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Kulturnachrichten

Mittwoch, 18. Juli 2018

CSU will Demonstrationsverbot für Theater

130 Institutionen wollen gegen CSU-Flüchtlingspolitik demonstrieren

Die Münchner Stadtrats-CSU will den Kammerspielen und dem Volkstheater verbieten, gegen die Christsozialen zu demonstrieren. Die beiden Theater hätten die Neutralitätspflicht für städtische Einrichtungen verletzt, sagte der zweite Bürgermeister Schmid. In einem Antrag forderte die Fraktion Oberbürgermeister Reiter von der SPD zu "dienstaufsichtsrechtlichen Maßnahmen" gegen die von der Stadt finanzierten Theater auf. Die Kulturszene hat die Verbotsforderung scharf kritisiert. Das staatliche Residenztheater erklärte auf Twitter seine Solidarität mit beiden Häusern. Der Münchner Kulturreferent Küppers sagte, sie würden sich all denen entgegenstellen, die sich mit populistischer Stimmungsmache von demokratischen, kulturellen und moralischen Grundwerten unserer Gesellschaft verabschieden. Die Kammerspiele und das Volkstheater hatten - gemeinsam mit rund 130 anderen Organisationen - für Sonntag zur Demonstration "Ausgehetzt" aufgerufen, die sich auch gegen die Flüchtlingspolitik der CSU richtet.

Aus für Siemens-Repräsentanz in Magnushaus

Kein Neubau im denkmalgeschützten Haus

Siemens kann seine Hauptstadtrepräsentanz nach langem politischen Streit nun doch nicht in einem denkmalgeschützten Haus an der Museumsinsel bauen. Nach Angaben von Kultursenator Lederer und Bezirksstadtrat Gothe ist die Verlängerung eines positiven Vorbescheids von 2015 versagt worden. Siemens hatte im Garten Magnushauses einen Neubau für seine Berlin-Repräsentanz errichten wollen. Mit Unterstützung des damaligen Regierenden Bürgermeisters Wowereit und des damaligen Stadtentwicklungssenators Müller wurde das Projekt 2015 gegen das Veto der Denkmalschützer genehmigt. Das Haus gilt als einer der letzten barocken Stadtpaläste in Alt-Berlin. Lederer und Gothe erklärten, dass sie höchst erfreut seien, dass das Zuwarten von Siemens jetzt eine Neubeurteilung des Vorhabens ermöglichte. Lederer betonte, Berlin werde Siemens weiter mit Rat und Tat bei der Suche nach einer geeigneten Repräsentanz behilflich sein.

Iris Berben ruft zu Protesten gegen AfD auf

Widerstand sollte nicht nur von Intellektuellen und Künstlern kommen

Die Schauspielerin Iris Berben ruft zu Protesten gegen die AfD auf. Unsere Gesellschaft kippe gerade, sagte die 67-Jährige der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". Man müsse etwas dagegensetzen, wenn man sehe, wie fahrlässig die AfD mit unserer Geschichtsschreibung umgehe. Deshalb wünsche sich die Schauspielerin lautere Proteste, nicht nur von Intellektuellen und Künstlern. Berben ist Präsidentin der Deutschen Filmakademie und gehört zu den prominenten Unterstützern der SPD. Die Sozialdemokraten sieht sie mit gemischten Gefühlen. Leider habe es die SPD, wie die anderen Parteien, nicht geschafft, gerade den verunsicherten Leuten das Gefühl von Schutz zu geben. Sie sei von der Partei enttäuscht. Langsam fingen die Leute sogar an, an der Demokratie zu zweifeln, so Berben weiter.

Google will EU-Rekordstrafe anfechten

EU-Wettbewerbskommissarin verhängte Milliardenstrafe

Google wird die Rekord-Wettbewerbstrafe der EU-Kommission im Zusammenhang mit seinem Geschäftsmodell beim Smartphone-System Android anfechten. Das kündigte ein Sprecher in Brüssel an. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verhängte zuvor eine Strafe von 4,34 Milliarden Euro, weil Google seine marktbeherrschende Position bei Android missbraucht habe. Google kontert, dass Android für mehr Auswahl im Smartphone-Geschäft gesorgt habe. Android ist das meistbenutzte Smartphone-System der Welt. Android wird bei Google entwickelt, ist kostenlos für Geräte-Hersteller und kann von ihnen auch abgewandelt werden. Die Kommission stört sich unter anderem daran, dass Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste einbinden wollen, immer ein komplettes Paket aus elf Apps des Internet-Konzerns auf die Geräte bringen müssen.

