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Kulturnachrichten

Samstag, 11. Juli 2020

Griechenland droht Türkei nach Hagia Sophia-Entschluss

Die Umwidmung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee stößt außerhalb der Türkei auf deutliche Kritik. Die EU, Russland und die USA nannten die Entscheidung bedauerlich. Die russisch-orthodoxe Kirche zeigte sich entsetzt. Griechenland hat seinem Nachbarn nun Konsequenzen angedroht. Der türkische Präsident Erdogan habe einen historischen Fehler begangen, erklärte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben. Details nannte er nicht. Der griechische Regierungschef Mitsotakis hatte zuvor schon erklärt, dass der Beschluss Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde. Griechenland und der Nachbar der Türkei streiten sich ohnehin schon um Erdgasvorkommen im Mittelmeer und über verschiedene Migrationsthemen. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte gestern den Status der einstigen Kirche als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete Präsident Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. In dem am Samstag für Besucher geschlossenen Wahrzeichen begannen bereits die Vorbereitungen für die Umwidmung.

Verleger Klaus Wagenbach feiert 90. Geburtstag

Der Verleger Klaus Wagenbach ist heute 90 Jahre alt geworden. In den 60er und 70er Jahren galt er als ein Sprachrohr der Außerparlamentarischen Opposition und als enfant terrible unter den deutschen Verlegern. Wagenbach gründete seinen Verlag 1964 unter der Devise "Geschichtsbewusstsein, Anarchie, Hedonismus". 1974 wurde er wegen der Veröffentlichung des RAF-Manifests zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die DDR verbot dem Verleger zeitweilig Ein- und Durchreise, weil er Wolf Biermanns Lyrikband "Die Drahtharfe" verlegt hatte. Der Philosoph Gunter Gebauer würdigte Wagenbach im Deutschlandfunk Kultur als einen politischen Verleger mit hoher kultureller Kompetenz. Für die Verbreitung italienischer Literatur im deutschen Sprachraum erhielt Wagenbach 1990 den "Nationalen Übersetzerpreis" vom römischen Kulturministerium. 2018 wurde sein Verlag mit dem erstmals ausgelobten Berliner Verlagspreis ausgezeichnet, 2020 mit dem Deutschen Verlagspreis.

Livestream statt Parade beim Münchner CSD

Mit einem Livestream und zahlreichen kleinen Demos haben Menschen beim Christopher Street Day in München demonstriert. Unter dem Motto "Gegen Hass. Bunt, gemeinsam, stark!" machten Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender auf ihre Rechte aufmerksam. Der CSD besinne sich in diesem Jahr zurück auf den Kern des politischen Protests, sagte ein Sprecher. Statt Party gebe es 2020 vielmehr stillen Protest. An rund 50 Standorten in der Innenstadt hatten sich je sechs Demoteilnehmer mit Plakaten versammelt. Eine Parade durch die Stadt wie in den Vorjahren war aufgrund der Corona-Pandemie und der empfohlenen Abstandsregeln nicht möglich. Im Zentrum des diesjährigen Münchner Christopher-Street-Days stand vielmehr ein Livestream. Dort wurden Gesprächsrunden, Livemusik, Kurzfilme und Modeschauen gezeigt. Zudem kamen die politischen Forderungen der Veranstalter ausführlich zur Sprache.

Bischof Stäblein: Kulturbranche in Corona-Krise retten

Der Berliner Bischof Christian Stäblein hat zur Rettung von Kultureinrichtungen aufgerufen. "Kaum Publikum, große Einbußen, unklare Perspektiven. Ob Theater, Chöre, Festivals - eine ganze Branche droht womöglich zur Hälfte zu sterben", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz im RBB-Hörfunk. Kunst und Kultur seien durch die Corona-Pandemie derzeit ungeheuer gefährdet. Die Gesellschaft sei "ohne ihre Kultur eine andere, undenkbar eigentlich", sagte Stäblein weiter. "Gerade hier realisiert sich ja die Freiheit, um die es geht, hier wird sie spürbar." Dies bedeute: "Nicht nur Wirtschaft und Produktion dürfen uns etwas kosten, Kultur ist auch nicht umsonst." Die ersten staatlichen Hilfsprogramme für Künstler und Einrichtungen würden nicht reichen, sagte der evangelische Bischof.

Müntefering gegen Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die Staatsministerin Michelle Müntefering sieht die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) kritisch. Reformen seien zwar notwendig, eine Zerschlagung aber der falsche Weg, sagte die SPD-Politikerin, die für die Kulturpolitik des Auswärtigen Amtes zuständig ist, dem Magazin "Der Spiegel". Ihr Ministerium habe in der Stiftung und deren Präsidenten Hermann Parzinger einen guten Ansprechpartner, so Müntefering. Eine große Neuorganisation, wie sie gerade diskutiert werde, wäre aus ihrer Sicht für Jahre eine Hauptaufgabe und würde zu viele Energien binden. Notwendige Entwicklungen wie eine offensivere Digitalisierung etwa der Archivbestände würden so behindert, was die Institutionen eher weiter zurückwerfe. Über eine Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz müssten Bund und Länder entscheiden.

