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Kulturnachrichten

Mittwoch, 20. Mai 2020

Siemens Musikstiftung vergibt zusätzliche Fördermittel

Nicht trotz, sondern wegen der Pandemie, schüttet die Ernst von Siemens Musikstiftung in diesem Jahr zusätzliche Fördermittel aus. Weil die Situation für viele Musiker, Ensembles, Institutionen und Studierende in Deutschland, Österreich und der Schweiz so prekär sei, würden zusätzlich 2,4 Millionen Euro freigegeben. Geplant war eigentlich ein Jahresetat von 3,6 Millionen Euro. Eingerichtet wurde eine außerreguläre Antragsfrist vom 25. Mai bis 21. Juni für Projekte, die noch in diesem Jahr beginnen können. Musikhochschulen würden die Bedürftigkeit prüfen.

Tabori Preis 2020 an "Gob Squad"

Der Fonds Darstellende Künste vergibt den mit 20.000 Euro Tabori Preis in diesem Jahr an das Performancekollektiv "Gob Squad". Die deutsch-britische Gruppe habe die nationale wie internationale Theaterästhetik seit über 25 Jahren maßgeblich beeinflusst, heißt es in der Begründung der Jury. Zwei weitere Auszeichnungen - dotiert mit jeweils 10.000 Euro - gehen an die Regisseurin Anta Helena Recke und den Choreographen Christoph Winkler. Der Tabori Preis ist die deutschlandweit höchst dotierte Auszeichnung für die Freien Darstellenden Künste.

Die US-Malerin Susan Rothenberg ist tot

Die US-Amerikanische Malerin Susan Rothenberg ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Das bestätigte die Sperone Westwater Gallery, die ihre Arbeiten seit 1987 zeigt. Mit den für sie typischen großen, figurativen Bildern von Pferden in Bewegung hatte Rothenberg in den 70er Jahren starken Einfluss auf die New Yorker Kunstszene. 1980 vertrat sie als Künstlerin die USA auf der Biennale in Venedig. Ihre Arbeiten finden sich unter anderem im New Yorker Metropolitan Museum of Art und dem Stedelijk Museum in Amsterdam.

Empfehlungen für Öffnung von Kultureinrichtungen

Die Kulturminister der Länder und Kulturstaatsministerin Monika Grütters haben sich auf Eckpunkte für eine Öffnung weiterer kultureller Einrichtungen verständigt. Das Papier ist Vorlage für die Beratungen von Bundeskanzlerin Merkel mit den Länderregierungschefs, wie die Kulturministerkonferenz mitteilte. Die Vorlage soll Wege aufzeigen, wie Kultureinrichtungen in der Corona-Krise schrittweise wieder geöffnet werden können. Genannt werden unter anderem Ticketingsysteme, ein Besucherstrommanagement und obligatorische Platzreservierungen. Auch künstlerische Programme sollen den Empfehlungen zufolge angepasst werden. Denkbar seien "kleinformartige Darbietungen sowohl in geschlossenen Räumlichkeiten als auch im Freien, Freiluftaufführungen, Formate in kleinerer Besetzung als Alternativen und Mehrfachaufführungen kürzerer Programme". Den Kinos wird empfohlen, möglichst gleichzeitig wieder zu eröffnen.

Regeln für die Fortsetzung von Filmproduktionen

Schauspieler, die sich beim Dreh - etwa beim Küssen - ganz nahe kommen, sollen sich wegen der Corona-Krise zuvor fünf Tage in Quarantäne begeben. Diese und mehr Empfehlungen für Filmproduktionen gab die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse heraus. Der Vorsitzende der Produzentenallianz, Alexander Thies, sagte über die Richtschnur insgesamt: "Obgleich der neue Standard erhebliche Herausforderungen für die Branche mit sich bringt, haben wir nun von autorisierter Stelle einen Handlungsrahmen an die Hand bekommen, der es ermöglicht, dass Film- und Fernsehproduktionen deutschlandweit in allen Genres neu starten oder fortgeführt werden können." Die Genossenschaft erarbeitete die Empfehlungen auf Basis der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards des Bundesarbeitsministeriums. Vor der Kamera soll der direkte Kontakt zu anderen Personen auf ein Minimum reduziert werden.

