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Kulturnachrichten

Sonntag, 26. Juli 2015

Salzburger Festspiele eröffnen mit politischem Appell

Bundespräsident fordert Toleranz gegenüber Flüchtlingen

"Mauern und Zäune an den Grenzen und in den Köpfen sind keine taugliche Antwort auf die Herausforderungen", warnte der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer mit Blick auf Migrationsströme nach Europa. Das große Klassik- und Theaterfestival steht dieses Jahr unter dem Motto "Herrschen und Dienen, Macht und Ohnmacht, Unterdrückung und Aufbegehren".
Autor und Philosoph Rüdiger Safranski forderte in seiner Festrede, dass Gesellschaften wieder Kontrolle über die Zeit zurückerlangen müssten, um Gesundheit, Umwelt und kommende Generationen nicht der Geschwindigkeit der Wirtschaft zu opfern. Es sei "eine politische Machtfrage, wie viel Zeit wir den Kindern geben und lassen wollen und den Alten und dem Altern". Das Festival läuft bis Ende August.

Schriftsteller Dieter Kühn gestorben

Autor von "Ich Wolkenstein" wurde 80 Jahre alt

Der promovierte Germanist und Anglist lebte zuletzt in Brühl bei Köln. Dieter Kühn war seit 1965 freier Schriftsteller. Er schrieb Romane, Biografien, Gedichte, Theaterstücke, Hörspiele und Kinderbücher. Zu Kühns bekanntesten Büchern zählen seine Werke über das Mittelalter, darunter "Ich Wolkenstein" und "Der Parzival des Wolfram von Eschenbach". Kühn wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz. Er starb am Samstag im Alter von 80 Jahren, wie der Südwestrundfunk am Sonntag unter Berufung auf dessen Familie meldete.

Museumschef lobt umstrittenes Kulturgutschutzgesetz

Kulturwissenschaftler Martin Roth kritisiert aktuelle Debatte

Der Direktor des Londoner Victoria & Albert Museum Martin Roth springt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) im Streit um das umstrittene Gesetz zum Schutz von Kulturgütern bei. Es sei höchst notwendig, dass sich Deutschland dem internationalen Recht anpasse, sagte Roth dem "Spiegel". "Es darf nicht sein, dass hier mit Raubgut aus Ländern wie Syrien gehandelt wird. In Deutschland macht man es unseriösen oder unwissenden Händlern zu leicht, da ist bisher in Wahrheit gar nichts reguliert, jeder kann alles verkaufen." Kunsthändler und Galeristen in Deutschland fordern von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vehement Nachbesserungen an dem Gesetzentwurf. Kritisiert werden vor allem geplante schärfere Regelungen für die Ausfuhr von Kunst aus Deutschland. Kulturwissenschaftler Roth sagte, in der Debatte gehe es seltsamerweise nicht um Kunst. "Ich höre in der Angelegenheit nur merkantile Interessen heraus, und aus welchem anderen Grund als wegen der Sorge, Geld zu verlieren, laufen gerade so viele angebliche Kunstfreunde Amok?" Vor seinem Wechsel nach London 2011 war Roth Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Bayreuth startet mit düsterer "Tristan"-Inszenierung

Katharina Wagners Neuinszenierung wird bejubelt

Mit einem beeindruckenden Erfolg für Festspielchefin Katharina Wagner sind die 104. Bayreuther Festspiele gestern eröffnet worden. Ihre Neuinszenierung von Richard Wagners Liebesdrama "Tristan und Isolde" wurde vom Premierenpublikum am Grünen Hügel bejubelt. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich angetan: "Es hat mir gut gefallen", sagte sie. Die sehr düstere, pessimistische Interpretation der Festspielchefin überzeugte mit einer stimmigen Horrorversion der großen Liebe. Der neue Musikdirektor Christian Thielemann musste sich allerdings einige Buh-Rufe anhören - ebenso wie die kurzfristig für Anja Kampe als Isolde eingesprungene Evelyn Herlitzius. Stephen Gould als Tristan wurde einhellig gefeiert.
Die Schlagzeilen dominierte aber zunächst nicht das Geschehen auf der Bühne, sondern der Stuhl der Bundeskanzlerin. Er brach in der zweiten Pause in einem Restaurant zusammen. Berichte über einen angeblichen Schwächeanfall Merkels wurden dementiert. "Der Stuhl ist zusammengebrochen. Die Kanzlerin war keine Sekunde ohnmächtig", sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter später.

Haus Wahnfried in Bayreuth wiedereröffnet

Wagner Urenkelin Nike bietet sich als Dauerleihgabe an

Wagner-Fans haben eine wichtige Pilgerstätte zurück: In Bayreuth ist nach fünfjähriger Sanierungszeit das Richard-Wagner-Museum im Haus Wahnfried, dem ehemaligen Wohnhaus des Komponisten, wiedereröffnet worden. "Es ist ein guter Tag für Bayreuth", sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe beim Festakt zur Eröffnung am Sonntag und sprach von einem "wichtigen Tag für die Wagner-Welt". Haus Wahnfried, Richard Wagners einstige Wohnstätte, in deren Garten der Komponist beerdigt wurde, dient seit den 1970er Jahren als Museum. In den vergangenen fünf Jahren wurde es in einem 20-Millionen-Euro-Projekt aufwendig saniert. Die Ur-Enkelin des Komponisten, Nike Wagner (70), bot sich in ihrer unterhaltsamen und sehr bissigen Festrede als Dauerleihgabe für das neu eröffnete Museum an. "Die letzten Wahnfried-Kinder erklären sich hiermit bereit, Teile des Museums zu werden", sagte sie auch im Namen ihrer Geschwister. "Es ist ja so wenig Originalmobiliar erhalten."