Comic-Preis an Anna Haifisch

Anna Haifisch ist beim Erlanger Comic-Salon als beste deutschsprachige Comic-Künstlerin mit dem Max und Moritz-Preis 2020 geehrt worden. Die Verleihung der mit 7.500 Euro dotierten Auszeichnung fand per Videostream statt. Ihre dürren Tierfiguren, die vor allem von menschlichen Schwächen geleitet würden, seien zu ihrem Markenzeichen geworden, hieß es in der Laudatio. Ihr Stil sei immer wiedererkennbar. Den Preis für das beste deutsche Comic erhielt "Der Umfall" von Mikaël Ross. Als bestes internationales Comic wurde "Am liebsten mag ich Monster" von Emil Ferris geehrt. Der Publikumspreis ging an "Schweres Geknitter" von @kriegundfreitag. Einen Sonderpreis für ihr herausragendes Lebenswerk erhielt die Künstlerin und Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Anke Feuchtenberger. Bei der Preisverleihung wurde auch ein "Digitaler Comic-Salon" eröffnet, eine neue Social-Media-Plattform für die deutschsprachige Comic-Szene.

Festnahmen nach Mord an Sänger in Äthiopien

Nach dem Mord an dem äthiopischen Sänger und politischen Aktivisten Hachalu Hundessa, dessen Tod Massenproteste auslöste, hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Die beiden Männer, die für seine Ermordung verantwortlich gemacht werden, seien Mitglieder der Oppositionsbewegung TPLF, berichtete das lokale Nachrichtenportal Borkena. Die Regierung warf der TPLF vor, mit dem Tod des Musikers bewusst Konflikte anstacheln zu wollen. Hundessa war Ende Juni ermordet worden. Er unterstützte mit seinen Liedern die Proteste der Oromo-Bevölkerungsgruppe für mehr Unabhängigkeit von der Regierung in der Hauptstadt Addis Abeba. Bei den Unruhen nach seinem Tod wurden mindestens 239 Menschen getötet.

Haftstrafe für versuchten Diebstahl der Magna Charta

Weil er versuchte, eine von wenigen Exemplaren der mittelalterlichen Magna Charta zu stehlen, muss ein Mann in Großbritannien für vier Jahre ins Gefängnis. Das entschied ein Gericht in der Stadt Salisbury im Südwesten Englands. Der 47-Jährige hatte im Oktober 2018 mit einem Hammer das Sicherheitsglas einer Vitrine in der Kathedrale von Salisbury zertrümmert. Bevor er das wertvolle Dokument stehlen konnte, wurde er von Mitarbeitern und Besuchern gestoppt und überwältigt. Seinem Anwalt zufolge zweifelte der Mann die Echtheit des Magna-Charta-Exemplars an. Die Magna Charta gilt als eine der ältesten Verfassungsurkunden. Sie wurde im Jahr 1215 von König Johann Ohneland unter dem Druck der englischen Barone unterzeichnet und garantierte die Rechte von Adel und Kirche gegenüber der Krone.

Lichtenstein-Bild online für 46 Millionen Dollar versteigert

Eine vom US-Künstler Roy Lichtenstein gemalte nackte Frau hat bei einer Online-Auktion rund 46 Millionen Dollar eingebracht. Das Werk "Nude with Joyous Painting", das der Pop-Art-Künstler 1994 erschaffen hatte, sei das teuerste Werk der Versteigerung gewesen, teilte das Auktionshaus Christie's mit. Insgesamt habe die so erstmals abgehaltene Online-Auktion, die Christie's als Ersatz für die wegen der Coronavirus-Pandemie verschobene Frühjahrsauktion angesetzt hatte, rund 420 Millionen Dollar eingebracht. Mehr als 80 000 Menschen hätten sich in das Online-Spektakel, an dem die Standorte in Asien, Europa und den USA teilnahmen, eingeschaltet. Mitgeboten wurde hauptsächlich per Telefon und online.

Uckermärkische Musikwochen sollen stattfinden

Die Organisatoren der Uckermärkischen Musikwochen setzen trotz Corona-Beschränkungen fest darauf, dass die Veranstaltungen in diesem Sommer laufen. Der Vorverkauf für die 24 Konzerte im August habe deshalb begonnen, teilte der Verein mit. Wegen der Corona-Pandemie musste bereits unter anderem der Choriner Musiksommer ausfallen. Die Musikwochen gibt es seit 1992. Die Konzerte sind in Scheunen oder Open Air in Parks und Gärten zu erleben. Die Reihe startet am 8. August in Templin unter dem Motto "Zärtlichkeit und Wahnsinn" mit Concerti, Kantaten und Arien.

"Super Mario Bros."-Spiel für Rekordsumme versteigert

Ein original verpacktes "Super Mario Bros."-Computerspiel aus dem Jahr 1985 ist bei einer Auktion in den USA für die Rekordsumme von 114 000 Dollar versteigert worden. Damit sei das Stück zum teuersten je versteigerten originalverpackten Videospiel geworden, teilte das Auktionshaus Heritage Auctions mit. Der Käufer wolle zunächst anonym bleiben. Das japanische Unternehmen Nintendo hatte das inzwischen weltberühmte Videospiel 1985 auf den Markt gebracht.

Sigmund Jähns Geburtsort will Wissenszentrum werden

Zehn Monate nach dem Tod von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All, plant sein sächsischer Heimatort Morgenröthe-Rautenkranz den Ausbau zum Raumfahrerdorf. Vom nächsten Sommer an könnte der Bau einer zusätzlichen Halle die bisherige Deutsche Raumfahrtausstellung ergänzen und für Raumfahrtkongresse und zur Wissensvermittlung bereitstehen, sagte Bürgermeister Jürgen Mann der Deutschen Presse-Agentur. 3,2 Millionen Euro Bundesmittel wurden für das Projekt zugesagt. Eine aktuelle Sonderschau zum Leben Sigmund Jähns, neue Exponate in der Deutschen Raumfahrtausstellung sowie eine Pension namens "Weltraumbahnhof" stärken laut Mann bereits den Ruf als Raumfahrerdorf.

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