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Kulturnachrichten

Freitag, 17. Juli 2020

Rom benennt Konzerthaus nach Ennio Moriccone

In Rom wird eines der wichtigsten Konzerthäuser nach dem verstorbenen Komponisten Ennio Morricone benannt. Nach einer Entscheidung des Stadtrates wird das Auditorium Parco della Musica künftig Ennio Morricone Auditorium heißen. Sein Sohn Andrea Morricone dirigiert zudem heute ein Sonderkonzert im römischen Rathaus anlässlich einer Gedenkfeier für seinen Vater. Der Komponist und zweifache Oscarpreisträger Ennio Morricone war am 6. Juli mit 91 Jahren in seiner Heimatstadt Rom gestorben.

Bund fördert Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner

Das Gerhart-Hauptmann-Museum im brandenburgischen Erkner wird zu einem "Kultur- und Bildungsforum" ausgebaut. Es soll "Angebote für alle Bevölkerungsgruppen" machen, wie Brandenburgs Kulturministerium Manja Schüle (SPD) in Potsdam mitteilte. Dafür stünden rund 2,6 Millionen Euro an Bundesmitteln bereit. Der Dramatiker und Schriftsteller Gerhart Hauptmann (1862-1946) gilt als bedeutendster deutscher Vertreter des Naturalismus. Der Literatur-Nobelpreisträger lebte von 1885 bis 1889 in der Villa Lassen in Erkner, in der das Museum 1987 eröffnet wurde. Seine Sammlung umfasst rund 30.000 Gegenstände aus dem Besitz des Schriftstellers, darunter die Nobelpreis-Urkunde von 1912.

Karlsruher Theater-Intendant soll bleiben

Trotz Protesten der Beschäftigten an seinem Führungsstil soll der Karlsruher Theater-Intendant Peter Spuhler an der Spitze des Badischen Staatstheaters bleiben. Das haben Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) als Vorsitzende des Verwaltungsrats und ihr Stellvertreter, der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), nach einer Sitzung des Verwaltungsrats mitgeteilt. Künftig solle es einen Vertrauensanwalt für die Mitarbeitenden und regelmäßige Befragungen in der Belegschaft geben. Vor der Sitzung hatten mehr als 300 Beschäftigte mit einem Protest-Spalier für einen Neuanfang am Badischen Staatstheater demonstriert.

Neuer Museumschef in Leipzig benannt

Stefan Weppelmann soll Anfang 2021 die Leitung des Leipziger Museums der bildenden Künste (MdbK) übernehmen. Diese Empfehlung der Auswahlkommission werde Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) dem Stadtrat vorschlagen, teilte die Stadt mit. Um den Direktorenposten hatten sich 34 Personen beworben. Weppelmann wurde 1970 im nordrhein-westfälischen Dülmen geboren und ist derzeit Direktor der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien.
Sein Vorgänger in Leipzig, Alfred Weidinger, scheidet vorzeitig aus seinem Vertrag aus. Der 58-Jährige ist seit April Geschäftsführer der Oberösterreichischen Landes-Kultur GmbH.

Französische Tänzerin Zizi Jeanmaire gestorben

Die französische Balletttänzerin und Sängerin Zizi Jeanmaire ist tot. Sie sei im Alter von 96 Jahren in ihrem Haus in der Schweiz gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Familie. Jeanmaire war mit dem Star-Choreografen Roland Petit verheiratet gewesen, der 2011 starb. Ihr Markenzeichen war ihre Tanznummer des Lieds "Mon truc en plumes" (übersetzt etwa: "Mein Federzeug"), die sie mit einem großen Feder-Fächer tanzte. Im Laufe ihrer Karriere trat die gebürtige Pariserin in der Pariser Oper, im Ballett von Monte-Carlo und in der von ihrem späteren Ehemann gegründeten Gruppe "Les Ballets des Champs-Elysées" auf. Dabei interpretierte sie auch immer wieder französische Chansons.

