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Kulturnachrichten

Freitag, 22. August 2014

Rückhalt für Spiegel-Chefredakteur Büchner: Mehrheit der Gesellschafter für neue Ressortleiter

In einer Erklärung der Gesellschafter, die am späten Freitagabend veröffentlicht wurde, heißt es: Man begrüßte Büchners Plan der engen Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen von «Spiegel» und «Spiegel Online» Das gelte "sowohl was die Umsetzung als auch was den Zeitablauf angeht". Genauere Angaben wurden nicht gemacht.

Zuvor hatten sich 250 von 328 Mitarbeiter in Redaktionen und Dokumentation des Blatts dagegen ausgesprochen, innerhalb der nächsten zwei Jahre die Ressortleiter-Stellen neu auszuschreiben und die Verantwortung sowohl für die Printausgabe als auch für den Online-Auftritt zusammenzuführen.
Mehrheitseigner sind die Beschäftigten des Verlags, die über die Mitarbeiter KG 50,5 Prozent halten. Weitere Gesellschafter des "Spiegel" sind der Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der 25,5 Prozent der Anteile besitzt, und die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein, die 24 Prozent halten. Büchner ist seit einem Jahr Chefredakteur. Für ersten Unmut sorgte die Bestellung des damaligen Bild-Journalisten Nikolaus Blome, der als Folge heftiger interner Kritik zum Leiter der Hauptstadtredaktion berufen wurde.
Man nehme "die Sorgen ernst, die aus Redaktion und Dokumentation des Spiegels in den vergangenen Tagen geäußert wurden", heißt es in der Gesellschaftererklärung.

Vargas Llosa kritisiert Intellektuelle als unpolitisch

Sich politisch einzumischen sei nicht mehr üblich sagt der Literaturnobelpreisträger

Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa beklagt einen Rückzug von Intellektuellen ins Private. Viele seien "völlig unpolitisch", sagt der peruanische Autor am Rande der Nobelpreisträgertagung in Lindau in der Samstagsausgabe der "Schwäbischen Zeitung". Die Künstler seien "pessimistisch, weil sie nicht glauben, dass Kunst die Geschichte ändern oder das politische Leben beeinflussen kann". Man müsse Autoren und Intellektuelle in die Politik holen, "um zu zeigen, dass Politik etwas Kreatives und Uneigennütziges sein kann". In den 1970ern und 1980ern war es nach Einschätzung von Vargas Llosa normal für Literaturnobelpreisträger und Autoren, sich politisch einzumischen.

Totenbuch des KZ Sachsenhausen geht online

Digitales Verzeichnis dokumentiert mehr als 20 000 Namen

Das Totenbuch der Opfer des Konzentrationslagers Sachsenhausen ist nun auch im Internet einsehbar. Im Beisein des Überlebenden Jonny Valentin wurde am Freitag in Potsdam die Online-Ausgabe freigeschaltet. In dem Buch finden sich die Namen von 21 913 Menschen, die während des Nazi-Terrors im KZ in Oranienburg ermordet wurden oder aufgrund von katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen starben. Viele tausende Namen fehlen noch. "Ich finde es ganz großartig und bewegend, dass die Namen von so vielen Kameraden, deren Asche namenlos verscharrt wurde, dem Vergessen entrissen werden konnten und überall auf der Welt verfügbar sind", sagte Valentin. Stiftungsdirektor Günter Morsch erklärte: "Wir verbinden mit der Veröffentlichung nicht zuletzt auch die Hoffnung, dass wir weiteren Opfern ihren Namen zurückgeben zu können."

Ausstellung will Hohenzollern-Frauen würdigen

Stiftung: "Ohne die Frauen wäre der Auftsieg der Hohenzollern nicht möglich gewesen

Zum 600. Jubiläum des Beginns der Hohenzollern-Herrschaft über Berlin und Brandenburg zeigt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 2015 eine Ausstellung über die Frauen der Dynastie. Ohne die Ehefrauen und Töchter der fürstlichen Herrscher wäre der Aufstieg der Hohenzollern nicht möglich gewesen, erklärte die Stiftung am Freitag in Berlin. Mit der Ausstellung "Frauensache. Wie Brandenburg Preußen wurde" solle die deutsche und europäische Geschichte unter den Hohenzollern neu betrachtet werden. Mit dem Ansatz, den Fokus auf die weiblichen Mitglieder der Dynastie zu legen, werde die Schau "tradierte Bilder aufbrechen und jene Persönlichkeiten vorstellen, deren große Bedeutung für das kulturelle und politische Werden des Staates vernachlässigt worden ist". Die Ausstellung ist vom 22. August bis 22. November 2015 im Berliner Schloss Charlottenburg zu sehen.

