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Donnerstag, 22.10.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 29. Juli 2020

Berliner Clubs wollen schnelle Genehmigung

Nach illegalen Raves mit mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einem Berliner Park arbeiten die Clubs der Hauptstadt an legalen Konzepten für Open-Air-Parties. Die Club Commission peile dabei bis zu 200 Teilnehmer an, sagte der Sprecher der Organisation, Lutz Leichsenring im Deutschlandfunk Kultur. Erlaubt seien bis zu 1.000. Mit Blick auf das Fortschreiten des Sommers forderte Leichsenring die Berliner Behörden zur schnellen Zusammenarbeit auf: "So ein Genehmigungsprozess geht über sechs bis acht Wochen. Das müssten wir in diesem Jahr auf jeden Fall etwas beschleunigen, wenn wir in diesem Sommer noch Veranstaltungen haben möchten."

Mehr Online-Gaming bei Kindern unter Corona

Kinder und Jugendliche haben unter Corona länger als sonst online gespielt und soziale Medien genutzt. Das geht aus einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor. Werktags stiegen die durchschnittlichen Gamingzeiten von einer Stunde und 20 Minuten auf fast zwei Stunden und 20 Minuten. Die Nutzung sozialer Medien stieg von knapp zwei Stunden auf mehr als drei Stunden. Als Grund nannten die Befragten Langeweile und das Pflegen sozialer Kontakte, auch in Form von Gruppen-Onlinespielen.

Schwere Vorwürfe gegen die Ellen DeGeneres Show

"Seid freundlich zueinander" - das ist das Motto der erfolgreichen Ellen DeGeneres Show im US-amerikanischen Fernsehen. Millionen schauen täglich ihre Sendung, sie wurde mit 31 Emmys ausgezeichnet. Seit einigen Wochen werfen zehn ehemalige und eine aktuelle Mitarbeiterin der Produktionsfirma rassistisches und herabwürdigendes Verhalten vor. Ellen DeGeneres selbst hat sich bislang noch nicht geäußert, die Produktinsfirma Warner Media hat jetzt eine Untersuchung der Vorwürfe angekündigt.

Weiss gegen Aufspaltung der SPK

Die frühere Kulturstaatsministerin Weiss, hat sich gegen eine Aufspaltung der "Stiftung Preussischer Kulturbesitz" ausgesprochen. Damit reagiert sie auf eine Initiative des Wissenschafts-Rates. Dieser hatte Mitte des Monats vorgeschlagen, die Kultur-Institution in vier Sparten zu unterteilen. Sollte das umgesetzt werden, käme dem Bund künftig eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung zu, obwohl Kulturpolitik eigentlich Länder-Sache ist. Auch wenn die Stiftung mit finanziellen Problemen zu kämpfen habe, sei eine Zerschlagung der falsche Weg. Im Deutschlandfunk Kultur sagte Weiss: "Eine Zerschlagung der Stiftung Preussischer Kulturbesitz halte ich für politisch erstens nicht machbar und zweitens auch nicht wollbar. Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz ist der größte Kulturschatz in unserem Land."

Felicitas Hoppe erhält Großen Preis des Literaturfonds

Die Autorin Felicitas Hoppe erhält den erstmals vergebenen Großen Preis des Deutschen Literaturfonds. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 7. Oktober in Berlin verliehen, wie der Literaturfonds in Darmstadt mitteilte. Die Jury begründete: "Felicitas Hoppe stellt Fragen an Sein und Wirklichkeit und lässt uns über den Horizont unserer alltäglichen Wahrnehmung hinausblicken." Weiter würdigte sie das vielfältige Werk der Autorin, deren "wache Wahrnehmung" und die "funkensprühende Vielschichtigkeit ihres Schreibens". Hoppe stammt aus Hameln und debütierte 1996 mit "Picknick der Friseure". Weitere Werke sind "Johanna", die fiktive Autobiografie "Hoppe" und der Roman "Prawda. Eine amerikanische Reise". Die Autorin erhielt bereits zahlreiche Ehrungen, darunter den Georg-Büchner-Preis.

