Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Montag, 09.12.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kulturnachrichten

Freitag, 1. Juli 2016

Künstler und Museumsleute stellen sich hinter Dercon

Offener Brief für künftigen Intendanten der Berliner Volksbühne

Internationale Künstler, Museumsmacher und Architekten haben in einem offenen Brief dem künftigen Intendanten der Berliner Volksbühne, Chris Dercon, den Rücken gestärkt. Das an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller gerichtete Schreiben ist unter anderem von Okwui Enwezor, dem Direktor des Münchner Hauses der Kunst, den Architekten David Chipperfield und Rem Koolhaas, der Choreografin Anne Teresa de Keersmaeker sowie Filmemacher und Autor Alexander Kluge unterzeichnet. "Angesichts seiner Leistungen in den vergangenen drei Jahrzehnten glauben wir, dass Dercon nicht nur ausgesprochen gut geeignet ist, die Bühne zu leiten - er ist auch eine kühne und inspirierte Wahl", heißt es in dem Brief, den auch zahlreiche Museumschefs unterschrieben haben. Mitarbeiter der Volksbühne hatten sich kürzlich in einem offenen Brief gegen Dercon gestellt. Zu den Unterzeichnern gehörten Schauspieler wie Sophie Rois, Birgit Minichmayr und Martin Wuttke. Der Belgier Dercon, zuletzt Direktor des Londoner Museums Tate Modern wird im Sommer 2017 Nachfolger des langjährigen Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf.

Ilka Bessin will nicht mehr Cindy aus Marzahn sein

"Man darf so eine Figur nicht totspielen" sagt Bessin

Die Komikerin Ilka Bessin will nicht mehr als die von ihr geschaffene Kunstfigur Cindy aus Marzahn auftreten. Ihren letzten Auftritt als schwergewichtige Langzeitarbeitslose habe sie bereits Anfang Juni gehabt, sagte die 44-Jährige dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ihr Management bestätigte die Entscheidung. Man dürfe so eine Figur nicht totspielen, sagte Bessin zur Begründung. In den vergangenen elf Jahren habe sie viel erreicht, aber sie habe auch Prügel einstecken müssen, von Kritikern wie von Kollegen. Künftig will Bessin - laut Spiegel - gemeinsam mit einer Schneiderin Kleidung für Übergewichtige entwerfen. Ob sie irgendwann unter ihrem eigenen Namen auf die Bühne zurückkehren werde, wisse sie noch nicht.

Der Dichter Sir Geoffrey Hill ist gestorben

Der britische Poet starb gestern in Worcestershire

Sir Geoffrey Hill starb am späten Abend im Alter von 84 Jahren, wie seine Ehefrau, Alice Goodman, mitteilte. Hill war Professor für Poetik an der Oxford Universität. Er war außerdem professor emeritus of English literature and religion an der Boston University. Bekannt war er für die Mercian Hymns, seine Prosa-Gedicht-Kollektionen von 1971. Carol Ann Duffy sagte dem "Guardian": "In der Dichtung war er ein Heiliger und ein Kämpfer, der alles für die poetische Wahrheit alles tat." Harold Bloom hat ihn den bedeutendsten lebenden Dichter der englischen Sprache genannt. Er benutzt mehrere Stilrichtungen. Viele seiner Gedichte beschäftigen sich mit seiner Heimat, auch historisch gesehen. Selbst meint er, Dichter dürften durchaus schwierig sein. Er ist der Ansicht, „schwierig“zu sein bedeute demokratisch zu sein, denn das Verlangen nach dem Einfachen gleiche dem Verlangen eines Tyrannen.

Schon 1,2 Millionen Menschen bei Christos "Floating Piers"

Positive Besucherbilanz

Kurz vor dem Abschluss von Christos Projekt "The Floating Piers" in Norditalien ist das Besucherinteresse ungebrochen. Bis zum Mittag besuchten bereits etwa 1,2 Millionen Menschen die schwimmenden Stege, wie der Chef der zuständigen Präfektur, Valerio Valenti, in Rom sagte. Auch für das letzte Wochenende werden wieder Hunderttausende am Iseo-See bei Brescia erwartet. Die Installation wird am Sonntag geschlossen. Allein am Donnerstag seien etwa 107 000 Menschen vor Ort gewesen. Behördenchef Valenti zeigte sich angesichts des Ansturms mehr als zufrieden: "Niemand hätte sich eine solche Menge an Besuchern vorgestellt", fügte er hinzu. Bis zum Abschluss des Projekts dürften es 1,5 Millionen Besucher werden, schätzt der Präfekt.

