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Kulturnachrichten

Mittwoch, 22. Juli 2020

Sängerin Joan Baez erhält Woody-Guthrie-Preis

Die US-Sängerin Joan Baez wird in diesem Jahr mit dem Woody-Guthrie-Preis ausgezeichnet. Die 79-Jährige erhält die Auszeichnung für ihr musikalisches Lebenswerk und ihr humanitäres Engagement, teilte das Woody Guthrie Center mit. Die Ehrung solle ihr im August online übergeben werden. Der Preis im Andenken an den US-Folkmusiker Guthrie (1912-1967) wird seit 2014 verliehen. Baez ist seit den 60er-Jahren als Musikerin aktiv und setzt sich auch als Bürgerrechtlerin ein.

Preußen-Stiftung sorgt sich um kulturellen Schatz

Nach heftiger Kritik an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) will sich das Kuratorium der größten deutschen Kultureinrichtung für eine Stärkung der internationalen Reputation einsetzen. "Ziel war und ist es, diesen in Deutschland befindlichen und weltweit herausragenden kulturellen Schatz optimal zu pflegen und in der Gesellschaft zur Geltung zu bringen", heißt es in einer der dpa vorliegenden Stellungnahme des Kuratoriums der Stiftung. Es gelte "die herausragende, internationale Reputation der SPK und das große Ansehen ihrer Museen, Archive, Bibliotheken und Forschungsinstitute weiter zu stärken, aber auch ihre Organisation effizienter zu gestalten". Dafür müssten die Verantwortlichen ein Konzept erarbeiten. Mit der von Bund und Ländern getragenen Stiftung soll die größte deutsche Kultureinrichtung aufgelöst werden. Eine entsprechende Empfehlung hatte der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern nach zweijähriger Analyse der Dachorganisation von staatlichen Museen, Bibliotheken und Instituten abgegeben.

Stones veröffentlichen Song nach 46 Jahren

Drei Monate nach dem Single-Comeback mit "Living In A Ghost Town" überraschen die Rolling Stones ihre Fans mit einer 46 Jahre alten Aufnahme. Das offiziell auf YouTube erschienene Stück "Scarlet" stammt vom Oktober 1974. Eingespielt wurde es mit Jimmy Page von der britischen Rockband Led Zeppelin an der Gitarre neben Keith Richards. Wie das Musiklabel Universal am Mittwoch weiter mitteilte, wurde der Song niemals zuvor veröffentlicht. Auch Bootlegs - illegale Tonaufnahmen - sollen davon nicht existieren. "Ich erinnere mich, wie wir mit Jimmy und Keith im Kellerstudio von Ronnie gejammt haben. Es war eine großartige Session", erklärte Stones-Sänger Mick Jagger. Die 1962 gegründeten Rolling Stones hatten im April den neuen Song "Living In A Ghost Town" veröffentlicht, mit dem sie direkt auf die Isolation in der Corona-Pandemie reagierten - das Stück landete auf Platz 1 der deutschen Single-Charts.

Russischer Memorial-Historiker zu Haftstrafe verurteilt

Der für seine Forschungen über die Verbrechen der Stalin-Zeit bekannte russische Historiker Juri Dmitrijew ist wegen sexuellen Missbrauchs zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sein Anwalt sagte, er habe die schriftliche Begründung des Urteils noch nicht vorliegen. Der 64-jährige Chef der Menschenrechtsorganisation Memorial in der Teilrepublik Karelien war der sexuellen Gewalt gegen seine Adoptivtochter angeklagt. Menschenrechtsaktivisten sehen den Prozess gegen Dimitrijew als einen Versuch der russischen Behörden, den Gulag-Forscher, der die Aufmerksamkeit auf eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte des Landes gelenkt hatte, mundtot zu machen.

Facebook prüft Diskriminierung durch Algorithmen

Facebook will prüfen, ob Menschen durch Algorithmen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Nach andauernder Kritik sollen sich neue Teams darum kümmern und entsprechende Algorithmen und andere Software untersuchen. Das gilt auch für Instagram. Facebook wurde unter anderem im US-Kongress vorgeworfen, dass afroamerikanische Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel bei Immobilienanzeigen benachteiligt würden.

Der Wiederaufbau der Bagan-Tempel ist fast fertig

Der Wiederaufbau der weltbekannten Tempelanlage Bagan in Myanmar ist fast abgeschlossen - das teilte das örtliche Kulturministerium mit. Nach einem starken Erdbeben war das Bauwerk 2016 stark beschädigt worden. Nur noch sieben der rund 400 beschädigten Pagoden müssten restauriert werden. Die Unesco-geschützte alte Königsstadt wurde auch mit Unterstützung der deutschen Regierung und deutscher Experten wieder aufgebaut. Bagan zählt zu den schönsten Tempelanlagen der Welt und gilt als eine der größten archäologischen Stätten in ganz Südostasien. Die weitläufige Ebene besteht aus über 3200 buddhistischen Pagoden und Grabhügeln.