Günter Wallraff erhält Kesten-Preis für Lebenswerk

Der Autor und Journalist Günter Wallraff erhält für sein Lebenswerk den Hermann Kesten-Preis des PEN-Zentrums Deutschland. Wallraff sei einer der engagiertesten deutschen Autoren der vergangenen Jahrzehnte, sagte PEN-Vizepräsident Ralf Nestmeyer in Darmstadt. Mit "bewundernswertem Mut und großem persönlichem Einsatz" habe er sich immer wieder für die Meinungsfreiheit sowie für politisch verfolgte Autorinnen und Autoren wie beispielsweise Salman Rushdie oder Julian Assange eingesetzt. Wallraff wurde vor allem durch seine verdeckten Recherchen bekannt. Mit dem Kesten-Förderpreis werden die ägyptische Online-Zeitung "Mada Masr" und deren Chefredakteurin Lina Attalah geehrt. Die hessische Kulturministerin Dorn sagte, sie berichteten kritisch über Entwicklungen in Ägypten und wehrten sich gegen Zensur und Einschüchterungen. Die Redaktion mache auf Unrecht aufmerksam und stoße Veränderungen an.

Grütters für neue Abstandsregeln in Kinos

Kulturstaatsministerin Grütters spricht sich für eine Lockerung der Restriktionen für Kinobetreiber aus. Die Corona-Abstandsregel von 1,50 Meter seien ein Problem, weil die Säle zu großen Teilen leer bleiben müssten, sagte Grütters der "Bild"-Zeitung. Sie empfehle stattdessen andere Abstandsregeln für die Branche. So könnte zum Beispiel jede Reihe versetzt gefüllt werden. Andernfalls seien nur ein Drittel oder sogar nur ein Viertel der sonst üblichen Zuschauerzahlen möglich, so die CDU-Politikerin. Man müsse die Entwicklung beobachten, fügte Grütters hinzu. Dazu gehöre, mit der Wissenschaft im Kontakt zu bleiben und immer wieder nachzufragen, ob es zu einer Anpassung kommen könne.

Rosendahl wird neuer Chef der Reiss-Engelhorn-Museen

Wilfried Rosendahl wird zum 1. Januar neuer Leiter und Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen (REM) in Mannheim. Er folgt auf Alfried Wieczorek, der nach 30 Jahren an der Spitze der REM in den Ruhestand geht. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz sagte, es gelte, die "ausgezeichnete Positionierung" der REM in der deutschen und internationalen Museumslandschaft weiter auszubauen und die Museen als Orte für wissenschaftlich fundierte und zugleich publikumsorientierte und familienfreundliche Ausstellungen zu stärken. Rosendahl ist Paläontologe und Geologe und arbeitet seit 2004 für die Reiss-Engelhorn-Museen, zuletzt war er stellvertretender Generaldirektor.

Selbstporträt von Rembrandt zu Rekordpreis versteigert

Ein Selbstporträt von Rembrandt ist bei einer virtuellen Auktion für den Rekordpreis von rund 16 Millionen Euro versteigert worden. Das teilte das Auktionshaus Sotheby's in London mit. 2003 wurde ein Selbstporträt des niederländischen Malers für rund 7,6 Millionen Euro verkauft. Ein Werk des britischen Künstlers Banksy zur Flüchtlingskrise erzielte 2,4 Millionen Euro. Banksy hatte angekündigt, den Erlös an ein palästinensisches Krankenhaus in Bethlehem spenden zu wollen. Das Werk mit dem Titel "Mediterraner Meeresblick 2017" besteht aus drei Ölgemälden. Sie zeigen eine Küste am Mittelmeer mit angespülten Rettungswesten. Das Triptychon beziehe sich auf die Menschen, die während der Flüchtlingskrise des vergangenen Jahrzehnts ihr Leben im Meer verloren, erläuterte Sotheby's auf seiner Website.

Banksy-Werk in London für 2,4 Millionen Euro versteigert

Ein Werk des britischen Künstlers Banksy zur Flüchtlingskrise ist für 2,4 Millionen Euro versteigert worden und hat damit alle Schätzungen übertroffen. Das gab das Auktionshaus Sotheby's am Abend bekannt. Der Wert des Werkes war zuvor auf bis zu 1,3 Millionen Euro geschätzt worden. Banksy hatte angekündigt, den Erlös an ein palästinensisches Krankenhaus in Bethlehem spenden zu wollen. Das Werk mit dem Titel "Mediterraner Meeresblick 2017" besteht aus drei Ölgemälden. Sie zeigen eine Küste am Mittelmeer mit angespülten Rettungswesten. Das Triptychon beziehe sich auf die Menschen, die während der Flüchtlingskrise des vergangenen Jahrzehnts ihr Leben im Meer verloren, erläuterte Sotheby's auf seiner Website.