Der Philosoph Robert Steigerwald ist tot

Der Philosoph starb im Alter von 91 Jahren

Der Autor und Philosoph Robert Steigerwald starb gestern Nachmittag im Alter von 91 Jahren in Eschborn, wie der Kulturmaschinen Verlag mitteilte. Robert Steigerwald hat wesentlich zur Diskussion um Wirtschaft und Kultur, um die Geschichte der DDR und der UdSSR beigetragen. Er durchleuchtete unter anderem die Politik der Sowjetunion und setzte sich mit der Hegelschen Dialektik auseinander. Robert Steigerwald wurde 1925 in Frankfurt am Main geboren. Nach Arbeits- und Militärdienst studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie. Seit 1948 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands studierte er an der Parteihochschule der SED und lehrte dort im Anschluss Philosophie. Bald nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik 1951 wurde er als Funktionär der KPD festgenommen und zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) 1968 gehörte Steigerwald deren Parteivorstand an. Steigerwald war einer der theoretischen Vordenker der DKP.

Äußere Restaurierung des Kolosseums beendet

Arbeiten gehen weiter

Eine weitere Etappe der groß angelegten Restaurierung des weltberühmten Kolosseums in Rom ist geschafft. Italiens Regierungschef Matteo Renzi zog heute nach Abschluss der äußeren Restaurierung in Rom eine Zwischenbilanz. Die Arbeiten seien mit großer Vernunft und nach höchsten wissenschaftlichen Maßstäben erfolgt, heißt es. Das zwischen 70 und 80 nach Christus erbaute Kolosseum wurde in der Antike von römischen Kaisern als Austragungsort öffentlicher Hinrichtungen und blutiger Sportereignisse genutzt. Gladiatorenkämpfe fanden hier vor bis zu 50 000 Zuschauern statt. Nach dem Niedergang des Römischen Reiches wurde das Amphitheater nicht mehr gebraucht und im sechsten Jahrhundert nach einem verheerenden Erdbeben teilweise abgerissen. Als nächstes soll das Innere des Amphitheaters erneuert werden. Die Arbeiten sollen bis 2018 dauern.

Carl Orff-Preis für Dirigent Christian van Gehren

Ehrung für hohes musikalisches Niveau der Carl-Orff-Festspiele

Christian von Gehren, langjähriger Dirigent der Carl Orff-Festspiele in Andechs, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Carl Orff-Preis 2016. Die Auszeichnung wird ihm für seinen Einsatz für das Werk des Komponisten Orff (1895-1982) am 30. August verliehen, wie die Stiftung in Dießen mitteilte. Von Gehren habe entscheidend zum hohen musikalischen Niveau der Festspiele beigetragen, begründete die Stiftung ihre Entscheidung. Mit dem Preis werde außerdem sein außerordentlicher Einsatz gewürdigt, aus den Studierenden der Andechser ORFF-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters ein Orchester zu formen, das die Inszenierungen der Werke von Orff auf hohem Niveau begleitet habe. Der Preis zeichnet in unregelmäßigen Zeitabständen Persönlichkeiten oder Institutionen aus, die sich in außergewöhnlicher Weise um Orff und sein Lebenswerk verdient gemacht haben.

"Kapital" von Joseph Beuys erstmals in Berlin

Schlüsselwerk im Hamburger Bahnhof zu sehen

"Das Kapital", ein Schlüsselwerk des legendären Aktionskünstlers Joseph Beuys, ist jetzt erstmals in seiner neuen Heimat Berlin zu sehen. Das Museum Hamburger Bahnhof stellt die raumgreifende Installation in einer Ausstellung mit rund 130 ergänzenden und erklärenden Exponaten vor. "Das ist ein Weltereignis, und ich hoffe, dass auch Berlin es wahrnimmt", sagte Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann heute vor der Ausstellungseröffnung. "Das Kapital Raum 1970-1977", so der volle Titel, gilt als eines der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts. Der Berliner Sammler Erich Marx (95) hatte es im vergangenen Jahr in einem spektakulären Coup gekauft und den Staatlichen Museen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Nach dem vorläufigen Aufbau jetzt soll es von 2022 an ein Vorzeigestück im neuen Museum der Moderne sein.

