werden. Produziert wird er von Jennifer Grey, die im Original die weibliche Hauptrolle spielte. Auch in der Fortsetzung soll sie Frances "Baby" Houseman - nur 30 Jahre später - darstellen. Wann der Film in die Kinos kommt und wer die männliche Hauptrolle spielt, ist noch nicht bekannt. Der Star des Originals, Patrick Swayze, war vor elf Jahren an Krebs gestorben.

Israelisches Staatsarchiv vermisst tausende Dokumente

Im israelischen Staatsarchiv werden rund 10.000 Schriftstücke vermisst. Wie die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf das Journalismus- und Medienportal "The Seventh Eye" berichtet, gehören dazu Dokumentationen zur Ermordung von Ministerpräsident Jitzchak Rabin, zum Verfahren gegen Naziverbrecher Adolf Eichmann und zum Jom-Kippur-Krieg. Das Staatsarchiv selbst äußerte sich laut der Zeitung bislang nicht. Bereits vor zwei Jahren hatte die Zeitung über das Verschwinden von 40 Dokumenten zur mutmaßlichen Entführung von Kindern jemenitischer Einwanderer berichtet. Mitarbeiter des Staatsarchivs hätten berichtet, menschliche Fehler oder Mängel in den Arbeitsabläufen seien keine Seltenheit.

China verurteilt US-Verfügung gegen Video-App Tiktok

China hat die USA erneut für ihr Vorgehen gegen die Video-App Tiktok scharf kritisiert. Außenmamtsprecher Wang Wenbin sprach von "Mobbing". Washington schiebe Bedenken um die nationale Sicherheit als Grund vor, um Nicht-US-Unternehmen zu unterdrücken. Dies werde langfristig Konsequenzen nach sich ziehen. US-Präsident Trump hatte zuvor eine neue Verfügung angekündigt, mit der offensichtlich der Verkauf des US-Geschäfts der beliebten chinesischen Video-App erzwungen werden soll. Die Verfügung, die in 45 Tagen in Kraft treten soll, untersagt US-Bürgern Geschäfte mit Bytedance, dem Eigentürmer der App, zu machen. Sie stelle eine "Bedrohung der nationalen Sicherheit" dar.

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