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Donnerstag, 03.12.2020
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 2. Juni 2020

AFP-Journalist im Jemen getötet

Im Jemen ist der Journalist Nabil Hasan al-Quaety, der auch für die Nachrichtenagentur AFP tätig war, von Unbekannten getötet worden. Der 34-jährige Foto- und Videojournalist wurde am Dienstag in der Hafenstadt Aden in seinem Auto erschossen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die bewaffneten Täter seien entkommen. Das Informationsministerium verurteilte den Mordanschlag. Der Staatssekretär Nadschib Ghallab im Informationsministerium sprach von einem "organisierten und geplanten Mordanschlag". Die Tötung al-Quaetys sei ein "Angriff auf die Presse im Jemen, die die Versäumnisse und Fehler aller Kriegsparteien widerspiegelt", fügte er hinzu. Al-Quaety arbeitete seit 2015 für die Nachrichtenagentur AFP sowie für große Medienorganisationen seines Heimatlandes. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht der Jemen auf dem 167. von 180 Plätzen.

Grütters vor Knabe-Untersuchungsausschuss

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat vor dem Untersuchungsausschuss zur Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen die Entlassung des langjährigen Gedenkstättenleiters Hubertus Knabe verteidigt. Der Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses soll Vorgänge um mutmaßliche sexuelle Belästigung von einer ganzen Reihe von Mitarbeiterinnen der vom Bund mitfinanzierten Gedenkstätte klären. Die CDU-Politikerin sagte, es habe keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Knabe in der Sache gegeben. Er habe sich nicht um Aufklärung der mutmaßlichen sexuellen Belästigung durch seinen Vize bemüht und Missstände in der Gedenkstätte "objektiv erst ermöglicht". Der Ausschuss soll Vorgänge um die Entlassung Knabes im November 2018 prüfen. Ein Rechtsstreit endete mit einem Vergleich, der Chefposten wurde neu besetzt.

US-Musikindustrie ruft "Blackout Tuesday" aus

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis hat die US-Musikindustrie einen "Blackout Tuesday" ausgerufen. Als Reaktion auf den seit langem anhaltenden Rassismus solle die Musikindustrie am Dienstag pausieren, schrieben Jamila Thomas und Brianna Agyemang, die beide in der US-Musikbranche arbeiten, auf einer für die Aktion eingerichteten Webseite. Mit dem "Blackout Tuesday" solle Aufmerksamkeit auf die Ungerechtigkeit gelenkt werden und Menschen dazu aufgefordert werden, einen Tag lang keine Inhalte zu produzieren, sondern sich mit den Vorgängen zu beschäftigen. Dutzende Musiklabels und andere Branchen weltweit schlossen sich an. Stars wie Sarah Jessica Parker und der deutsche Sänger Mark Forster veröffentlichten auf Instagram komplett schwarze Bilder.

Erster Kirsten-Boie-Preis geht an Julia Blesken

Die Berliner Autorin Julia Blesken erhält den ersten Kirsten-Boie-Preis für Kinderliteratur für ihr Manuskript "Auf dem Weg nach Kolomoro". "Die Autorin Julia Blesken entwirft ihre Figuren liebevoll und entlässt sie dann ins Leben, um zu beobachten, wie sie damit klarkommen - ein literarisches Verfahren, das sich aufs schönste bewährt" teilte die Jury mit. In dem Kinderbuch hat das Mädchen Jennifer ihrem Großvater versprochen, seine Asche dort zu verstreuen, wo er sich im Leben am wohlsten gefühlt hatte, in seiner Gartenkolonie. Der Kirsten-Boie-Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird von der Hamburger Literaturstiftung in Kooperation mit dem Literaturhaus Hamburg und den Kinder- und Jugendbuchverlagen Carlsen und Oetinger vergeben. Zusätzlich zur Preissumme erhält Blesken einen Vertrag mit dem Friedrich Oetinger Verlag.

Pulitzer-Jury fürchtet um Pressefreiheit in den USA

Die Jury des renommierten Pulitzer-Preises hat angemahnt, bei den Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd die Rechte von Journalisten in den USA zu achten. Berichten zufolge waren mehrere Journalisten von der Polizei bedrängt und angegriffen worden, während sie über die Proteste berichteten. Die Jury des Pulitzer-Preises forderte die Behörden auf, die Vorfälle im Zusammenhang mit Journalisten zu untersuchen und "die Verantwortlichen für jegliches Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen". Die Pulitzer-Preise werden vor allem für journalistische Arbeiten vergeben.

