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Kulturnachrichten

Dienstag, 28. Juli 2020

"Emmy"-Nominierungen in Los Angeles bekannt gegeben

Um die begehrten Emmy-Fernsehpreise in den USA zeichnet sich ein Zweikampf zwischen Streaming-Anbieter Netflix und dem Pay-TV-Sender HBO ab. Die am Dienstag bekanntgegebenen Nominierungen entfielen oft auf eine der beiden Plattformen. So können sich etwa "The Crown" und "Stranger Things" von Netflix Hoffnungen auf den Preis für die beste Drama-Serie machen - in dieser Kategorie ist auch "Succession" von HBO nominiert. Die Serie mit den meisten Nominierungen, nämlich 26, ist die Comic-Adaption "Watchmen". Auch "Unorthodox" wurde in der Kategorie der besten begrenzten Serie nominiert. Die Miniserie gehörte auch in Deutschland zu den meistgeschauten TV-Highlights. Die Emmys werden in mehr als 100 Kategorien von etwa 23 000 Mitgliedern der Television Academy vergeben. Im Krisenjahr 2020 wurde auch die Nominierungszeremonie virtuell abgehalten - die Preisvergabe findet am 20. September statt.

Offener Brief an Merkel zur deutschen Israelpolitik

Mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel protestieren, laut Süddeutscher Zeitung, mehr als sechzig Akademiker und Intellektuelle gegen die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik. Ihre Sorge gelte der drohenden Annexion palästinensischer Gebiete durch Israel sowie dem inflationären, sachlich unbegründeten und unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs, heißt es in dem Schreiben. Man frage sich, welchen Kräften im heutigen Israel die Unterstützung der Bundesregierung gelte. Ein kritischer Dialog sei notwendiger denn je und Stimmen des Friedens und des Dialogs dürften nicht diffamiert und mundtot gemacht werden. Unterschrieben haben unter anderen, der Politologe Johano Strasser, der Historiker Moshe Zimmermann, der Autor Sten Nadolny und die Friedenspreisträger Jan und Aleida Assmann.

Essener Spielemesse dieses Jahr nur digital

Die internationale Spielemesse „Spiel" in Essen gibt es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nur digital. Die Organisatoren wollen im Oktober mit einem Online-Konzept eine Alternative für Verlage und Brettspielfans anbieten.
Vom 22. bis 25. Oktober soll die „Spiel.digital" dann über Trends und Neuheiten informieren. Über verschiedene Plattformen soll es möglich sein, die Spiele zu testen und sich auszutauschen. Geplante Livestreams in verschiedenen Sprachen richten sich an das internationale Publikum. Die weltgrößte Messe für analoge Brettspiele besuchten zuletzt mehr als 200.000 Interessierte.

Scully-Schenkung an Kunsthalle Karlsruhe ist fraglich

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe muss befürchten, nun doch keine Werke des bekannten Künstlers Sean Scully geschenkt zu bekommen. Scully hatte dem Haus in Aussicht gestellt, ihm rund 180 seiner Arbeiten im geschätzten Wert von rund 100 Millionen Euro zu überlassen. Inzwischen sind dazu nach Angaben des Kunstministeriums die Gespräche zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem irisch-amerikanischen Maler zum Erliegen gekommen. Die Kunsthalle selbst wollte sich dazu nicht äußern. Zwei schriftliche Gesprächsanfragen an Scully vom März und Juli dieses Jahres seien unbeantwortet geblieben, sagte ein Ministeriumssprecher. Eine direkte Absage habe es aber ebenfalls nicht gegeben. Zuvor hatte die "Stuttgarter Zeitung" darüber berichtet. Ihren Angaben zufolge zog Scully sein Angebot zurück. Stolperstein für das Projekt könnte bisher unter anderem gewesen sein, dass frühestens 2028 mit dem Bau des Erweiterungsgebäudes für das Museum begonnen werden kann. Eine Bedingung des Künstlers sei zudem gewesen, in dem Neubau mit der Hälfte der Werke dauerhaft vertreten zu sein. Damit würde eine sogenannte Scully-Galerie dort ein Drittel der Ausstellungsfläche einnehmen.