73. Bregenzer Festspiele eröffnet

Seebühne fast ausverkauft

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat die 73. Bregenzer Festspiele eröffnet. Vor rund 2000 Gästen erinnerte das Staatsoberhaupt an die unbedingte Freiheit der Kunst und die Rolle der Bürger. Die liberale, offene Gesellschaft werde daran gemessen, was sie möglich mache, sagte der 74-Jährige. Als erste Vorstellung stand am Abend die selten gezeigte Oper "Beatrice Cenci" von Berthold Goldschmidt auf dem Programm. Ab morgen folgen insgesamt 29 Aufführungen der Bizet-Oper "Carmen" auf der Seebühne. Sie wird nach 2017 zum zweiten Mal gezeigt. 95 Prozent der insgesamt 210.000 Karten für die Seebühne sind bereits verkauft. Im kommenden Jahr wird statt "Carmen" die Verdi-Oper "Rigoletto" gezeigt.

Cliff Richards gewinnt Prozess gegen BBC

200.000 Pfund Schadenersatz für den Popstar

Der britische Popstar Cliff Richard hat einen Prozess um seine Privatsphäre gegen die BBC gewonnen. Der High Court in London sprach dem 77-Jährigen 200.000 Pfund Schadenersatz (224.000 Euro) zu. Richard hatte die Rundfunkanstalt verklagt, weil sie ihn 2014 bei der Durchsuchung seines Hauses wegen des Verdachts sexueller Vergehen mit vollem Namen genannt hatte. Mutmaßliche Straftäter werden in Großbritannien nicht identifiziert, bis formell Beschuldigungen gegen sie erhoben werden. Richard ist in dem Fall zu keinem Zeitpunkt verhaftet oder angeklagt worden. In seiner Klageschrift hieß es, seinem Ansehen sei durch die BBC-Berichterstattung erheblicher Schaden zugefügt worden. Die BBC bestritt Richards Vorwürfe. Ihre Journalisten hätten nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

Immer mehr Antisemitismus im Internet

Forschungsergebnisse der TU Berlin

Antisemitismus im Internet hat stark zugenommen. Das ergab eine Studie der Technischen Universität Berlin. Die wachsende Judenfeindschaft in der deutschen Gesellschaft sei ein besorgniserregendes Phänomen, so das Urteil. Dazu trügen vor allem Soziale Medien bei. Für die Forschungsarbeit werteten Sprachforscher seit 2014 über 300.000 Texte aus, die im Internet kursieren. Schnelligkeit, freie Zugänglichkeit, globale Verknüpfung und Anonymität förderten eine "ungefilterte und nahezu grenzenlose Verbreitung judenfeindlichen Gedankengutes". Judenfeindliche Verschwörungsfantasien gebe es in Blogs sowie Recherche- und Ratgeberportalen, unter Youtube-Videos, in Online-Buchläden oder in Fan-Foren. Vor allem über Twitter und Facebook verbreitete Aufrufe, gegen Judenhass zu demonstrieren, seien innerhalb weniger Stunden infiltriert durch antisemitische Texte infiltriert.

Audio-Streaming überholt die CD

Zeitenwende auf dem deutschen Tonträgermarkt

Im ersten Halbjahr 2018 hat Audio-Streaming (+35,2%) die CD überholt und ist mit 47,8 Prozent Marktanteil nun größtes Umsatzsegment. Nach Angaben des Bundesverbandes der Musikindustrie (BVMI) steht das Audio-Streaming inzwischen für fast die Hälfte der Umsätze und löst damit die CD als größtes Umsatzsegment ab. Das Online-Geschäft werde damit auf dem Musikmarkt immer relevanter. Außerdem nehme damit die Dringlichkeit zu, rechtliche Klarheit für den digitalen Lizenzhandel zu erhalten. Seit Ende der 1980er Jahre war die CD das dominierende Musikformat gewesen. Inzwischen liegt sie bei einem Marktanteil von 34,4 Prozent, ihr Umsatz sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24,5 Prozent. Auch Downloads waren weiter rückläufig. Einziges Wachstumssegment neben Audio-Streaming war das Video-Streaming. Das Verhältnis von physischem und digitalem Geschäft hat sich dadurch in der ersten Hälfte 2018 umgekehrt: Physische Tonträger (CDs, DVDs, Vinyl-LPs) liegen bei 41,1 Prozent, das Digitalgeschäft bei 58,9 Prozent.