Grimm-Forscher identifiziert "Aschenputtel"-Erzählerin

Elisabeth Schellenberg aus Marburg ist Märchenurheberin

Der Kasseler Grimm-Forscher Holger Ehrhardt hat die Erzählerin der Märchen "Aschenputtel" und "Der goldene Vogel" identifiziert. Es handele sich um die Marburger Kleinbürgerin Elisabeth Schellenberg, die 1814 verarmt und kinderlos in einem Marburger Siechenhaus gestorben sei, sagte Ehrhardt in Kassel. Für die bisher als aussichtslos geltende Aufhellung der Identität der Frau habe er lediglich fünf Tage gebraucht, in denen er Archive, Namenslisten, Sterberegister und andere Quellen durchsah. Für die Brüder Grimm, die über einen Hinweis von Clemens Brentano auf die Spur der Marburger Märchenfrau kamen, sei es allerdings sehr schwierig gewesen, an die Märchen zu kommen. Die Frau habe sich geweigert, sie zu erzählen. "Märchen waren damals keine salonfähige Gattung, sie galten als Altweibergeschwätz", sagte Ehrhardt. Nur durch eine List, indem Wilhelm Grimm Kinder zu der Frau schickte, sei es gelungen, ihr die beiden Märchen zu entlocken. Über seine Entdeckung berichtet Ehrhardt ausführlich in einem Buch.

Jan Assmann erhält Sigmund-Freud-Preis

Preis für wissenschaftliche Prosa geht an Ägyptologen

Der Ägyptologe und Kulturtheoretiker Jan Assmann erhält den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2016. Assmann sei einer der bedeutendsten und einer der am besten schreibenden Kulturtheoretiker dieser Zeit, urteilte die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird gemeinsam mit dem Georg-Büchner-Preis am 5. November in Darmstadt verliehen. Assmanns Verbindung von Archäologie und Gedächtnisgeschichte und der damit geschaffene neue Begriff von Tradition hätten weite Bereiche der kulturwissenschaftlichen Forschung auf neue Grundlagen gestellt. Die Arbeiten des 77-Jährigen hätten damit die geistigen Überlieferungen Europas neu lesbar gemacht. Der Sigmund-Freud-Preis wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. Die Auszeichnung wird von der Entega-Stiftung gefördert. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Hannah Arendt und Carl Friedrich von Weizsäcker.

Europas größte Häuser aus der Jungsteinzeit entdeckt

Ruinen wurden in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ausgegraben

Zwei der Häuser mit einer Länge von mehr als 20 Metern sollen die größten Häuser Europas aus der Jungsteinzeit sein, die bisher ans Licht gekommen sind. Die Ruinen einer angeblich 8000 Jahre alten Siedlung wurden in der bulgarischen Hauptstadt Sofia entdeckt. "Dies ist ein kulturelles Phänomen von gesamteuropäischem Ausmaß", sagte der Archäologe Wassil Nikolow im Staatsfernsehen in Sofia. Der Professor leitet die Ausgrabungen in Slatina, einem Wohnviertel am östlichen Stadtrand von Sofia. Neue Tests sollen bestätigt haben, dass die Siedlung volle 8000 Jahre alt sei. Auf den Böden der Neolithikum-Häuser seien Reste von Kuppelöfen und keramische Behälter mit verbranntem Getreide gefunden worden. Es gebe auch Ritualgegenstände und weitere Gefäße aus Keramik. Die Stadt Sofia möchte die Fundstätte als Freizeitpark und Touristenziel ausbauen.

Merck-Preis geht an Autorin Kathrin Passig

Ehrung für literarische Kritik und Essay

Die Sachbuchautorin und Bloggerin Kathrin Passig erhält den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Das gab die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt bekannt. "Kathrin Passig beschreibt und analysiert digitale Kultur als eine Lebensform", teilte die Akademie mit. Die in Niederbayern geborene Autorin erkunde "neue Möglichkeiten von Essay und Kritik jenseits der Gutenberg-Galaxis", begründete die Akademie ihre Wahl. Die 46-Jährige lebt heute in Berlin und hat zahlreiche Sachbücher verfasst - darunter "Internet - Segen oder Fluch" (2012) und "Standardsituationen der Technologiekritik" (2013). Außerdem schreibt sie regelmäßig Essays in überregionalen Zeitungen. Der mit 20 000 Euro dotierte Merck-Preis wird am 5. November in Darmstadt zusammen mit dem Georg-Büchner-Preis verliehen.

