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Kulturnachrichten

Dienstag, 11. Juni 2019

Keine Anklage gegen russischen Journalisten Golunow

Fünf Tage nach seiner Festnahme sind die Ermittlungen gegen den 36-Jährigen Journalisten Iwan Golunow in Russland eingestellt worden. Der Hausarrest für Golunow werde aufgehoben, sagte Russlands Innenminister Wladimir Kolokolzew. Der Vorwurf des Drogenhandels sei fallengelassen worden. Golunow, der für das unabhängige Investigativ-Portal "Medusa" arbeitet, war vergangene Woche festgenommen und mit zwei Monate Hausarrest belegt worden. Golunows Anwälte hatten den Behörden vorgeworfen, ihn für seine Recherchen bestrafen zu wollen. Golunow recherchierte zuletzt über Korruption in der Moskauer Stadtverwaltung. 180.000 Menschen hatten eine Petition für seine Freilassung unterzeichnet. Golunows Unterstützer führten die Einstellung des Verfahrens auf den großen gesellschaftlichen Druck zurück. "Wir sind froh, dass die Behörden auf die Gesellschaft gehört haben", erklärte auch die Redaktion von "Medusa".

Autorin Gerlind Reinshagen gestorben

Die Schriftstellerin Gerlind Reinshagen ist tot, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf ihre Familie mitteilte. Die Themen in ihren Büchern, Bühnenwerken und Hörspielen drehten sich vor allem um Nationalsozialismus, die Nachkriegsjahre, aber auch die Arbeitswelt. Die 1926 in Königsberg geborene Dramatikerin studierte Pharmazie, bevor sie in den 1950er Jahren nach Berlin ging und begann, als Schriftstellerin zu arbeiten. Regisseur Claus Peymann brachte mehrere ihrer Texte auf die Bühne, darunter 1968 ihr erstes Stück "Doppelkopf". Danach folgten weitere Theaterstücke, u.a. "Himmel und Erde" (1974) und "Sonntagskinder" (1976), sowie mehrere Romane (u.a. "Rovinato oder Die Seele des Geschäfts") und Hörspiele. Sie selbst sagte in einem Interview von Suhrkamp, sie schreibe keine Romane, sondern "Menschenbilder". Gerlind Reinshagen starb im Alter von 93 Jahren in Berlin.

Medien: René Pollesch neuer Intendant der Volksbühne

Der Dramatiker und Regisseur René Pollesch wird neuer Intendant der Berliner Volksbühne. Das berichtet der rbb. Die Senatsverwaltung wollte die Personalie nicht bestätigen und verwies auf eine für morgen geplante Pressekonferenz. Pollesch war seit 2001 als Autor und Regisseur an der Volksbühne unter der Intendanz von Frank Castorf tätig. Zu seinen bekanntesten Stücken zählt "Kill your Darlings" von 2012. Von 2001 bis 2007 leitete er die kleine Spielstätte Prater der Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz. Nach dem Vertragsende von Frank Castorf im Jahr 2017 hatte Chris Dercon die Intendanz übernommen. Der Vertrag wurde jedoch schon vor Ablauf der ersten Spielzeit im April 2018 beendet. Seitdem leitet Klaus Dörr das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz. Im Februar war bekannt geworden, dass er bis Ende der Spielzeit 2020/2021 Intendant bleiben soll.

Streit zwischen Zentralrat und Jüdischem Museum

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Jüdische Museum Berlin mit scharfen Worten kritisiert. Hintergrund ist ein Tweet des Museums vom vergangenen Donnerstag. Darin wurde ein Artikel der "taz" zum Thema israelkritische BDS-Bewegung als lesenswert empfohlen. Der Zentralrat erklärte dazu auf Twitter: "Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein." In dem Zeitungsartikel geht es um eine Stellungnahme von 240 israelischen und jüdischen Akademikern, die einen Beschluss des Bundestages von Mitte Mai kritisieren, in dem die israelkritische BDS-Bewegung verurteilt wird. Der Zentralrat warf die Frage auf, ob Museumsdirektor Peter Schäfer seiner Aufgabe noch gewachsen sei. "Das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft hat die Leitung des Hauses verspielt." Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, bezeichnete den Vorgang auf Twitter als "beschämend". Das Jüdische Museum solle eine kulturelle Einrichtung sein, sei aber sehr politisch, wenn es den Boykott Israels unterstütze und den Bundestag dafür kritisierte, Antisemitismus zu verurteilen, so Issacharoff.

