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Kulturnachrichten

Dienstag, 22. August 2017

Billy Joel trägt gelben Davidstern

Statement gegen Gewalt von Rechtsextremisten

US-Sänger und Pianist Billy Joel hat bei einem Konzert mit einem gelben Davidstern auf zunehmende Gewalt durch Neonazis und andere rechtsextreme Gruppen aufmerksam gemacht. Joel trug das Stoffabzeichen beim Konzert im New Yorker Madison Square Garden am Montagabend am Revers sowie auf der Rückseite seines Jacketts. Dieses Symbol mussten Juden zur Zwangskennzeichnung im deutschen Nationalsozialismus tragen. Joel ist Sohn jüdischer Eltern und beschreibt sich als Anhänger der jüdischen Kultur. Sein in Nürnberg geborener Vater floh mit gefälschtem Pass vor den Nazis über die Schweiz, Großbritannien und Kuba in die USA. Joel hatte zuletzt noch erklärt, sich lieber aus politischen Themen herauszuhalten. Womöglich hatten ihn die jüngsten Ereignisse in Charlottesville (Virginia) umgestimmt. Dort war am 12. August bei einer Rassistendemo bei Ausschreitungen eine Frau ums Leben gekommen, als ein mutmaßlich Rechtsextremer sein Auto in eine Menschenmenge steuerte.

PEN ruft zu Spenden für Akhanli auf

Erzwungener Aufenthalt in Spanien wird teuer

Die Schriftstellervereinigung PEN hat einen Spendenaufruf für den Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli gestartet, der in Spanien mit der Gefahr einer Auslieferung an die Türkei konfrontiert ist. Die Kosten für das erzwungene Warten auf eine gerichtliche Entscheidung, das zunächst bis zu 40 Tage dauern könne, sowie Anwaltskosten müssten von dem Autor getragen werden. Dies werde "die finanziellen Möglichkeiten der Familie übersteigen", heißt es in einer Mitteilung des PEN. Der türkischstämmige Schriftsteller, der allein die deutsche Staatsangehörigkeit hat, war am Wochenende auf Betreiben der Türkei in seinem Spanien-Urlaub gefasst und unter Meldeauflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Akhanli wird vorgeworfen, 1989 an einem Raubmord in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Ein Freispruch wurde nach Angaben türkischer Medien 2013 aufgehoben und der Fall neu aufgerollt. Die Vorwürfe wertet der Betroffene als politisch motiviert.

32 Millionen für Film- und Serienförderung

"Bibi und Tina" erfolgreichste deutsche Kinoproduktion des Jahres

Berlin und Brandenburg haben im vergangenen Jahr mit 32 Millionen Euro Filme, Serien und Games gefördert. Wie die Förderanstalt der beiden Länder mitteilte, wurden dadurch Ausgaben von mehr als 150 Millionen Euro angeschoben. Dies sei eine Steigerung um 15 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Zu den Vorzeigeprojekten gehört der vierte "Bibi und Tina"-Film von Regisseur Detlev Buck, der mit der Fortsetzung des Mädchen-Pferde-Abenteuers nach Brandenburg zurückkehrte und bislang 1,6 Millionen Besucher in die Kinos lockte. Auch Wim Wenders inszenierte seinen neuen Film "Submergence" zum Teil im Studio Babelsberg. Der Romantik-Thriller feiert Anfang September beim Filmfestival in Toronto Premiere.

Dresdner Münzkabinett ab Dezember wieder offen

Rätselhafter Befall

Nach dem rätselhaften Befall mit Silberchlorid will das Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) kurz vor Weihnachten wieder öffnen. Seit März hatten Besucher keinen Zugang, weil zunächst Ursachen der Veränderungen an etwa 100 Silbermünzen und -medaillen geklärt werden sollten. SKD- Generaldirektorin Marion Ackermann konnte sie zwar auch am Dienstag nicht benennen, nach diversen Untersuchungen hält man es aber für vertretbar, wieder alle Stücke zu zeigen. Die vom Silberchlorid-Befall betroffenen Exponate sowie mehr als 1000 weitere Münzen und Medaillen sollen bis dahin konserviert werden.