Mordprozess wird dank US-Krimipodcast neu aufgerollt

"Serial" erzählt wahre Geschichten

Ein Gericht in Baltimore hat entschieden, den Prozess gegen den 35 Jahre alten Adnan Syed neu zu verhandeln. Vor 16 Jahre war er wegen Mordes an seiner Ex-Freundin zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In zwölf Folgen hatte die Journalistin Sarah Koenig über den Fall berichtet und dabei an der Schuld des Verurteilten gezweifelt, weil die damalige Anwältin von Syed Entlastungszeugen nicht gehört habe. Wegen der Recherche und der Proteste vieler Zuhörer beschäftigt die Justiz sich jetzt wieder mit dem Fall. Diese Staffel der Krimi-Doku "Serial" hatten im Herbst 2014 durchschnittlich drei Millionen heruntergeladen. Offen ist, wann der Fall neu verhandelt wird.

Historikerin Lyndal Roper erhält Gerda Henkel Preis

Ausgezeichnete Forschung über Martin Luther und das Reformationszeitalter

Die Historikerin Prof. Lyndal Roper erhält den mit 100.000 Euro dotierten Gerda Henkel Preis 2016. Damit würden die besonderen Leistungen der in Oxford lehrenden Roper auf dem Gebiet der Geschichte der frühen Neuzeit gewürdigt, teilte die Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf mit. "Ihre jüngsten Studien zur Biografie Martin Luthers werden im Lutherjahr 2017 sicherlich den Verlauf der Debatte über den Reformator nachdrücklich mitbestimmen", hieß es in der Begründung. Die 60jährige habe "bahnbrechende Arbeiten" zur Sozial-, Geschlechter-, Psycho- und Körpergeschichte vorgelegt, darunter Untersuchungen über Hexerei und Hexenverfolgung. In ihrem Buch "Der feiste Doktor" (2012) war Roper der Frage nachgegangen, welche symbolische Bedeutung Luthers Leibesfülle im damaligen religiösen Kontext hatte. Der Gerda Henkel Preis wird alle zwei Jahre für herausragende Leistungen im Bereich der historischen Geisteswissenschaften vergeben. Roper nimmt den Preis am 7. November entgegen.

Le-Corbusier-Häuser für Weltkulturerbe vorgeschlagen

Das teilte die Unesco in Bonn mit

Die beiden Le-Corbusier-Häuser in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung könnten Weltkulturerbe werden. Nach mehreren vergeblichen Anträgen wurde die Bewerbung nun angenommen. Gemeinsam mit anderen Bewerbern aus Deutschland, Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz wartet man nun auf die Entscheidungen des Unesco-Welterbekomitees, das vom 10. bis 20. Juli in Istanbul tagen will. Insgesamt sind 29 Stätten für die Welterbeliste nominiert. Darunter die antike Stätte von Philippi in Griechenland, die Neandertaler-Höhlen von Gibraltar und die Megalithgräber "Dolmenes de Antequera" in Spanien. Erstmals schlagen der Inselstaat Antigua und Barbuda und die Föderierten Staaten von Mikronesien Stätten für die Welterbeliste vor. Nominiert seien die Marinewerft "Nelson's Dockyard" auf Antigua und die archäologische Stätte Nan Madol, ein zeremonielles Zentrum in Ostmikronesien. Deutschland verzeichnet bislang 40 Welterbestätten.

Olivia de Havilland: Happy Birthday zum 100.

Die Jubilarin lebt zurückgezogen in Paris

Sie war die sanftmütige Schwester von Scarlet O'Hara in "Vom Winde verweht". Heute ist Olivia de Havilland 100 Jahre alt geworden. Der britische "Guardian" nennt sie "die letzte Königin der Nachkriegsära Hollywoods". 1935 von Max Reinhardt entdeckt, spielte sie an der Seite ihres späteren Geliebten Errol Flynn bis 1941 in acht Filmen. Zwei Oscars erhielt sie später für ihre schauspielerische Leistung in "Mutterherz" und "Die Erbin". Bei der Vergabe der Auszeichnung an den Filmklassiker "Vom Winde verweht" war sie leer ausgegangen. Seit sich die Schwester von Joan Fontaine in den 60er Jahren aus dem Filmgeschäft zurückzog, lebt Olivia de Havilland in Paris. Zu ihren seltenen Auftritten gehört die Oscarverleihung 2004. 2008 erhielt sie die National Medal of Arts der USA, zwei Jahre später wurde sie vom französischen Präsidenten zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Iranischer Film gewinnt Internationales Festival in Moskau