Arnon Grünberg: Der Westen ist naiv

Der niederländische Schriftsteller kritisiert blauäugige Haltung zum nahen Osten

Arnon Grünberg hat dem Westen "Naivität" in seinem Umgang mit dem
Irak vorgeworfen. "Es ist einfach ein Fehler, den der Westen gemacht
hat, im Irak, in Afghanistan, nicht zu verstehen, wo man ist und
welche Geschichte diese Leute haben und wie schwierig es ist, um in
kurzer Zeit da etwas zu ändern", sagte Grünberg am Donnerstagabend
bei einem Auftritt in Köln.

Westliche Diplomaten schätzten die Lage in solchen Krisenregionen
häufig zu optimistisch ein. "ich war im Januar in Afghanistan, und da
habe ich einen holländischen Diplomaten getroffen, der hat gesagt:
"Es geht langsam voran. Ich war gestern in einer Musikschule, wo die
Kinder gelernt haben, Klavier zu spielen." Das sähen die Menschen,
mit denen er sonst in Afghanistan gesprochen habe, etwas
anders: "Wenn es rund um diese Musikschule Anschläge gibt, hat man
nicht so viel von der Tatsache, dass man lernt, Beethoven zu
spielen."

Grünberg, dessen Werk in 27 Sprachen erscheint, erzählt in seinem
neuen Buch "Der Mann, der nie krank war" die Geschichte eines
schweizerischen Architekten, der in Bagdad für einen Spion gehalten
wird. Grünberg war selbst schon viermal im Irak.

Barenboims West-Eastern Divan Orchestra in Berliner Waldbühne

Daniel Barenboim spielt Mozarts Klavierkonzert selbst

Zum Abschluss einer Tournee nach Südamerika und durch Europa tritt Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra an diesem Sonntag in der Berliner Waldbühne auf. Das Orchester mit jungen Musikern aus Israel, den arabischen Ländern und Spanien spielt Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Maurice Ravel. Dabei wird Barenboim Mozarts Klavierkonzert Nr. 27 als Pianist selbst aufführen. Danach folgen unter anderem Ravels "Rhapsodie espagnole" und sein "Boléro".
In den vergangenen Wochen war das vom Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper und dem palästinensisch-amerikanischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründete Orchester nach Argentinien gereist. Anschließend spielte es in Luzern, bei den BBC Proms in London sowie den Salzburger Festspielen.

Achenbach-Affäre: Weitere Anzeige wegen Betrugs

Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen aus.

Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach sitzt seit mehr als zwei Monaten in Untersuchungshaft. Jetzt ist eine weitere Strafanzeige gegen ihn ergangen. Sie stammt von der Unternehmerfamilie Viehof. "Wir haben einige Geschäfte unserer Firma Vibro Art geprüft und vergangene Woche Strafanzeige gegen Helge Achenbach gestellt", sagte Eugen Viehof der «Rheinischen Post». Es gehe um einen Schaden von rund einer Million
Euro beim Erwerb von Kunstwerken von Georg Baselitz.
Achenbach war Geschäftsführer der wertvollen privaten Kunstsammlung "Rheingold", die unter anderem von den Unternehmer-Brüdern Viehof aufgebaut wurde.

Die erste Anzeige hatte die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht gestellt. Sie führte zur Inhaftierung des international vernetzten Achenbach am 10. Juni. Ein Sprecher Achenbachs wies die Vorwürfe am Donnerstag erneut zurück: "Neben der Strafanzeige von Frau Albrecht sind uns derzeit keine weiteren Strafanzeigen bekannt."

Achenbach, einer der bekanntesten Kunstberater Deutschlands, soll überhöhte Einkaufspreise für die von ihm vermittelten Kunstwerke in Rechnung gestellt haben. Drei Unternehmen der verzweigten Firmengruppe Achenbachs haben inzwischen Insolvenz angemeldet. Auch die Anteile Achenbachs an "Rheingold" sind gesperrt. Die "Rheingold"-Sammler erwerben seit mehr als zehn Jahren in Kooperation mit Museen Werkgruppen zeitgenössischer Künstler.

