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Kulturnachrichten

Donnerstag, 23. Juli 2020

Autor Zaimoglu findet Hagia-Sophia-Debatte übertrieben

Die Debatte über die Hagia Sophia in Istanbul geht weiter. Der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu hält die "Aufgeregtheit" wegen der geplanten Umwandlung vom Museum in eine Moschee für übertrieben. "Viele säkular gestimmte Menschen entdecken plötzlich ihr Herz für die Christenheit. Sie sollten sich aber bitteschön auch engagieren, wenn es um tiefere Glaubensfragen geht", sagte der 55-Jährige der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". Zaimoglu betonte: "Ich begrüße, wenn in einem Gotteshaus wieder ein Gott angebetet wird. Die Hagia Sophia wurde ja schließlich nicht als Verwahranstalt und Showroom von Kultgegenständen gebaut." Gleichwohl handele es sich bei dem Schritt des türkischen Präsidenten Erdogan um eine Inszenierung. Zaimoglu weiter: "Es ist aber auch nichts Neues unter der Sonne. Aus Synagogen und Tempeln wurden Kirchen. Heute werden Kinos und Buchläden daraus, wenn sie nicht mehr gebraucht werden", so der Schriftsteller. Nach mehr als 80 Jahren findet zum ersten Mal wieder ein Freitagsgebet in der Hagia Sophia in Istanbul statt.

Jedes dritte Museum der USA von Schließung gefährdet

Als Folge der Corona-Pandemie fürchten viele Museen in den USA um ihre Zukunft. Laut einer Umfrage des US-Museumsverbands AAM hat jedes dritte Museum angegeben, dass ein deutliches Risiko besteht, endgültig zum kommenden Herbst schließen zu müssen. Mehr als 750 Museumsdirektoren wurden dafür befragt. Der überwiegende Teil habe zudem nur noch Rücklagen für bis zu zwölf Monate. Eine Schließung von rund 12 000 Museen sei für Gemeinden, Wirtschaft und das Bildungssystem verheerend. Rund 700 000 Arbeitsplätze wären betroffen. Die Museen hoffen deshalb auf staatliche Finanzhilfen und Spenden.

100 niederländische Museen fürchten Schließung

Rund 100 Museen in den Niederlanden fürchten wegen der Corona-Krise das Aus. Ohne staatliche Hilfen würden sie das nächste Jahr finanziell nicht überleben, teilte der Verband der Museen in Amsterdam mit. Vor allem die kleineren Museen mit weniger als 40 000 Besuchern im Jahr seien von der Pleite bedroht. Die Regierung in Den Haag hatte zu Beginn der Pandemie zwar ein Hilfspaket von insgesamt 300 Millionen Euro für Kultureinrichtungen zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Verbandes kommt das aber vor allem den großen Kunstmuseen zugute.

Schauspieler dürfen sich beim Dreh wieder küssen

Schauspieler dürfen wieder küssen und kämpfen, ohne dass sie davor in Quarantäne müssen. Ab sofort sind keine pauschalen präventiven Maßnahmen mehr erforderlich, das teilte die zuständige Berufsgenossenschaft mit. Bislang lautete die Empfehlung für Filmproduktionen, dass sich die Schauspieler bei Drehorten in Deutschland etwa vor Kuss-Szenen fünf Tage lang in Quarantäne begeben sollen.

Der Electra-Sänger Stephan Trepte ist tot

Der Musiker und Sänger Stephan Trepte der Rockband Electra ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Sohn, der Schauspieler Ludwig Trepte auf seinem Instagram-Account. Aus Biehla in Sachsen stammend, spielte er nach einer Ausbildung zum Maschinenbauer zunächst in Amateurbands, bis ihn Electra-Chef Bernd Aust zur Band holte. Für Electra sang Stephan Trepte 1972 als ersten Song "Tritt ein in den Dom". Die Band und ihr Lied wurden auch deswegen bekannt, weil der Song in der DDR als Werbung für die Kirche interpretiert und das Lied kaum noch offiziell gespielt wurde. Nach Spannungen bei Electra wechselte Trepte zu anderen Bands. Bei Reform blieb er bis zu deren Auflösung 1986. Später beteiligte sich Trepte an verschiedenen Musikprojekten. Zu Electra stieß Trepte später wieder hinzu und blieb als Sänger bis zur Auflösung der Band 2015 dabei.