Der "Heilige Georg" wurde zum 38. Mal vergeben

Das iranische Familiendrama "Dokhtar" (Tochter) von Reza Mir Karimi hat den Hauptpreis des 38. Internationalen Filmfestivals in Moskau gewonnen. Der Film schildert das schwierige Verhältnis zwischen einem konservativen Vater und seinen zwei Töchtern in der Provinz. Insgesamt hatten sich zwölf Produktionen um den "Heiligen Georg" beworben. In der Jury saß auch die deutsche Filmemacherin Ulrike Ottinger. Als Ehrengäste waren der spanische Regisseur Carlos Saura und sein britischer Kollege Stephen Frears eingeladen. Die russische Hauptstadt gehört wie Cannes, Venedig oder Berlin zu den A-Festivals der internationalen Produzentenvereinigung FIAPF. Das vom Staat Festival wurde 1959 gegründet. Festivalchef ist der Oscar-Preisträger von 1995, Nikita Michalkow ("Die Sonne, die uns täuscht").

Der nigerianische Romancier Elechi Amadi ist tot

Er starb im Alter von 82 Jahren

Der nigerianische Schriftsteller Elechi Amadi ist in einem Krankenhaus in Port Harcourt gestorben. Das bestätigte sein Bruder. Zu Amadis bekanntesten Werken zählt der 1966 erschienene Roman "The Concubine", ein Liebesdrama, das in der ländlichen Gesellschaft Nigerias spielt. Amadi beschäftigte sich vor allem mit den Traditionen und Bräuchen seines Heimatlandes.

Standort für Berliner Zentralbibliothek weiter ungewiss

Prüfung der Senatsbauverwaltung verzögert sich

Die Entscheidung über den neuen Standort für die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) wird möglicherweise erst nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September getroffen. Denn die Untersuchung der vier ausgewählten möglichen Domizile - die Amerika-Gedenkbibliothek, das Marx-Engels-Forum, das Tempelhofer Flughafengebäude und das Südkreuz-Gelände der Berliner Stadtreinigung - ist noch nicht abgeschlossen. Lars Bahners, der Sprecher der Senatskulturverwaltung sagte der TAZ, die für Juni oder Juli von der Senatsbauverwaltung abzuschließende Untersuchung verzögere sich. Ziel bleibe, dass der Bericht bis September abgeschlossen sei und vorgelegt werden könne. Dass der Termin sich noch einmal verschiebt, sei aber nicht auszuschließen. Die Bibliothek besitzt mehr als drei Millionen Bücher, CDs oder auch Filme. Platznot und die Aufteilung auf zwei Standorte machen der ZLB seit langem zu schaffen.

Friedenspreis des Deutschen Films für Burkhard Klaußner

Schauspieler wird für seine Hauptrolle in "Der Staat gegen Fritz Bauer" geehrt

Der Schauspieler Burkhard Klaußner hat den Friedenspreis des Deutschen Films "Die Brücke" erhalten. Klaußner wurde damit für seine Rolle in "Der Staat gegen Fritz Bauer" ausgezeichnet. Darin spielt er einen Generalstaatsanwalt, der trotz Hindernissen Nazi-Verbrecher vor Gericht bringen will. Klaußner nutzte seine Dankesrede für eine Aufforderung: "Uns geht's gut, und wir sind stark und ich glaube, der Stolz der Starken ist es immer, den Schwachen zu helfen." Laudator Oliver Hirschbiegel sagte, Spielen bedeute für Klaußner, "sich zu reiben - am Stoff, an der Figur, auch am Regisseur, was herrlich ist, weil es der Wahrheitsfindung dient". Der Hauptpreis National ging an Kai Wessel für sein Drama "Nebel im August" über die Opfer des Euthanasieprogramms der Nazis, das am 6. Oktober ins Kino kommen soll. Die Trophäen in Form von Brückenpfeilern werden seit 2002 im Rahmen des Münchner Filmfestes vergeben - im Gedenken an Bernhard Wicki (1919- 2000), den Regisseur des Antikriegsfilms "Die Brücke".

