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Kulturnachrichten

Sonntag, 8. Juli 2018

Türkei: Vier weitere Medien geschlossen

Drei Zeitungen und ein Fernsehsender wurden per Dekret geschlossen

Kurz vor der angekündigten Aufhebung des Ausnahmezustands sind in der Türkei mehr als 18.500 weitere Staatsbedienstete per Dekret entlassen worden. Die am Sonntag im Amtsblatt veröffentlichte Anordnung betrifft rund 9.000 Polizisten und 6.000 Angestellte der Armee, aber auch Universitätsmitarbeiter. Die türkische Regierung wirft den entlassenen Staatsbediensteten Verbindungen zu "Terrororganisationen" vor, die "gegen die nationale Sicherheit agieren". Außerdem rund 1.000 Mitarbeiter des Justizministeriums und 650 Mitarbeiter des Bildungsministeriums. Auch hunderte Mitarbeiter der Gendarmerie und der Küstenwache verloren ihre Arbeit. Dagegen wurden 148 durch frühere Dekrete entlassene Beamte wieder in den Staatsdienst aufgenommen. Überdies wurde in dem Dekret die Schließung von zwölf Verbänden - vorwiegend aus dem Bildungsbereich - sowie von drei Zeitungen und einem Fernsehsender angeordnet. Unter den nun verbotenen Zeitungen sind das in kurdischer Sprache erscheinende Blatt "Welat" aus dem Süden des Landes und das prokurdische Blatt "Özgürlükcü Demokrasi". Dessen Redaktion in Istanbul war bereits im März von der Polizei durchsucht worden.

Eine Million feiern beim CSD in Köln

Auch politische Forderungen gibt es

Beim Kölner Christopher Street Day feiern und demonstrieren rund eine Million Menschen. Der Kölner CSD gehört zu den größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Europa. Das diesjährige Motto "Coming out in deinem Style" soll die jüngere Generation in ihrer Identitätsfindung unterstützen. Die Selbstmordrate unter LGBTIQ-Jugendlichen sei siebenmal höher als die von gleichaltrigen Heterosexuellen, erklären die Veranstalter ihren Schwerpunkt. Der Kölner CSD stellt nicht weniger als 16 politische Forderungen. Diese reichen von mehr Unterstützung für LGBTIQ-Geflüchtete bis zum Verbot von Konversionstherapien, die Homosexuelle "heilen" wollen. Zudem fordern lesbische Frauen mehr Sichtbarkeit, sowohl in der Gesellschaft als auch beim CSD.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica saniert

Denkmal gilt als zweitgrößtes Monument in Deutschland

Nach mehr als zwei Jahren Sanierungszeit ist heute das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wiedereröffnet worden. Im Ringsockel des Denkmals hoch über der Weser und dem Wiehengebirge befindet sich ein neues Besucherzentrum mit riesigen Panorama-Fenstern. Dort erhalten die Besucher Informationen zur wechselvollen Vergangenheit des Berges von der Römerzeit in Germanien über Preußens Pathos bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs in den Stollen direkt unter dem Monument. Wilhelm I. (1797-1888) war der erste deutsche Kaiser nach der Reichsgründung von 1871. Das 1896 eröffnete Denkmal gilt als Deutschlands zweitgrößtes Monument nach Leipzigs Völkerschlachtdenkmal. Bis zu 150 000 Besucher werden künftig jedes Jahr erwartet.

