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Donnerstag, 22.10.2020
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 21. Juli 2020

Reiprich wird in Dresden freigestellt

Nach umstrittenen Äußerungen auf Twitter wird der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Das teilte die Stiftung nach einer Sondersitzung des Stiftungsrates in Dresden mit. Die Vorsitzende und sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sagte, die Aussagen von Reiprich widersprächen klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit. Der 65-jährige hatte auf Twitter die Stuttgarter Krawallnacht vom Juni mit dem NS-Pogrom 1938 verglichen. Der Geschäftsführer war in den vergangenen Jahren wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Opferverbände monierten, dass die Stiftung die Geschichte der NS-Zeit nicht ausreichend abbilde. Reiprich wird aus gesundheitlichen Gründen zum 30. November ohnehin vorzeitig aus dem Amt scheiden.

Berliner Chöre dürfen wieder singen

Der Berliner Senat hat den Chorgesang in geschlossenen Räumen wieder erlaubt. Der gemeinschaftliche Gesang sei wieder möglich, wenn die Hygiene- und Infektionsschutzstandards der Kulturverwaltung eingehalten würden, erklärte Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Mit den Pandemie-Verordnungen hatte Berlin auch das Chorsingen verboten. Am Nachmittag hatte sich Lederer mit Vertretern des Berliner Chorverbands, des Landesmusikrats, der Kirchen und der Rundfunkchöre getroffen. Gemeinsam wollen sie nun die neuen Standards kurzfristig erarbeiten und abstimmen. Musikverbände und die evangelische Kirche hatten das Chorverbot als unverhältnismäßig kritisiert.

Modeschöpferin Westwood demonstriert für Assange

Die britische Modedesignerin Vivienne Westwood hat in einem riesigen Vogelkäfig vor einem Londoner Gericht die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange gefordert. "Ich bin Julian Assange" stand auf dem Käfig, in dem die 79-Jährige im knallgelben Outfit saß, um einem Kanarienvogel ähnlich zu sehen. Umringt war sie von Demonstranten, die in Sprechchören riefen "Lasst Julian Assange frei". Der sitzt seit etwa einem Jahr in London im Gefängnis. Die USA fordern seine Auslieferung wegen Geheimnisverrats.

Berlinale verliert Autohersteller als Sponsor

Die Filmfestspiele in Berlin verlieren einen ihrer Hauptsponsoren. Der Autohersteller Audi beendet nach sieben Jahren die Zusammenarbeit. Das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens. Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals der Welt. Das Budget lag zuletzt bei 27,2 Millionen Euro, davon kamen 10,4 Millionen Euro aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Audi stellte eine Fahrzeugflotte und finanzierte einen Kurzfilmpreis. Die nächste Berlinale ist im Februar 2021 geplant - als "physisch stattfindendes Festival", wie Geschäftsführerin Rissenbeek ankündigte. Dabei sollen wegen der Coronavirus-Pandemie entsprechende Hygienemaßnahmen gelten.

Deutsche Kulturvermittlerin in Bagdad entführt

Unbekannte haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad die deutsche Kuratorin und Kulturvermittlerin Hella Mewis entführt. Sicherheitskräfte suchten nach der Frau, sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums. Die Hintergründe sind noch unklar. Wegen der Entführung hat das Auswärtige Amt einen Krisenstab einberufen. Das sagte Außenminister Heiko Maas in Athen. Die Kuratorin lebt seit mehreren Jahren in Bagdad und baute dort ein Kulturinstitut auf, das die Arbeit junger irakischer Künstler fördert. Zeitweise war sie auch für das Goethe-Institut tätig.

Pariser Picasso-Museum öffnet wieder

Pablo Picasso las für sein Leben gern Comics, und das Genre hat auch sein Werk beeinflusst. Mit der Ausstellung "Picasso et la bande dessinée" (Picasso und der Comic) hat das Pariser Picasso-Museum nach mehr als viermonatiger Corona-Zwangspause wieder seine Türen geöffnet. Illustriert wird, wie sich in der Kunst des Spaniers Comic-typische Merkmale, wie aufeinanderfolgende Einzelbilder und Textsegmente, niedergeschlagen haben. Man habe eine unbekannte Seite des Malers zeigen wollen, sagte Direktor Laurent Le Bon.

Facebook schult Nutzer im Umgang mit Informationen

Im Kampf gegen Fake News schult Facebook nun seine Nutzer im Umgang mit Informationen, um diese kritisch zu hinterfragen. Teil der Kampagne sind grafisch aufbereitete Tipps, die auf eine weitere Website verweisen. Weltweit kooperiert der Konzern nach eigenen Angaben mit 70 unabhängigen Faktencheckern in 50 Ländern. Allein in der Corona-Krise habe man rund 50 Millionen Warnbotschaften wegen schädlicher Desinformation verschickt, erklärte Facebook. Die Förderung von Medienkompetenz sei ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie zur Bekämpfung von Falschinformationen.

Schuster fordert mehr Aufklärungsarbeit gegen Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, fordert, vor allem Kinder und Jugendliche besser über das Judentum aufzuklären und so Antisemitismus vorzubeugen. Im Südwestrundfunk sagte Schuster, Antisemitismus sei nicht mehr, sondern eher sichtbarer geworden. Menschen trauten sich heute eher zu sagen und vor allem zu tun, was sie lange Zeit nur gedacht hätten. Hier brauche es mehr Aufklärung, auch in den Schulen.

Drei Religionsvertreter im Auswärtigen Amt

Judentum, Christentum und Islam haben nun jeweils einen Vertreter im Auswärtigen Amt. Ein angehender Rabbiner, ein evangelischer Pastor und die Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime arbeiten in dem Ministerium. Das teilte der Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung im Auswärtigen Amt, Andreas Görgen, über Twitter mit. Nach dem Rabbiner in spe, Markus Feldhake, und dem evangelischen Pastor Peter Jörgensen kam zuletzt Nurhan Soykan als muslimische Vertreterin dazu. Sie sollen im Auswärtigen Amt ihre "lebensweltlichen Erfahrungen" einbringen. Die Abteilung "Religion und Außenpolitik" wurde dort vor zwei Jahren eingerichtet.

Pakistan sperrt Videoplattform Bigo

Pakistans Behörden haben die Videoplattform Bigo gesperrt. Gleichzeitig richtete die Telekommunikationsbehörde eine Warnung an das soziale Netzwerk Tiktok, wie sie mitteilte. Die Sperrung von Bigo sei erfolgt, nachdem man Beschwerden über "unmoralische, obszöne und vulgäre Inhalte" erhalten habe. Die Behörde habe die Onlinedienste aufgefordert, ihre Inhalte zu moderieren - "die Reaktion dieser Unternehmen war nicht zufriedenstellend", heißt es in der Mitteilung.

Stuttgarter Friedenspreis für Julian Assange

Julian Assange, derzeit in London inhaftierter Journalist, erhält den Stuttgarter Friedenspreis 2020. Die Ehrung sei mit dem Appell verbunden, "das Recht auf bedingungslose Informations- und Pressefreiheit nicht nur zu schützen, sondern durchzusetzen", erklärte der Stuttgarter Verein "Anstifter", der die mit 5.000 Euro verbundene Auszeichnung vergibt. Die Verleihung ist am 6. Dezember im Stuttgarter Theaterhaus geplant. Assange ist seit mehr als einem Jahr in London inhaftiert. Die USA fordern seine Auslieferung wegen Geheimnisverrats. Als Gründer der Gruppe Wikileaks hatte der 49-Jährige unter anderem geheime Militärdokumente veröffentlicht.

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Fazit

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