Anne Birkenhauer erhält Paul-Celan-Preis 2016

Die Übersetzerin wird für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet

Der Paul-Celan-Preis 2016 für herausragende Übersetzungen ins Deutsche geht in diesem Jahr an Anne Birkenhauer. Die 1961 in Essen geborene Judaistin und Germanistin werde für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet, das Übersetzungen aus dem Hebräischen umfasse, teilte der Deutsche Literaturfonds heute in Darmstadt mit. Besonders würdigte die Jury ihre Übersetzung des 2016 erschienenen Romans "Kommt ein Pferd in die Bar" von David Grossman, in der es ihr auf bewundernswerte Weise gelungen sei, "den ständigen Wechsel der Tonlage mit blitzschnellen Sprüngen von kalkuliert klamaukhafter Komik zu bitterbösem Ernst, von vulgärem Gejohle zu entsetztem Schweigen in allen Nuancen plastisch und nachvollziehbar wiederzugeben". Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird am 20. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vergeben. Die Laudatio wird der Literaturkritiker Lothar Müller halten.

Nelsons löst Vertrag mit den Bayreuther Festspielen auf

Der Dirigent sollte die Eröffnungspremiere leiten

Dirigent Andris Nelsons und die Bayreuther Festspiele haben den Vertrag für die Wagner-Oper in diesem Jahr aufgelöst. "Leider haben die Umstände bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen Andris Nelsons nicht die Atmosphäre ermöglicht, die er für seine künstlerische Arbeit benötigt", teilten die Festspiele heute mit. Unterschiedliche Auffassungen in verschiedenen Angelegenheiten hätten zu einer Atmosphäre geführt, die für alle Beteiligten nicht angenehm gewesen sei, hieß es. Sie hätten der Bitte "mit Bedauern" zugestimmt. Nelsons sollte die Eröffnungspremiere am 25. Juli dirigieren.

Oscar-Akademie lädt neue Mitglieder ein

683 Personen bekamen Einladungen aus Hollywood

Zu ihnen gehören die kubanisch-stämmige US-Schauspielerin Eva Mendes, America Ferrera, deren Eltern aus Honduras stammen, und die afro-amerikanische Schauspielerin Anika Noni Rose. Die derzeit mehr als 7.000 Mitglieder umfassende Oscar-Akademie setzt damit ihre Ankündigung von vor sechs Monaten um, mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten aufzunehmen. Den Angaben zufolge sind die Kandidaten zu 46 Prozent weiblich und zu 41 Prozent Angehörige von Minderheiten. Sollten die Einladungen akzeptiert werden, hätte die Akademie einen Anteil von 27 Prozent weiblicher und 11 Prozent nicht-weißer Mitglieder. Die Film-Akademie stand in diesem Jahr in der Kritik, weil zum zweiten Mal in Folge keine afroamerikanischen Schauspieler für die Oscars nominiert wurden.

Musikerbeschwerde bei EU-Kommission über YouTube

Sie fordern gleiche Rahmenbedingungen für Künstler und Rechteinhaber

Der Konflikt zwischen der Musikindustrie und Googles Videoplattform YouTube wird schärfer. Über 1000 Musiker, darunter Stars wie Coldplay, Lady Gaga oder Ed Sheeran, haben sich bei der EU-Kommission beschwert, dass Dienste wie YouTube mit ihren breiten Gratis-Angeboten auf unfaire Weise Musik entwerteten. In einem Brief forderten sie Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf, "jetzt zu handeln", um gleiche Rahmenbedingungen für Künstler und Rechteinhaber zu sichern. Aus Deutschland sind unter anderem Udo Lindenberg, Adel Tawil und Bosse dabei. Der Streit schwelt schon seit Jahren. Die Musikindustrie hat im Streaming eine neue Geldquelle entdeckt und setzt vor allem auf Abo-Modelle, bei denen für eine monatliche Gebühr von meist rund zehn Euro viele Millionen Songs uneingeschränkt genutzt werden können. Zuletzt wuchsen die Erlöse im Musikgeschäft dank Streaming erstmals wieder. YouTube verweist darauf, dass schon mehrere Milliarden Dollar an Werbeerlösen an Rechteinhaber geflossen seien und das Unternehmen ein System entwickelt habe, das Songs sofort mit einer Art "digitalem Fingerabdruck" identifiziere.

Kulturnachrichten hören

Juli 2016
MO DI MI DO FR SA SO
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur