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Sonntag, 12.07.2020
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 12. Juli 2020

Stärkere Auseinandersetzung mit Rassismus gefordert

Der Bochumer Bildungsforscher Karim Fereidooni hat eine Auseinandersetzung "mit den rassistischen Bildern in unseren Köpfen" gefordert. Wir redeten von einem "Trugbild, das seit Jahrhunderten transportiert wird und unser Denken und Handeln bestimmt," sagte Fereidooni dem Evangelischen Pressedienst. Schon kleine Kinder erlernten rassistische Vorstellungen, etwa dass Männer mit weißer Haut für wichtige Berufe und Entscheidungen stünden. Transportiert würden die Einstellungen durch Alltagsbeobachtungen, aber auch durch Figuren in Kinderbüchern. Eine wichtige Rolle spielten auch Schulinhalte und -materialien. Diese sollten dringend überprüft werden. Man müsse fragen "Kommt Rassismus jenseits der NS-Zeit überhaupt als Thema vor?", betont der Bildungsforscher von der Ruhr-Universität. Werde diese Frage nicht gestellt, würden die Schüler denken: "Rassismus, das haben die Nazis gemacht, und das ist jetzt zu Ende."

Staatliche Museen in Berlin auf dem Prüfstand

Berlins Staatliche Museen verlieren auf internationaler Ebene an Bedeutung - dieser Auffassung ist der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern. Den Anspruch, für Ausstellungen von Weltrang zu stehen, würden die Staatlichen Museen unter den gegebenen Bedingungen kaum einlösen, heißt es in einem Entwurf für Strukturempfehlungen bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Museen gehören. Die Sammlungen schöpften das Potenzial für sammlungs- und standortübergreifende thematische Ausstellungen derzeit nicht aus. Die Strukturen innerhalb von Stiftung und Museen ließen "eine kreative Ausgestaltung der Rolle von Museen in der modernen Gesellschaft nur eingeschränkt zu". Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa, der der Entwurf vorliegt. Der Wissenschaftsrat will morgen seine Pläne zur Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz präsentieren.

Grüne fordern Existenzgeld für Kreative in Not

Bündnis90/Die Grünen fordern in Zeiten von Corona mehr Hilfen für Selbstständige in der Kreativbranche. Wenigstens eine Milliarde Euro mehr für die Kultur sei nötig, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der "Bild am Sonntag". Zudem müsse die Bundesregierung die bisherigen Hilfsgelder unbürokratisch auch für den Lebensunterhalt freigeben. "Wir brauchen ein bundesweites Existenzgeld für Selbstständige in Not von monatlich rund 1.200 Euro." Wer wegen der Pandemie faktisch ein Auftrittsverbot habe, brauche diese Sicherheit für ein Jahr. Um die Kulturszene weiter zu stärken, schlägt Göring-Eckardt zudem eine Lockerung der Sperrstunde vor. Die Verlagerung des kulturellen Lebens ins Freie sei eine "Chance für Kulturschaffende und das Publikum". Veranstaltungen und Gastronomie im Freien seien dann grundsätzlich nicht nur bis 22 Uhr, sondern vorübergehend bis Mitternacht möglich. Sie habe "große Sorge, dass nach der Krise ganz viele Musikerinnen, Schausteller und Künstlerinnen nicht mehr da sind", sagte die Grünen-Politikerin.

Kammerspiele mit Performance zu Lilienthal-Abschied

Zum Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal gab es für die Münchner Kammerspiele die wohl größte Bühne der Stadt: Im Münchner Olympiastadion zeigte das Ensemble am Samstag die Performance "Opening Ceremony" von Toshiki Okada. Das Stück kreist um "ein globales Event", vielleicht die Olympischen Spiele in Tokio, die dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Im Stadion pflegen Arbeiter den Rasen für das Ereignis, von dem aber keiner weiß, wann und ob es überhaupt kommt. Nur ein ominöser Super Mario, so wie der aus dem Videospiel, weiß vielleicht etwas. Und während alle warten, erobern Pflanzen, Vögel und Insekten das Stadion. Münchens Kulturreferent Anton Biebl erinnerte an den schwierigen Start, den Lilienthal in München hatte, weil sein Theater viele zunächst befremdete. Inzwischen genieße er aber die Liebe und Anerkennung des Publikums.