130 Bands und Solisten beim Rudolstadt-Festival

Größtes Festival für Roots, Folk und Weltmusik geht zu Ende

Im thüringischen Rudolstadt ist Deutschlands größtes Festival für Roots, Folk und Weltmusik zu Ende gegangen. Am Abschlusstag erwarteten die Veranstalter rund 28.000 Besucher. Seit Donnerstag spielten nach Angaben der Festivalleitung auf 28 Bühnen rund 130 Bands und Solokünstler aus 48 Ländern. Eröffnet wurde das Festival von der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum. Gastland war in diesem Jahr Estland. Die 29. Ausgabe des Rudolstadt-Festival findet im kommenden Jahr vom 4. bis 7. Juli mit dem Länderschwerpunkt Iran statt. Das viertägige Rudolstadt-Festival findet traditionell immer am ersten Juli-Wochenende statt. Zuletzt hat es bis zu 100.000 Besucher angezogen. Nach Jahrzehnten an der Spitze wird der langjährige Festivaldirektor Ulrich Doberenz im September von der derzeitigen Leiterin des Festival- und Künstlerbüros, Simone Drake, abgelöst.

Tanja Maljartschuk gewinnt Bachmann-Preis

Ehrung für Text "Frösche im Meer"

Die Schriftstellerin Tanja Maljartschuk ist mit dem 42. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. Die aus der Ukraine stammende und in Wien lebende Autorin erhielt die mit 25 000 Euro dotierte Ehrung in Klagenfurt für ihren Text "Frösche im Meer". Darin thematisiert die 35-Jährige das fehlende Interesse der jüngeren Generation an ihren betagten Verwandten. Der deutsche Schriftsteller und Kabarettist Bov Bjerg gewann den Deutschlandfunk-Preis, der mit 12 500 Euro dotiert ist. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wird seit 1977 in Erinnerung an die in Klagenfurt geborene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verliehen und gilt als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Immendorf im Haus der Kunst

Auf dem Weg aus der Finanzmisere

Das Haus der Kunst in München widmet dem Düsseldorfer Künstler Jörg Immendorff eine große Retrospektive. Vom 14. September an sollen rund 150 Werke aus seinem gesamten Schaffen gezeigt werden, teilte das Ausstellungshaus mit. Die vielversprechende Schau "Für alle Lieben in der Welt" über den 2007 gestorbenen Maler, Grafiker und Bildhauer kommt gerade zur rechten Zeit. Das Haus kämpft noch immer mit einer finanziellen Schieflage, in die es durch falsche Entscheidungen und Managementfehler geraten war. Es gebe de facto keine Rücklagen mehr, heißt es aus dem Umfeld des Hauses. Erst 2019 sollen bessere Zeiten anbrechen, zumal dann ein Nachfolger für den ehemaligen Direktor Okwui Enwezor gefunden sein dürfte. Sein Vertrag war zum 1. Juni überraschend aufgelöst worden - aus gesundheitlichen Gründen. Bis dahin übernimmt Ulrich Wilmes die kuratorische Verantwortung.

Emmanuelle Seigner erteilt Oscar-Akademie Abfuhr

Schauspielerin protestiert gegen Rauswurf von Polanski

Die französische Schauspielerin Emmanuelle Seigner will der amerikanischen Oscar-Akademie aus Protest gegen den Rauswurf ihres Ehemanns Roman Polanski nicht beitreten. Mit scharfen Worten lehnte die 52-Jährige die Einladung der Akademie in einem offenen Brief ab, der in der französischen Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" veröffentlicht wurde. Dieser beleidigende Vorschlag sei der Wassertropfen, der das Fass ihrer Diskretion zum Überlaufen gebracht habe, schrieb Seigner. Die Oscar-Akademie in Los Angeles hatte den polnisch-französischen Starregisseur Polanski (84) Anfang Mai ausgeschlossen, als Grund nannte der Aufsichtsrat einen Verstoß gegen ihre Verhaltensrichtlinien. Gegen Polanski läuft in den USA seit vier Jahrzehnten ein Justizverfahren, ihm wird sexueller Missbrauch einer 13-Jährigen vorgeworfen. Polanski hatte damals unerlaubten Sex mit dem Mädchen zugegeben, den Vorwurf einer Vergewaltigung aber zurückgewiesen. Kurz vor der Verkündung des Strafmaßes hatte er sich ins Ausland abgesetzt.

