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Kulturnachrichten

Sonntag, 3. Juli 2016

Sharon Dodua Otoo gewinnt Bachmann-Preis

Vier Preise beenden Tage der deutschsprachigen Literatur

Sharon Dodua Otoo ist mit dem 40. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden. Die britische Schriftstellerin mit ghanaischen Wurzeln erhielt den Preis für ihren Text "Herr Gröttrup setzt sich hin". Die Jury lobte die unangestrengte Satire über den deutschen Alltag, in dem ein Frühstücksei den Aufstand wagt. Der mit 25 000 Euro dotierte Hauptpreis gilt als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Zum Abschluss der 40. Tage der deutschsprachigen Literatur erhielt Julia Wolf aus Berlin für "Walter Nowak bleibt liegen" den 3sat-Preis. Der in Zürich geborene nahm den Preis der Kärtner Elektrizitätswerke Kelag für "Los Alamos ist winzig" entgegen. Die Wienerin Stefanie Sargnagel erhielt die meisten Stimmen bei der Online-Abstimmung und wurde für "Penne beim Kika" mit dem Publikumspreis prämiert. Damit verbunden ist das Stadtschreiber-Stipendium der Stadt Klagenfurt.

Weltweite Trauer um Elie Wiesel

Der Friedensnobelpreisträger starb mit 87 Jahren

Vertreter aus Politik und Religion trauern um Elie Wiesel. Bundespräsident Gauck kondolierte Wiesels Frau Marion Esther und schrieb: "Wir haben einen großartigen Menschen, außerordentlichen Gelehrten und Schriftsteller verloren." Dem Überlebenden von Auschwitz und Buchenwald sei die Einhaltung und Durchsetzung der Menschenrechte ein Herzensanliegen gewesen. "Darüber zu sprechen, ist unmöglich, darüber zu schweigen, verboten", habe Wiesel einmal gesagt, erinnerte Gauck. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster, nannte Wiesel "ein großes Vorbild": Obwohl er seine ganze Familie verlor und trotz allem, was er selbst erlitten habe, "stiftete er durch sein Wirken Frieden und Versöhnung". Wiesel habe den Opfern der Shoa eine Stimme gegeben, die weltweit gehört wurde. US-Präsident Obama bezeichnete Wiesel als "eine der großen moralischen Stimmen unserer Zeit" und "Gewissen der Welt". Elie Wiesel hatte zahlreiche Publikationen über den Holocaust veröffentlicht, eine Stiftung gegen Intoleranz und Gleichgültigkeit gegründet und 1986 den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz gegen Gewalt und Rassismus erhalten.

Regisseur Michael Cimino gestorben

Der Oscar-Preisträger wurde 77 Jahr alt

Wie sein Anwalt mitteilte, fand man Cimino leblos in seinem Haus in Beverly Hills. Zur Todesursache wurden bisher keine Angaben gemacht. Für seinen Vietnam-Kriegsfilm "Die durch die Hölle gehen" hatte Cimino 1979 die Oscars für den besten Film und die beste Regie gewonnen. Der in New York geborene Cimino hatte Kunst und Architektur an der Yale-Universität studiert. Dort entdeckte er sein Interesse am Theater und lernte die Regie-Arbeit beim Actors Studio, drehte zunächst Werbefilme und Dokumentationen und schrieb Drehbücher für Hollywood. Sein Debüt als Spielfilmregisseur hatte er 1974 mit dem Roadmovie "Die Letzten beißen die Hunde" erstmals Regie. Sein Nachfolgeprojekt "Heavens's Gate" wurde 1980 zum bis dahin größten wirtschaftlichen Misserfolg der Filmgeschichte, für dessen Director's Cut Cimino aber 2012 den Ehrenlöwen der Filmfestspiele von Venedig erhalten. Auch mit seinen Thriller " Jahr des Drachen" hatte er keinen kommerziellen Erfolg. (

Neues jüdisches Gemeindezentrum in Nürnberg

Festakt feiert offizielle Eröffnung

Der bayerische Innenminister Herrmann sagte bei der Einweihung des Erweiterungsbaus der jüdischen Gemeinde in Nürnberg, die Menschen im Freistaat freuten sich "über das neue pulsierende jüdische Leben in unserem Land". Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster sagte laut Redemanuskript, die jüdische Gemeinde zeige mit dem Bau, "dass wir dem Land vertrauen, in dem wir leben. Wir vertrauen darauf, dass wir eine Zukunft haben". Das an die Synagoge und das Altenheim angrenzende Gebäude wurde für 4,1 Millionen Euro errichtet. 900.000 Euro davon waren Zuschüsse des Landes. Herzstück ist der neue "Arno-Hamburger-Saal", der nach dem 2013 verstorbenen Vorsitzenden benannt ist. Die Gemeinde hat 2.000 Mitglieder.

