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Kulturnachrichten

Samstag, 8. Juli 2017

Gerwarth: "Es gibt in der EU ein Demokratiedefizit"

Aktuelle nationale Konflikte weisen Parallelen zur Vergangenheit auf

Die Geschichte wiederhole sich nicht, es gebe jedoch interessante Parallelen zur Welt vor fast 100 Jahren, meint Robert Gerwarth. "Umso wichtiger ist das Verständnis der historischen Wurzeln jener Konflikte, die wir heute erleben", sagte der Historiker der "Süddeutschen Zeitung" am Wochenende. Europas Geschichte sei ohne die Entwicklungen zwischen 1917 und 1923 kaum zu verstehen, unterstrich er. "Es gibt in der EU ein Demokratiedefizit", sagte Gerwarth weiter: Nach dem ersten Weltkrieg „schien es so, als habe die Stunde der Demokratie geschlagen. (...) Doch innerhalb weniger Jahre, bis 1933, sind die meisten demokratischen Neugründungen von 1918 schon einen autoritären Weg gegangen - von gelenkter Demokratie bis hin zu Militärdiktaturen. (...) Heute sehen wir, wie sich Staaten erneut von der Demokratie verabschieden, selbst in der EU." Es gebe heute einen "sehr modernen europäischen Nationalismus", der in unterschiedlichen Formen auftrete, so Gerwarth: Die Rechten "leben davon, dagegen zu sein - sie sagen selten, wofür sie sind. Heute definieren sie sich im Westen in der Gegnerschaft zum sogenannten System und reiten auf einer Welle der Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien". Sie wendeten sich gegen die außereuropäische Migration und forderten erneut eine ethnische Entflechtung als Voraussetzung für den Frieden, wie der Vertrag von Lausanne 1923 "die ethnische Entflechtung Europas zur Vorbedingung dauerhaften Friedens erklärt" habe, betonte Gerwarth.

Erste Unesco-Welterbetitel für Angola und Eritrea

M'banza Kongo und Asmara zum Weltkulturerberbe erklärt

Bei Beratungen in Krakau verlieh die Unesco der angolanischen Stadt von M'banza Kongo den Titel. Die Stadt veranschauliche wie sonst nirgendwo in Subsahara-Afrika die tief greifenden Veränderungen nach der Einführung des Christentums und der Ankunft der Portugiesen im 17. Jahrhundert, hieß es zur Begründung. Ausgewählt wurde auch die eritreische Hauptstadt Asmara. Nach Angaben der Experten stellt Asmara ein außergewöhnliches Zeugnis des Städtebaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts dar. Bis zum 12. Juli entscheidet das Unesco-Komitee in Südpolen über mehr als 30 Nominierungen aus aller Welt. Am Freitag hatten die Experten unter anderem den Nationalpark Los Alerces in Argentinien sowie die Daurischen Landschaften in der Mongolei und Russland in die Welterbe-Liste aufgenommen. Auch die Altstadt von Hebron wurde zum Weltkulturerbe erklärt, was heftigen Protest in Israel auslöste.

Jugendliche wünschen sich einen sicheren Beruf

Jugendforscher: Träumer gibt es weniger als Vernünftigen

Nur wenige junge Leute seien heute Träumer, meint Philipp Ikrath. Die Vernünftigen seien in der Überzahl, die vor allem ein geregeltes Leben und Stabilität suchten, sagte der Jugendforscher im Deutschlandfunk Kultur: "Die Vernünftigen wollen heute das gleiche wie die Vernünftigen aller Zeiten, nämlich einen Job, bei dem man sich nicht so sehr anstrengen muss, bei dem man sozial abgesichert ist und bei dem man möglichst feste Arbeitszeiten hat." Dabei gehe es vor allem um Stabilität, und der schnelle Aufstieg sei für die meisten nicht mehr wichtig. Da man heute von den Kindergartenbeinen an in einer Atmosphäre großwerde, in der einem immer wieder gesagt werde, wie schwierig die Lage sei und dass man sich anstrengen müsse, um nicht abzurutschen, übertrage sich dieses Gefühl auf die Kinder: "Wir sind heute zum ersten Mal in einer Situation, in der Eltern in einer Mehrheit sagen, dass es ihnen bei ihren Kindern nicht mehr um den sozialen Aufstieg geht, sondern um den Statuserhalt und da tun sie alles dafür, damit die Kinder nicht abrutschen", sagte Ikrath. Hinzu komme der starke Konkurrenzdruck in Schulen und Universitäten. "Das alles zusammen erzeugt eine Atmosphäre sehr starker Unsicherheit unter jungen Leuten." Nur eine kleine Gruppe begreife das als Chance und freue sich auf vielfältige Möglichkeiten. Andere suchten nach in einem "Meer von Unsicherheit irgendwie Inseln der Sicherheit (...), wo sie sich verbunkern gegen dieses Tosen da draußen", betonte Ikrath.

