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Freitag, 24.09.2021
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 30. Juni 2021

US-Gericht kippt Cosbys Verurteilung

Das höchste Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania hat die Verurteilung des US-Schauspielers und Entertainers Bill Cosby wegen sexueller Nötigung gekippt. Cosby galt einst als Superstar und Amerikas Vorzeige-Vater, dann wurde er zum ersten berühmten Verurteilten der Ära #MeToo, der weltweiten Bewegung gegen sexuelle Belästigung. Mehr als 60 Frauen hatten ihm sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art vorgeworfen. Aufgrund einer Vereinbarung mit einem früher mit dem Fall befassten Staatsanwalt hätte Cosby in dieser Sache nicht angeklagt werden dürfen - so argumentierte das Gericht jetzt in einer rund 80 Seiten langen Stellungnahme. Der 83jährige ist bereits wieder auf freiem Fuß. Zahlreiche frühere Anträge auf Berufung und vorzeitige Haftentlassung waren von anderen Gerichten abgelehnt worden.

Literaturpreis für Fatima Daas und Sina de Malafosse

Für den Roman "Die jüngste Tochter" werden die französische Autorin Fatima Daas und die Übersetzerin Sina de Malafosse mit dem Internationalen Literaturpreis für übersetzte Gegenwartsliteraturen ausgezeichnet. Die mit 20 000 Euro für die Autorin und 15 000 Euro für die Übersetzerin dotierte Auszeichnung soll nicht nur herausragende aktuelle Stimmen der internationalen Erzählliteratur würdigen, sondern insbesondere die Allianz von Autorin und Übersetzerin auszeichnen. Der Preis wurde zum 13. Mal vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen verliehen. "Jedes Wort dieses autofiktionalen Romandebüts zeugt von der Unerschrockenheit und verletzlichen Offenheit der Erzählerin, die als Tochter algerischer Einwanderer in Clichy-sous-Bois aufwächst", urteilte die Jury. Der Roman schildere die Suche nach einer Identität, in der eine junge Frau dem Islam näherkommen und sich von sexuellen Rollenzuschreibungen lösen könne, ohne das eine gegen das andere verteidigen zu müssen. Sina de Malafosse schaffe es, in ihrer Übersetzung Präzision und Sprachspiel zu gleichen Teilen zu bewahren.

Berliner Dokumentationszentrum für Märzrevolution

In Berlin soll künftig ein Besucher- und Dokumentationszentrum an die Märzrevolution 1848 und die deutsche Demokratiegeschichte erinnern. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) übergab am Mittwoch zudem an den Berliner Paul Singer Verein einen Förderscheck in Höhe von 155.000 Euro für die Vorbereitung auf das 175-jährige Jubiläum der Märzrevolution. Zugleich mahnte sie, dass Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte auch im demokratischen Deutschland des 21. Jahrhunderts verteidigt werden müssten. Die Einrichtung entsteht in Berlin am Friedhof der Märzgefallenen am Volkspark Friedrichshain. Dort sind mehr als 250 Aufständische begraben, die während der Revolution am 18. März 1848 vom preußischen Militär erschossen wurden. Die Märzrevolution war eine Bewegung für Freiheit, Gleichheit und Demokratie.

Berliner Gemäldegalerie erhält neue Leitung

Die Kunsthistorikerin Dagmar Hirschfelder wird neue Direktorin der Gemäldegalerie Berlin. Sie folgt damit etwa zum Jahreswechsel auf Michael Eissenhauer, der bisher verantwortlich war. Die Gemäldegalerie zählt international zu den bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Hirschfelder leitet seit 2017 die Abteilung "Gemälde und Graphik" am Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Gemäldegalerie gehört, bezeichnete Hirschfelder als "fachlich überaus versierte und international vernetzte Kunsthistorikerin´". Mit Blick auf den benachbarten Neubau des Museums des 20. Jahrhunderts sieht Parzinger das Kulturforum als Ort großer Veränderungen. Hirschfelder werde dafür sorgen, "dass die Gemäldegalerie ihrem Rang entsprechend dort angemessen präsent sein wird".

Bundesregierung will Games-Entwicklung pushen

Bei den Computerspielen sind die Deutschen Europameister, zumindest was den Absatz angeht. Als Entwickler spielen Unternehmen aus Deutschland aber kaum eine Rolle. Von 37 digitalen Spielen, die 2019 mehr als 100 000 Mal verkauft wurden, stammt nur eines aus der Bundesrepublik. Das will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ändern. Er ist auch für digitale Infrastruktur zuständig und will Deutschland als "Leitmarkt" im internationalen Wettbewerb etablieren. Dafür werde sich die Bundesregierung im Rahmen ihrer Games-Strategie einsetzen. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär warb außerdem dafür, die Potenziale von Games für die Gesellschaft zu nutzen. So sollte die Zusammenarbeit und Integration der Games-Branche in die Kunst- und Kulturbranche gefördert werden. Sogenannte "Serious Games" sollten als wirksames Hilfsmittel in allen Bildungsbereichen anerkannt werden.