Steinmeier würdigt Inge Deutschkron

Autorin wird morgen 95

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Engagement der jüdischen Autorin Inge Deutschkron für Demokratie, Freiheit und das Gedenken an die Ermordeten und Verfolgten der NS-Zeit gewürdigt. "Sie haben am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn Menschenrechte und -würde mit allen Mitteln staatlicher Gewalt zerstört werden", erklärte Steinmeier in einem Glückwunschschreiben. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters ehrte Deutschkron: "Als begnadete Erzählerin sind Sie nicht müde geworden, vor allem jungen Menschen von Ihrem bewegten Lebensweg zu berichten." Deutschkron wurde 1922 als Tochter jüdischer Eltern geboren. Ihr Vater, ein sozialdemokratischer Gymnasiallehrer, konnte 1939 nach England fliehen, während Frau und Tochter zurückbleiben mussten. Beide lebten bis Kriegsende im Untergrund. Nach dem Krieg arbeitete Deutschkron in Deutschland und Israel, seit 1992 lebt sie als freie Schriftstellerin in Tel Aviv und Berlin.

Documenta sagt Performance ab

"Auschwitz on the Beach" hatte zahlreiche Beschwerden hervorgerufen

Die Documenta hat die Performance mit dem Titel "Auschwitz on the Beach" des italienischen Philosophen und Schriftstellers Franco Berardi abgesagt. Die Performance wollte sich an diesem Donnerstag im Fridericianum der europäischen Flüchtlingspolitik widmen. Ihr Titel basiert auf einem Gedicht von Berardi, auf einem Soundtrack von dessen Bruder und auf einer Bildinstallation des brasilianischen Künstlers Dim Sampaio. Die Ankündigung der Veranstaltung hatte zahlreiche Beschwerden hervorgerufen, weil dort die Situation der vieler Flüchtlinge am Mittelmeer mit dem Holocaust verglichen wurde. Unter anderem der hessische Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hatte der documenta einen Abbruch der Performance empfohlen. "Wir respektieren diejenigen, die sich vom Titel von Franco „Bifo" Berardis Gedicht angegriffen fühlen. Wir wollen ihrer Trauer keinen Schmerz hinzufügen", teilte die Documenta mit. Statt der geplanten Veranstaltung soll nun am Donnerstag eine Lesung des Gedichts mit anschließender Diskussionsrunde stattfinden.

Schauspiel-Legende Margot Hielscher gestorben

Eine der ersten Teilnehmerinnen beim Grand Prix

Leinwand-Legende Margot Hielscher ist tot. Die Schauspielerin und Sängerin starb im Alter von 97 Jahren in München. Sie sei friedlich eingeschlafen, teilte ihr Neffe mit. Hielscher war in mehr als 50 Filmen und 200 Fernsehproduktionen zu sehen. Die gebürtige Berlinerin arbeitete als Kostümbildnerin beim Film, 1940 wurde sie für ihre erste Schauspielrolle verpflichtet: Als Hofdame an der Seite von Zarah Leander in "Das Herz der Königin". Hielscher drehte mit prominenten Kollegen wie Curd Jürgens und Gene Kelly. Nach Kriegsende wandte sie sich der Musik zu, sang für amerikanische Soldaten und absolvierte mehrere Tourneen. Es gibt mehr als 400 Gesangsaufnahmen von ihr. Als eine der Ersten sang Hielscher 1957 beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson - dem heutigen Eurovision Song Contest - für Deutschland. Mit „Telefon, Telefon" landete sie auf dem vierten Platz.

Künftiger Burgtheater-Chef will neues Ensemble

"Neue Suppe kochen"

Der designierte Direktor des Wiener Burgtheaters, Martin Kusej, plant offenbar große Veränderungen im Ensemble. "Ich schütte da sicher mal die Hälfte oder zwei Drittel von diesem Suppentopf aus und koche mal eine neue Suppe auf", sagte Kusej am Dienstag im ORF-Radio. Der 56-jährige Intendant des Münchner Residenztheaters wird ab der Spielzeit 2019/2020 das renommierte Haus in Wien leiten. Er folgt auf Karin Bergmann. Seine Pläne sehen zudem vor, ein weltoffenes Theater zu machen, so Kusej. Auch fremdsprachige Aufführungen sollen nicht ausgeschlossen werden. "Ich weiß natürlich, dass das Burgtheaters eine große Tradition hat. Viel an dieser Tradition ist natürlich auch ein Schein, der durch nichts gerechtfertigt ist", so Kusej kritisch. Im Hintergrund des Hauses seien Dinge nicht "so toll, wie sie landläufig angenommen werden". Bekannt wurde Kusej Ende der 1980er Jahre mit seinen düsteren wie wuchtigen Inszenierungen wie der von Karl Schönherrs "Es" am Schauspielhaus Graz.