Kunst als "politisches Engagement"

Katharina Sieverding erhielt den Kähte-Kollwitz-Preis

"Ich finde, dass Käthe Kollwitz eine Künstlerin ist, die so stark Widerstandskunst und -kultur betrieben hat, dass es also wirklich von hohem Interesse ist, auch für mich und meine Haltung", meint Katharina Sieverding. Politisches Engagement sei auch heute noch eine wichtige Aufgabe von Kunst, sagte die renommierte Künstlerin im Deutschlandfunk Kultur. Großformatige Fotokunst verbunden mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen - dafür steht die Joseph-Beuys-Schülerin Sieverding. Am Dienstag wird sie mit dem Kähte-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste ausgezeichnet. Die Preisvergabe habe ihr noch einmal die wichtige Bedeutung von Kollwitz für ihr Schaffen deutlich gemacht. Viele Themen, mit denen sich Kollwitz in ihren Werken beschäftigt habe, seien heute angesichts von Flucht und Vertreibung weiterhin sehr aktuell, sagte Sieverding: "Da finde ich, dass sie so einen selbst bestimmten Weg gegangen ist als Künstlerin. Und sich also immer wieder in aller Deutlichkeit diesem humanen Projekt künstlerisch gewidmet hat. (...) Ich habe eine große Hochachtung vor dieser Künstlerin."

Düsseldorfer Schauspiel: Erfolg auch ohne eigenes Haus

Erfolgreichste Saison seit sieben Jahren

Am Düsseldorfer Schauspielhaus ist die erste Saison unter dem neuen Intendanten Wilfried Schulz erfolgreich zu Ende gegangen. Trotz der schwierigen Umstände - das große Haus ist wegen Sanierung mehrere Jahre geschlossen - hätten 2016/17 fast 194 000 Zuschauer rund 900 Vorstellungen besucht, sagte Schulz in Düsseldorf. Zuletzt waren 2009/10 über 200 000 Zuschauer gekommen, bevor das Theater in die Krise rutschte. "Wir sind stolz darauf, dass wir an Zeiten wie vor sieben Jahren anknüpfen können, und das unter extrem eingeschränkten Bedingungen", sagte Schulz. Das von der Stadt und dem Land NRW finanzierte Schauspielhaus mit mehr als 1000 Plätzen ist noch bis mindestens Herbst 2018 geschlossen. Schulz wich mit seiner Truppe auf die Ersatzspielstätte Central am Hauptbahnhof mit insgesamt rund 600 Plätzen aus und spielte in Zelten, Kirchen, Bürohäusern und an anderen Orten der Landeshauptstadt.

May hält an Thatcher-Statue fest

Vandalismus befürchtet, Handtasche vermisst

Die Errichtung einer Statue für die umstrittene ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher sorgt für hitzige Debatten in Großbritannien. Premierministerin Theresa May sagte, sie wolle an den Denkmal-Plänen festhalten. Kritik an der geplanten Statue kommt von mehreren Seiten: Während die einen Vandalismus befürchten, vermisst etwa Thatchers Tochter ein Markenzeichen ihrer Mutter bei dem Denkmalentwurf - Margaret Thatchers Handtasche. Die geplante Statue soll umgerechnet knapp 340.000 Euro kosten und neben den Büsten von Winston Churchill und Mahatma Gandhi vor dem britischen Parlamentsgebäude stehen.