Griechenland droht der Türkei wegen Hagia Sophia

Die Umwidmung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee stößt außerhalb der Türkei auf deutliche Kritik. Die EU, Russland und die USA nannten die Entscheidung bedauerlich. Die russisch-orthodoxe Kirche zeigte sich entsetzt. Griechenland hat seinem Nachbarn nun Konsequenzen angedroht. Der türkische Präsident Erdogan habe einen historischen Fehler begangen, erklärte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben. Details nannte er nicht. Der griechische Regierungschef Mitsotakis hatte zuvor schon erklärt, dass der Beschluss Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde. Griechenland und der Nachbar der Türkei streiten sich ohnehin schon um Erdgasvorkommen im Mittelmeer und über verschiedene Migrationsthemen. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte gestern den Status der einstigen Kirche als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete Präsident Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. In dem am Samstag für Besucher geschlossenen Wahrzeichen begannen bereits die Vorbereitungen für die Umwidmung.

Haft für versuchten Diebstahl der Magna Charta

Weil er versuchte, eine von wenigen Exemplaren der mittelalterlichen Magna Charta zu stehlen, muss ein Mann in Großbritannien für vier Jahre ins Gefängnis. Das entschied ein Gericht in der Stadt Salisbury im Südwesten Englands. Der 47-Jährige hatte im Oktober 2018 mit einem Hammer das Sicherheitsglas einer Vitrine in der Kathedrale von Salisbury zertrümmert. Bevor er das wertvolle Dokument stehlen konnte, wurde er von Mitarbeitern und Besuchern gestoppt und überwältigt. Seinem Anwalt zufolge zweifelte der Mann die Echtheit des Magna-Charta-Exemplars an. Die Magna Charta gilt als eine der ältesten Verfassungsurkunden. Sie wurde im Jahr 1215 von König Johann Ohneland unter dem Druck der englischen Barone unterzeichnet und garantierte die Rechte von Adel und Kirche gegenüber der Krone.

Festnahmen nach Mord an Sänger in Äthiopien

Nach dem Mord an dem äthiopischen Sänger und politischen Aktivisten Hachalu Hundessa, dessen Tod Massenproteste auslöste, hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Die beiden Männer, die für seine Ermordung verantwortlich gemacht werden, seien Mitglieder der Oppositionsbewegung TPLF, berichtete das lokale Nachrichtenportal Borkena. Die Regierung warf der TPLF vor, mit dem Tod des Musikers bewusst Konflikte anstacheln zu wollen. Hundessa war Ende Juni ermordet worden. Er unterstützte mit seinen Liedern die Proteste der Oromo-Bevölkerungsgruppe für mehr Unabhängigkeit von der Regierung in der Hauptstadt Addis Abeba. Bei den Unruhen nach seinem Tod wurden mindestens 239 Menschen getötet.

Bischof Stäblein: Kulturbranche in Corona-Krise retten

Der Berliner Bischof Christian Stäblein hat zur Rettung von Kultureinrichtungen aufgerufen. "Kaum Publikum, große Einbußen, unklare Perspektiven. Ob Theater, Chöre, Festivals - eine ganze Branche droht womöglich zur Hälfte zu sterben", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz im RBB-Hörfunk. Kunst und Kultur seien durch die Corona-Pandemie derzeit ungeheuer gefährdet. Die Gesellschaft sei "ohne ihre Kultur eine andere, undenkbar eigentlich", sagte Stäblein weiter. "Gerade hier realisiert sich ja die Freiheit, um die es geht, hier wird sie spürbar." Dies bedeute: "Nicht nur Wirtschaft und Produktion dürfen uns etwas kosten, Kultur ist auch nicht umsonst." Die ersten staatlichen Hilfsprogramme für Künstler und Einrichtungen würden nicht reichen, sagte der evangelische Bischof.

Sigmund Jähns Geburtsort will Wissenszentrum werden

Zehn Monate nach dem Tod von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All, plant sein sächsischer Heimatort Morgenröthe-Rautenkranz den Ausbau zum Raumfahrerdorf. Vom nächsten Sommer an könnte der Bau einer zusätzlichen Halle die bisherige Deutsche Raumfahrtausstellung ergänzen und für Raumfahrtkongresse und zur Wissensvermittlung bereitstehen, sagte Bürgermeister Jürgen Mann der Deutschen Presse-Agentur. 3,2 Millionen Euro Bundesmittel wurden für das Projekt zugesagt. Eine aktuelle Sonderschau zum Leben Sigmund Jähns, neue Exponate in der Deutschen Raumfahrtausstellung sowie eine Pension namens "Weltraumbahnhof" stärken laut Mann bereits den Ruf als Raumfahrerdorf.

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