Fertiges Humboldt-Forum kostet jährlich 50 Millionen Euro

Das berichtet die "Berliner Morgenpost"

Unter Berufung auf einen Bericht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters an den Haushaltsausschuss des Bundestages, wird das Humboldt-Forum den Bund ab 2020 jährlich 50 Millionen Euro kosten. Bereits ab 2017 sei mit Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich zu rechnen, um das Gebäude einzurichten und den Betrieb vorzubereiten. Allein die Betriebskosten würden 14,6 Millionen Euro betragen. Das rekonstruierte Preußen-Schloss in der Hauptstadt soll ab 2019 ein Ausstellungs- und Kulturzentrum werden. Die Baukosten sind auf 590 Millionen Euro veranschlagt.

"Chris Dercon ist ein guter Kerl"

Kunstkurator Kasper König zum Streit um die Volksbühne Berlin

Im Streit um die Leitung der Volksbühne Berlin, hat Kasper König, langjähriger Leiter des Museums Ludwig in Köln und Kurator der Manifesta in St. Petersburg, den künftigen Intendanten Chris Dercon gegen Kritik verteidigt. Er kenne Chris Dercon seit gut 35 Jahren, sagte König am Samstag im Deutschlandradio Kultur: "Das ist aber ein guter Kerl, der auch wirklich offen ist für neue Dinge und auch mit Risikobereitschaft und mit Solidarität Dinge anpackt", so König. Er gehört zu den 25 Unterzeichnern eines gestern veröffentlichten Offenen Briefes, in dem Prominente der Internationalen Kunst- und Museumsszene Partei für Chris Dercon ergreifen. König warnte in Bezug auf Chris Dercon vor einer Vorverurteilung: "Man darf nicht diesen Eindruck erwecken: Jetzt kommt da so ein Manager-Typ, der also eine neo-liberale Kunstweltfigur ist und jetzt Sauce über alles gießt. Das ist eben wirklich ein Totschlag-Argument." Seiner Auffassung nach sollte man Dercon als Intendanten erst einmal agieren lassen, sagte König: "Und insofern finde ich den Brief (...) sehr, sehr gut. Und ich finde es auch gut, dass er gar nicht eingeht auf irgendwelche Invektiven von einem abgehalfterten Theater-Fritzen, der einmal großartig war: Herrn Peymann, der einfach nur über alles lästert und sich in politische Dinge einmischt statt seine eigene Arbeit zu machen."

"Die Kunst kann den Menschen nicht retten"

Günther Ueckers Ausstellungen erinnern an Lichtenhagen

Die Rostocker Kunsthalle zeigt ab heute die Ausstellung "Der geschundene Mensch". Darin habe der international anerkannte Künstler Günther Uecker die ausländerfeindlichen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen 1992 thematisiert. "Es wurden auch Vokabeln entwickelt, wie Aufklatschen", sagte Uecker über die Ereignisse nach der Wende im Deutschlandradio Kultur. "Das hat mich zutiefst erschüttert." Uecker zeigt in der Ausstellung in Schwerin nun 14 Objekte als "befriedete Gerätschaften". Sie erinnern an Acker- wie Folterwerkzeug gleichermaßen und kommen einem modernen Kreuzweg gleich. Uecker räumte angesichts heutiger ausländerfeindlicher Anschläge ein, dass sich das mit Hilfe der Kunst nicht aus der Welt schaffen lasse. "Da kann man auch sagen, die Kunst kann den Menschen nicht retten, aber mit den Mitteln der Kunst ist ein Ausdruck möglich."
Auch in der Landeshauptstadt Schwerin wird in dem neuen Museumsanbau eine weitere Uecker-Ausstellung gezeigt. Der 86-Jährige hat dafür extra eine Serie "Neue Wustrower Tücher" angefertigt. Sie sollen daran erinnern, wie Uecker als Jugendlicher für die sowjetischen Soldaten zum Kriegsende 1945 an den Ostseestrand angespülte Leichen vergraben musste. "Das war dann doch das traumatische Erlebnis, dass mich dazu geführt hat, heute das zu thematisieren und in einen Vergleich zu setzen zu dem, was am Mittelmeer geschieht, wo Flüchtende dann auch ertrinken und ans Ufer gespült wurden." Das habe er bildhaft deutlich machen wollen.