Kunstmuseum Bern zeigt Werke aus Gurlitt-Erbe

Im November werden sie der Öffentlichkeit präsentiert

Im Kunstmuseum Bern wurden die ersten 150 Werke aus dem Schwabinger Kunstfund von Cornelius Gurlitt gezeigt. Sie waren nach längeren Auslieferschwierigkeiten aus Deutschland erst am Vortag in Bern angekommen. Viele seien in relativ gutem Zustand, sagte Museumsdirektorin Nina Zimmer. Gezeigt wurden unter anderem eine Gouache von August Macke, "Landschaft mit Segelbooten", der Holzschnitt "Melancholisches Mädchen" von Ernst Ludwig Kirchner und das Aquarell "Liegender weiblicher Akt am Wasser" von Otto Mueller. Der 2014 verstorbene Gurlitt hatte das Kunstmuseum Bern überraschend als Universalerben eingesetzt. Die Werke sollen im November der Öffentlichkeit präsentiert werden. Schwerpunkt ist das Thema "Entartete Kunst".

Thalia-Intendant kritisiert G20-Konzert

Joachim Lux nennt Veranstaltung "obszön"

Der Intendant des Hamburger Thalia Theaters, Joachim Lux, hat das G20-Konzert für die Staats- und Regierungschefs in der Elbphilharmonie scharf kritisiert. "Das ist ein obszöner, ja pornografischer Missbrauch von Kunst. Da sitzen zahlreiche Staatschefs, die politisch offensiv das Gegenteil der auf der Bühne erklingenden 'Europa-Hymne' vertreten", sagte Lux dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Diese Regierungsspitzen träten Menschenrechte mit Füßen, führten Kriege, legitimierten Giftgaseinsätze oder krakeelten "als Egoshooter "America First'". Das Konzert gehör zum Begleitprogramm des G20-Gipfels. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg spielt unter Leitung von Kent Nagano Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Deren Schlusspunkt ist die "Ode an die Freude", auch Hymne der Europäischen Union. Die Zeile "Alle Menschen werden Brüder" gilt als Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Marmorlöwen vom Grab Karls V. versteigert

Unbekannter Käufer zahlte zehn Mio. Euro

Eine lange verloren geglaubte Löwenskulptur vom Grab des französischen Königs Karl V. ist für umgerechnet gut zehn Millionen Euro versteigert worden. Das teilte das Auktionshaus Christie's in London mit. Wer der Käufer ist, wurde nicht bekannt gegeben. Die Skulptur wurde um 1365 von André Beauneveu für das Grab des Königs in der Kathedrale von Saint-Denis bei Paris geschaffen. Während der französischen Revolution wurden die Königsgräber 1793 geplündert. 1802 kaufte der britische Aristokrat Thomas Neave die Skulptur. Seither war sie in Privatbesitz. Erst durch einen alten Kupferstich kamen Kunstexperten der Existenz der Marmorlöwen auf die Spur, die lange als verschollen galten.

Neuer Prozess gegen US-Fernsehstar Bill Cosby

80-Jähriger Schauspieler steht im November wieder vor Gericht

Der Missbrauchsprozess gegen US-Fernsehstar Bill Cosby wird ab 6. November neu aufgerollt. Das entschied ein Richter im Bundesstaat Pennsylvania. Im ersten Prozess hatten sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen können. Cosby wird von rund 60 Frauen beschuldigt, sie missbraucht zu haben. Die meisten Anschuldigungen sind verjährt, deshalb beschränkte sich der Prozess auf einen einzigen Fall aus dem Jahr 2004. Die heute 44-jährige Andrea Constand wirft Cosby vor, sie in seinem Haus in Philadelphia mit Tabletten betäubt und sich dann an ihr vergangen zu haben. Cosby hatte im Prozess nicht ausgesagt. Dem Schauspieler drohen bis zu 30 Jahre Haft.

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