Stückl bleibt Intendant des Münchner Volkstheaters

Verlagsverlängerung bis 2025

Christian Stückl bleibt bis 2025 Chef des Münchner Volkstheaters. Heute unterschrieb er seinen neuen Vertrag, der alte lief bis 2020. Der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers sagte, Stückl sei immer neugierig und abwechslungsreich geblieben, "ein Theatervieh". Er habe es geschafft, "Bewährtes und Neues, Tradition und Zukunft" zu verbinden. Stückl, der auch die Passionsspiele in Oberammergau leitet, ist seit 2002 Volkstheater-Intendant. Unter ihm entdeckte ein junges Publikum das Haus, das erfolgreiche Nachwuchs-Festival "Radikal jung" ist weithin bekannt.

Russischer Starregisseur bleibt weiter in Hausarrest

Arrest für Kirill Serebrennikow verlängert

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow bleibt für mindestens einen weiteren Monat im Hausarrest. Der Arrest werde bis 22. August verlängert, urteilte ein Moskauer Gericht der Agentur Tass zufolge. Der auch in Deutschland bekannte Künstler ist dann bereits genau ein Jahr beinahe vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Der Leiter des renommierten Moskauer Gogol-Theaters war bei Dreharbeiten im vergangenen Sommer festgenommen worden. Ihm werden Unterschlagung von Fördergeldern in der Höhe von 133 Millionen Rubel (rund 2 Millionen Euro) vorgeworfen. Der 48-Jährige bestreitet dies. Unterstützer sprechen vom Versuch, die russische Kunstszene durch den Prozess einschüchtern zu wollen.

Großmufti warnt vor Tempelberg-Ausgrabungen

Kritik an archäologischen Arbeiten

Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Ahmed Hussein, hat archäologische Ausgrabungen Israels unter dem Tempelbergareal kritisiert. Mit den Grabungen in den Omayyaden-Palästen unter Teilen des islamischen Museums versuche Israel, islamische Funde in dem Gebiet zu zerstören und die Identität der Stadt zugunsten einer Judaisierung zu verändern, sagte er, wie die Tageszeitung "Jerusalem Post" berichtet. Die Al-Aska-Moschee sei durch die Grabungen ernsthaft gefährdet, insbesondere im Falle eines Erdbebens, so der Geistliche. Er rief die arabische und islamische Welt sowie die Vereinten Nationen zu schnellem Handeln auf. Israel bringe durch seine Politik Spannungen in die gesamte Region. Der Tempelberg, auf dem nach biblischer Überlieferung die Tempel des Salomo und des Herodes standen, ist für Juden, Muslime und Christen eine wichtige Heilige Stätte. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Zusammenstößen, weil Muslime das Heiligtum durch israelische Grabungstätigkeiten gefährdet sahen.

Rundfunkbeitrag ist verfassungsgemäß

Das entschieden die Verfassungsrichter

Das Bundesverfassungsgericht hat die Beitragspflicht für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Wesentlichen für verfassungsgemäß erklärt. Auch die von Unternehmen abzuführenden Beiträge seien mit dem Grundgesetz vereinbar, erklärten die Verfassungsrichter in Karlsruhe. Nur die zusätzliche Zahlungspflicht für eine Zweitwohnung wurde vom Ersten Senat beanstandet. Drei Verfassungsbeschwerden von Privatpersonen und die des Autovermieters Sixt waren damit überwiegend erfolglos. Der Rundfunkbeitrag wird seit 2013 von jedem Wohnungsinhaber verlangt und beträgt 17,50 Euro im Monat. Der Betrag wird unabhängig davon fällig, ob in der Wohnung ein Empfangsgerät steht und er gilt für Familienhaushalte ebenso wie für eine Single-Wohnung.

Jahrtausende altes Urnengräberfeld entdeckt

Archäologen legen Gräberfeld bei Zerbst frei

Bei Zerbst im Landkreis Anhalt-Bitterfeld haben Archäologen ein Jahrtausende altes Urnengräberfeld freigelegt. 80 Gräber, etwa 2750 bis 2480 Jahre alt, kamen auf einer Fläche von 170 Quadratmetern zu Tage. Obwohl das Gräberfeld vermutlich schon früh beraubt wurde, seien etliche Gräber vollständig erhalten geblieben, heißt es von der Projektleitung. Die verbrannten Überreste der Verstorbenen wurden in unverzierten Keramikurnen beigesetzt, welche teilweise von Steinen, als sogenannte Steinkistengräber, eingerahmt waren. Die Grabung erfolgte seit April dieses Jahres im Zuge des Teilneubaus einer Ferngasleitung zwischen Neugattersleben (Salzlandkreis) und Trajuhn (Landkreis Wittenberg).

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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