Privattheatertage wegen Corona-Pandemie abgesagt

Wegen der Corona-Pandemie finden die bundesweiten Privattheatertage in Hamburg nun doch nicht statt. Das diesjährige Festival werde in den Juni 2021 verschoben, teilten die Veranstalter in Hamburg mit. Die derzeit geltenden Corona-Auflagen machten die Privattheatertage vom 9. bis 21. Juni unmöglich. Zunächst war geplant gewesen, die zwölf nominierten Inszenierungen aus ganz Deutschland ohne Publikum und per Livestream zu zeigen. Die ausgewählten Stücke seien unter den vorgegebenen Abstandsregelungen auf der Bühne nicht umzusetzen, hieß es. Durch die Verschiebung werden dann 2021 Inszenierungen aus zwei Jahren gezeigt.

Susan Kreller erhält den Jugendliteratur-Preis

Die Bielefelder Autorin Susan Kreller erhält den mit 8.000 Euro dotierten Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur der Stadt Braunschweig. Sie wird für ihr Buch "Elektrische Fische" geehrt. Die Jury lobte die Schriftstellerin als eine große Beobachterin der kleinen Gesten und Augenblicke. Der Roman sei durchdrungen von Menschenliebe. Das Buch erzählt die Geschichte eines Mädchens, das mit Mutter und Geschwistern von Irland nach Mecklenburg-Vorpommern zieht, einen Teil der Familie zurücklassen muss, Heimweh bekommt und dann die Flucht plant. Der Gerstäcker-Preis gilt als älteste deutsche Auszeichnung für Jugendbücher.

Sondergenehmigung: Filmteam reist nach Neuseeland ein

Das Filmteam von "Avatar 2" hat eine Sondergenehmigung für die Einreise nach Neuseeland erhalten, um mit den Dreharbeiten zur Fortsetzung des Science-Fiction-Epos zu beginnen. Dabei ist die Grenze des Landes für Ausländer wegen der weltweiten Corona-Pandemie eigentlich gesperrt. Die Crew habe eine Genehmigung der Regierung erhalten, betonte die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern auf einer Pressekonferenz. Die Regierung wird für diesen Schritt auch kritisiert. Etwa 60 000 Migranten, die im Besitz eines gültigen Arbeitsvisums seien, könnten derzeit nicht nach Neuseeland einreisen.

Forscher: Medien berichten differenziert über Corona

Die deutschen Medien haben Forschern zufolge in der Corona-Krise differenziert berichtet. Es habe keine "umfassenden Tendenzen zu unkritischer oder hysterischer Berichterstattung" über die Pandemie gegeben, heißt es in einer Studie der Universität Münster. Von Kritikern geäußerte Vorwürfe, es habe überwiegend Negativberichterstattung oder einseitige Panikmache im Vordergrund gestanden, könnten nicht bestätigt werden. "Fake News" und Verschwörungstheorien habe es in klassischen Medien lediglich als Themen der Berichterstattung gegeben. Im Gegensatz zu sogenannten alternativen Nachrichtenmedien deutscher Webseiten seien sie als solche eingeordnet und nicht unkommentiert verbreitet worden, so Quandt.

"Bild"-Chef reagiert auf Rezos Kritik

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt hat auf die Kritik des Youtubers Rezo wegen der Angriffe der Zeitung auf den Virologen Drosten reagiert. Auf Twitter lobte Reichelt klassische Medien und kritisierte Rezo für die Veröffentlichung auf Youtube: "Dein mediales Zuhause ist auch die Heimat der Verschwörungstheoretiker, Rassisten, Hetzer." Rezo hat mit seinem neuen Video "Die Zerstörung der Presse" auf der Plattform bereits mehr als eine Millionen Zuschauer erreicht. In dem Einstundenbeitrag kritisiert er Misstände im Journalismus und dessen Betrag zu Verschwörungstheorien. "Verkackt es nicht", appelliert der vor wenigen Wochen mit einem Nannen-Journalismuspreis ausgezeichnete Youtuber. "Bild", "Welt" und die ebenfalls konservative "Frankfurter Allgemeine" stehen im Zentrum der Kritik. Vor einem Jahr war Rezo mit dem Video "Die Zerstörung der CDU" bekannt geworden.

PEN: Bibliotheken sollen Buchkäufe verdoppeln

Der Schriftstellerverband PEN hat Bund, Länder und Kommunen aufgefordert, ihr Ankaufsbudget für Bücher in den öffentlichen Bibliotheken in diesem Jahr zu verdoppeln. Dadurch könne der Bibliotheksbestand von der Belletristik über die Kinder- bis zur Fachliteratur erneuert und erweitert werden, erklärte das PEN-Zentrum in Darmstadt. Bedingt durch die Einschränkungen der Corona-Krise sind nach Angaben des PEN-Zentrums viele Verlage, Buchhandlungen sowie Autorinnen und Autoren unverschuldet in eine finanziell prekäre Lage geraten. Häufig sei sie existenzbedrohend, so der Schriftstellerverband. Viele der aufgelegten Hilfsprogramme kämen nicht an, da die Lebenssituationen der Solo-Kulturschaffenden individuell sehr verschieden seien.