Pisa-Studie wegen Coronavirus verschoben

Die kommenden zwei Pisa-Studien werden aufgrund der Corona-Krise um ein Jahr verschoben. Die nächsten Tests fänden nicht 2021, sondern 2022 statt, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit.
Die Ergebnisse würden dann im Dezember 2023 veröffentlicht. Auch die darauffolgende PISA-Studie soll sich um ein Jahr verzögern. Mit ihren Ergebnissen ist laut OECD 2026 zu rechnen. Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Seit dem Jahr 2000 werden dafür alle drei Jahre weltweit Hunderttausende Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

Katholische Kirche betont Solidarität mit dem Judentum

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat sich zur Solidarität der Katholischen Kirche mit dem Judentum bekannt. Zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrates der Juden in Deutschland am 19. Juli sagte Bätzing, Angriffe auf Juden sind Angriffe auf unsere Demokratie und unser Zusammenleben. Die katholische Kirche werde im Kampf gegen Antisemitismus weiter an der Seite des Zentralrates stehen, schrieb Bätzing an dessen Präsidenten, Josef Schuster. Dabei erinnerte Bätzing auch an die grundlegende Wandlung des christlich-jüdischen Verhältnisses. Inzwischen gebe es eine Kultur des Dialogs zwischen beiden Religionen.

Deutschlandradio-Intendant wirbt für Meinungsvielfalt

In der Debatte über Haltung und politische Meinung im Journalismus hat sich der Intendant des Deutschlandradios, Stefan Raue, dafür ausgesprochen, möglichst vielfältig zu berichten. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk sei es "das Fundament unserer Arbeit, Vielfalt zu sichern". Das sage das Bundesverfassungsgericht in allen seinen Medien- und Rundfunkurteilen, so Raue im Deutschlandfunk Kultur.
"Wir haben nicht die Gesellschaft eindimensional oder zweidimensional darzustellen, sondern wir haben viele Einschätzungen, Meinungen, Überzeugungen auch zu spiegeln und zu diskutieren." Dabei müssten Journalisten auch tiefer gehen und nachfragen, was mit der jeweiligen Äußerung gemeint sei und trotzdem ein vielfältiges Bild abgeben, sagte der Intendant des Deutschlandradios.

Niedersachsen fordert weitere Hilfen für Künstler

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) setzt sich bei den Corona-Hilfen für eine stärkere Unterstützung der Künstlerinnen und Künstler ein. Viele von ihnen sowie andere Selbstständige würden wohl auf längere Sicht auf eine Grundsicherung angewiesen sein, sagte der SPD-Politiker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Bis Ende September sei die Vermögensprüfung ausgesetzt, danach gelte wieder ein Schonvermögen von 60 000 Euro. Viele Freischaffende und Solo-Selbständige müssten dann wohl ihre Alterssicherung antasten. Weil schlug vor, dieses Schonvermögen von 60 000 auf 100 000 Euro zu erhöhen.

Deutscher PEN verurteilt Freiheitsstrafe für Yücel

Das deutsche PEN-Zentrum hat die Verurteilung seines Mitgliedes Deniz Yücel durch ein Gericht in Istanbul kritisiert. Er habe kein „Verbrechen“ begangen, sondern sei seiner Arbeit als Journalist nachgegangen, heißt es in einer Erklärung von PEN-Vizepräsident Nestmeyer. Die Autorenvereinigung versichere Deniz Yücel ihre uneingeschränkte Solidarität. In der Mitteilung wird an weitere Kulturschaffende, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten wie Osman Kavala, Ahmet Altan und Selahattin Demirtaş erinnert, die immer noch in türkischen Gefängnissen sitzen. Das PEN-Zentrum fordert die Bundesregierung auf, sich für die Freilassung aller politischen Häftlinge in der Türkei einzusetzen.

Yücel nennt Verurteilung "Eine Kette von Skandalen"

Der in der Türkei wegen Terrorpropaganda zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Journalist Deniz Yücel hat der Justiz des Landes schwere Vorwürfe gemacht. Im Deutschlandfunk Kultur sprach er von einer Reihe von Skandalen in dem Verfahren gegen ihn. Dieser langen Kette von Unrecht habe das Gericht mit seinem Urteil noch einen weiteren Skandal hinzugefügt, so Yücel. Hoffnung, dass Präsident Erdogan und seine Partei AKP zu ihrem anfänglichen Reformkurs zurückkehren werden, hat er nicht: „Im Gegenteil, das Regime wird immer irrationaler, immer härter und brutaler.“ Das autoritäre System werde sich immer weiter verfestigen, so Yücel.