Radiohead veröffentlicht gehackte Aufnahmen

Die britische Rockband Radiohead hat sich mit einer ungewöhnlichen Aktion gegen Datenklau gewehrt. Die Band veröffentlichte rund 18 Stunden Aufnahmen aus der Zeit ihres dritten Studioalbums «OK Computer», das im Jahr 1997 erschienen war. Fans können die Sammlung von Demos, alternativen Versionen verschiedener Songs und Live-Aufnahmen umgerechnet rund 20 Euro herunterladen. Den Erlös will die Gruppe der Klimaschutzorganisation Extinction Rebellion spenden. Hintergrund war nach Angaben von Gitarrist Jonny Greenwood, dass das Material zuvor gehackt worden war. Die Datendiebe hatten angeblich eine Lösegeldforderung von 150 000 Pfund gestellt, ansonsten wollten sie es veröffentlichen.

Ägypten will Versteigerung von Pharaostatue stoppen

Ägypten will die Versteigerung einer 3000 Jahre alten Skulptur des Pharaos Tutanchamun stoppen. Erst einmal müsse das Londoner Auktionshaus Christie's nachweisen, wem der aus braunem Quarzit gehauene Steinkopf gehört. Das fordert das Außenministerium in Kairo. Zudem verlangte es von den britischen Behörden und der Unesco, die Auktion zu stoppen. Die Skulptur stellt den Kopf des jugendlichen Tutanchamun dar, der Ägypten von 1332 bis 1323 vor Christus regierte. Sie soll im Juli versteigert werden. Schätzungen zufolge könnte sie mehr als fünf Millionen Dollar einbringen. Tutanchamuns weitgehend unversehrtes Grab wurde 1922 vom britischen Archäologen Howard Carter in Luxor entdeckt. Ägypten versucht, Altertümer zurückzuholen, die es als Staatseigentum betrachtet.

"MrWissen2go" fordert Qualitätsstandards fürs Internet

Der bekannte deutsche Youtuber "MrWissen2go" hat sich für eine freiwillige Selbstverpflichtung von Web-Kanälen ausgesprochen. Ein Vorbild könne der Presserat für klassische Medien sein. In einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse" verteidigte er CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gegen die Kritik für ihre Bemerkung zur Medienmacht. "Die CDU-Vorsitzende hat sich sehr ungeschickt ausgedrückt. Aber ich glaube nicht, dass es ihr wirklich um Zensur ging", sagte der Youtuber. Die Politik müsse sich aber eingestehen, dass es als Rundfunk nicht mehr nur TV und Hörfunk gebe, sondern auch Internet. Deshalb müssten Gesetze wie der Rundfunkstaatsvertrag erweitert werden, so "MrWissen2go", der zu den bekanntesten Youtubern in Deutschland gehört und auf seinem Youtube-Kanal knapp eine Million Abonnenten hat.

Lokaljournalistenpreis für Freie Presse aus Chemnitz

Die Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises vergibt den Deutschen Lokaljournalistenpreis an die Freie Presse aus Chemnitz für das Leserdebatten-Format „Chemnitz diskutiert". Es griff die Ereignisse nach dem Tod eines 35-jährigen Mannes, der im August 2018 mitten in Chemnitz erstochen worden war, auf und machte mit dem Dialog-Format ein Angebot zu einem offenen, kontroversen und respektvollen Austausch. Die Redaktion sei es gelungen, einer verunsicherten, schweigenden Mitte Gehör zu verschaffen, so die Jury. Die Freie Presse habe in herausragender Weise gezeigt, was Lokaljournalismus unverzichtbar macht.

Intellektuelle fordern mehr Freiheit in Eritrea

100 afrikanische Intellektuelle haben in einem offenen Brief den eritreischen Präsident Isaias Afwerki scharf kritisiert. Dazu gehören der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, Musiker Bobi Wine aus Uganda und zahlreiche Journalisten. Ihrer Einschätzung nach sei Eritrea das Land auf dem Kontinent, das am stärksten abgeschottet sei, zitiert der Sender BBC aus dem Schreiben. Die Unterzeichner fordern Öffnung und Wandel in Eritrea. Sie beklagen, dass grundlegende Menschenrechte nicht eingehalten würden. So dürften etwa inhaftierte Journalisten in den Gefängnissen nicht besucht werden. All das seien Gründe, weshalb zahlreiche Menschen versuchten, über Libyen und das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Eritrea hat knapp sechs Millionen Einwohner und wird seit 1993 von Afwerki regiert. Im Jahresbericht der Nichtregierungsorganisation Freedom House zur weltweiten Freiheit belegt das Land aktuell den viertletzten Platz.