Russischer Regisseur festgenommen

Behörde gibt Betrugsverdacht als Grund an

Der russische Theaterregisseur Kirill Serebrennikow ist unter Betrugsverdacht festgenommen worden. Das teilte das Staatliche Ermittlungskomitee in Moskau mit. Der Leiter des Moskauer Gogol-Theaters stehe im Verdacht, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben. Drei seiner früheren Mitarbeiter sind deswegen im Mai verhaftet worden. Serebrennikow ist ein international anerkannter Theatermacher, steht aber der russischen Führung kritisch gegenüber. Er sollte im September in Stuttgart die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszenieren. Vor einigen Tagen hatte der Intendant der Stuttgarter Oper, Jossi Wieler, alle Vorgänge gegen Serebrennikow als "politisch" bezeichnet. Man wolle ihn als Künstler gängeln, kriminalisieren, marginalisieren.

Grütters für Reform des Kulturstaatsministeriums

An veränderte Erfordernisse angepasst werden

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich für ein grundsätzliches Nachdenken über ihr Ressort ausgesprochen. Es bestehe bald seit 20 Jahren und müsse "den veränderten Erfordernissen angepasst werden", sagte die CDU-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mittlerweile betreue das Staatsministerium für Kultur und Medien fast 400 Einrichtungen und Projekte; der Etat sei von 950 Millionen Euro bei der Gründung auf 1,8 Milliarden im Jahr 2018 gestiegen. "Zudem muss die Grundsatzfrage, was Bundeskulturpolitik leisten kann und leisten soll, nach zwei Jahrzehnten präzisiert werden", so Grütters.

Gustavo Dudamel muss USA-Tournee absagen

Venezuelas Staatschef Maduro verbietet dem Musiker Reise

Nach Kritik an Staatschef Nicolás Maduro hat die Regierung in Venezuela eine für September geplante Tournee des Stardirigenten Gustavo Dudamel mit dem nationalen Jugendorchester gestrichen. "Herzzerreißende Absage unserer viertägigen Tour durch vier US-Städte", schrieb der 36 Jahre alte Dudamel gestern auf Twitter. Der gefeierte Musiker und frühere Regierungsanhänger hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt mit Maduro angelegt. Kritiker werfen dem Staatschef vor, durch die Wahl einer umstrittenen Verfassungsgebenden Versammlung das Parlament zu entmachten und die Errichtung einer sozialistischen Diktatur voranzutreiben. Dudamel, der unter anderem das Philharmonieorchester von Los Angeles dirigiert, hatte in einem Gastbeitrag für die spanische Zeitung "El País" vor der Entwicklung in seinem Heimatland gewarnt. Als einer der bekanntesten Venezolaner hat seine Stimme in der Öffentlichkeit besonderes Gewicht.

Netflix verfilmt Terror-Anschläge in Norwegen

Drehbeginn schon in diesem Herbst

Netflix und der britische Regisseur Paul Greengrass planen einen Film über die Anschläge des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik. Mehrere Branchendienste berichten, dass sich der US-Streamingdienst die Produktionsrechte für das brisante Thema gesichert hat. Bei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya im Juli 2011 hatte der rechtsextreme Norweger 77 Menschen getötet, darunter viele Kinder und Jugendliche. Dafür war er zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Greengrass will noch in diesem Herbst in Norwegen drehen. Der Regisseur hat mit Matt Damon drei Filme der "Bourne"-Reihe gedreht und ist auch für den Tatsachen-Thriller "Captain Phillips", den Flugterror-Film "Flug 93" und das Nordirland-Drama "Bloody Sunday" bekannt.

Kanzlerin Merkel eröffnet die "gamescom"

Internationale Leitmesse zeigt bis Samstag zahlreiche neue Computerspiele

In Köln wird heute die Computerspiele-Messe "gamescom 2017" eröffnet. Die Messe dauert bis Samstag, ab morgen ist sie für das breite Publikum geöffnet. Eröffnet wird die "gamescom" in diesem Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Am Wochenende hatte Merkel die Spielebranche dazu aufgerufen, Computerspiele künftig auch stärker als Bildungsträger einzusetzen. Bereits seit 2008 seien Computerspiele offiziell als Kulturgut anerkannt. Dies helfe im Kampf gegen Vorurteile, wonach es der Branche nur um Gewaltspiele gehe, sagte die Kanzlerin in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Kulturpolitisch seien Computerspiele Schritt für Schritt Teil der Kreativwirtschaft geworden. Die "gamescom" gilt weltweit als eine der wichtigsten Leistungsschauen der Video- und Computerspiel-Branche. Mit einem umfangreichen Rahmenprogramm wollen die Veranstalter unter dem Motto "Einfach zusammen spielen" verschiedene Facetten digitaler Games ins Rampenlicht rücken.

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