Französische Frauenrechtlerin Gisèle Halimi gestorben

Die französische Rechtsanwältin und Bürgerrechtsaktivistin Gisèle Halimi ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Die 1927 in Tunesien geborene Halimi setzte sich zeitlebens für Frauenrechte ein und kämpfte zum Beispiel für das Recht auf Abtreibung. Gemeinsam mit der Philosophin Simone de Beauvoir und der Schriftstellerin Christiane Rochefort gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Frauenrechtsorganisation "Choisir la cause des femmes". Ihr Engagement hatte Einfluss auf die Gesetzesreformen zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Halimi saß später selbst in der Nationalversammlung. Ende der 1990er gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der globalisierungskritischen Organisation Attac. Halimi war mit dem Philosophen Jean-Paul Sartre befreundet, dessen Anwältin sie auch war.

Forscher finden Ort von van Goghs letztem Gemälde

130 Jahre nach dem Tod des Malers Vincent van Gogh ist der Ort entdeckt worden, an dem er sein letztes Bild gemalt haben soll. Im nordfranzösischen Auvers-sur-Oise wurde die Stelle als besondere Sehenswürdigkeit ausgezeichnet, teilte das Amsterdamer Van Gogh-Museum mit. An einem mit Bäumen und Wurzeln bewachsenen Hügel soll der Maler sein Gemälde "Baumwurzeln" vollendet haben. Kurze Zeit später nahm er sich das Leben. Der größte Baumstrunk auf dem Bild ist nach Angaben des Museums noch immer zu sehen. Der Direktor des Van Gogh-Instituts in dem Ort, Wouter van der Veen, hatte die Stelle zufällig gefunden. Sie befindet sich etwa 150 Meter von der Auberge Ravoux entfernt - in dieser Herberge hatte Van Gogh die letzten zwei Monate seines Lebens verbracht.

Kythera-Kulturpreis an Historiker Volker Reinhardt

Der Historiker Volker Reinhardt erhält für sein Lebenswerk den mit 25.000 dotierten Kythera-Preis. Das teilte die Kythera-Kulturstiftung in Düsseldorf mit. Reinhardt hat zahlreiche Bücher zur Geschichte Italiens und der Schweiz, über Luther und die Reformation und zur Geschichte der Päpste geschrieben. Dem Autor gelinge es, Deutung und Erzählung von Geschichte elegant und anregend zu verknüpfen, hieß es weiter. Der Preis wird dem deutschen Historiker am 24. September im schweizerischen Fribourg überreicht.

Kurzfilmfestival Monstronale soll nur online stattfinden

Aus dem internationalen Kurzfilmfestival Monstronale in Halle wird wegen Corona in diesem Jahr ein Online-Festival. Um das Programm online implementieren und zwischen dem 7. und 11. Oktober stabil streamen zu können, sei eine Crowdfunding-Kampagne gestartet worden, teilte der veranstaltende Verein Plan 3 in Halle mit. Ursprünglich war das Festival für den 15. bis 19. April geplant und dann mit Beginn der Corona-Pandemie auf Oktober verschoben worden. Schon damals überlegte der Veranstalter, es als Streamingangebot zu realisieren. Es ist die achte Ausgabe des Kurzfilmfestivals.

