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Kulturnachrichten

Donnerstag, 9. Juli 2020

César-Filmakademie von nun an paritätisch

Fünf Monate nach dem kollektiven Führungs-Rücktritt im Zuge der Polanski-Krise hat die Akademie des renommierten französischen Filmpreises César neue Statuten verabschiedet. Zu den wichtigsten Veränderungen gehört die volle Parität innerhalb der Entscheidungsgremien. Diese werden von nun an zu gleichen Teilen von Männern und Frauen besetzt, für die Präsidentschaft ist ein Tandem vorgesehen. Das teilte die Akademie in Paris mit. Die Direktion der Akademie war rund zwei Wochen vor der Vergabe des französischen Filmpreises César am 28. Februar zurückgetreten. Einer der Gründe war die Mehrfachnominierung des Films "Intrige" von Roman Polanski, gegen den kurz zuvor neue Vergewaltigungsvorwürfe öffentlich geworden waren. Die Akademie stand aber schon länger in der Kritik. Ihr wurden verkrustete Strukturen, fehlende Parität und ein Mangel an Mitspracherecht der Mitglieder vorgeworfen.

Auch Grammy-Akademie will mehr Vielfalt

Rund eine Woche nach der Oscar-Akademie hat auch die für die Grammys verantwortliche Recording Academy neue Mitglieder eingeladen und dabei den Fokus auf Vielfalt gelegt. Von den mehr als 2.300 eingeladenen Musikern und Mitarbeitern der Musikindustrie seien rund die Hälfte weiblich, etwa ein Drittel gehöre unterrepräsentierten ethnischen Gruppen an, teilte die Recording Academy in Los Angeles mit. Die Eingeladenen haben nun bis zum 15. September Zeit zuzusagen, bevor sie dann über die nächsten Grammys abstimmen können. Die Verleihung soll Ende Januar 2021 in Los Angeles stattfinden. Die Grammys gelten als bedeutendste Musikpreise der Welt. Anfang Juli hatte bereits die Oscar-Akademie angekündigt, mehr als 800 neue Mitglieder einladen zu wollen - 45 Prozent davon weiblich, gut ein Drittel aus unterrepräsentierten ethnischen Gruppen. Beide Vereinigungen waren zuvor heftig für zu wenig Diversität kritisiert worden.

Berichte über Fehltritte bekannter Personen erlaubt

Öffentlich bekannte Menschen müssen es unter Umständen hinnehmen, dass über frühere Fehltritte auch Jahrzehnte später noch in den Medien berichtet wird. Die Möglichkeit der Berichterstattung erlösche nicht "durch bloßen Zeitablauf", entschied das Bundesverfassungsgericht in einem Beschluss zum "Recht auf Vergessen". Ein Magazin hatte über den Täuschungsversuch eines Unternehmers bei seinem juristischen Staatsexamen berichtet. Der Unternehmer klagte dagegen und bekam von einem Zivilgericht auch erstmal recht. Das Bundesverfassungesgericht dagegen sagt nun: "Eine Person, die aus eigenem Zutun derart dauerhaft in der Öffentlichkeit steht, kann nicht verlangen, dass ihre in der Vergangenheit liegenden Fehler, nicht aber ihre Vorzüge, in Vergessenheit geraten".

Ersatzunterkünfte für Lollapalooza-Anwohner rechtens

Gerichtsschlappe für das Lollapalooza-Festival: Die Veranstalter hätten im vergangenen Jahr den vom Lärm betroffenen Anwohnern des Berliner Olympiastadions Ersatzunterkünfte anbieten müssen. Das Verwaltungsgericht Berlin wies damit eine Klage des Musikfestivals gegen Auflagen der Umweltverwaltung zurück. Die Anwohner in der Nähe des Festivalgeländes hätten während des zweitägigen Treffens eine angemessene Ersatzunterbringung bekommen müssen, hieß es. Mehr als 1.400 Haushalte seien von der lautstarken Musik betroffen gewesen. Die Veranstalter hatten bei ihrer Klage argumentiert, dass es für die Auflage keine Rechtsgrundlage gebe und sie bei Kosten von mehr als 100.000 Euro unverhältnismäßig teuer gewesen wäre.

