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Kulturnachrichten

Dienstag, 6. August 2019

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison ist tot

Die Nobelstiftung in Stockholm hat sie als eine "der stärksten und einflussreichsten literarischen Kräfte unserer Zeit" gewürdigt: Die im Alter von 88 Jahren verstorbene Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison. Die in Ohio geborene Autorin war eine der bedeutendsten Vertreterinnnen afroamerikanischer Literatur, der 1993 der Literaturnobelpreis zugesprochen worden war. In der Begründung hieß es damals: Mit ihren Dialogen und der genauen Beschreibung ihrer Darsteller erwecke sie "einen wichtigen Teil der amerikanischen Realität zum Leben.“ Meist stehen schwarze Frauen im Mittelpunkt ihrer 11 Romane, mit denen sie Rassismus in den USA anprangerte. 1970 war - nach dem Studium und der Arbeit bei einem Verlag - ihr Debüt unter dem Titel "The Bluest Eye" ("Sehr blaue Augen") erschienen. Morrisons erster großer Erfolg folgte sieben Jahre später mit "Song of Solomon" ("Solomons Lied"). "God help the Child" ("Gott hilf dem Kind") war ihr letzter Roman, der 2014 erschien.

Deutsche Kinder lesen nach wie vor gerne

Das Lesen gehört einer repräsentativen Studie zufolge nach wie vor zu den liebsten Beschäftigungen von Kindern. In Deutschland lesen 74 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen 6 und 14 Jahren mindestens eine von 46 abgefragten Kinderzeitschriften, heißt es in der Kinder-Medien-Studie 2019. Damit bleibe die Gesamtreichweite stabil auf hohem Niveau. Insgesamt sei die Nutzung von Zeitschriften, Comics oder Büchern bei den sechs- bis 13-Jährigen auf 76 Prozent im Jahr 2019 gestiegen, 2018 habe der Wert bei 74 Prozent gelegen, 2017 bei 71 Prozent. Außerdem halten laut der Studie mehrerer Verlage die jungen Mediennutzer eine gute Balance zwischen der digitalen und der analogen Welt.

Warnung vor nationalem Kurs in Italiens Kulturpolitik

Der scheidende Leiter des Museums Palazzo Ducale in Mantua, Peter Assmann, beklagt eine Nationalisierung in der italienischen Kulturpolitik. Auf Reformen der Vorgängerregierung mit dem Ziel einer stärkeren Internationalisierung sei unter dem jetzigen Kulturminister der Fünf-Sterne-Bewegung eine "Kehrtwendung" erfolgt, sagte der 55-Jährige in Rom. Wörtlich sprach er von einem kulturpolitischen Motto des "Ausländer raus". Der italienische Kulturbetrieb habe eine Zentralisierung erfahren, wie er sie "eigentlich nur aus der DDR" kenne.
Assmann und sein Landsmann Peter Aufreiter, Direktor der Galleria Nazionale delle Marche in Urbino, beenden Ende Oktober ihr vierjähriges Mandat. Auch der Deutsche Eike Schmidt gibt seinen Leitungsposten in den Uffizien in Florenz auf. Alle drei wechseln an Museen in Österreich.

Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis für Sonja Finck

Für ihre Übersetzungen frankophoner Literatur ins Deutsche erält Die Sonja Finck den mit 10.000 Euro dotierten Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis 2019. 1978 im nordrhein-westfälischen Moers geboren, absolvierte Finck in Toulouse eine Ausbildung zur Artistin und studierte dann in Düsseldorf sowie Madrid literarisches Übersetzen. Seit 2010 ist sie Gastdozentin für literarisches Übersetzen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Bislang übersetzte sie Annie Ernaux, Jocelyne Saucier oder Wajdi Mouawad. Neben Französisch übersetzt Finck auch aus dem Englischen und Spanischen.

Kulturrat kritisiert Kulturprogramm der Kirchentage

Mehr als eine halbe Stunde Fahrzeit vom Schauplatz der politischen Diskussionen auf dem Evangelischen Kirchentag entfernt: Ein Unding, findet der Deutsche Kulturrat. Für Geschäftsführer Olaf Zimmermann "gut gemeint, aber nicht wirklich zielführend". Das "Fehlen von echten Kulturdebatten, unter Einbeziehung von Künstlerinnen und Künstlern, inmitten der Debattencamps" sei nicht nur "bedauerlich" für den kulturellen Diskurs, so Zimmermann. Die Kultur sei der Schlüssel von gesellschaftlichen Transformationsprozessen.Für den ökumenischen Kirchentag in zwei Jahren in Frankfurt am Main schlägt er vor, die Kulturdebatte neu zu verorten, indem sie ins Innere der Kirchen eingebunden wird.

Netrebko wird auch 2020 nicht in Bayreuth singen

Nach ihrer Absage, am 14. August bei den Bayreuther Festspielen die Elsa in Wagners "Lohengrin" zu singen, wird es auch im kommenden Jahr keinen Auftritt von Anna Netrebko auf dem Grünen Hügel geben. Sprecher Peter Emmerich sagte, die Planungen für 2020 seien bereits vollständig. Ein Engagement der 47-Jährigen Sopranistin in Bayreuth "können wir ausschließen". Netrebko hatte als Grund für ihre Absage Erschöpfung angegeben. Zuvor hatte sie aus gesundheitlichen Gründen bereits auf einen Auftritt bei den Salzburger Festspielen verzichtet.

