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Freitag, 13.12.2019
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 1. Juni 2019

Französischer Philosoph Michel Serres gestorben

Der französische Philosoph Michel Serres ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er schrieb mehr als 50 Bücher. Für sein Denken erhielt der Philosoph 2012 unter anderem den deutschen Meister-Eckhart-Preis. Die Begründung lautete damals: "Brillante Einsichten in die Strukturen unseres Denkens." Serres lehrte an der Pariser Sorbonne und im kalifornischen Stanford. Als Vermittler zwischen den Wissenschaften wurde er 1990 in die Académie française aufgenommen, Frankreichs bedeutendste Gelehrtengesellschaft.

Fälschungsverdacht bei Deutschlandfunk Nova

Das Deutschlandradio prüft momentan einen möglichen Fälschungsfall in seinem Programm Deutschlandfunk Nova. Im Februar 2018 wurde ein Beitrag mit dem Titel "Macht Kokosöl meinen Penis länger?" gesendet, der möglicherweise gefälscht ist. Der Beitrag über sexuelle Aufklärung stammt von einer Bloggerin unter einem Pseudonym. Die Redaktionsleiterin "Online und Social Media" vom Deutschlandfunk Nova, Lena Stärk, erklärt im Deutschlandfunk Kultur, man bedaure den Vorfall, gehe aber zunächst von einem Verdacht aus und versuche weiterhin die Autorin zu kontaktieren – bisher vergeblich. Der Fälschungsverdacht sei durch Recherchen des "Spiegel" aufgekommen, so Stärk weiter. Bei diesen ging es jedoch um eine andere Geschichte der Bloggerin: ihre Familiengeschichte mit jüdischen Vorfahren, die laut "Spiegel" aber erdacht worden ist. Dieser Vorfall werde Auswirkungen auf den zukünftigen Umgang mit angebotenen Beiträgen und mit der Überprüfung von Quellen haben, sagt die Redaktionsleiterin Lena Stärk.

Rockmusiker Roky Erickson gestorben

Der amerikanische Psychedelic Rock-Musiker Roky Erickson ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Er war in den 60er Jahren Sänger und Vordenker der 13th Floor Elevators. ZZ Top-Gitarrist Billy Gibbons schrieb in einem Nachruf auf Facebook: "Roky Erickson ist weitergezogen. Roky hatte zahlreiche Bewunderer und sein bemerkenswertes Erbe, sein Talent sowie seine poetischen und kunstvollen Geschichten werden weiter nachhallen. Als langjähriger Freund und Verfolger seiner unglaublichen Fähigkeiten an Gesang, Gitarre und auf der Bühne kann ich nur betonen, wie groß der Einfluss des unheimlichen, magnetischen Psychedelic-Sounds seiner 13th Floor Elevators gewesen ist". Ericksons Leben war geprägt von überbordendem Drogenkonsum und mehreren Psychiatrie-Aufenthalten. In den 90er Jahren fand er den Weg zurück ins Leben. 2010 erschien mit "True Love Cast Out All Evil" ein Album-Comeback. 2015 stieg in Austin auf dem Levitation Festival die von niemandem mehr erwartete Reunion der 13th Floor Elevators, und damit der erste gemeinsame Auftritt seit 1967.

Ermittlungen gegen Schriftsteller in der Türkei

Türkische Behörden haben Ermittlungen gegen mehrere Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeleitet. Vorausgegangen war eine Debatte in sozialen Netzwerken, in der ihnen Propagierung sexueller Gewalt und Gewalt gegen Kinder vorgeworfen wurde. Dazu wurden Passagen aus Romanen zitiert, in denen sich die Autorinnen und Autoren mit solchen Missständen in der türkischen Gesellschaft befasst hatten. Zu den in das Schussfeld Geratenen zählen Ayşe Kulin, Elif Shafak und Abdullah Şevki. Şevki und sein Verleger sind mittlerweile verhaftet worden. Die Direktorin des englischen PEN-Zentrums Antonia Byatt bezeichnete die Entwicklungen als einen neuen Angriff der türkischen Regierung auf die Freiheit der Rede und die Freiheit der Kunst.

"Tank-Man"-Fotograf fordert Tiananmen-Aufarbeitung

Der US-amerikanische Fotograf Jeff Widener, der 1989 das berühmte Foto eines Mannes schoss, der auf dem Tiananmen-Platz in Peking vor Panzern stand, fordert von der chinesichen Regierung eine Aufarbeitung des Tiananmen-Massakers. "Ich denke, es ist an der Zeit, dass China voran schreitet und Farbe bekennt im Hinblick darauf, was passierte, Familienangehörigen berichtet, was mit ihren Lieben passiert ist, damit sie das ruhen lassen können", sagte der inzwischen 62-jährige Widener. Widener schoss das als "Tank-Man" bekannt gewordene Foto am 5. Juni 1989 von einem Fenster des "Beijing Hotel". Für das Foto wurde er für den Pulitzer-Preis nominiert.

Al-Jazeera-Büro im Sudan geschlossen

Inmitten steigender politischer Spannung im Sudan ist das Büro des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera in Khartum nach Angaben der Journalisten von den Behörden geschlossen worden. Den Reportern des Senders sei verboten worden, im Land zu berichten, teilte Al-Jazeera mit. Der Sender verurteilte dies scharf. Man sehe dies "als Angriff auf die Medienfreiheit". Trotz dieser politischen Einflussnahme werde man weiterhin über die Geschehnisse im Sudan berichten. Das Medienunternehmen hat seinen Sitz in Katar. Im April war Sudans Präsident Omar al-Baschir nach drei Jahrzehnten an der Macht von den Streitkräften gestürzt worden. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung.