Spende für Konservierung von Goethes Privatbibliothek

Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums hat großen Anteil

Für die Konservierung von Goethes Privatbibliothek ist eine große Spende geflossen. 32 000 Euro trägt der Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums bei, wie dieser am Wochenende in Weimar mitteilte. Derzeit wird die Privatbibliothek des Dichters, die 5424 Titel in etwa 7200 Bänden umfasst, konserviert. Eine Bestandsanalyse hatte vor einigen Jahren ergeben, dass 67 Prozent der Bücher Säureschäden aufweisen. Stockflecken haben knapp die Hälfte, fast jedes vierte Buch wird von Knicken verunziert. Verschmutzt vom vielen Gebrauch und den Jahren sind weniger als 20 Prozent. Die Konservierungsmaßnahmen liegen in den Händen der Spezialisten der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Deutscher Kamerapreis für Cutter und Kameraleute

Auszeichnung für herausragende Bildgestaltung

Den Deutschen Kamerapreis haben sieben Kameraleute und drei Cutter in Köln für ihre herausragende Bildgestaltung entgegengenommen. Der Ehrenpreis ging an Birgit Gudjonsdottir, die bei Produktionen wie "Die Hochzeit meiner Eltern" oder "Zappelphilipp" die Kamera führte, wie der WDR mitteilte. Florian Ballhaus erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Kinospielfilm für seine Arbeit in dem Schwarz-Weiß-Kriegsdrama "Der Hauptmann" von Regisseur Robert Schwentke. Ballhaus nutze souverän die Vielfalt der Schwarz-Weiß-Fotografie, erklärte die Jury. Weitere Preise gingen an Kameraleute und Cutter im Bereich Fernsehfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm.

Holocaust-Drama gewinnt Hauptpreis in Karlovy Vary

Regisseur Radu Jude wird für Film über das Odessa-Massaker ausgezeichnet

Der Hauptpreis des Internationalen Filmfestivals im tschechischen Karlsbad (Karlovy Vary) geht in diesem Jahr nach Rumänien. Regisseur Radu Jude nahm den Kristallglobus für den besten Festival-Beitrag für für seinen historischen Spielfilm über das Massaker von Odessa entgegen. Bei dem Massaker vom Oktober 1941 hatten rumänische Besatzungstruppen etwa 25.000 Juden ermordet. Rumänien war damals ein Verbündeter des nationalsozialistischen Deutschlands. Der Film "Îmi este indiferent daca în istorie vom intra ca barbar" - übersetzt etwa "Mir ist es egal, dass wir in die Geschichte als Barbaren eingehen" - hatte in Karlsbad Weltpremiere. Das Filmfestival in dem westböhmischen Kurort ist eines der ältesten der Welt. In diesem Jahr wurden 236 Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, darunter 35 Weltpremieren. Dabei wurden mehr als 140.000 Eintrittskarten verkauft.

Filmfest München zeichnet "Shoplifters" aus

In Cannes hatte der Streifen bereits die Goldene Palme gewonnen

Das Drama "Shoplifters" des Japaners Hirokazu Koreeda ist auf dem Filmfest München als bester internationaler Film ausgezeichnet worden. Erzählt wird von einer Familie, die sich mit Ladendiebstählen über Wasser hält und eines Tages ein obdachloses Mädchen bei sich aufnimmt. Hirokazu Koreeda breche die Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft auf, so dass sie sich selbst neu sortieren und erfinden könne, urteilte die Jury. Bei den Filmfestspielen in Cannes hatte der Streifen bereits die Goldene Palme gewonnen. Der Preis für den besten internationalen Nachwuchsfilm ging an "Border" von Ali Abbasi. Die dänisch-schwedische Produktion erzählt von einer Frau mit einem außerordentlichen Geruchssinn. Sie sei die gejagte Außenseiterin, deren Perspektive einen Blick hinter die Maske des vermeintlich Normalen und in das groteske Gesicht dessen werfen lässt, was wir Menschheit nennen, urteilten die Juroren. Der Publikumspreis von Bayern 2 und Süddeutsche Zeitung ging an den Kinofilm "Wackersdorf" mit Anna Maria Sturm über Proteste gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage.

