Seit 01:05 Uhr Tonart

Montag, 21.10.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kulturnachrichten

Mittwoch, 4. Juni 2014

Dramatiker Nagim: Russland will zurück zum Eisernen Vorhang

"Man will zurück zum sowjetischen Lebensmodell, zum Eisernen Vorhang."

Das sagte der russische Dramatiker Farid Nagim dem "Tagesspiegel". Das Streben nach Freiheit und nach sexueller Selbstbestimmung werde derzeit wieder in den Untergrund gedrängt. In den Vordergrund trete dagegen ein verlogener Patriotismus und eine völlige Überschätzung der Kirche. - Ressentiments gegen Homosexuelle seien in Russland mehrheitsfähig, glaubt Nagim. Viele Russen seien der Ansicht, Schwulsein sei ein westliches Phänomen - von "Gayropa" sei die Rede. Wer wie er als Schriftsteller über das Thema schreibe, könne sich ins Nirwana verabschieden. Kein etablierter Verlag werde sich daran die Finger verbrennen.

Church of England verbietet Geistlichen Unterstützung rassistischer Parteien

Das gute Abschneiden rechter Parteien bei der Europawahl wird auch von den Kirchen kritisch gesehen.

Mit deutlichen Konsequenzen hat die "Church of England" reagiert. Geistliche, die rechtsextreme Parteien unterstützen, können dort Arbeitsplatz verlieren. Das haben Bischöfe der anglikanischen Mutterkirche gestern beschlossen. Mit Strafen müsse rechnen, wer die "British National Party" oder die "Nationale Front" fördere, sagte der Generalsekretär der Synode. Die Ansichten dieser Parteien seien mit der kirchlichen Lehre nicht kompatibel. Es ist das erste Mal, dass es in der "Church of England" zu einem solchen Verbot kommt. - Der Sprecher der "British National Party" kritisierte, dass es der Kirche mehr darum gehe, politische Plattitüden zu verkünden, statt die Bibel auszulegen.

Orhan Pamuk: Nur kleine Museen können den Einzelnen würdigen

"Nur kleine Museen können den Einzelnen würdigen, seine Menschlichkeit, sein Schicksal, seine Kreativität."

Das sagte der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Deshalb habe er ein Manifest geschrieben, in dem er eine Lanze für kleine Museen brechen wolle. Auch sie müssten an öffentlichen Mitteln teilhaben. Er sei gegen die Idee des nationalen Monumentalmuseums wie dem Louvre in Frankreich oder dem British Museum. Sie seien nicht die besten Mittel, um die Menschlichkeit einer Nation zu entdecken. - Das Istanbuler "Museum der Unschuld", das auf Pamuks gleichnamigem Roman basiert, ist zu Europas Museum des Jahres ernannt worden.

Thailänder demonstrieren mit Film-Gruß gegen Militärregierung

Der linke Arm in die Höhe und drei Finger ausgestreckt -

das ist die Geste des Aufstands im Film "Die Tribute von Panem". Nun ist der Gruß zu einem realen Symbol des Widerstands in Thailand geworden. Kritiker der Militärregierung verwenden ihn als Form des Protests. Ein Putschgegner rief auf seiner Facebook-Seite dazu auf, die drei Finger dreimal täglich zu heben. Es sei ein Symbol geworden, fundamental politische Rechte einzufordern, schrieb er. - Ein Sprecher des Militärs kündigte an, Maßnahmen zu ergreifen, wenn bei einer öffentlichen Versammlung von mehr als fünf Leuten das Symbol gezeigt werde. Dann könne es auch zu Verhaftungen kommen. - Am 22. Mai hatte sich das Militär in Thailand an die Macht geputscht.

Dänemark: Museumsdirektoren streiten über Frauenquote

Benötigt ein Museum für zeitgenössische Kunst bei der Beschaffung neuer Werke eine Frauenquote?

Darüber ist in Dänemark eine Diskussion entbrannt. Anstoß zur Debatte gab ein Bericht. Demnach sind die vom Museum "Aros" in Aarhus in den letzten Jahren erworbenen Werke nur zu 16 Prozent von Frauen erstellt worden. Der Museumsdirektor Erlend Høyersten räumte ein, dass es in seinem Hause eine Ungleichgewicht gebe und man in der Verantwortung stehe. Es gehe ihm aber um Kunst, nicht um Statistiken. Sanne Kofod, Leiterin des Museums für moderne Kunst in Roskilde, hielt im öffentlich-rechtlichen Hörfunk dagegen. Es sei kein Problem, gute Werke von Frauen zu finden. Eine Quote wirke sich daher nicht negativ auf die künstlerische Qualität aus, sagte sie.

Ende Mai hatte bereits eine dänische Museumsleiterin gefordert, eine Quote für Statuen von berühmten Frauen im öffentlichen Raum einzuführen: Es sei bislang offenbar ein männliches Privileg, in voller Statur dargestellt auf einem Sockel zu posieren.

Strässer fordert Freilassung chinesischer Bürgerrechtler

"Angehörige und Intellektuelle, die der Toten gedenken wollen, wurden verhaftet."

Mit diesen Worten bedauerte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, Chinas Umgang mit denen, die an die Niederschlagung der Studentenproteste 1989 in Peking erinnern wollten. Unter den Festgenommenen befänden sich Journalisten, Rechtsanwälte und Bürgerrechtler. Strässer forderte China auf, sie freizulassen - genauso wie all diejenigen, die vor 25 Jahren auf dem Platz des Himmlischen Friedens inhaftiert worden waren. - Bei der Niederschlagung der Proteste wurden nach offiziellen chinesischen Angaben 241 Menschen getötet; Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass es mehrere tausend Todesopfer gab.

Originale Hamsun-Briefe gehen in anonymen Privatbesitz

15 Schriftstücke des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun könnten für Forschung vorerst nicht einsehbar sein.

Für umgerechnet 62.000 Euro hat eine Privatperson die Dokumente ersteigert. Der Nationalbibliothek sei der Preis zu hoch gewesen, sagte die Sprecherin Bente Grandlund. Man hoffe, dass der Käufer die Schriftstücke sorgfältig verwahre, sagte sie dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender "NRK". Unter den Dokumenten befindet sich auch das Original des umstrittenen Nekrologs des Nobelpreisträgers für Adolf Hitler. Andere Stücke waren zuvor noch nie publiziert oder vorgezeigt worden.

Der 1952 verstorbene Hamsun gilt als einer der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller, wird aber wegen seiner Sympathien für die Nationalsozialisten bis heute kritisch gesehen.

Roger Willemsen: Menschen reagieren fatalistisch auf Globalisierung

Sieben Jahren ist es her, dass auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm Zehntausende gegen die Globalisierung auf die Straße gingen.

Dieses Jahr treffen sich die G7-Länder in Brüssel, doch große Demonstrationen scheinen nicht geplant. Roger Willemsen, Publizist und Mitglied der globalisierungskritischen Vereinigung Attac, glaubt, dass viele Menschen inzwischen fatalistisch auf das Weltgeschehen reagieren. Das sagte er im Interview mit DRadio Wissen. Der Millionenprotest gegen den Nato-Doppelbeschluss in den 70er Jahren habe keine einzige Waffe verhindert und große Petitionen hätten nichts bewirkt. So komme etwa der Genmais nach Deutschland, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung dagegen sei.

Türkei stellt Zugang zu Youtube wieder her

Zwei Monate lang war die Videoplattform in der Türkei gesperrt.

Nun schaltete die Telekommunikationsbehörden des Landes die Seite frei, wie türkische Medien berichteten. Am Donnerstag hatte das türkische Verfassungsgericht die von der Regierung verhängte Sperre für gesetzeswidrig erklärt, da sie das Recht auf freie Meinungsäußerung verletze. - Sowohl Youtube als auch Twitter waren vor den Kommunalwahlen im März gesperrt worden. Das hatte für Kritik westlicher Regierungen und Menschenrechtsorganisationen gesorgt. Erdogan sieht die beiden Diensten als Kanäle für eine ausländische Verschwörung gegen ihn.

Berlin: Christen, Juden und Muslime planen gemeinsames Gotteshaus

Eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee unter einem Dach - das könnte in Berlin Wirklichkeit werden.

Das Vorhaben für ein gemeinsames Gotteshaus von Christen, Juden und Muslimen in der Hauptstadt nimmt langsam Gestalt an. Die Pläne dafür stellten Geistliche der drei Religionen vor. Der Rabbiner Tovia Ben-Chorin sagte, in einer Stadt wie Berlin sei es höchste Zeit für einen solchen Ort des Dialogs. Das "House of One" soll an der Leipziger Straße entstehen und insgesamt gut 43 Millionen Euro kosten. Die Initiatoren wollen mit dem Bau beginnen, sobald sie die ersten zehn Millionen eingesammelt haben. Ihrer Einschätzung nach könnte es im Frühjahr 2016 so weit sein.

