Dienstag, 26.05.2020
 

Kulturnachrichten

Dienstag, 26. Mai 2020

Uwe Ochsenknecht: Kunst wird zu wenig unterstützt

Uwe Ochsenknecht beklagt eine mangelnde Wertschätzung für Kulturschaffende in Deutschland, insbesondere in der Coronakrise. Kunst und Kultur werde generell viel zu wenig unterstützt, sagte der 64-jährige Schauspieler dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. In anderen europäischen Ländern laufe das besser. Hierzulande habe man immer noch nicht die Wertstellung und Wichtigkeit von Kunst und Kultur verstanden, so Ochsenknecht. Dies sei vor allem schade, weil man gerade sehe, wie viel Geld in Deutschland vorhanden sei und welche "Reserven aus dem Boden gestampft werden" könnten.

Unesco-Welterbestätten präsentieren sich im Internet

Am Unesco-Welterbetag am 7. Juni präsentieren sich die deutschen Welterbestätten in diesem Jahr erstmals im digitalen Format. Hierzu wurde eine eigene Webseite freigeschaltet. Sie ermöglicht nach Angaben des Vereins Unesco-Welterbestätten eine "virtuelle Entdeckungstour durch das vielfältige Kultur- und Naturerbe Deutschlands." Damit sollen Einschränkungen, die durch die Corona-Pandemie verursacht wurden, überwunden werden. Interviews mit lokalen Welterbeexperten sollen persönliche Eindrücke zur Erhaltungs- und Vermittlungsarbeit widerspiegeln. Kinder können sich mithilfe von Malvorlagen und Bastelanleitungen kreativ mit dem Welterbe auseinandersetzen. 46 der weltweit mehr als 1000 Welterbestätten liegen in Deutschland, unter anderem der Aachener Dom, die Altstadt von Quedlinburg oder das Wattenmeer.

Kulturrat fordert großes Hilfsprogramm

Der Deutsche Kulturrat fordert, dass der Bund Kulturschaffende und Kultureinrichtungen in der Corona-Krise stärker unterstützt. Geschäftsführer Olaf Zimmermann sagte im Norddeutschen Rundfunk, beim Wiederhochfahren des Kulturbetriebes sei es unglaublich schwierig, Normalität zu finden. Wenn unter Coronabedingungen etwa nur ganz wenige Menschen in Kinos oder Museen gehen könnten, funktionierten die Finanzierungsstrukturen solcher Betriebe nicht mehr. Die bisherige Unterstützung reiche nicht aus, so Zimmermann. Auch die Hilfe für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler, die Ende Juni auslaufe, müsse verlängert werden. Der Kulturbereich könne die Krise nur dann überstehen, wenn es zusätzliches Geld für einen spezifischen Kulturtopf gebe. Dieser sei aber trotz der Zusage von der Regierung immer noch nicht da.

Die Recherchen zum Gurlitt Kunstfund sind beendet

Rund acht Jahre nach der Beschlagnahmung des spektakulären "Schwabinger Kunstfunds" von Cornelius Gurlitt sind von deutscher Seite die Recherchen zur Herkunft der rund 1500 Kunstwerke weitgehend beendet. Bei mehr als 1000 Werken sei nach wie vor unklar, woher sie stammten, bilanzierte der Kunsthistoriker Gilbert Lupfer. Er ist Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, das seit 2016 die Forschungsarbeit zu der bei Gurlitt (1932-2014) gefundenen Kunstkollektion fortführte. Nur 14 Werke von Künstlern wie Max Liebermann oder Henri Matisse wurden bisher eindeutig als Raubkunst identifiziert und an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert. Aufsätze zum aktuellen Forschungsstand, der vor allem die Rolle und die Geschäftspraktiken von Gurlitts Vater dokumentiert, sind in einem Sammelband ("Kunstfund Gurlitt. Wege der Forschung") zusammengefasst. Der Kunsthändler - nach dem Krieg Leiter des Kunstvereins Düsseldorf - war einer der Chefeinkäufer Hitlers im besetzten Frankreich. Er sei ein "skrupelloser Händler" gewesen, der "sein Geschäft machen wollte", so Lupfer.

Bürgermeister von Radebeul votiert gegen Bernig-Wahl

Die Wahl des Schriftstellers Jörg Bernig zum neuen Kulturamtsleiter im sächsischen Radebeul soll wiederholt werden. Wie Oberbürgermeister Bert Wendsche am Montagabend mitteilte, befürchtet er einen Imageschaden für die Stadt. Er habe daher den Stadtrat aufgefordert, eine Neuwahl durchzuführen. Bei seinem Einspruch beruft sich Wendsche auf einen entsprechenden Paragrafen der Sächsischen Gemeindeordnung. Bernig wird vorgeworfen, ein Vordenker der Neuen Rechten zu sein und immer wieder auch in deren Publikationen zu veröffentlichen. Bei seiner Wahl am vergangenen Mittwoch soll der 54-Jährige nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks hauptsächlich von Ratsleuten der CDU und der AfD unterstützt worden sein. Die örtliche Kulturszene hatte einen offenen Brief gegen die Wahl Bernigs veröffentlicht, den inzwischen mehrere hundert Menschen unterschrieben haben.

Der US-Schlagzeuger Jimmy Cobb ist tot

Der legendäre US-Schlagzeuger Jimmy Cobb ist im Alter von 91 Jahren in New York gestorben. Das bestätigte seine Frau dem amerikanischen Sender "NPR". Cobb war überwiegend Autodidakt und brachte es zum ältesten Stammspieler in den meisten Miles-Davis-Formationen. Zwischen 1958 und 1963 trommelte er bei einigen der berühmtesten Aufnahmen mit, darunter auch beim Miles-Davis-Album "Kind Of Blue" von 1959. Außerdem spielte er mit Billie Holiday und John Coltrane. 2009 wurde Jimmy Cobb zum "NEA Jazz Master" ernannt, die höchste offizielle US-Auszeichnung für Jazzmusiker. Bis ins hohe Alter trat er regelmäßig auf und veröffentlichte noch im vergangenen Jahr das Album "This I Dig Of You".

Salzburger Festspiele 14 Tage kürzer

Die Salzburger Festspiele sind wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr 14 Tage kürzer als ursprünglich geplant. Wie das österreichische Bundesland Salzburg mitteilte, soll die Jubiläumsausgabe vom 1. bis 31. August dauern. Statt 200 Vorstellungen an 16 Spielstätten sind rund 90 Vorstellungen an höchstens sechs Spielstätten geplant. Alle Produktionen des Jubiläumsprogramms, die 2020 nicht zur Aufführung kommen, sollen 2021 gezeigt werden. Bereits vor zehn Tagen hatte das Land Salzburg mitgeteilt, dass das weltgrößte Klassik-Festival ausgerechnet im Jubiläumsjahr wegen der Corona-Krise abgespeckt werden müsse. In Österreich sind Kulturveranstaltungen ab Freitag wieder erlaubt - allerdings nur mit bis zu 100 Menschen im Publikum. Diese Zahl wird bis 1. August schrittweise auf bis zu 1000 Gäste gesteigert, sofern ein genehmigtes Sicherheitskonzept vorliegt.

Grütters gibt Träger des Verlagspreises bekannt

Die Verlage Matthes & Seitz Berlin, Liebeskind und DOM Publishers sind Spitzenpreisträger des Deutschen Verlagspreises 2020. Das teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin mit. Der Deutsche Verlagspreis wird in drei Kategorien verliehen: Drei Verlage erhalten für die Qualität und Innovationskraft ihrer Arbeit je ein Gütesiegel und eine Prämie in Höhe von 60.000 Euro. 60 weitere Verlage werden für ihre Leistungen mit einem Gütesiegel und je 20.000 Euro ausgezeichnet. Die ursprünglich für den 25. Mai in München geplante Verleihung musste aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt werden.

Petition für umstrittene Leiter an Berliner Ballett-Schule

Vertreter der Tanzszene haben sich für die freigestellten Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin und der verbundenen Schule für Artistik eingesetzt. Die Freistellung solle aufgehoben und die Wiederbeschäftigung erreicht werden, heißt es in der Petition der Initiative "Save the Dance" an das Abgeordnetenhaus. Die Schule habe sich internationale Reputation erworben. Die Petition haben unter anderen Tanzpädagogen, Dramaturgen oder Choreographen unterzeichnet. Schulleiter und Künstlerischer Leiter der Ballettschule waren im Zuge von Untersuchungen nach zunächst anonymen Vorwürfen vom Dienst freigestellt worden. Eine Expertenkommission hatte zuvor eine "Kultur der Angst" an der Schule festgestellt. Bis zum Herbst sollen abschließende Berichte vorliegen.

Humboldt Forum erhält umstrittenes Kuppelkreuz

Das weitgehend fertiggestellte Humboldt Forum in Berlin bekommt nun auch das umstrittene Kreuz auf seine weit sichtbare Kuppel. Laterne mitsamt Kreuz sollen am Freitag aufgesetzt werden, wie die Stiftung Humboldt Forum mitteilte. Das christliche Symbol auf der Rekonstruktion des monarchistischen Schlosses wird unter anderem deshalb in Frage gestellt, weil das Humboldt Forum als Kultur- und Ausstellungszentrum völker- und religionsübergreifende Fragen thematisieren will. Der religiöse Anspruch des Kreuzes wird unterstrichen durch ein Schriftband, das die Kuppel umfasst und in dem die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert wird. Die für September geplante erste Teileröffnung des Humboldt Forums war coronabedingt verschoben worden. Der 644 Millionen Euro teure Bau soll nach dem Willen der Stiftung aber noch in diesem Jahr eröffnet werden.

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