Ai Weiwei: "Schicksal der Rohingya ist eine Warnung"

Appell auch an Merkel, das Menschliche nicht aus den Augen zu verlieren

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat den politischen Entscheidungsträgern der Welt vorgeworfen, Rückschritte im Umgang mit Flüchtlingen zu machen. "Staaten werden zunehmend ausländerfeindlicher, abweisender und verschlossener gegenüber einer Diskussion bedeutender Fragen der Menschlichkeit", sagte Ai Weiwei bei einem Besuch in Myanmars größter Stadt Rangun der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte zugleich die politischen Führer einschließlich Kanzlerin Angela Merkel auf, "fundamentale Menschenrechte und das Menschliche" in der Migrationspolitik nicht aus den Augen zu verlieren. Der Künstler, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, will sich in dem südostasiatischen Land ein eigenes Bild von der Lage der muslimischen Minderheit der Rohingya machen. Von dieser Volksgruppe sind seit Ende August 2017 mehr als 700 000 vor der Gewalt des Militärs aus ihrer Heimat in Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflohen. Das Schicksal der Rohingya sei "eine Warnung, wie zerbrechlich die Gegebenheiten im 21. Jahrhundert sind und wie ineffektiv sich die Weltpolitik in Bezug auf Menschenrechte und das Menschliche zeigt", sagte der chinesische Künstler.

Weltmusik-Preise Ruth übergeben

Hauptpreis erhält Sängerin Cymin Samawatie

Beim Rudolstadt-Festival sind die Weltmusik-Preise Ruth übergeben worden. Der Hauptpreis ging an die deutsche Sängerin und Komponistin Cymin Samawatie, die in ihren Ethno-Jazz unter anderem Elemente der Musik der Heimat ihrer iranischen Eltern einfließen lasse. Sie verstehe es, in die "Brücke zwischen westlicher und persischer Musik deutlich sichtbare Elemente einzufügen", urteilte die Jury. Dafür erhalte sie den Hauptpreis der RUTH 2018. Dine Doneff und Maria Dafka bekamen den sogenannten Förder-Ruth für ihre Zusammenarbeit als Interpreten einer Musik, die auf mazedonische Lied- und Tanztraditionen verweist. Den Ehren-Ruth bekam der Journalist Michael Kleff, ehemaliger Chefredakteur des Fachblatts "Folker", für sein langjähriges Engagement für die Folk- und Weltmusikszene. Das Festival verwandelt die Kleinstadt im Südosten Thüringens jährlich zum Treffpunkt für Folkmusikfans.

Elvis Costello bricht Europa-Tour ab

Britischer Popsänger kündigt aber neues Album an

Popsänger Elvis Costello muss wegen einer Krebserkrankung seine Europa-Tour abbrechen. Er habe die Diagnose erst vor sechs Wochen erfahren, teilte der 63-jährige Brite auf seiner Internetseite mit. Sein Arzt habe ihm in dem Telefonat im Scherz empfohlen, mit dem Lottospielen anzufangen, berichtete Costello. Costello verriet nicht, an welcher Krebsart er leidet. Der Tumor habe aber mit einer einzigen Operation entfernt werden können. Costello muss nun eine drei- bis vierwöchige Pause einlegen. Er habe sich daher entschlossen, lieber seine Fans zu enttäuschen, als schlechte Konzerte zu geben, die letztendlich auch ein Risiko für seine Gesundheit sein könnten, erklärte der Musiker. Insgesamt sagte er noch geplante Konzerte seiner Europa-Tournee ab. Costello kündigte aber ein neues Album an. Er habe zusammen mit seiner Band, den Imposters, eine "großartige" Platte aufgenommen, die voraussichtlich im Oktober erscheinen werde.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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