Spatenstich für Erweiterungsbau des Bauhaus-Archivs

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat den ersten Spatenstich zur Erweiterung und Sanierung des Bauhaus-Archivs in Berlin gesetzt. Das Museum für Gestaltung wird zum 100. Jubiläum der Designschule mit Unterstützung des Bundes um einen fünfstöckigen gläsernen Turm ergänzt. Während das denkmalgeschützte Bestandsgebäude für Archiv und Bibliothek vorgesehen ist, soll der Erweiterungsbau Ausstellungsflächen für das Museum schaffen. Das Bauhaus-Archiv beherbergt danach mit mehr als einer Million Objekten die umfangreichste Sammlung zur Geschichte des Bauhauses. Die Fertigstellung der Baumaßnahmen ist für 2022 geplant. Finanziert werden sie mit 29,4 Millionen Euro aus dem Etat der Kulturstaatsministerin sowie vom Land Berlin.

Stange gegen Ausgrenzung rechtsgerichteter Künstler

Die sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) hält die Ausladung des AfD-nahen Künstlers Axel Krause von der Leipziger Jahresausstellung für falsch. Ein Ausschluss von Künstlern oder auch von rechten Autoren und Verlagen etwa von der Leipziger Buchmesse sei keine Lösung, solange sie keine extremistischen und verfassungsfeindlichen Meinungen verträten, erklärte die Ministerin. Meine man es ernst mit der Kunstfreiheit, müsse man auch Künstler gleich behandeln, die dem politisch rechten Spektrum nahestehen. Ausgrenzung führe zur Spaltung der Gesellschaft, so Stange. Die traditionelle Leipziger Jahresausstellung lokaler Künstler in der Baumwollspinnerei war zunächst abgesagt worden. Zu Protesten hatte geführt, dass auf der Leistungsschau von 36 Künstlern auch der AfD-nahe Maler Krause ausgestellt werden sollte. Mehrere Künstler drohten mit ihrem Rückzug. Jetzt soll die Veranstaltung morgen doch stattfinden, aber ohne Krause. Der 1958 in Halle geborene Axel Krause ist Vertreter der Neuen Leipziger Schule soll unter anderem durch öffentliche Sympathien für "Pegida" und die rechtsextremen "Identitären" aufgefallen sein.

Samoa verbietet Film "Rocketman"

Der pazifische Inselstaat Samoa verbietet die Ausstrahlung des Elton-John-Films "Rocketman" wegen der darin dargestellten Homosexualität. Die Szenen verstießen gegen Gesetze und passten nicht zu den kulturellen und christlichen Traditionen und Überzeugungen im Land, sagte Samoas Hauptzensor Leiataua Niuapu Faaui der Zeitung "Samoa Observer". In "Rocketman" wird Elton Johns Sexualität und dessen Beziehung zu seinem früheren Manager John Reid thematisiert. Hauptdarsteller ist Taron Egerton, der in dem Musikfilm auch singt. In Samoa identifizieren sich 97 Prozent der Bevölkerung als christlich. Die Gesellschaft wird allgemein als konservativ und traditionell geprägt beschrieben. Laut einem Gesetz von 2013 kann Geschlechtsverkehr von Schwulen mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden.

New York Times stellt politische Karikaturen ein

Die "New York Times" will in ihrer internationalen Ausgabe künftig auf die täglichen politischen Karikaturen verzichten. Der "New York Times"-Redakteur James Bennet erklärte, die Zeitung beabsichtige schon seit einem Jahr, analog zur US-Ausgabe auch in der internationalen Ausgabe auf Karikaturen zu verzichten. Der Karikaturist Patrick Chappatte erklärte hingegen, die Entscheidung habe mit der Kontroverse um eine Karikatur im April zu tun. Diese zeigt Netanjahu als Blindenhund mit Davidstern am Halsband, der einen blinden US-Präsidenten Donald Trump führt. Trump trägt in der Zeichnung eine Kippa. In der jüdischen Gemeinde in den USA hatte die Karikatur Entsetzen hervorgerufen. Die New York Times entschuldigte sich für die Veröffentlichung.

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