Deutscher Film im Wettbewerb beim Filmfest Venedig

Beim Filmfest in Venedig startet dieses Jahr auch ein deutsches Werk im Wettbewerb. Die Regisseurin Julia von Heinz wurde mit ihrem Film "Und morgen die ganze Welt" zum Festival eingeladen. Das teilte Direktor Alberto Barbera bei einer Video-Pressekonferenz mit. Insgesamt konkurrieren im Hauptwettbewerb 18 Filme um die Löwen. Es könnten in den nächsten Tagen weitere Regisseure eingeladen werden, sagte Barbera. Das 77. Internationale Filmfestival startet offiziell am 2. September und läuft bis zum 12. September. Fast die Hälfte der Filme im Hauptwettbewerb komme von Frauen, stellten die Organisatoren heraus. Schon am Wochenende hatte die Festivalleitung mitgeteilt, dass der deutsche Regisseur Christian Petzold zur Jury der Festspiele gehören wird. Jurychefin ist die australische Schauspielerin Cate Blanchett.

Kritik an geplanter Neuordnung der Preußen-Stiftung

Das Land Berlin steht bei der Neuordnung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einer möglichen alleinigen Partnerschaft mit dem Bund offen gegenüber. Im Senat werde die Analyse des Wissenschaftsrates als gute Grundlage betrachtet, um die Stiftung zukunftsfähig aufzustellen. Das Gutachten biete die Chance, die beschriebenen Defizite zu analysieren und strukturell anzugehen. Das gehe laut dpa aus einer Antwort des Senats auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Wesener hervor. Aus Sicht des Grünen-Kulturexperten Wesener löse eine Aufspaltung der Stiftung keines der realen Probleme. In ihren strukturellen Schwächen spiegelten sich die Defizite von Bundeskulturpolitik und Kulturföderalismus. Es gebe keine gemeinsame Idee von Aufgaben und Zukunft der Stiftung, "geschweige denn eine auskömmliche Finanzierung". Gerade Berlin müsse sich der Bedeutung der Kultur- und Bildungsarbeit der Stiftung stärker bewusst werden.

Mehrheit der Kinder liest regelmäßig in der Freizeit

Die Mehrheit der Kinder in Deutschland liest einer Studie zufolge mindestens mehrmals pro Woche in der Freizeit. 77 Prozent der 4- bis 13-Jährigen nutzen demnach dazu Bücher, Zeitschriften, Comics, E-Books oder E-Magazine. Das geht aus dem "Kinder Medien Monitor 2020" hervor, der heute vorgestellt wurde. 94 Prozent der Kinder schauen zudem mindestens mehrmals pro Woche Filme, Serien oder Fernsehsendungen und 90 Prozent nutzen Musik, Radiosendungen, Hörspiele oder Hörbücher. Mehrere Medienhäuser hatten die Studie in Auftrag gegeben: Gruner + Jahr, Zeit Verlag, Spiegel Verlag, Panini Verlag und Egmont Ehapa Media. Das Marktforschungsunternehmen Immediate erstellte die Analyse federführend. Die Untersuchung repräsentiert rund 7,4 Millionen Kinder in Deutschland im Alter von 4 bis 13 Jahren.

Neue Tür für Synagoge in Halle wird eingebaut

Neun Monate nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle bekommt die angegriffene Synagoge eine neue Eingangstür. Begleitet von großem Medieninteresse baute Tischlermeister Thomas Thiele am Dienstagmorgen die alte Tür aus, die am 9. Oktober 2019 von dem Attentäter mehrfach beschossen worden war. Die Tür hielt dem Angriff stand, in der Synagoge hatten mehr als 50 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gefeiert. Als er nicht in das Gotteshaus gelangte, erschoss der Attentäter auf der Straße eine 40-Jährige und einen 20-Jährigen in einem Dönerimbiss. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, sagte, die alte Tür werde zentraler Bestandteil eines Mahnmals werden.