Kulturrat setzt Theater und Bibliothek auf "Rote Liste"

Sparzwänge gefährden Berliner Kultureinrichtungen

Der Deutsche Kulturrat hat das Berliner Theater Hans Wurst Nachfahren und den Studiengang Kirchenmusik der Hochschule für Künste in Bremen auf seine Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen gestellt. Auch die Stadtbücherei Wedel in Schleswig-Holstein sei gefährdet, teilte der Kulturrat am Freitag in Berlin mit. Grund dafür seien Sparzwänge der Stadt. Auf die Vorwarnliste kam das Zollmuseum Friedrichs in Aachen. Mit der Liste macht der Dachverband auf Kultureinrichtungen aufmerksam, die beispielsweise durch Sparzwänge um ihre Zukunft fürchten. Bei dem Theater Hans Wurst Nachfahren geht es laut der Mitteilung um einen auslaufenden Mietvertrag.

Juli Zeh fordert gemeinsames Handeln gegen Amazon

Die Schriftstellerin ruft Verlage dazu auf sich zu organisieren

Juli Zeh gehört zu den inzwischen rund 1500 deutschsprachigen Autoren, die dem Onlinehändler in einem offenen Brief "Erpressungsmethoden" vorwerfen. Es reiche aber nicht, sagte sie heute in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung", "Amazon zu dämonisieren und zu versuchen, in einer verworrenen Situation mit der Moralkeule Klarheit zu schaffen". Angesichts der veränderten Strukturen auf dem Buchmarkt müssten sich die Verlage zusammentun. "Es ist nicht so, dass die andere Seite keine Macht hat, sie ist nur gespalten."

Der Vorwurf an Amazon lautet, das Online-Kaufhaus manipuliere gezielt
Empfehlungslisten und liefere Bücher bestimmter Verlage verlangsamt
aus, um höhere Rabatte durchzusetzen.

"Einen Autor Marlene Streeruwitz kenne ich nicht" - Kritik am Literaturbetrieb

Die österreichische Schriftstellerin protestiert gegen männliche Bezeichnungen beim Deutschen Buchpreis

Marlene Streeruwitz beklagt auch, dass der Buchpreis "nur eines der Vehikel" für Konzepte der Absatzwirtschaft, wie das "Buchmarketing" des Börsenvereins" sei. In einem Artikel für die Tageszeitung "Die Welt" kritisiert die Schriftstellerin heute aber vor allem ein fehlendes Bewusstsein für Gender-Fragen: "In den Aussendungen des Börsenvereins gibt es nur Autoren und keine Autorinnen. (...) Es gibt keine Geschlechterdifferenz, sagen solche Formulierungen. Stellt euch unter die männliche Form und lasst differenzierende Kinkerlitzchen wie die geschlechtergerechte Sprache sein. Nur in eindeutigen Formulierungen gelingt ein umfassendes Sprechen, in dem Bücher verkauft werden können. Populismus wird nicht nur in Kauf genommen. Populismus ist erwünscht."

2011 stand Streeruwitz' Roman "Die Schmerzmacherin" auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. In diesem Jahr ist sie mit ihrem neuen Buch auf die Longlist gekommen: In "Nachkommen" schildert Streeruwitz ihre Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb. In ihrem heutigen Zeitungstext wirft die Schriftstellerin der Jury und insbesondere deren Vorsitzenden, der Literaturkritikerin Wiebke Porombka, eine "fröhlich neoliberale Weltsicht" vor: "Im Marketing ist Karriereplanung eine der wichtigsten Tugenden und Nachweis der Befähigung. "

Die Jury des Deutschen Buchpreises, vom Deutschlandradio Kultur angefragt, möchte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis wird am 10. September veröffentlicht, die Bekanntgabe des Gewinners und die Preisverleihung finden am 6. Oktober zum Auftakt der Buchmesse in Frankfurt statt.

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Fazit

Solidaritätslesung für HongkongJeder ist die Revolution
Die Künstlerin Alice Kahei Yu aus Hongkong sitzt hinter einem Blumenstrauß auf dem Pflaster, sie trägt eine Sonnenbrille und auf ihrem Pullover steht "Steht Hongkong bei" (Tomas Fitzel)

Die Proteste in Hongkong gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung finden weltweite Aufmerksamkeit und Unterstützung. In Berlin organisierte die deutsche Sektion der Schriftstellervereinigung P.E.N. eine spontane Solidaritätslesung.Mehr

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