"Emmy"-Nominierungen in Los Angeles bekannt gegeben

Um die begehrten Emmy-Fernsehpreise in den USA zeichnet sich ein Zweikampf zwischen Streaming-Anbieter Netflix und dem Pay-TV-Sender HBO ab. Die am Dienstag bekanntgegebenen Nominierungen entfielen oft auf eine der beiden Plattformen. So können sich etwa "The Crown" und "Stranger Things" von Netflix Hoffnungen auf den Preis für die beste Drama-Serie machen - in dieser Kategorie ist auch "Succession" von HBO nominiert. Die Serie mit den meisten Nominierungen, nämlich 26, ist die Comic-Adaption "Watchmen". Auch "Unorthodox" wurde in der Kategorie der besten Miniserie nominiert. Die Serie gehörte auch in Deutschland zu den meistgeschauten TV-Highlights. Die Emmys werden in mehr als 100 Kategorien von etwa 23 000 Mitgliedern der Television Academy vergeben. Im Krisenjahr 2020 wurde auch die Nominierungszeremonie virtuell abgehalten - die Preisvergabe findet am 20. September statt.

Offener Brief an Merkel zur deutschen Israelpolitik

Mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel protestieren, laut Süddeutscher Zeitung, mehr als sechzig Akademiker und Intellektuelle gegen die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik. Ihre Sorge gelte der drohenden Annexion palästinensischer Gebiete durch Israel sowie dem inflationären, sachlich unbegründeten und unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs, heißt es in dem Schreiben. Man frage sich, welchen Kräften im heutigen Israel die Unterstützung der Bundesregierung gelte. Ein kritischer Dialog sei notwendiger denn je und Stimmen des Friedens und des Dialogs dürften nicht diffamiert und mundtot gemacht werden. Unterschrieben haben unter anderen, der Politologe Johano Strasser, der Historiker Moshe Zimmermann, der Autor Sten Nadolny und die Friedenspreisträger Jan und Aleida Assmann.

Scully-Schenkung an Kunsthalle Karlsruhe ist fraglich

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe muss befürchten, nun doch keine Werke des bekannten Künstlers Sean Scully geschenkt zu bekommen. Scully hatte dem Haus in Aussicht gestellt, ihm rund 180 seiner Arbeiten im geschätzten Wert von rund 100 Millionen Euro zu überlassen. Inzwischen sind dazu nach Angaben des Kunstministeriums die Gespräche zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem irisch-amerikanischen Maler zum Erliegen gekommen. Die Kunsthalle selbst wollte sich dazu nicht äußern. Zwei schriftliche Gesprächsanfragen an Scully vom März und Juli dieses Jahres seien unbeantwortet geblieben, sagte ein Ministeriumssprecher. Eine direkte Absage habe es aber ebenfalls nicht gegeben. Zuvor hatte die "Stuttgarter Zeitung" darüber berichtet. Ihren Angaben zufolge zog Scully sein Angebot zurück. Stolperstein für das Projekt könnte bisher unter anderem gewesen sein, dass frühestens 2028 mit dem Bau des Erweiterungsgebäudes für das Museum begonnen werden kann. Eine Bedingung des Künstlers sei zudem gewesen, in dem Neubau mit der Hälfte der Werke dauerhaft vertreten zu sein. Damit würde eine sogenannte Scully-Galerie dort ein Drittel der Ausstellungsfläche einnehmen.

Französische Frauenrechtlerin Gisèle Halimi gestorben

Die französische Rechtsanwältin und Bürgerrechtsaktivistin Gisèle Halimi ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Die 1927 in Tunesien geborene Halimi setzte sich zeitlebens für Frauenrechte ein und kämpfte zum Beispiel für das Recht auf Abtreibung. Gemeinsam mit der Philosophin Simone de Beauvoir und der Schriftstellerin Christiane Rochefort gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Frauenrechtsorganisation "Choisir la cause des femmes". Ihr Engagement hatte Einfluss auf die Gesetzesreformen zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Halimi saß später selbst in der Nationalversammlung. Ende der 1990er gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der globalisierungskritischen Organisation Attac. Halimi war mit dem Philosophen Jean-Paul Sartre befreundet, dessen Anwältin sie auch war.

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Fazit

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