Flexibilität bei Rundfunk-Staatsverträgen gefordert

Angesichts der dynamischen Entwicklung im digitalen Zeitalter müssen Staatsverträge der rheinland-pfälzischen Medienstaatssekretärin Heike Raab (SPD) zufolge dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr Spielraum für Veränderungen geben. Es gebe quasi ein "Diktat der linearen Ausstrahlung", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Das müsse für ARD, ZDF und Deutschlandradio in der digitalen Welt überarbeitet werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse sich schneller verändern können angesichts des geänderten Mediennutzungsverhaltens in Zeiten von Streamingangeboten wie von Netflix oder Amazon Prime. Das sei auch wichtig, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Rundfunkbeitrag zu erhalten, sagte Raab. Denn: "Die Menschen haben unglaublich hohe Mediennutzungskosten." Der Rundfunkbeitrag werde nur akzeptiert, wenn die Menschen auch künftig sagten, der öffentlich-rechtliche Rundfunk biete einfach ein gutes Angebot.

Türkei ermittelt gegen deutsche Journalistin

Die Staatsanwaltschaft in Ankara hat Ermittlungen gegen eine deutsche Journalistin mit türkischen Wurzeln aufgenommen. Es gehe um Terrorvorwürfe, sagte der Anwalt der namentlich nicht genannten Frau, Arkin Hürtas. Möglicherweise würden die Vorwürfe noch um Präsidentenbeleidigung erweitert. Zuerst hatte der NDR über den Fall berichtet. Eine offizielle Anklage gibt es laut Anwalt bisher nicht. Die Ermittlungen stützten sich auf Beiträge, die die in Hamburg lebende Reporterin in sozialen Medien geteilt haben soll, sagte Hürtas. Darunter sei eine Karikatur des mittlerweile inhaftierten ehemaligen Karikaturisten der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet", Musa Kart. Außerdem gebe es ein Foto, auf dem sie bei einer Demonstration in Deutschland zu sehen sein soll. Sie soll zudem zwei kritische Sätze in sozialen Medien geteilt haben. "Es gibt keinen klaren Straftatbestand", sagte Hürtas.

Luftbrücken-Jubiläum - Fest in Berlin abgesagt

Das Fest zum 70. Jahrestag des Endes der Luftbrücke in Berlin kann nicht wie geplant stattfinden. Eine Landung historischer Maschinen auf dem Flughafen Tempelhof und ein dazugehöriges Fest sind aus gesetzlichen Gründen nicht möglich, wie die Veranstalter und die Umweltsenatsverwaltung erklärten. Die Pläne seien nicht mit dem Tempelhof-Gesetz vereinbar. Ob die Flugzeuge wie ursprünglich angedacht das Brandenburger Tor und den Flughafen Tempelhof am 15. und 16. Juni überfliegen werden, stehe noch nicht fest. Ein entsprechender Antrag sei noch in Bearbeitung, sagte Mitinitiator Thomas Keller. Während der Blockade West-Berlins zwischen Juni 1948 und Mai 1949 versorgten die Rosinenbomber genannten Flugzeuge den abgesperrten Teil der Stadt mit Gütern. Anlässlich des Jubiläums sollen die Maschinen entlang der historischen Route von Wiesbaden nach Berlin fliegen.

Zensurdebatte in Russland um Elton-John-Film

In Russland sind aus dem Film "Rocketman" über das Leben von Popstar Elton John mehrere Szenen mit schwulem Sex und Drogenkonsum herausgeschnitten worden. Daraufhin entbrannte eine Zensurdebatte in dem Land, in dem Homosexualität zwar legal ist, aber weitgehend tabuisiert wird. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangte, den Streifen ungekürzt zu zeigen. Das russische Kulturministerium wies die Verantwortung von sich. Es seien keine Anweisungen gegeben worden. Es handele sich wohl um einen Fall von "Selbstzensur", sagte die Leiterin der Filmabteilung im Ministerium, Olga Ljubimowa, der Agentur Interfax. Das Ministerium habe die vorgelegte Version des Films mit der Altersfreigabe 18+ für den Vertrieb in Russland abgesegnet. Elton John hat das Herausschneiden der Szenen scharf kritisiert. In der Stellungnahme Elton Johns hieß es, dass der Film eine echte Darstellung des Lebens des Popstars sei. Den Film nicht zu zeigen, wie er sei, "das ist tatsächlich eine traurige Spiegelung einer gespaltenen Welt, in der wir immer noch leben" - eine Welt, die immer noch auf grausame Weise die Liebe zwischen zwei Menschen nicht akzeptieren könne. Homosexuelle sind in Russland immer wieder schwersten Anfeindungen ausgesetzt - bis hin zu Todesdrohungen.

New York setzt Stonewall-Pionierinnen ein Denkmal

Den Stonewall-Pionierinnen Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson wird in New York ein Denkmal gesetzt. Sie zählen zu den sogenannten "Street Queens", die im Juni 1969 wesentlich zum Ausbruch der Stonewall-Unruhen beigetragen haben. Bill de Blasio sagte: "In einer Zeit, in der die Bundesregierung Überstunden macht, um Trans*-Menschen ihre Rechte wegzunehmen und vor dem Hintergrund grausamer Gewalt gegen diese Community ehrt New York City Trans*-Vorkämpferinnen, die gegen Hass und Ungerechtigkeit gekämpft haben." Das Denkmal soll nur einen Block vom "Stonewall Inn" entfernt errichtet werden. Dort nahm die in die Geschichte eingegangene Serie von Kämpfen für Gleichberechtigung und Anerkennung ihren Anfang.

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