"Die Kunst kann den Menschen nicht retten"

Günther Ueckers Ausstellungen erinnern an Lichtenhagen

Die Rostocker Kunsthalle zeigt die Ausstellung "Der geschundene Mensch". Darin habe der international anerkannte Künstler Günther Uecker die ausländerfeindlichen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen 1992 thematisiert. "Es wurden auch Vokabeln entwickelt, wie Aufklatschen", sagte Uecker über die Ereignisse nach der Wende im Deutschlandradio Kultur. "Das hat mich zutiefst erschüttert." Uecker zeigt in der Ausstellung in Schwerin nun 14 Objekte als "befriedete Gerätschaften". Sie erinnern an Acker- wie Folterwerkzeug gleichermaßen und kommen einem modernen Kreuzweg gleich. Uecker räumte angesichts heutiger ausländerfeindlicher Anschläge ein, dass sich das mit Hilfe der Kunst nicht aus der Welt schaffen lasse. "Da kann man auch sagen, die Kunst kann den Menschen nicht retten, aber mit den Mitteln der Kunst ist ein Ausdruck möglich."
Auch in der Landeshauptstadt Schwerin wird in dem neuen Museumsanbau eine weitere Uecker-Ausstellung gezeigt. Der 86-Jährige hat dafür extra eine Serie "Neue Wustrower Tücher" angefertigt. Sie sollen daran erinnern, wie Uecker als Jugendlicher für die sowjetischen Soldaten zum Kriegsende 1945 an den Ostseestrand angespülte Leichen vergraben musste. "Das war dann doch das traumatische Erlebnis, dass mich dazu geführt hat, heute das zu thematisieren und in einen Vergleich zu setzen zu dem, was am Mittelmeer geschieht, wo Flüchtende dann auch ertrinken und ans Ufer gespült wurden." Das habe er bildhaft deutlich machen wollen.

Filmfest in München würdigt deutschen Kino-Nachwuchs

Preis für beste Regie geht an "Die Hände meiner Mutter" von Florian Eichinger

Beim Filmfest in München ist das Familiendrama "Die Hände meiner Mutter" als bester Nachwuchsfilm ausgezeichnet worden. Regisseur Florian Eichinger erzählt darin von einem Jungen, der von seiner Mutter missbraucht wurde. Als erwachsener Mann fühlt er sich durch seinen eigenen Sohn daran erinnert. Der Förderpreis "Neues Deutsches Kino" für Regie ist mit 30.000 Euro dotiert. Hauptdarsteller Andreas Döhler wurde als bester Schauspieler geehrt. Der Produktionspreis ging an Jana Raschke und Igor Dovgal für "Haus ohne Dach". Beste Drehbuchautorin wurde die Münchner Filmhochschülerin Mareille Klein für die Tragikomödie "Dinky Sinky". Den Förderpreis gibt es seit 1989, anfangs nur für Regisseure, später auch in anderen Kategorien, mehrfach wurde er auch umbenannt.

Yves Bonnefoy ist tot

Frankreichs bedeutender Lyriker starb im Alter von 93 Jahren

Das Pariser College de France bestätigte entsprechende Medienberichte zum Tod von Yves Bonnefoy. Der 93-Jährige galt als einer der bedeutendsten französischen Lyriker der Nachkriegszeit.
Bonnefoy wurde 1923 als Sohn eines Arbeiters und einer Lehrerin in Tours geboren. Er studierte Mathematik und Philosophie. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand er in Paris kurzzeitig den Surrealisten nahe, entfernte sich aber bald wieder von dieser Gruppe.
Sein erster Lyrikband "Douve in Bewegung und regungslos" erschien 1953 und wurde zum Erfolg.
"Poesie ist die Erfahrung dessen, was die Wörter überschreitet", sagte Bonnefoy selbst einmal. Der Franzose schrieb aber auch Essays und erzählende Texte, übersetzte Theaterstücke von William Shakespeare und Gedichte von John Keats. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem tschechischen Franz-Kafka-Literaturpreis. Bonnefoy starb gestern.

Restaurierung des Kolosseums

Private Mäzene eingesprungen

25 Millionen Euro spendete die Familie della Valle für den Erhalt des Kolosseums. "Mit gutem Beispiel und neuen Gesetzen kann man darauf einwirken, das in unserem Land diese Mäzenatenkultur entsteht", sagte Italiens Kulturminister Dario Franceschini. "Jeder Bürger, jeder Unternehmer müsste seine gesellschaftliche Rolle auch dadurch definieren wie viel Geld er für Kulturgüter spendet", unterstrich er. Zum ersten Mal ist es in Italien gelungen, mit Hilfe von privaten Geldern eine so wichtige Kulturstätte zu erhalten. Die Regierung von Matteo Renzi hofft, dass weitere Privatspenden für den Erhalt von Kulturgütern kommen. Sie werden durch ein entsprechendes Gesetz steuerlich begünstigt.
Die Leiterin der Restaurierungsarbeiten, Gisella Capponi, ist stolz auf ihre Arbeit: "Auf der Nordseite haben wir regelrecht die Architektur bewahren können. Wir konnten das Kolosseum aus diesem Ruinen-Status herausholen. Denn alles war bedeckt von einer Schicht, die dafür gesorgt hat, dass wir Säulen und so weiter nicht unterscheiden konnten. All das, was die Bestandteile dieser so besonderen Architektur sind."
Ab jetzt sollen die Unterirdischen Gänge und Anlagen restauriert werden. Dafür zahlt der Staat noch einmal 18 Millionen Euro.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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