Großer Kulturpreis für Stiftung Insel Hombroich

Der mit 30.000 Euro dotierte Große Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland geht in diesem Jahr an die Stiftung Insel Hombroich. Das Museum Hombroich am Rande von Neuss habe sich seit über 30 Jahren zu einem einzigartigen Ort für Kunst und Landschaft, Architektur, Literatur, Philosophie und Musik entwickelt, teilte die Sparkassen-Kulturstiftung mit. Der Große Kulturpreis wird seit 1989 an herausragende Künstlerpersönlichkeiten oder Einrichtungen vergeben, die das kulturelle Leben im Rheinland außergewöhnlich bereichern. Bisherige Preisträger sind unter anderen die Fotografin Hilla Becher, das Moers Festival, der Bildhauer Tony Cragg oder der Regisseur Wim Wenders.

Festakt zur Goethe-Medaille findet digital statt

Der Festakt zur Verleihung der Goethe-Medaille findet digital statt. Wegen der Corona-Pandemie könnten die Preisträger nicht nach Weimar reisen, wo das offizielle Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland verliehen wird, erklärte die Deutsche Welle in Bonn. Daher plane der Auslandssender gemeinsam mit dem Goethe-Institut einen digitalen Festakt. Vorgesehen seien etwa Interviews, Filmporträts und Musik. Die Goethe-Medaille geht in diesem Jahr an die bolivianische Künstlerin und Museumsdirektorin Elvira Espejo Ayca, den britischen Schriftsteller Ian McEwan und die südafrikanische Schriftstellerin Zukiswa Wanner. Persönlichkeiten erhalten sie jedes Jahr für ihr herausragendes Engagement im internationalen Kulturaustausch. Die Preisübergabe findet traditionell am 28. August statt, am Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe.

Urteil: YouTube muss keine vollständigen Nutzerdaten rausgeben

Ein Videoportal wie YouTube muss nach EU-Recht beim illegalen Hochladen eines Films auf der Plattform bei Klagen der Rechteinhaber nur die Postadresse des Nutzers herausgeben. E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder IP-Adresse eines Geräts könnten dagegen nicht verlangt werden, entschied der Europäische Gerichtshof. Hintergrund ist eine Klage der Filmverwertungsgesellschaft Constantin auf umfassende Auskünfte. Im konkreten Fall geht es um Filme, die auf YouTube hochgeladen und bis zu ihrer Sperrung tausendfach abgerufen wurden.

NRW verdoppelt Mittel für Landesjugendensembles

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen verdoppelt die Förderung für die Landesjugendensembles. Bis 2022 stockt das Land die Förderung von aktuell 500.000 auf 1,3 Millionen Euro auf. Gleichzeitig sollen die Landesjugendensembles neu ausgerichtet werden. Bereits in diesem Jahr stehen zusätzlich 360.000 Euro zur Verfügung. Der Aufwuchs sei an eine Neuausrichtung der Landesjugendensembles gekoppelt, die im Sinne der Begabtenförderung und Exzellenzausbildung die musikalische und persönliche Entwicklung der jungen Talente in den Mittelpunkt stellen soll, heißt es in einer Pressemitteilung. Bei der Entdeckung und Entwicklung musikalischer Hochbegabung spielten die Landesjungendensembles eine zentrale Rolle, sagte NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Rund 480 Aktive musizieren derzeit in den insgesamt zehn Ensembles.

Geld vom Bund zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts

Mit rund 3,8 Millionen Euro aus dem Kulturetat setzt der Bund sein Engagement für das seit 2017 bestehende Sonderprogramm zum Erhalt des schriftlichen Kulturguts fort. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte, das schriftliche Kulturerbe müsse vor "schleichenden Verfall" bewahrt werden. Mit dem Sonderprogramm 2020 werden rund 120 Vorhaben von Einrichtungen des Bundes, der Länder, der Kommunen sowie kirchlicher und privater Träger unterstützt. Dazu gehören unter anderem die konservatorische Bearbeitung gerollter Pläne zur Bau- und Verkehrsplanung für Berlin im 19. und 20. Jahrhundert oder die fachgerechte Umverpackung historischer Bestände des ehemaligen Zentralarchivs des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach.

