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Kulturnachrichten

Samstag, 6. August 2016

Ein Stimmungsbild abrufen, um es in Frage zu stellen

Debatte um Fernsehausstrahlung von "Terror"

Der Schauspieler und Regisseur Burghart Klaußner verteidigte das Recht eines Zuschauerpublikums, über moralische Dilemmas im Rahmen einer Aufführung zu entscheiden. Solch eine Abstimmung sei ein "Lackmustest für das Empfinden einer Bevölkerung in moralisch hochwichtigen Fragen", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Natürlich wäre solch eine Abstimmung nichts, was auch juristisch verwertbar wäre, so funktioniere unsere Justiz nicht. Vielmehr könne solch eine Abstimmung die Debatte anregen, um Volkes Stimme und die gesammelten Voten noch einmal in Frage zu stellen, denn: "Entscheidend ist jeder Einzelfall und der Einzelfall in solchen Terrorsituationen kann vorher theoretisch nicht abgemessen werden", unterstrich er. Klaußner inszenierte in Dresden "Terror", das Theaterstück des Schriftstellers und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach und spielt darin den Richter. Vom Erfolg Schirachs Stücks auf bislang 39 Bühnen will auch das Fernsehen profitieren und hat für Oktober eine TV-Version angekündigt, mit Klaußner in der Richter-Rolle. Begleitet werden soll der Film von einer Online-Abstimmung über die Entscheidung - mit anschließender Diskussion. Dies stieß auf Ablehnung beim Ex-Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags Hirsch und beim ehemaligen Bundesinnenminister Baum. Die FDP-Politiker forderten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die ARD solle den geplanten Fernsehabend aus dem Programm nehmen.

"Früher war Europa neugierig, heute hat es Angst vor dem Neuen"

Polnischer Schriftsteller, Andrzej Stasiuk, warnt vor Paarung von Angst und Macht

"Angst und Macht sind siamesische Zwillinge. Je mehr Angst wir haben, desto größere Feiglinge wählen wir", sagte Stasiuk in einer Rede, anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur. Die Feiglinge opferten alles, "um ihre Macht nicht zu verlieren. Sie opfern uns, unser Land, unseren Kontinent", so Stasiuk. Er schreibe diese Worte "unmittelbar nach Nizza und Istanbul", und in seinem Nacken spüre er "den heißen Atem der Wirklichkeit: Wir werden ihr nicht entrinnen. Wir können uns vor ihr nicht in die Lektüre flüchten, sowenig wie wir die Grenzen unserer immer ängstlicher werdenden Staaten dichtmachen können", warnte der Schriftsteller. Früher sei Europa neugierig gewesen, heute habe es Angst vor dem Neuen, erinnert er sich. "Im Übrigen gründet der wahre Mut darauf, dass wir, auch wenn wir Angst haben, trotzdem tapfer voranschreiten, der Zukunft entgegen. Die Zukunft wird nämlich so oder so eintreffen", unterstrich Stasiuk. Er erhielt den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur vergangene Woche. Seine Rede ist nun im neuen "Spiegel" nachzulesen.

David Bowie bekommt Gedenktafel in Berlin

Damit wird auch die Berliner Trilogie des Musikers geehrt

David Bowie wird mit einer Gedenktafel in Berlin geehrt. Er war am 10. Januar, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag, in New York gestorben. Die Tafel soll am 22. August an seinem früheren Wohnhaus in der Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg angebracht werden, berichtet die "Berliner Morgenpost". Dazu werde auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller erwartet. Bowie stammte aus dem Londoner Stadtteil Brixton und lebte von 1976 bis 1978 in West-Berlin im gleichen Haus wie der Musiker Iggy Pop, der als "Pate des Punk" gilt. Die Gedenktafel würdige auch die drei Bowie-Alben "Low", "Heroes" und "Lodger", die als Berliner Trilogie des Künstlers in die Geschichte der Popmusik eingingen, hieß es. Die Anfertigung der Gedenktafel soll am Montag in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) beginnen.