Regierungen spenden weniger an Hilfsorganisationen

Die Spendenzusagen einiger der weltgrößten staatlichen Geldgeber für humanitäre Hilfe sind in diesem Jahr um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das geht aus einer Analyse der Organisation Development Initiatives mit Sitz in Großbritannien hervor, deren Erkenntnisse der Nachrichtenagentur AP vorab vorlagen. Die Untersuchung zeigt, dass mit der eigenen Belastung durch die Coronavirus-Pandemie die Spendenbereitschaft für die Virus-Hilfe und andere Projekte deutlich abgenommen hat. Die Spendenzusagen der größten staatlichen Geldgeber der Welt betrugen von Januar bis Mai rund 17 Milliarden Dollar - im gleichen Zeitraum 2019 waren es 24 Milliarden Dollar. Hilfsorganisationen stehen vor dem Problem, mit den zurückgehenden Spenden zurecht zu kommen. Einige Hilfsorganisationen geben zu bedenken, dass die Zeit schwinde, um den schlimmsten Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie vorzubeugen.

Twitter sperrt Konten mit QAnon-Inhalten

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat angekündigt, Nutzerkonten zu sperren, die im Zusammenhang mit der Verbreitung der Verschwörungstheorie "QAnon" stehen. Diese Inhalte verstießen gegen die Richtlinien des Unternehmens, teilte der Online-Dienst mit. Etwa 150-tausend Konten seien betroffen. In vergangener Zeit hatte die "QAnon"-Theorie mit teilweise rechts-radikalem Hintergrund immer mehr Anhänger gefunden. Sie unterstützen US-Präsident Trump und glauben an eine Verschwörung innerhalb der amerikanischen Polit-Bürokratie.

In Mannheim entsteht das "Forum Deutsche Sprache"

In Mannheim soll ein Zentrum für die Vermittlung, Dokumentation und Erforschung der deutschen Sprache entstehen. Das teilte das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache mit. Angestrebt wird, dass im Herbst ein Masterplan vorliegt. Der erste Spatenstich für den Neubau soll voraussichtlich 2023 erfolgen und die Eröffnung vier Jahre später stattfinden. Das "Forum Deutsche Sprache" werde der zentrale Ort sein, an dem die deutsche Sprache ausgestellt, diskutiert, erlebt, gesammelt, durchschaut und verstanden wird, heißt es in dem Konzept.

Gedenkstätten-Leiter Reiprich wird freigestellt

Nach umstrittenen Äußerungen auf Twitter wird der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Das teilte die Stiftung nach einer Sondersitzung des Stiftungsrates in Dresden mit. Die Vorsitzende und sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sagte, die Aussagen von Reiprich widersprächen klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit. Der 65-jährige hatte auf Twitter die Stuttgarter Krawallnacht vom Juni mit dem NS-Pogrom 1938 verglichen. Der Geschäftsführer war in den vergangenen Jahren wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Opferverbände monierten, dass die Stiftung die Geschichte der NS-Zeit nicht ausreichend abbilde. Reiprich wird aus gesundheitlichen Gründen zum 30. November ohnehin vorzeitig aus dem Amt scheiden.

Berliner Chöre dürfen wieder singen

Der Berliner Senat hat den Chorgesang in geschlossenen Räumen wieder erlaubt. Der gemeinschaftliche Gesang sei wieder möglich, wenn die Hygiene- und Infektionsschutzstandards der Kulturverwaltung eingehalten würden, erklärte Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Mit den Pandemie-Verordnungen hatte Berlin auch das Chorsingen verboten. Am Nachmittag hatte sich Lederer mit Vertretern des Berliner Chorverbands, des Landesmusikrats, der Kirchen und der Rundfunkchöre getroffen. Gemeinsam wollen sie nun die neuen Standards kurzfristig erarbeiten und abstimmen. Musikverbände und die evangelische Kirche hatten das Chorverbot als unverhältnismäßig kritisiert.

Modeschöpferin Westwood demonstriert für Assange

Die britische Modedesignerin Vivienne Westwood hat in einem riesigen Vogelkäfig vor einem Londoner Gericht die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange gefordert. "Ich bin Julian Assange" stand auf dem Käfig, in dem die 79-Jährige im knallgelben Outfit saß, um einem Kanarienvogel ähnlich zu sehen. Umringt war sie von Demonstranten, die in Sprechchören riefen "Lasst Julian Assange frei". Der sitzt seit etwa einem Jahr in London im Gefängnis. Die USA fordern seine Auslieferung wegen Geheimnisverrats.

Deutsche Kulturvermittlerin in Bagdad entführt

Unbekannte haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad die deutsche Kuratorin und Kulturvermittlerin Hella Mewis entführt. Sicherheitskräfte suchten nach der Frau, sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums. Die Hintergründe sind noch unklar. Wegen der Entführung hat das Auswärtige Amt einen Krisenstab einberufen. Das sagte Außenminister Heiko Maas in Athen. Die Kuratorin lebt seit mehreren Jahren in Bagdad und baute dort ein Kulturinstitut auf, das die Arbeit junger irakischer Künstler fördert. Zeitweise war sie auch für das Goethe-Institut tätig.

Berlinale verliert Autohersteller als Sponsor

Die Filmfestspiele in Berlin verlieren einen ihrer Hauptsponsoren. Der Autohersteller Audi beendet nach sieben Jahren die Zusammenarbeit. Das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens. Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals der Welt. Das Budget lag zuletzt bei 27,2 Millionen Euro, davon kamen 10,4 Millionen Euro aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Audi stellte eine Fahrzeugflotte und finanzierte einen Kurzfilmpreis. Die nächste Berlinale ist im Februar 2021 geplant - als "physisch stattfindendes Festival", wie Rissenbeek ankündigte. Dabei sollen wegen der Coronavirus-Pandemie entsprechende Hygienemaßnahmen gelten.

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Fazit

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