Geplantes Latino-Museum nimmt erste Hürde

In den USA nehmen Pläne für ein Museum über die Geschichte, Kunst und Kultur von Amerikanern mit lateinamerikanischen Wurzeln Gestalt an. Das Repräsentantenhaus billigte ein Gesetz, das eine Schaffung dieser Einrichtung unter dem Dach der Forschungs- und Bildungsorganisation Smithsonian vorsieht. Nun geht die Vorlage an den Senat, wo die Idee parteiübergreifenden Rückhalt hat. Der Hispanic Caucus im Kongress, ein loser Verbund von Abgeordneten mit hispanischen Wurzeln, feierte die erste Hürde auf dem Weg zum geplanten Museum. "Die Latino-Geschichte ist eine amerikanische Geschichte, und unsere Geschichte ist ein zentraler Faden in der Geschichte unserer Nation", sagte Joaquin Castro aus Texas, der Vorsitzende der Gruppe. Das geplante Latino-Museum würde sich am Nationalen Museum für Afroamerikanische Geschichte und Kultur orientieren, das 2016 im Park National Mall in Washington eröffnet wurde.

Ägypterinnen wegen TikTok-Video zu Haft verurteilt

Mehrere junge Ägypterinnen sind wegen "anstößigen" Tanzens in Videos auf der Plattform TikTok zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Frauen müssen für das "Verstoßen gegen die Werte und Prinzipien der ägyptischen Familie" außerdem jeweils umgerechnet 16 000 Euro Strafe zahlen, wie es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft hieß. Sie hätten Ausschweifungen und Menschenhandel beworben. Die Verteidigung kündigte an, in Berufung gehen zu wollen. Die Frauen erreichten kürzlich Berühmtheit auf TikTok, wo Tausende Follower ihre Videoclips sahen, in denen sie zu eingängiger ägyptischer Clubmusik tanzten. In den 15-sekündigen Clips tragen die Frauen Make-up und Röcke, posieren mit Autos, tanzen in der Küche und machen Witze.

Brasilien sagt Oktoberfest in Blumenau ab

Nach dem Karneval in São Paulo und der Silvesterparty in Rio de Janeiro ist wegen der Corona-Pandemie auch das Oktoberfest im brasilianischen Blumenau abgesagt worden. Mehrere Hunderttausend Menschen fanden sich in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig auf dem Gelände des Parque Vila Germânica zu deutscher Volksmusik, zünftigem Essen und viel Bier ein. Der 1850 vom deutschen Einwanderer Hermann Otto Blumenau gegründete Ort im südlichen Bundesstaat Santa Catarina hat heute rund 350 000 Einwohner und gilt als eine der "deutschesten Städte" Brasiliens. Nach jüngsten Daten der Regierung von Santa Catarina haben sich in Blumenau fast 4400 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 40 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 bislang gestorben. Santa Catarina ist einer der brasilianischen Bundesstaaten mit dem höchsten Anstieg der Covid-19-Todesfälle.

Neil Young erwägt Klage gegen Trump

Nach der Verwendung seiner Songs bei einer Ansprache von US-Präsident Donald Trump am Mount Rushmore überlegt der kanadische Musiker Neil Young nun doch, rechtliche Schritte einzuleiten. "Stellt Euch vor, wie es sich anfühlt, 'Rockin' in the Free World' zu hören, nachdem dieser Präsident gesprochen hat, als wäre es sein Titelsong. Ich habe ihn nicht dafür geschrieben», schrieb der 74-Jährige in einem Statement. Trump hatte den Song und weitere bei einem Auftritt zum Unabhängigkeitstag Anfang Juli gespielt. Damals habe Young von einer Klage abgesehen, wie er in einem Brief an den Präsidenten schrieb. Nach dem umstrittenen Einsatz von Bundespolizisten gegen Demonstranten, erwäge er aber nun doch eine Klage gegen den Präsidenten, schrieb Young nun auf der Internetseite Internetseite "Neil Young Archives".