Journalistinnen sehen Nachteile durch Pandemie

Die Coronakrise hat laut einer Umfrage Journalistinnen stärker getroffen als ihre männlichen Kollegen. Die Geschlechterungleichheit in den Redaktionen habe seit Beginn der Pandemie zugenommen, erklärte die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ) unter Berufung auf die erhobenen Daten. Laut der Umfrage unter 558 Journalistinnen und Journalisten in 52 Staaten hatte die Krise negative Auswirkungen auf die Gehälter von Frauen, auf deren Arbeitsaufgaben, Karriere und Privatleben. Medienorganisationen und Gewerkschaften müssten mehr unternehmen, um die Ungleichheit der Geschlechter aufzulösen, und der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben "in diesen turbulenten Zeiten" Rechnung zu tragen, sagte Maria Samperio, die Vorsitzende der IFJ für Gender-Fragen. Es müsse klare Richtlinien zur Arbeit aus dem Home-Office und Unterstützung für Mütter geben. Rund die Hälfte der Frauen gab an, dass sich ihre Gesundheit in der Krise verschlechtert habe, vielfach durch Schlafprobleme und mehr Stress.

Antisemitismus-Beauftragter hofft auf Debatte

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung hofft, dass der Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle eine gesellschaftliche Debatte auslöst. Der Prozess sei "eine große Chance, über die tiefe Verwurzelung des Antisemitismus in der Gesellschaft zu sprechen", sagte Felix Klein dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ebenso sei eine Debatte über die Art und Weise, wie Menschen sich im Internet radikalisierten, ohne dass andere dies mitbekämen wichtig. Klein ermutigte Betroffene, bei Vorfällen öfter als bisher zur Polizei zu gehen. Gespräche mit Politikern, die Drohmails erhielten, zeigten ihm, "dass dieses Milieu zurückweicht, wenn es Gegendruck bekommt und auch mal der Polizeiwagen vor der Tür steht".

Hunderte Einreichungen für den Deutschen Radiopreis

Für den Deutschen Radiopreis haben 138 Radioprogramme ihre 432 Favoriten eingereicht, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es mit 442 Einreichungen von 154 Radioprogrammen nur unwesentlich mehr gewesen. Der deutsche Radiopreis wird in zehn Kategorien vergeben, darunter beste Reportage, beste Radiocomedy, bester Podcast und beste Moderation. Die Preise sind undotiert. Ausgezeichnet werden Angebote oder Personen, die "in besonderer Weise durch ihre Qualität die Stärken und Möglichkeiten des Mediums vorführen und hervorheben und die damit auch beispielhaft wirken". Wer die erste Hürde genommen hat und von einer unabhängigen Jury des Grimme-Instituts für den Radiopreis nominiert ist, soll in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden. Der Deutsche Radiopreis wird von den Hörfunkprogrammen der ARD, dem Deutschlandradio und den Privatradios in Deutschland gestiftet.

Bayreuther Festspiele mit hohen Einnahme-Verlusten

Die Bayreuther Festspiele haben wegen der Coronakrise rund 15 Millionen Euro an Einnahmen verloren. "Die Bayreuther Festspiele sind traditionell zu etwa 65 Prozent aus Eintrittskarten finanziert. Und diese Einnahmen fehlen natürlich vollkommen, wenn die Festspiele ausgesetzt werden müssen", sagte der Geschäftsführer der Festspiele, Holger von Berg, der Deutschen Presse-Agentur. Am 25. Juli hätten die wegen Corona abgesagten Festspiele eigentlich begonnen. Für dieses Jahr werde der Etat reichen, um die Kosten zu decken. Ungewiss bleibe allerdings, ob und wie die Festspiele 2021 durchgeführt werden könnten, so von Berg. Trotzdem seien bisher für kommendes Jahr weiterhin auch Neuproduktion geplant, unter anderem Richard Wagners Opern "Der fliegende Holländer" und "Tannhäuser".

Friedensglocke aus Kriegsschrott für Jerusalem

Eine Initiative aus Brandenburg will bis 2025 eine "Friedensglocke" aus Deutschland nach Jerusalem bringen. Geplant ist nach einer Weihe Anfang August die Glocke zunächst mit einem Konvoi aus mehreren Pferdewagen ab Hamburg auf die Reise zu schicken. Das kündigte der Verein "Friedensglocken" in Brück bei Potsdam auf seiner Internetseite an. Auf einer 20-tägigen Reise soll die Glocke zunächst ins Kloster Marienfließ in der Prignitz gebracht werden. In den Orten an der Strecke sind Begegnungen der Konvoi-Teilnehmer mit den Bürgerinnen und Bürgern geplant. Die Aktion soll einen Beitrag für ein versöhntes und friedliches Europa leisten, wie der Pfarrer und Vereinsvorsitzende Helmut Kautz erklärte. Die Glocke wurde nach Vereinsangaben im Juni aus Kriegsschrott gegossen. Geplant sind jährliche Touren durch Deutschland, bevor der Klangkörper 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Israel transportiert werden soll.