US-Justizminister tadelt Konzerne für Haltung zu China

US-Justizminister William Barr hat heimischen Konzernen wie Walt Disney, Apple und Google eine zu große Nachgiebigkeit gegenüber China vorgeworfen. Sie hätten sich zur Kooperation mit der Kommunistischen Partei nur allzu bereit gezeigt und es zugelassen, zum Spielfeld chinesischer Einflussnahme zu werden, sagte Barr im Bundesstaat Michigan. Für den Zugang zum chinesischen Markt machten die Konzerne immer wieder Zugeständnisse, auch zur Zensur. Zugleich verwies der Justizminister darauf, dass Facebook, Twitter und Google wegen des Sicherheitsgesetzes für Hongkong angekündigt haben, China vorübergehend keine Nutzerdaten mehr zur Verfügung zu stellen. Zusammen könnten sie anderen amerikanischen Unternehmen als Vorbild im Widerstand gegen die korrupte und diktatorische Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas dienen, so Barr.

Übersetzerpreis für Lyrik an Richard Pietraß

Der diesjährige Übersetzerpreis Ginkgo-Biloba für Lyrik geht an den in Berlin lebenden Übersetzer, Lyriker und Herausgeber Richard Pietraß. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung würdige das Lebenswerk von Pietraß, teilte der Freundeskreis Literaturhaus Heidelberg mit. Die Verleihung finde am 30. September in Heidelberg statt. In der Würdigung heißt es, Pietraß habe - oft in Zusammenarbeit mit Dichter-Kollegen, Fremdsprachen-Experten und engagierten Verlagsleuten - Lyrik aus 20 Sprachen ins Deutsche gebracht. Zu seinem seit den 1970er Jahren entstandenen Gesamtoeuvre gehörten Nachdichtungen der Werke der drei Nobelpreisträger Seamus Heaney, Boris Pasternak und Tomas Tranströmer.

EuGH kippt Datenschutzvereinbarung "Privacy Shield"

Der Europäische Gerichtshof hat die Datenschutzvereinbarung "Privacy Shield" zwischen der Europäischen Union und den USA gekippt. Die Vereinbarung ermöglichte es Unternehmen wie Facebook, uneingeschränkt personenbezogene Daten zur kommerziellen Nutzung in die USA zu übermitteln. Allerdings erklärten die Luxemburger Richter, dass Nutzerdaten von EU-Bürgern weiterhin auf Basis sogenannter Standardvertragsklauseln in die USA und andere Staaten übertragen werden dürfen. Der österreichische Datenschutzaktivist Schrems, der das Verfahren angestoßen hatte, äußerte sich zufrieden über das Urteil.

Vatikan-Leitfaden zum Umgang mit Missbrauchsfällen

Der Vatikan hat ein Handbuch zum Umgang mit sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche veröffentlicht. Es soll Kirchenvertretern dabei helfen, ordnungsgemäß auf Verdachtsfälle zu reagieren, teilte der Präfekt der Glaubenskongregation, Ladaria Ferrer, mit. Das Handbuch enthalte keine neuen Gesetze, sondern fasse die bestehenden Regeln in einer Handlungsanleitung zusammen. Papst Franziskus hat den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche und gegen die Vertuschung solcher Taten zu einer Priorität seines Pontifikats erklärt.

Deniz Yücel in Türkei zu Haftstrafe verurteilt

Der Journalist Deniz Yücel ist in der Türkei zu zu zwei Jahren, neun Monaten und 22 Tagen Haft verurteilt worden. Das Istanbuler Gericht befand ihn der Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK schuldig. Als Beweis dienten dem Gericht Artikel, die Yücel als Türkei Korrespondent der Zeitung "Die Welt" geschrieben hatte. Von anderen Anklagepunkten wie Volksverhetzung wurde Yücel freigesprochen. Allerdings haben die Richter angekündigt gegen ihn neue Ermittlungsverfahren wegen Präsidentenbeleidigung und Verunglimpfung des türkischen Volkes einzuleiten. Sein Anwalt, Veysel Oky, zeigte sich geschockt von dem Urteil. Er hatte immer wieder betont, die Vorwürfe seien haltlos, Yücel habe lediglich seine Arbeit als Journalist getan. Yücel hatte nicht an dem Prozess teilgenommen. Er saß von Februar 2017 bis Februar 2018 ohne Anklageschrift in Untersuchungshaft. Sein Fall hatte auch die deutsch-türkischen Beziehungen belastet.

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Fazit

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