Banksy will Einnahmen aus Verkauf von Werk spenden

Der britische Künstler Banksy will die Einnahmen aus der Versteigerung eines seiner Werke an ein palästinensisches Krankenhaus spenden. Dies teilte Wissam Salsaa, ein Mitarbeiter des Künstlers in Bethlehem, der Nachrichtenagentur AFP mit. Das Werk mit dem Titel "Mediterranean Sea View 2017" soll am Donnerstag vom Auktionshaus Sotheby's in London versteigert werden. Der Wert des Werkes wird auf 1,5 Millionen Dollar geschätzt. Es besteht aus drei Ölgemälden, die eine wilde See und eine Küste voller oranger Rettungswesten zeigen. Das Werk beziehe sich auf die Menschenleben, die während der Flüchtlingskrise des vergangenen Jahrzehnts im Meer verloren gegangen seien, erläuterte Sotheby's. Das Tryptichon hing früher in der Lobby des Hotels "Walled Off" in Bethlehem im Westjordanland, das von Banksy mitgegründet wurde.

Forschung über Corona-Krise und Religiosität

Die Corona-Krise betrifft nach Einschätzung der Politikwissenschaftlerin Carolin Hillenbrand auch den Glauben vieler Menschen. Eine enge Glaubensbeziehung könne durch die Krisenzeit hindurchtragen, sagte sie im Deutschlandfunk. Wenn dagegen ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Gemeinde im Vordergrund stehe, sei dies vielfach weggebrochen - und das könne zu Glaubenszweifeln führen. Hillenbrand untersucht derzeit an der Universität Münster die Zusammenhänge zwischen Corona-Krise und Religiosität. In der laufenden Online-Befragung gehe es auch grundsätzlich um die Frage, wie es den Menschen mit der Pandemie gehe. Auch Fragen nach Verschwörungstheorien, der Pandemie als göttlicher Strafe oder Rückschlag der Natur würden gestellt. Unter www.religion-und-politik.de können Interessierte bis Anfang September an einer Umfrage teilnehmen.

Wackener Heavy-Metal-Festival startet als Livestream

Das Heavy-Metal-Festival in Wacken findet wegen der Coronapandemie erstmals nur per Live-Stream statt. Das Online-Event läuft von Mittwoch bis Samstag. Nach Veranstalterangaben werden die Musiker bei dem Festival live spielen. Sie sollen damit in Echtzeit mit präzisem Kamera-Tracking abgefilmt und direkt in ein virtuelles Set integriert werden. Die Fans sollen dabei nicht nur Zuschauer sein, sondern durch Mitmachprogramme und Interaktionen eingebunden werden. Die Veranstalter hatten das weltbekannte Heavy-Metal-Festival mit Besuchern aus mehr als 80 Nationen bereits Mitte April abgesagt.

Musiker in Prag gegen Corona-Einschränkungen

Mehr als tausend Musiker und Kreative haben in Prag an einer Kundgebung unter dem Motto "Für Live-Musik" teilgenommen. Mit der Aktion auf dem Altstädter Ring am Montagabend wollten sie nach Angaben der Veranstalter auf ihre existenziellen Probleme wegen der Corona-Krise hinweisen. Man sehe kein Licht am Ende des Tunnels, hieß es in einem offenen Brief an Ministerpräsident Babis. Fast alle Festivals, Konzerte und anderen Auftrittsmöglichkeiten würden abgesagt. Die Musiker forderten eine schnelle Lockerung der Corona-Einschränkungen und finanzielle Unterstützung. Tschechiens Kulturminister Zaoralek setzt nach eigenen Worten auf einen Dialog mit den Demonstranten. Man müsse sich aber darauf einstellen, dass gewisse Einschränkungen bis zum Jahresende andauern werden, sagte der Sozialdemokrat nach einer Kabinettssitzung.

Konzert für Italiens Zukunft in Genua

Eine Woche vor der feierlichen Eröffnung der neuen Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua hat das renommierte Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia am Fuß des Bauwerks ein Konzert gegeben. Unter Leitung des Chefdirigenten Antonio Pappano hatten die Musiker aus Rom Werke des US-Dirigenten Samuel Barber und Ludwig van Beethovens im Programm.
Der gigantische Bau auf hohen Stelzen ersetzt die Morandi-Brücke, die vor zwei Jahren eingestürzt war. Bei dem Unglück vom August 2018 waren 43 Menschen gestorben. Ehrengäste des als "privat" bezeichneten Konzerts waren auch regionale Politiker und Kirchenobere. Es wurde vom Bauträger organisiert. Die Open-Air-Veranstaltung war zum einen den über 1.000 Männern und Frauen gewidmet, die rund ein Jahr lang an dem Projekt gearbeitet hatten. Außerdem fand sie im Gedenken an die Opfer des Einsturzes statt.