Posthumes Debütalbum an der Spitze der britischen Charts

Bandmitglieder waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen

Fast sechs Monate, nach dem tragischen Tod aller Mitglieder der Indie-Band Viola Beach, steht ihr Debütalbum an der Spitze der britischen Charts. Die nach der Band benannte Platte habe sich diese Woche am besten verkauft, teilte die Official Charts Company mit. Die vier Mitglieder von Viola Beach und ihr Manager waren im Februar ums Leben gekommen, als ihr Wagen außerhalb der schwedischen Hauptstadt Stockholm in einen Kanal stürzte. Die Band selbst stammt aus dem Nordwesten Englands. Die Angehörigen der Musiker dankten den Fans für den Erfolg des Albums. Die Mitglieder von Viola Beach sollten für immer für ihre Musik in Erinnerung bleiben, hieß es in einer Erklärung.

Zum Auftakt Samba und ein Pfeifkonzert

Die Olympischen Sommerspiele in Brasilien offiziell eröffnet

Die Zeremonie im ausverkauften Maracana-Stadion in Rio de Janeiro begann mit einem Feuerwerk und einer Lasershow, gefolgt von Sambarhythmen. Tausende Tänzer führten durch die Geschichte des südamerikanischen Landes. Dabei wurden auch politische Themen wie der Klimawandel angesprochen. Höhepunkt war der Einzug des 207 Olympiamannschaften. Als fünfte Delegation marschierte Das deutsche Team wurde von Tischtennisspieler Timo Boll angeführt, der die deutsche Fahne trug. Besonderen Applaus bekam ein Team aus Flüchtlingen - ein Novum in der olympischen Geschichte. "Ihr habt eine Botschaft der Hoffnung für die Millionen Flüchtlinge in aller Welt. Ihr habt aus euren Häusern fliehen müssen wegen Gewalt, Hunger oder nur weil ihr anders seid", sagte IOC-Präsident Thomas Bach in seiner Ansprache während der Zeremonie. Jetzt würden sie "einen wunderbaren Beitrag zur Gesellschaft" erbringen. Das olympische Feuer entzündete der frühere Marathonläufer Vanderlei de Lima. Überschattet wurde die Eröffnungsfeier von Protesten und Buhrufen gegen den brasilianischen Interimspräsidenten Michel Temer. Brasilien steckt in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff läuft ein umstrittenes Amtsenthebungsverfahren.

Stefania Sandrelli beim Filmfest Locarno geehrt

70jährige Italienerin erhält den "Leopard Club Award".

Die italienische Filmdiva Stefania Sandrelli ist beim 69. Internationalen Filmfestival Locarno in der Schweiz für ihr schauspielerisches Lebenswerk geehrt worden. Sandrelli nahm die Auszeichnung vor mehr als 8000 Festivalbesuchern am Freitag Abend auf der Piazza Grande von Locarno entgegen. In ihrer kurzen Dankesrede entsprach sie ganz dem Ruf einer bodenständigen "Diva fürs Volk". Sie betonte, dass sie ihren Erfolg und damit auch diese Ehrung "vielen großen Kollegen wie Marcello Mastroianni und Bernardo Bertolucci und dem Publikum" verdanke. Am Sonntag erhält auch der deutsche Schauspieler Mario Adorf einen Ehren-Leoparden.

Grütters: Reform der Limbach-Kommission bis Herbst

Ziel ist größere Transparenz

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will bis zum Herbst eine Reform der sogenannten Limbach-Kommission auf den Weg bringen. Das Gremium, das in Streitfällen um NS-Raubkunst eingeschaltet werden kann, soll künftig transparenter arbeiten. Zudem ist vorgesehen, ein oder zwei Persönlichkeiten des jüdischen Lebens als Mitglieder zu berufen. "Mir ist sehr daran gelegen, eine von allen Seiten anerkannte Lösung zu finden", sagte Grütters. Mit der Kommission sei über die Vorschläge bereits gesprochen worden. Bis zum Herbst suche sie nun den Konsens mit Ländern und Kommunen, die das Gremium mittragen.

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