Konsens für historischen Wiederaufbau von Notre-Dame

Fast 15 Monate nach dem Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame zeichnet sich nach Angaben des französischen Kulturministeriums ein Wiederaufbau des eingestürzten Spitzturms im historischen Stil ab. Dafür gebe es einen "breiten Konsens", sagte Kulturministerin Roselyne Bachelot dem Radiosender France Inter. Bachelot betonte, die Öffentlichkeit und viele Entscheider seien für einen "identischen Wiederaufbau". Dieser solle "im Geiste" des mehr als 90 Meter hohen Turms vollzogen werden, den der Architekt Eugène Viollet-le-Duc bei einem Umbau im 19. Jahrhundert auf die mehr als 850 Jahre alte gotische Kathedrale gesetzt hatte. Am Ende entscheide aber Präsident Emmanuel Macron, betonte die Kulturministerin. Der Staatschef hatte sich für eine Modernisierung des Spitzturms ausgesprochen.

Studie sieht ungenutztes Potenzial der Museumsinsel

Der Wissenschaftsrat sieht ungenutztes Potenzial auf der als Weltkulturerbe eingestuften Museumsinsel Berlin. Das Expertengremium regt eine engere Kooperation von staatlichen Museen und dem benachbarten Humboldt Forum an. Die Museen sollten das Humboldt Forum, das im kommenden Jahr komplett eröffnet sein soll, "als Chance begreifen" und "die Museumsinsel als ein Weltmuseum für ein internationales Publikum neu entwerfen und entwickeln", heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Entwurf für Strukturempfehlungen bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Museen gehören. Dafür müssten neue Prozesse und Konzepte erprobt sowie interdisziplinär und sammlungsübergreifend zusammengearbeitet werden. Aktuell funktioniere die Zusammenarbeit gut, heißt es in der Analyse. Gleichzeitig wird auf "Konfliktpotenzial" verwiesen, wenn die beiden Museumsleiter gleich drei Chefebenen bei Humboldt Forum, staatlichen Museen und Preußen-Stiftung unterstellt sind. Mit der Studie hat der Wissenschaftsrat die Auflösung der von Bund und Ländern getragenen Stiftung Preußischer Kulturbesitz empfohlen. Die staatlichen Museen sollen demnach in einer eigenen Organisation zusammengefasst werden.

Mehr Besucher bei Kunst und Kultur in Bayern

Bayerns Ministerpräsident Söder will in der kommenden Woche die in der Coronakrise zulässigen Besucherzahlen für Kunst- und Kulturveranstaltungen verdoppeln. Im BR-Fernsehen sagte der CSU-Chef: "Wir werden nächste Woche vorschlagen, das für die Kultur nochmals zu verdoppeln, auf 200 innen und 400 außen - allerdings mit Vorgaben, weil wir das anders nicht machen können". Erst in dieser Woche hatte das Kabinett die Begrenzungen für Besucherzahlen in dem Bereich auf 100 in Innenräumen und 200 in Außenbereichen erhöht. Die Entscheidung muss das bayerische Kabinett treffen. Dessen nächste Sitzung findet am Dienstag auf der Insel Herrenchiemsee statt. Zu der Sitzung wird auch Kanzlerin Merkel erwartet.