Neues Gutachten zu umstrittenem Immendorf-Bild bringt keine Klärung

Der Rechtsstreit um dieses Bild dauert schon Jahre - und er wird wohl noch eine Weile weitergehen.

Es geht darum, ob ein angebliches Gemälde des 2007 gestorbenen Künstlers Jörg Immendorf gefälscht ist. Nach Angaben des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat jetzt ein Gutachten ergeben, dass die Unterschrift des Malers auf einem Echtheitszertifikat maschinell erstellt wurde. Man habe aber keine neuen Erkenntnisse über die entscheidende Frage, ob das Bild mit Immendorfs Wissen von einem Mitarbeiter kopiert wurde. - Das Werk "Ready-made de l'Histoire dans Café de Flore" war in erster Instanz als Fälschung eingestuft worden. Immendorfs Witwe Oda Jaune fordert, dass das von einem Privatmann gekaufte Bild vernichtet wird.

Khmer-Statuen kehren nach 40 Jahren nach Kambodscha zurück

Sie haben so einiges überstanden: Bürgerkriege, Schmuggel und Reisen um die Welt.

Gemeint sind drei Khmer-Statuen, die nach Kambodscha zurückgekehrt sind. Die Figuren aus dem 10. Jahrhundert waren vor 40 Jahren im Bürgerkrieg gestohlen worden und in den USA wieder aufgetaucht. Den Statuen zu Ehren veranstaltete die Regierung in der Hauptstadt Phnom Pen eine Willkommensfeier, an der auch Vertreter aus den Vereinigten Staaten teilnahmen. Die kambodschanische Regierung hatte lange Zeit mit einem Museum und Auktionshäusern in den USA über die Rückkehr verhandelt. Nun sollen die Figuren im Nationalmuseum in Phnom Pen ausgestellt werden.

Historiker Mausbach: Obama verfolgt keine konsequente Außenpolitik

Barack Obama verfolgt keine konsequente Außenpolitik.

Das ist die Einschätzung von Wilfried Mausbach, Historiker am Heidelberg Center for American Studies. Der US-Präsident agiere widersprüchlich, sagte er in Deutschlandradio Kultur. Obama kündige Dinge an, die er dann nicht umsetze. Als Beispiel nannte Mausbach den Syrien-Konflikt. Hier habe er von einer roten Linie gesprochen, die durch Chemiewaffen überschritten werde. Dennoch folgten keine Konsequenzen, als die Waffen zum Einsatz kamen. Vor allem Obamas innenpolitische Gegner kritisierten deshalb, dass die USA derzeit ein Bild der Schwäche abgäben.

SZ: Union verhindert weiter Gleichstellung der Homo-Ehe

"Sie hat in arroganter Art und Weise die Diskriminierung von Schwulen und Lesben um Jahre verlängert."

Das sagte die Grünen-Finanzexpertin Lisa Paus der "Süddeutschen Zeitung" über die Unionsfraktion im Bundestag. Dem Bericht zufolge verhindern CDU und CSU die vollständige Gleichstellung der Homo-Ehe. Die Parteien verweigerten ihre Zustimmung zu dem Vorhaben, künftig auch Vereine als gemeinnützig anzuerkennen, die sich dem Schutz der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften widmeten. Nicht nur von der Opposition, auch vom Koalitionspartner kommt Kritik. Doch die SPD könne nicht auf eine Änderung bestehen, weil der Koalitionsvertrag eine solche Vereinbarung nicht zwingend vorsehe, sagte Lothar Binding, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

US-Diskussion: Dürfen alte Menschen Waffen besitzen?

Die USA sind nicht gerade für ihre restriktive Waffenpolitik bekannt.

Nun ist eine Diskussion entbrannt. Eine Medizinerin aus dem Bundesstaat South Dakota meint, dass Waffen in den Händen alter Menschen in den USA zur Gefahr werden könnten, wenn diese dement oder depressiv werden. Sie fordert, dass ältere Waffenbesitzer regelmäßig einen Fragebogen ausfüllen müssen. Darin sollen sie beantworten, ob die Waffe verschlossen aufbewahrt wird, ob sie geladen ist, ob Kinder im Haus sind und wie sich der Besitzer fühlt.