Philosophin Neiman warnt vor Bürgerkrieg in den USA

Im Zusammenhang mit den seit Tagen andauernden Protesten gegen Polizeigewalt in den USA warnt die US-amerikanische Philosophin Susan Neiman, Direktorin des Einstein-Forums in Potsdam, vor einem Bürgerkrieg. Im Deutschlandfunk Kultur sagte sie, man habe in den USA lange von einem kalten Bürgerkrieg gesprochen: "Die Befürchtung ist, sollte der Krieg heiß werden, sind es die Rechtsnationalisten, die die Waffen haben." Auslöser der Proteste ist der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd. Dieser starb, nachdem ihm ein Polizist mehrere Minuten lang mit dem Knie die Luft abgedrückt hatte.

Hollywood protestiert gegen Polizeigewalt

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz, haben sich viele Promis unterschiedlichen Alters, Hautfarbe und Herkunft gegen Rassismus und Polizeigewalt positioniert. Unter anderen äußerten sich Justin Bieber, Arnold Schwarzenegger, Celine Dion, Jennifer Lopez, John Legend und Beyoncé. Oscarpreisträger Jamie Foxx fordert Hollywood dazu auf, sich auch persönlich und nicht nur über Soziale Medien an den Floyd-Protesten zu beteiligen. Oscar-Preisträger George Clooney schrieb bei der Nachrichten-Plattform "The Daily Beast" über systemischen Rassismus in den USA. Seit Tagen kommt es in Washington, New York und anderen US-Metropolen zu Demonstrationen gegen Polizeigewalt, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit.

Metropolitan Oper macht erst im Dezember auf

Die renommierte New Yorker Metropolitan Oper will aufgrund der Coronavirus-Pandemie erst Ende Dezember wieder aufmachen. Mit einer Gala am 31. Dezember wolle das Opernhaus in Manhattan wiedereröffnen, hieß es in einer Mitteilung beim Kurznachrichtendienst Twitter. Met-Chef Peter Gelb sagte der "New York Times". "Es sind nicht nur die Zuschauer, es ist auch die Gesundheit der Mitarbeiter. Man kann kein Symphonieorchester in einen Graben setzen und Sänger und einen Chor auf der Bühne nah beieinander." Die Oper in der von der Corona-Pandemie besonders stark getroffenen Metropole ist seit Mitte März geschlossen. Kommende Woche sollen die Beschränkungen in New York erstmals gelockert werden, in einige Wochen dürfen laut Plan Kultureinrichtungen wieder öffnen.

Mehr als 500 Landwirbeltier-Arten vor dem Aussterben

Mehr als 500 Arten von Landwirbeltieren stehen nach einer Analyse derzeit am Rande des Aussterbens. Dies sei wahrscheinlich größtenteils auf menschliches Handeln zurückzuführen, berichten Forscher um Gerardo Ceballos von der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (Unam) in den "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA (PNAS). Die Studie erfasste 515 Arten, bei denen es jeweils nur noch weniger als 1000 Individuen gibt. Die meisten bedrohten Spezies leben in tropischen und subtropischen Gebieten, die stark von menschlichen Aktivitäten betroffen sind. Nach Ansicht der Forscher erlebt die Erde derzeit ein sechstes Massenaussterben, das sich durch die Übernutzung von Ressourcen, die Umweltverschmutzung und den illegalen Wildtierhandel beschleunige.

Jazzmusiker Lennie Niehaus ist gestorben

Der US-Jazzmusiker und Komponist Lennie Niehaus ist tot. Medienberichten zufolge starb er bereits am Donnerstag im Alter von 90 Jahren in Kalifornien. Im Laufe seiner Karriere komponierte der Sohn eines Geigers zahlreiche Filmmusiken, vor allem für den Regisseur Clint Eastwood, darunter die Soundtracks von "Erbarmungslos" und "Die Brücken am Fluß". Für seine Arbeit an dem Fernsehfilm "Lush Life" gewann Niehaus eine Emmy-Trophäe.

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Fazit

Neue Serie "Spy City"Hauptstadt der Spione und Klischees
Szenenfoto aus der Spionage-Serie "Spy City", auf dem der Schauspieler Dominic Cooper in der Rolle des Agenten Fielding Scott mit einem gefalteten Schachbrett unter dem Arm an zwei Soldaten vorbei die Straße hinunter läuft. (Dusan Martincek /  Odeon Fiction )

Die neue Serie "Spy City" spielt in Berlin während des Kalten Krieges. Sie bietet alles, was zu einem zünftigen Spionagethriller dazugehört: Mord, Intrigen, Bösewichter. Leider bleibt die Serie damit auch in allzu bekannten Klischees hängen.Mehr

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