Serebrennikow dreht einen neuen Film

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow bringt nach einem jahrelangen Prozess wegen angeblichen Betrugs im kommenden Jahr einen neuen Film heraus. Er heißt "Die Petrows mit Grippe". In der Hauptrolle wird die bekannte russische Schauspielerin Tschulpan Chamatowa zu sehen sein, die auch in "Good Bye, Lenin" mitgespielt hat. Wie Sony Pictures in Moskau mitteilte, soll der Film im kommenden Jahr in die Kinos kommen. Zur ersten Produktion Serebrennikows seit seiner umstrittenen Verurteilung veröffentlichte das Unternehmen einen Trailer. Auch das ZDF ist an der Produktion beteiligt. In dem Film nach einem Roman von Alexej Salnikow geht es um eine Familie in der russischen Großstadt Jekaterinburg, die an der Grippe erkrankt und daraufhin zu halluzinieren beginnt.

Kritik an Facebook in Hassrede-Gutachten

In der Debatte über Hassrede und Falschinformationen gibt es neue Vorwürfe gegen Facebook. In einem vom Management selbst in Auftrag gegebenen externen Gutachten bemängeln die Prüfer unter anderem, dass trotz jahrelanger Kritik immer noch gefährliche und spalterische Rhetorik möglich sei: "Facebook hat nicht genug getan, um Nutzer vor Diskriminierung, Unwahrheiten und Anstachelung zur Gewalt zu schützen." Besonders kritisch beurteilen sie den Umgang mit umstrittenen Beiträgen von US-Präsident Donald Trump. Anders als der Kurznachrichtendienst Twitter hatte Facebook die Beiträge nicht entfernt. Damit - so das Urteil der Autoren - damit werde ein "schlimmer Präzedenzfall" geschaffen, der andere Politiker und Nichtpolitiker veranlassen könnte, falsche Informationen über legale Abstimmungsverfahren zu verbreiten. Dies könne letztlich dazu führen, dass die Plattform "als Waffe zur Unterdrückung von Wahlen" missbraucht werde.

Litauen verbietet russischen Fernsehsender RT

Nach Lettland hat auch Litauen den staatlichen russischen Fernsehsender RT verboten. Die staatliche Kommission für Rundfunk und Fernsehen in Vilnius verhängte eine Sperre gegen fünf Kanäle des Auslandssenders, die in dem baltischen EU-Land verfügbar sind. Begründet wurde der Schritt damit, dass RT von dem auf der EU-Sanktionsliste stehenden Journalisten Kisseljow kontrolliert wird. RT war früher unter dem Namen Russia Today bekannt geworden und gilt als Sprachrohr der russischen Regierung.

Wiederaufbau des Goetheturms in Frankfurt beginnt

Mit der Montage der ersten Holzelemente hat der offizielle Wiederaufbau des Goetheturms in Frankfurt begonnen. Das beliebte Wahrzeichen werde in den kommenden Wochen originalgetreu rekonstruiert, teilte die Stadt mit. Die Kosten für den neuen Turm lägen bei rund 2,4 Millionen Euro und würden größtenteils von der Versicherung getragen. Voraussichtlich im kommenden Herbst könne der Aussichtsturm, der sich optisch kaum vom historischen Vorbild unterscheiden werde, wieder bestiegen werden. Der 1931 komplett aus Holz erbaute, rund 43 Meter hohe Aussichtsturm im Stadtwald war in der Nacht zum 12. Oktober 2017 nach einem Anschlag vollständig abgebrannt.

Corona-Pandemie trifft Buchbranche schwer

Die coronabedingten Ladenschließungen haben der Buchbranche in Deutschland massiv zugesetzt. In den vier Wochen vom 23. März bis 19. April lag der Umsatz etwa zwei Drittel unter dem des Vorjahreszeitraums, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main mitteilte. Auch die Verlage verzeichneten durch die Schließung der Buchläden sowie die Absage von Veranstaltungen wie Lesungen und Messen deutliche Umsatzeinbußen. Laut einer Umfrage des Börsenvereins verzeichneten die Verlage während der Ladenschließungen einen Umsatzrückgang von 30,9 Prozent. Mehr als die Hälfte der Verlage gab an, Titel ins nächste Jahr verschoben zu haben. Über ein Drittel sagte aus, dass manche geplanten Titel nun gar nicht erscheinen werden, ein großer Teil davon von unbekannten Autoren.

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