Angeblich älteste menschliche Spuren in Amerika

In Amerika könnten schon vor mehr als 30.000 Jahren Menschen gelebt haben, gut doppelt so lange wie bisher angenommen. Darauf deuten nach Ansicht von Archäologen Steinwerkzeuge hin, die in einer Höhle im zentral-mexikanischen Bundesstaat Zacatecas gefunden wurden. Mehr als 200 davon steckten in Erd-Schichten, deren Alter auf bis zu 33-tausend Jahre datiert werden. Wissenschaftler streiten schon lange darüber, seit wann Menschen auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent leben.

Bund stockt Etat für Künstler-Stipendien deutlich auf

Um Künstlern und Kulturschaffenden besser durch die Corona-Krise zu helfen, erhöht der Bund seine finanzielle Unterstützung. Statt 8,5 Millionen Euro sind nun 52 Millionen im Etat von Kulturstaatsministerin Grütters für dieses und das kommende Jahr eingeplant, wie aus einem Papier hervorgeht, das der "Neuen Osnabrücker Zeitung"vorliegt. Die Erhöhung der Stipendien sei die Antwort auf die derzeitige schwierige Situation der Solo-Selbstständigen, sagte die CDU-Politikerin. Die Stipendien betrügen in der Regel mehr als 1.000 Euro im Monat und würden an Künstler und Kulturschaffende aller Sparten vergeben.

Sängerin Joan Baez erhält Woody-Guthrie-Preis

Die US-Sängerin Joan Baez wird in diesem Jahr mit dem Woody-Guthrie-Preis ausgezeichnet. Die 79-Jährige erhält die Auszeichnung für ihr musikalisches Lebenswerk und ihr humanitäres Engagement, teilte das Woody Guthrie Center mit. Die Ehrung solle ihr im August online übergeben werden. Der Preis im Andenken an den US-Folkmusiker Guthrie (1912-1967) wird seit 2014 verliehen. Baez ist seit den 60er-Jahren als Musikerin aktiv und setzt sich auch als Bürgerrechtlerin ein.

Preußen-Stiftung sorgt sich um kulturellen Schatz

Nach heftiger Kritik an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) will sich das Kuratorium der größten deutschen Kultureinrichtung für eine Stärkung der internationalen Reputation einsetzen. "Ziel war und ist es, diesen in Deutschland befindlichen und weltweit herausragenden kulturellen Schatz optimal zu pflegen und in der Gesellschaft zur Geltung zu bringen", heißt es in einer der dpa vorliegenden Stellungnahme des Kuratoriums der Stiftung. Es gelte "die herausragende, internationale Reputation der SPK und das große Ansehen ihrer Museen, Archive, Bibliotheken und Forschungsinstitute weiter zu stärken, aber auch ihre Organisation effizienter zu gestalten". Dafür müssten die Verantwortlichen ein Konzept erarbeiten. Mit der von Bund und Ländern getragenen Stiftung soll die größte deutsche Kultureinrichtung aufgelöst werden. Eine entsprechende Empfehlung hatte der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern nach zweijähriger Analyse der Dachorganisation von staatlichen Museen, Bibliotheken und Instituten abgegeben.

Stones veröffentlichen Song nach 46 Jahren

Drei Monate nach dem Single-Comeback mit "Living In A Ghost Town" überraschen die Rolling Stones ihre Fans mit einer 46 Jahre alten Aufnahme. Das offiziell auf YouTube erschienene Stück "Scarlet" stammt vom Oktober 1974. Eingespielt wurde es mit Jimmy Page von der britischen Rockband Led Zeppelin an der Gitarre neben Keith Richards. Wie das Musiklabel Universal am Mittwoch weiter mitteilte, wurde der Song niemals zuvor veröffentlicht. Auch Bootlegs - illegale Tonaufnahmen - sollen davon nicht existieren. "Ich erinnere mich, wie wir mit Jimmy und Keith im Kellerstudio von Ronnie gejammt haben. Es war eine großartige Session", erklärte Stones-Sänger Mick Jagger. Die 1962 gegründeten Rolling Stones hatten im April den neuen Song "Living In A Ghost Town" veröffentlicht, mit dem sie direkt auf die Isolation in der Corona-Pandemie reagierten - das Stück landete auf Platz 1 der deutschen Single-Charts.

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