Literaturfest München wegen Corona nicht wie geplant

Das Literaturfest München 2020 wird wegen der Corona-Krise nur eingeschränkt stattfinden, teilten die Stiftung Literaturhaus München, der Landesverband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und das Kulturreferat mit. Das Festprogramm des Literaturhauses und das forum:autoren mit internationalen Gästen vor großem Publikum ließen sich nur eingeschränkt oder gar nicht realisieren. In Planung ist weiterhin der zweite große Programmteil des Literaturfests, die Münchner Bücherschau. Durch die parallel entwickelte "digitale Bücherschau" sei es möglich, auch bei geringeren Teilnehmerzahlen vor Ort viele Buchinteressierte zu erreichen und die Ausfallrisiken gering zu halten, sagte Michael Then, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands des Börsenvereins.

Ensemble Leipziger Straße in Berlin unter Schutz gestellt

Das bauliche Ensemble rund um die Leipziger Straße in Berlin wird unter Schutz gestellt. Es ist eines der bedeutendsten Neubauviertel Ost-Berlins und zentraler Wohnort der Hauptstadt. Damit sollen unerwünschte bauliche Veränderungen verhindert werden, heißt es in einem Erlass des Bezirksamts Mitte. Das Bezirksamt hatte als Grundlage für die Entscheidung ein Architektur-Gutachten in Auftrag gegeben. Darin heißt es, die Verbindung von Hochhaus und Flachbau wie in der Leipziger Straße sei eine Errungenschaft moderner Stadtorganisation. Frühere Pläne zur Neugestaltung des Gebiets würden nun verworfen.

Hegel-Haus Stuttgart öffnet an dessen 250. Geburtstag

Das Museum Hegel-Haus in Stuttgart wird am 250. Geburtstag des Philosophen am 27. August wiedereröffnet. Die neue Dauerausstellung widmet sich Leben und Werk von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der 1770 in dem Haus zur Welt kam und 1831 in Berlin starb. Multimediale Installationen und interaktive Stationen sollen Hegel auch Besuchern ohne philosophische Vorkenntnisse näherbringen, sagte Museumsleiterin Christiane Sutter. Hegels Wirkungsgeschichte sei enorm, auch wenn seine Gedankenwelt zuerst unzugänglich erscheine. In den vergangenen Monaten war das Gebäude wegen Umbaus geschlossen. Die Sanierung kostete rund 900 000 Euro. Nach der Eröffnungsfeier sind zwei Festwochen mit weiteren Veranstaltungen geplant.

Robert-Walser-Preis für Thilo Krause und Anne Pauly

Die französische Schriftstellerin Anne Pauly und ihr deutscher Kollege Thilo Krause werden mit dem Robert Walser-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre gleichzeitig an ein französischsprachiges und ein deutschsprachiges Erstlingswerk vergeben. Krause erzähle in seinem Debüt "Elbwärts" auf eindringliche Weise über eine Konfrontation mit einem Jugendtrauma, so die Jury. Für seine Gedichte wurde er bereits 2012 mit dem Schweizer Literaturpreis und 2016 mit dem Clemens-Brentano-Preis sowie dem ZKB Schillerpreis ausgezeichnet. Die in Paris lebende Anne Pauly entwickele in ihrem Erstling "Avant que j'oublie" mit bemerkenswerter Geschmeidigkeit, Komik und Poesie die vielfältigen Facetten einer gerade verschwundenen Vaterfigur, so die Jury in ihrer Begründung.

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Juli 2020
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Fazit

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