Bayerische Staatsbibliothek erhält Fotoarchiv des "Stern"

15 Millionen Abzüge, Negative und Dias aus den Jahren 1948 bis 2001 wechseln den Besitzer. Gruner + Jahr hat das Archiv des Magazins "Stern" der Bayerischen Staatsbibliothek geschenkt. Es stelle das "visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik und des weltpolitischen Geschehens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts" dar, sagte Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler (CSU) dazu in München. Frank Thomsen vom "Stern" sprach von einem "einzigartigen", aber "ungehobenen Kulturschatz". Denn es wird jetzt an der BSB sein, die Bilder zu digitalisieren, Nutzungsvereinbarungen mit den Fotografen zu schließen und das Material sowohl der Forschung als auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Geschenk aus Hamburg umfasst acht Lkw-Ladungen.

Kanzlerin seit 2014 über Nolde-Rezeption informiert

Angela Merkel trennte sich schweren Herzens von Bildern des Hitler-Verehrers und Antisemiten Emil Nolde, die in ihrem Büro im Kanzleramt hingen. Das berichtet der "Tagesspiegel" nach entsprechend beantragter Akteneinsicht. Demzufolge war man im Kanzleramt spätestens seit Anfang 2014 darüber informiert, dass der Expressionist aus Seebüll mit seiner politischen Haltung schwerlich ins Kanzleramt passte. Obwohl Hermann Parzinger, Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitzes, Merkel im Zuge einer geplanten Ausstellung auf die Arbeit Noldes "am eigenen Mythos" hinwies, wollte Merkel lange nicht auf die Bilder "Brecher, 1936" und "Blumengarten in Alsen" verzichten. Es habe mehrerer Anläufe bedurft, so der "Tagesspiegel", bis sie sie ziehen ließ.

Iran stuft Tatoos als Hinweis auf seelische Erkrankung ein

Bevor sie einen Führerschein beantragen, sind Iraner dazu verpflichtet worden, sich einem psychologischen Test zu unterziehen - wenn sie Tätowierungen tragen. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur Irna und zitiert einen Sprecher der Polizei in Teheran, der die Auflage so begründet: "Die Tätowierung ist eine Art von Selbstverletzung. Personen, die das tun, leiden eventuell an psychischen Störungen." Seit der islamischen Revolution von Ajatollah Khomeini vor 40 Jahren gelten Tatoos als "Zeichen westlicher Kulturinvasion". Besonders unter iranischen Jugendlichen sollen Tätowierungen immer beliebter werden.

Jonathan Meese kritisiert Fridays for Future

„Ich finde es sehr problematisch, wenn junge Menschen sich von außen die Ideologie in die Gesichter meißeln lassen." Das sagte der Künstler Jonathan Meese dem Magazin "Zeit Campus". Er habe Angst, dass sie sich zu schnell einer politischen Partei unterwürfen. Andererseits betont er, den jungen Aktivisten nichts vorschreiben zu wollen: „Mich interessiert Ideologisierung nicht. Mich interessiert Realpolitik nicht. Mich interessiert nur die Zukunft", so der 43-Jährige. Auch Youtuber Rezo bleibt nicht ungescholten: Gegen jede Partei zu sein, nur eine Spaltung vorzunehmen und dann zu behaupten, die drei großen Parteien seien sind zumindest ein bisschen besser, reiche nicht.

Einspruch des iranischen Regisseurs Rasoulof gegen Haftstrafe

Wegen angeblicher "Propaganda gegen die Islamische Republik Iran" war der Filmemacher Mohammad Rasoulof zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Dagegen hat er am 5. August Berufung eingelegt. Der französischen Zeitung "Le Monde" sagt der 47-Jährige, dass er in seiner Heimat boykottiert werde. Niemand wage es, etwas von ihm zu veröffentlichen. Rasoulof ist es außerdem für zwei Jahre verboten, das Land zu verlassen. Das, so der Regisseur, sei für ihn die "Höchststrafe". Sein letzter Film dreht sich um einen Mann, der gegen ein korruptes Unternehmen kämpft, das Dorfbewohner um ihr Eigentum bringen will.

Chinesischer Konzern will bei Universal Music einsteigen

Der chinesische Internetkonzern Tencent will mit einem Milliardeninvestment bei Universal Music einsteigen, der Musiksparte des französischen Vivendi-Konzerns. Derzeit liefen frühe Verhandlungen über einen Anteil von 10 Prozent an Universal Music, teilten die Franzosen mit. Tencent könne sich in dem Geschäft zudem die Option auf weitere 10 Prozent innerhalb eines Jahres sichern. Vivendi und Tencent wollen auch über eine darüber hinausgehende strategische Kooperation sprechen. Tencent könne bei der Vermarktung von Universal-Künstlern helfen und neue Märkte für diese öffnen. Tencent betreibt unter anderem den in China dominierenden Whatsapp-Konkurrenten WeChat.

Der Schöpfer der Village People stirbt mit 82 Jahren

Der französische Musikproduzent und Miterfinder der Kultband Village People, Henri Belolom, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Das teilte die französische Musikrechte-Gesellschaft Sacem mit. Auf Twitter bekundete die Organisation ihre Trauer über den Tod des in Marokko geborenen Komponisten. Belolo war einer der Pioniere der Disko-Bewegung der späten 1970er Jahre. Zusammen mit seinem französischen Kollegen Jacques Morali stellte er nach dem Umzug der beiden nach New York die sechsköpfige Band Village People zusammen, die mit Hits wie "YMCA", "In the Navy" und "Macho Man" Erfolge feierte. Die Band mit den Figuren muskelbepackter Bauarbeiter, Biker, Cowboys und Soldaten wurde schnell zu einer Ikone der Popkultur, "YMCA" wurde zur Hymne der LGBT-Bewegung.

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