Goldener Löwe für US-Schauspielerin Jamie Lee Curtis

US-Schauspielerin Jamie Lee Curtis erhält bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Sie sei die natürliche Verkörperung eines Stars, der es verstehe, Rollen mit unvergleichlichem Charisma zu füllen, sagte Biennale-Direktor Alberto Barbera. Die 62-Jährige erklärte zu der Ehrung, es scheine ihr unmöglich, dass sie schon so lange in dieser Branche sei, um eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk zu erhalten. Den Preis soll Curtis am 8. September in Venedig erhalten, bevor "Halloween Kills" von Regisseur David Gordon Green - mit ihr in einer der Hauptrollen - gezeigt wird. Der Film läuft bei der 78. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele von Venedig (1. bis 11. September) außer Konkurrenz.

Kino-Neustart mit mehr als 20 neuen Filmen

Nach monatelangen Schließungen sollen die Kinos spätestens morgen bundesweit wieder geöffnet sein. Dafür hatten sich mehrere Kinoverbände mit Filmverleihern abgesprochen. Die Hoffnung ist, dass neue Filme so an möglichst vielen Spielstätten zu sehen sind. Tatsächlich sind für diesen Tag mehr als 20 Filme auf einmal angekündigt - darunter der diesjährige Oscar-Gewinner "Nomadland", der Action-Film "Godzilla vs. Kong" oder eine neue Komödie mit Otto. Das vergangene Corona-Jahr bedeutete einen großen Verlust für die Branche: Der Ticket-Verkauf brach um 68 Prozent ein. Für dieses Jahr ist der Geschäftsführer der Cineplex-Gruppe, Kim Ludolf Koch, mit 90 Kinos in Deutschland optimistischer. Im Deutschlandfunk Kultur sagte er, der Kino-Branche sei es gelungen, die Politik zu überzeugen, mit halbswegs brauchbaren Maßnahmen die Kinos zu unterstützen. Daher habe man bisher mit Ausnahme von ein paar "Vorerkrankten" noch keine Insolvenzen oder Schließungen feststellen müssen.

Fox News: Millionenstrafe wegen sexueller Belästigung

Fox News muss wegen sexueller Belästigung seiner Angestellten am Arbeitsplatz eine Strafe von einer Million Dollar (840 000 Euro) zahlen. Darauf einigte sich der konservative US-Nachrichtensender mit der Kommission für Menschenrechte in New York City. Er soll auch Schulungen und eine Hotline für seine Angestellten anbieten. Es geht um vier konkrete Vorwürfe, ermittelt wurde seit 2017, nachdem Berichte über Missstände bei Fox News nach außen gedrungen waren. Die Kommission machte nicht öffentlich, gegen wen sich die Anschuldigungen richteten. Der mittlerweile verstorbene Sender-Chef Roger Ailes und Moderator Bill O'Reilly verloren wegen ähnlicher Vorwürfe ihre Jobs. Fox teilte mit, dass diese Fälle einer alten Senderkultur angehörten, die jetzt keinen Platz mehr habe.

"Mutter der Telenovela": Delia Fiallo gestorben

Die Autorin Delia Fiallo ist tot. Sie wurde 96 Jahre alt. Die gebürtige Kubanerin, die als "Mutter der lateinamerikanischen Telenovela" galt, starb am Dienstag in ihrem Haus in Florida im Kreis ihrer Familie, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Fiallo schrieb Dutzende Telenovelas, die auch in viele andere Sprachen übersetzt wurden und Millionen Menschen in mehr als 100 Ländern erreichten, vor allem aber in Lateinamerika. Zu ihren bekanntesten Werken zählten "Esmeralda", "Kassandra" und "Leonela". Die letzte ihrer 43 Telenovelas war "Cristal", die sie vor mehr als 30 Jahren beendete.

Internationaler Literaturpreis wird verliehen

In Berlin wird heute der Internationale Literaturpreis verliehen. Er würdigt ein herausragendes Werk der internationalen Gegenwartsliteratur in deutscher Erstübersetzung. Der Preis ist mit ingesamt 35.000 Euro dotiert - 20.000 Euro für den Autor bzw. die Autorin, 15.000 Euro für die Übersetzungsleistung. Auf der Short List stehen Bücher aus Frankreich, Dänemark, Kanada, den USA und China. Verliehen wird die Auszeichnung vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen, inzwischen zum 13. Mal.

Neues Museum für Dichter H.C. Andersen

In Dänemark wird heute ein neues Museum zu Ehren des Dichters und Märchenerzählers Hans Christian Andersen eröffnet. Für das 50 Millionen-Euro- Projekt wurde das historische Geburtshaus in der Stadt Odense mit dem modernen Museumsbau verknüpft. Dabei sollen Natur und Architektur, Wirklichkeit und Märchen ineinander fließen, erklärte das Museum. Andersen wurde 1805 in Odense geboren. Auch in Deutschland zählen seine Werke wie "Die kleine Meerjungfrau" oder "Die Prinzessin auf der Erbse" zu den Klassikern der Märchenwelt.

Applaus-Preis würdigt deutsche Club-Szene

In Berlin ist am Dienstagabend der Applaus-Preis verliehen worden, der das Club-Leben in Deutschland würdigt. Mehr als hundert Clubs wurden mit Preisgeldern zwischen 10 000 und 50 000 Euro ausgezeichnet. Das Theaterstübchen in Kassel, das Yaam in Berlin und das Franz Mehlhose in Erfurt sind die Hauptgewinner. Den Applaus-Preis gibt es seit 2013. Die Initiative Musik vergibt ihn mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Kuba und die kritischen Kulturschaffenden

Die kubanische Staatsführung will nach Einschätzung von Menschenrechtlern jede Kritik aus der Kunstszene ersticken. Immer wieder würden regimekritische Kulturschaffende verhaftet, teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte heute mit - im Zusammenhang mit der Festnahme des Künstlers Hamlet Lavastida am vergangenen Samstag. Lavastida sitzt in einem Geheimdienstgefängnis in Havanna in Untersuchungshaft. Ihm werde vorgeworfen, im Berliner Künstlerhaus Bethanien an einem friedlichen Protest für einen anderen auf Kuba inhaftierten Künstler teilgenommen haben, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Deren Vorstandssprecher Martin Lessenthin sagte, die kubanische Führung fürchte die "stetig wachsende Demokratiebewegung".

EU will Kultursektor wiederbeleben

Die Kultureinrichtungen in der Europäischen Union haben während der Corona-Pandemie bis zu vier Fünftel ihrer Einnahmen eingebüßt. Alle hätten verloren, der Sektor müsse wiederbelebt werden, sagte am Dienstag der Vize-Präsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas. Nach EU-Angaben verloren Museen im vergangenen Jahr bis zu 80 Prozent ihrer Einnahmen. Die Kinos mussten einen Rückgang von 70 Prozent hinnehmen. Die Zahl der Besucher bei Konzerten und Festivals ging um drei Viertel zurück, was zu einem Umsatzeinbruch von mehr als 60 Prozent führte. Vize-Kommissionpräsident Schinas erklärte, die Kultur sei Teil der europäischen DNA. Er forderte die Mitgliedsstaaten auf, in ihren Anträgen auf EU-Corona-Hilfen der Kultur ausreichend Raum zu geben. Die Europäische Union werde den Kultursektor in den kommenden sechs Jahren mit rund 4,5 Milliarden Euro unterstützen.

Herta Müller in den Orden Pour le Mérite aufgenommen

Die Schriftstellerin Herta Müller wird Mitglied im Orden Pour le Mérite. Die 67-jährige Literaturnobelpreisträgerin ist zusammen mit dem Judaisten und früheren Museumsleiter Peter Schäfer in die Gelehrten-Vereinigung gewählt worden, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Dienstag in Berlin mitteilte. Den Orden Pour le Mérite bekommen Menschen, die Verdienste in Wissenschaft und Kunst erworben haben. Der Vereinigung gehören derzeit jeweils rund 40 Persönlichkeiten aus dem Inland und dem Ausland an. Herta Müller ("Atemschaukel", "Herztier") hatte 2009 den Nobelpreis für Literatur gewonnen.

Rückgabe von Benin-Bronzen möglicherweise 2021

Deutschland könnte bereits im kommenden Jahr Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Die Skulpturen und Tafeln gelten als koloniales Raubgut. Der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ermächtigte Präsident Parzinger, sich an den Rückgabe-Verhandlungen zwischen Deutschland und Nigeria zu beteiligen. Das teilte der Stiftungsrat am Dienstag mit. Es hieß, Ziel sollten "substanzielle Rückgaben" im Jahr 2021 sein. Parzinger begrüßte die Entscheidung. Damit könnten nun konkrete Schritte und ein Fahrplan mit der nigerianischen Seite vereinbart werden. Es solle aber auch darum gehen, wie Benin-Bronzen weiter in Deutschland ausgestellt werden könnten - gerade auch im Berliner Humboldt-Forum.

Bosch-Stiftung mit Studie zu Demokratie-Verhältnis

Die Robert-Bosch-Stiftung hat in fünf Ländern das Verhältnis zur Demokratie untersucht. Rund 10.000 Menschen wurden dazu in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und den USA zu ihren Demokratieeinstellungen und Erfahrungen mit Demokratie befragt. In Deutschland gibt es ein solides Vertrauen in Institutionen, so ein Ergebnis der Studie. Bei vielen Menschen sei die Bereitschaft erkennbar, Verschwörungserzählungen und elitenkritische Aussagen zu unterstützen. Jeder Zweite sehe Politiker als "Marionetten von dahinterstehenden Mächten" oder denke, die Medien verfolgten ihre eigenen Absichten, statt Fakten zu berichten. Die Studie zeige aber auch, dass es keinen Ruf nach Alternativen zur Demokratie gebe. In allen fünf Ländern bejahe die große Mehrheit der Menschen das Prinzip der Volksherrschaft und ganz grundsätzlich die gemeinsamen Werte wie Rechtsstaatlichkeit, freie Wahlen und Meinungsfreiheit.

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