Komponistin Djordjevic mit Belmont-Preis ausgezeichnet

Serbische Künstlerin gilt als eine "der interesssantesten Komponistinnen"

Die serbische Komponistin Milica Djordjevic hat am Sonntag den mit 20.000 Euro dotierten Belmont-Preis für zeitgenössische klassische Musik entgegengenommen. Die 1984 in Belgrad geborene Künstlerin gilt als eine "der interessantesten Komponistinnen der jüngeren Generation", wie die Forberg-Schneider-Stiftung mitteilte, die den Preis vergibt. Die Künstlerin nahm die Auszeichnung während der "Sommerlichen Musiktage" in Hitzacker an der Elbe entgegen. Die Musik Djordjevics sei "auf bisweilen furchterregende Art zeitgenössisch" hieß es in der Begründung der Jury: "Raue, archetypische Stimmen, erkennbar aus den Klangwelten des Balkans, formulieren ihr Thema radikal mit den Mitteln der Avantgarde, fern aller Folklore."

Archäologen entdecken Bronzezeit-Siedlung in Südpfalz

Funde aus der Zeit zwischen elftem und neuntem Jahrhundert vor Christus

Dank eines Sondengängers haben Archäologen in der Südpfalz einen Fund aus der späten Bronzezeit gemacht. Auf dem zwischen Annweiler und Birkweiler gelegenen Hohenberg stießen sie auf eine befestigte Höhensiedlung. Das berichtete der Leiter der Außenstelle Speyer der Direktion Landesarchäologie, Ulrich Himmelmann. Er datiert die Funde auf die Zeit zwischen dem elften und dem neunten Jahrhundert vor Christus. Der Hobby-Archäologe, der den Berg mit einem Metalldetektor abgesucht hatte, hatte dort zuvor mehrere Armringe, Beile und Sicheln entdeckt und über den Fund informiert. "Es war auffällig, dass die Sachen wie in einer Linie lagen - wie Perlen auf einer Kette", sagte Himmelmann.

Berliner "Zug der Liebe" mit 20.000 Teilnehmern

Veranstalter wünschen sich künftig mehr politische Botschaften

Der "Zug der Liebe" in Berlin war nach Ansicht der Veranstalter ein "voller Erfolg". Laut Polizei kamen am Samstag deutlich mehr als 20.000 Besucher zu der Demonstration mit elektronischer Musik und diversen politischen Botschaften. Er halte dies für eine konservative Schätzung, sagte Veranstalter Jens Schwan, der nach eigenen Angaben noch bis in den frühen Morgen gefeiert hatte. Er hätte sich aber gewünscht, dass mehr Teilnehmer Transparente dabei gehabt hätten, so Schwan. Beim Umzug war die Menschenmenge tanzend durch mehrere Bezirke gezogen. Wegen des heranziehenden Sturms endete die Straßenparty allerdings nach etwas mehr als sechs Stunden.

Papst Franziskus würdigt Omas und Opas

Pilger und Touristen applaudieren Großeltern auf dem Petersplatz

Papst Franziskus lobt Großeltern. Er wolle den Gedenktag für Anna und Joachim, die Großeltern Jesu, zum Anlass nehmen, um den Großmüttern und Großvätern für "ihre wertvolle Gegenwart in den Familien und für die neuen Generationen" zu danken, sagte er am Sonntag zum Abschluss des Mittagsgebets auf dem Petersplatz. Franziskus rief die versammelten Pilger und Touristen zu einem "kräftigen Applaus" für alle lebenden Großeltern auf und für alle, "die uns vom Himmel aus zuschauen". Die katholische Kirche gedachte am Sonntag der heiligen Anna und des heiligen Joachims, den Eltern der Gottesmutter Maria.

Französischer Regisseur Francois Ozon dreht im Harz

Für das Weltkriegsdrama werden Komparsen gesucht

Im August wird Regisseur Francois Ozon ("8 Frauen") mit den Dreharbeiten für einen historischen Film aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg im Harz beginnen. Das berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung". Der Titel des Films stehe noch nicht fest. Drehorte sind unter anderem Quedlinburg und Wernigerode. Die Story handelt von einer jungen Frau, deren Verlobter im Krieg ums Leben kommt. Danach sucht sie täglich Trost an seinem Grab. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als eines Tages ein geheimnisvoller Franzose auftaucht. Für den Streifen werden noch Komparsen gesucht. Die Filmwirtschaft entdeckt den Harz zunehmend als Kulisse. Unter anderem drehte George Clooney dort für den Streifen «The Monuments Men».

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