In den USA darf jeder eine Waffe besitzen, nach oben gibt es keine Altersgrenze. Weggenommen werden können sie nur von einem Gericht.

Christliche Jugendhilfe warb mit Hitler-Zitat

Mit einem unbedacht gewählten Zitat hat sich eine christliche Jugendhilfe im US-Bundesstaat Alabama Ärger eingehandelt.

Die Organisation "Life Savers Ministries" warb auf einem Plakat mit dem Adolf Hitler zugeschriebenen Spruch "Wer die Jugend hat, hat die Zukunft". Nach Protesten wurde das Plakat gestern entfernt, wie die Lokalzeitung "Ledger-Enquirer" in ihrer Onlineausgabe berichtete. Der Gründer von "Life Savers Ministries" beteuerte, die Kampagne habe keine Verwirrung stiften sollen.

Die 1996 gegründeten "Life Savers Ministries" betreiben nach eigenen Angaben sechs Schulbusse und eine Einrichtung für Jungen und Mädchen aus sozial schwierigen Verhältnissen.

Göttinger Wissenschaftler an Entdeckung zweier Planeten beteiligt

Unser Bild vom Weltall ist um zwei Himmelskörper erweitert.

Beigetragen haben zu dieser Einsicht zwei Wissenschaftler aus Göttingen. Die Astrophysiker Ansgar Reiners und Mathias Zechmeister haben zusammen mit Kollegen aus dem Ausland zwei Exoplaneten entdeckt, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Sie kreisen um den sogenannten "Kapteyns Stern", der 13 Lichtjahre von der Sonne entfernt ist. Besonders interessant ist, dass einer der beiden Planeten mit dem Namen "Kapteyn b" lebensfreundliche Eigenschaften besitzen könnte. Wie die Uni Göttingen mitteilte, gibt es dort möglicherweise flüssiges Wasser.

Premiere ohne Proteste: Genets "Die Neger" in Wien aufgeführt

Wegen des Titels "Die Neger" hatte es vor der Aufführung des Stücks heftige Kritik gegeben.

Mit einer Mischung aus Zuspruch und Ablehnung hat das Publikum auf die Premiere von Jean Genets Werk bei den Wiener Festwochen reagiert. Während die meisten Zuschauer die Inszenierung von Johan Simons beklatschten, verließen einige kommentarlos das Theater. In dem selten gespielten Stück des 1986 gestorbenen französischen Autors spielten schwarz maskierte Darsteller der Münchner Kammerspiele und des Deutschen Schauspielhauses Hamburg grotesk die Ermordung einer weißen Frau nach.

Karlsruher Museum stellt van Gogh-Ohr aus

Im Absinth-Rausch soll sich der holländische Maler Vincet van Gogh sein Ohr abgeschnitten haben.

Ein deutsches Museum stellt jetzt eine lebensechte Kopie dieses entscheidenden Körperteils aus. Eine Künstlerin hat das Ohr mit DNA von Verwandten des Malers nachgezüchtet. Sie bekam den Speichel vom Ur-Enkel vom Bruder van Goghs. Mithilfe von Wissenschaftlern hat sie die Zellen zu einem Ohr wachsen lassen. Das ist gerade im Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe zu ausgestellt.

"Vater des Ecstasy": Chemiker Shulgin gestorben

Er gilt als der "Vater des Ecstasy".

Der US-Chemiker Alexander Shulgin ist bereits am Montag im Alter von 88 Jahren im Bundesstaat Kalifornien gestorben. Dies teilte seine Frau im Internet mit. Shulgin war bekannt für seine Arbeit mit synthetischen Halluzinogenen. Bei Selbstversuchen untersuchte er in den 70er Jahren auch die berauschende Wirkung des Stoffes MDMA, der unter dem Namen Ecstasy bekannt wurde und entwickelte dafür eine neue Synthesemethode. "Werkzeug, mit dem sich junge Leute von der älteren Generation distanzieren" - so äußerte sich Shulgin einmal wörtlich über die Droge. - Vor allem Anfang der 90er Jahre war Ecstasy in der Musik-Club-Szene verbreitet.

Kulturnachrichten hören

Juni 2014
MO DI MI DO FR SA SO
26 27 28 29 30 31 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 1 2 3 4 5 6

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur