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Montag, 10.08.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 10. Juni 2020

Neun europäische Theater zeigen Corona-Projekt

Neun europäische Theater wollen ein Bild Europas während der Corona-Pandemie zeigen. An dem internationalen Projekt "Stories from Europe: Crisis and Reflection" beteiligen sich neben dem Berliner Ensemble und dem Wiener Burgtheater Bühnen aus Schweden, Dänemark, Ungarn, England, Italien und Spanien, die in dem internationalen Netzwerk mitos21 verbunden sind, wie das Thalia Theater mitteilte. "Gerade in Zeiten, in denen die Grenzen geschlossen sind und internationaler Austausch erschwert ist, ist es eine extrem wichtige Aufgabe, die internationalen Kontakte weiter zu pflegen und zu vertiefen - jetzt eben digital und online", sagte Thalia-Intendant Joachim Lux. Basierend auf Zeugenberichten von Menschen in systemrelevanten Arbeitsfeldern sind 15 kurze Videos entstanden - gespielt von Schauspielern der teilnehmenden Theater. Die Filme sind Englisch untertitelt und werden von Freitag an auf den Webseiten der Theater gezeigt.

"Jugendwort des Jahres" kommt zurück

Nach einer Pause im Jahr 2019 soll künftig wieder das "Jugendwort des Jahres" gekürt werden. Das teilte der Langenscheidt-Verlag mit, der jahrelang die Wahl dazu in München veranstaltet hat. 2019 war die Veranstaltung ausgefallen, als die Marke Langenscheidt vom Pons-Verlag übernommen wurde. Bei der Neuauflage eines Jugendwortes des Jahres sollen künftig Jugendliche statt einer Jury per Online-Abstimmung entscheiden. Bis zum 10. August können sie unter www.jugendwort.de Vorschläge dazu einreichen. Eine Jury legt dann die Top 10 fest, über die dann wieder online abgestimmt wird. Zu den in der Vergangenheit gekürten Wortneuschöpfungen der Jugendsprache gehörten unter anderem "Smombie", "Läuft bei Dir" und "Gammelfleischparty".

Gestohlenes Banksy-Werk ist in Italien aufgetaucht

Ein vor dem Pariser Musikclub Bataclan gestohlenes Werk des britischen Graffiti-Künstlers Banksy ist in Italien wieder aufgetaucht. Die italienische Polizei stellte es bei einer Razzia im Zentrum des Landes sicher, wie die Behörden in Teramo mitteilten. Das Banksy zugeschriebene Kunstwerk erinnert an den islamistischen Anschlag im Bataclan mit 90 Todesopfern im Jahr 2015. Es zeigt eine trauernde junge Frau und war an einem Notausgang des Musikclubs angebracht. Die Diebe hatten das Bild im Januar vergangenen Jahres aus der Tür herausgeschnitten. "Banksys Werk, ein Symbol der Erinnerung, das allen gehört - Anwohnern, Parisern, Bürgern der Welt - ist uns genommen worden", erklärte das Bataclan damals. Banksy ist der prominenteste Graffiti-Künstler der Welt, seine Identität ist aber nur einer Handvoll Vertrauter bekannt. Seine Werke sind in vielen Ländern an Wänden und Mauern zu sehen. Häufig haben die Bilder politische Botschaften.

Fast alle documenta-Gründer waren in der NSDAP

Unter den Gründungsmitgliedern der ersten Weltkunstausstellung documenta 1955 in Kassel waren neben dem bereits bekannten Kunsthistoriker Werner Haftmann noch viele weitere ehemalige NSDAP-Parteimitglieder. Das geht aus einem Aufsatz der Kunsthistorikern Mirl Redmann hervor, den die Kunsthochschule Kassel im Rahmen ihrer Reihe "documenta-Studien" veröffentlicht hat. Nur zwei der 21 im Katalog der ersten documenta genannten Organisatoren seien der Opposition zum NS-Regime zuzurechnen, bilanziert Redmann. Eindeutig als NSDAP-Mitglieder identifiziert seien neben Haftmann noch Hermann Mattern, Heinz Lemke, Alfred Hentzen, Hans Kuprian und Hermann Schaffner. Die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, hatte die Überprüfung der Geschichte der documenta begrüßt. Diese müsse in Teilen neu bewertet werden und sei eine wichtige Aufgabe des geplanten documenta-Institutes.

PEN fordert Freilassung inhaftierter Kulturschaffender

Angesichts der beginnenden Tourismussaison hat die Schriftstellervereinigung PEN darauf hingewiesen, dass in vielen außereuropäischen Urlaubsländern Menschenrechte systematisch missachtet würden. Die Unterdrückung oppositioneller Gruppierungen und die Einschränkung der Freiheit des Wortes gehörten dort zum Alltag, erklärte das deutsche PEN-Zentrum. Länder wie die Türkei oder Ägypten müssten ihre Gefängnistore ausnahmslos für alle politisch verfolgten Kulturschaffenden öffnen. PEN-Vizepräsident Ralf Nestmeyer erklärte: "Jetzt, da viele Staaten ihre Grenzen wieder für Touristen öffnen und damit ihre Weltoffenheit demonstrieren möchten, ist es unabdingbar, sich eindeutig zu den Menschenrechten zu bekennen." Die in der Türkei inhaftierten PEN-Mitglieder Ahmet Altan und Selahattin Demirtas sollten ebenso, wie andere Schriftsteller, etwa der ägyptische Lyriker Galal El-Behairy, sofort freigelassen werden.

Wissenschaftler rufen zu Aktion gegen Rassismus auf

Wissenschaftler wollen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd international gegen systemischen Rassismus in der Forschung protestieren. Dafür wollen sie an diesem Mittwoch ihre Forschungsarbeit ruhen lassen, wie es in einem Aufruf von Particles of Justice, einem Zusammenschluss von Physikern hieß. Auch das Wissenschaftsmagazin "Nature" beteiligt sich an der Protestaktion: Am Mittwoch sollen nur Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, die direkte Relevanz für die Unterstützung schwarzer Menschen in der akademischen Welt hätten. "Nature ist gegen jegliche Form von Rassismus, und wir schließen uns anderen weltweit an, um unmissverständlich zu sagen: Black Lives Matter." Man gehöre auch zu den überwiegend mit Weißen besetzten Forschungsinstitutionen, die "mitschuldig am systemischen Rassismus" seien, so "Nature". "Wir müssen uns mehr anstrengen, solche Ungerechtigkeiten zu korrigieren und an den Rand gedrängten Stimmen Gehör zu verschaffen."

Navid Kermani gibt erstmals Lesung nach Corona

Der Schriftsteller Navid Kermani hat zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie eine Lesung gehalten. Im "Kölner Stadt-Anzeiger" beschrieb der preisgekrönte Autor, wie ungewohnt er die Lesung empfunden habe und wie verunsichert er gewesen sei. So habe er sich zu Beginn häufig verlesen. Im Theater in Siegen saßen ihm 45 Zuhörer gegenüber, obwohl 100 erlaubt gewesen wären. Viele, besonders die Älteren, seien womöglich auch aus Angst vor Ansteckung weggeblieben, so Kermani, "weil sie vom öffentlichen Leben entwöhnt waren oder ihnen eine Aufführung unter Einhaltung der Hygieneregeln gar nicht vorstellbar erschien." Der Vorsatz im anschließenden Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie nicht über die Pandemie zu sprechen, habe sich nicht vermeiden lassen: "Egal, was man dieser Tage bespricht oder liest, es rückt automatisch in ein anderes, ein ungewohntes Licht."

US-Streaming-Dienst streicht "Vom Winde verweht"

Der US-Streaming-Dienst HBO Max hat den Film "Vom Winde verweht" inmitten der anhaltenden Anti-Rassismus-Proteste in den USA aus seinem Angebot entfernt. Der Klassiker aus dem Jahr 1939 zeige rassistische Vorurteile, "die leider in der amerikanischen Gesellschaft gang und gäbe waren", sagte ein Sprecher von HBO Max der Nachrichtenagentur AFP. Das Oscar-gekrönte US-Bürgerkriegsepos gehört zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten, seine Darstellung von zufriedenen Sklaven und heldenhaften Sklavenhaltern ruft jedoch immer wieder Kritik hervor. "Diese rassistischen Darstellungen waren damals falsch und sind es auch heute noch. Wir waren der Meinung, dass es unverantwortlich wäre, diesen Titel ohne eine Erklärung und eine Anprangerung dieser Darstellungen im Programm zu behalten", so der Sprecher. Der Film soll erst mit einer Diskussion über den historischen Kontext ins HBO Angebot zurückkehren.

Museum für Avicii in Stockholm

Der im April 2018 verstorbene Tim Bergling, bekannt als DJ Avicii, wird in seiner Geburtsstadt Teil des neuen digitalen Kulturzentrums "Space". Die Gründer teilten mit, ein Museum werde an Avicii ab August kommenden Jahres erinnern. Es soll "Avicii Experience" heißen. Die Stiftung der Eltern von Bergling, der sich mit 28 Jahren das Leben nahm, ist an der Finanzierung beteiligt. Avicii war mit seinen Wohlfühl-Tracks "Wake Me Up", "Hey Brother" und "Sunshine" weltberühmt geworden.

Banksy macht Vorschlag für Colston-Denkmal

Der britische Streetart-Künstler Banksy hat einen Vorschlag für die in Bristol geschleifte Statue des Sklavenhalters Edward Colston gemacht. Auf Instagram schrieb Banksy: "Wir ziehen ihn aus dem Wasser, setzen ihn wieder auf den Sockel, binden ihm Kabel um den Hals und geben einige lebensgroße Bronzestatuen von Demonstranten in Auftrag, die ihn herunterziehen. Alle sind glücklich. Ein berühmter Gedenktag". Am Sonntag hatten Antirassismus-Aktivisten das Standbild ins Hafenbecken von Bristol geworfen. Im 17. Jahrhundert hatte Colston im transatlantischen Sklavenhandel Millionen verdient. Für seine wohltätigen Spenden an die Stadt wurden mehrere Straßen und Gebäude nach ihm benannt.

Barbara Laugwitz wechselt von Ullstein zu dtv

Barbara Laugwitz wird verlegerische Geschäftsführerin des dtv-Verlags. Stellvertretend für die Gesellschafter teilte Hanser-Verleger Lendle mit, man freue sich, mit ihr ab 1. August eine Verlegerin mit sicherem Gespür für Bücher und beeindruckendem Engagement für Autorinnen und Autoren gewonnen zu haben, die zusammen mit Stephan Joß das Führungsteam von dtv komplettiere. Laugwitz war im März 2019 zum Ullstein Verlag gegangen, nachdem sie als Chefin des Rowohlt-Verlags abberufen und durch Florian Illies ersetzt worden war. Laugwitz folgt nun auf Claudia Baumhöver.

Bundespräsident mahnt den Erhalt der Kinobranche an

Bundespräsident Steinmeier hat die Kinos als unverzichtbaren Bestandteil der Kultur gewürdigt. Durch die Beschränkungen der Corona-Krise sei klar geworden, wie sehr eine lebendige Kinolandschaft nicht nur in den Städten, sondern gerade auch im ländlichen Raum gebraucht werde, sagte Steinmeier in Berlin. Zudem hoffe er, dass es mit gemeinsamer Anstrengung von Bund, Ländern, Kommunen und auch Zuschauern gelingen werde, die Kinolandschaft zu erhalten. Dazu zählten insbesondere auch Arthouse-Kinos. Ab dem 2. Juli können Kinos unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln und mit einer maximalen Auslastung von 20 Prozent wieder öffnen.

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