Zentralrat unterstützt Klein in Mbembe-Debatte

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, stärkt in der Debatte um den afrikanischen Denker Achille Mbembe den Antisemitismusbeauftragten Klein der Bundesregierung. "Ich schließe mich der Auffassung von Felix Klein ausdrücklich an", erklärte Schuster. Er empfinde die Vorwürfe von einigen Wissenschaftlern gegenüber Klein als ungerechtfertigt und inakzeptabel. Sie seien persönlich verletzend und diffamierend, so Schuster. Klein habe Thesen von Mbembe kritisiert, die nicht nur er als höchstproblematisch einstufe. Der mehrfach ausgezeichnete Mbembe gilt als einer der bedeutendsten Denker Afrikas. Kritiker meinen, Mbembe relativiere den Holocaust, bestreite das Existenzrecht Israels und in seinen Schriften finde sich Antisemitismus. Schuster rief alle Seiten dazu auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren.

Peter Maffay besorgt um Musik-Dienstleister

Der Rockmusiker Peter Maffay (70) hat in einem Interview auf die Notsituation der Musik-Branche während der Corona-Pandemie hingewiesen. Die ganze Branche stehe mit dem Rücken zur Wand, sagte er im ZDF. Vor allem die Situation der Dienstleister der Musikbranche bereitet Maffay Sorgen. Viele Existenzen seien bedroht und in einer sehr prekären Lage - ein sofortiges Handeln sei nötig. Maffay verglich die Musikdienstleister mit den Zulieferern in der Autoindustrie. Wenn sie wegfielen, könne keine Produktion mehr garantiert werden. Das sei in der Musikbranche genauso. Maffay und andere Künstler hatten kürzlich in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel um rasche Hilfen für Musiker und Konzertveranstalter gebeten. Durch den pandemiebedingten Shutdown stehe die gesamte Branche vor einer Herausforderung, die sie ohne staatliche Hilfen aus eigener Kraft kaum überstehen werde, heißt es darin.

Studio Babelsberg will bald wieder drehen

Das Studio Babelsberg hofft darauf, in einigen Wochen wieder drehen zu können. Im März war die Vorbereitung von zwei großen Filmprojekten wegen der Corona-Pandemie unterbrochen worden. Alle ausländischen Mitarbeiter seien damals in ihre Heimat zurückgeflogen, sagte Vorstandschef Carl Woebcken in Potsdam. In der Folge habe es einen kompletten Lockdown gegeben. Für die Produktionen seien sehr aufwendige Kulissen gebaut worden, Sets und viel Equipment seien in den Studios geblieben, so Woebcken. Die beiden Filmprojekte laufen unter den Codenamen "Girona" und "Project Ice Cream", die offiziellen Titel dürften nicht genannt werden. Laut Berichten handelt es sich um die Videospiel-Verfilmung "Uncharted" und den Blockbuster "Matrix 4" mit Keanu Reeves.

Lindenstraße-Kulissen kommen ins Museum

Weitere Originalkulissen der ARD-Fernsehserie Lindenstraße kommen ins Museum. Einige Requisiten der Ende März ausgelaufenen Kultserie werden in einer Ausstellung in Rheinland-Pfalz wieder aufgebaut. Schon Ende des Jahres sollen Fans der Lindenstraße das "Café Bayer" und das "Restaurant Akropolis" im Technik-Museum in Speyer besuchen können. Dort steht schon seit 2012 die Küche der Filmfigur Else Kling und ist seit dem ein Magnet für Lindenstraßen-Zuschauer aus ganz Deutschland. In der Ausstellung sind auch viele Drehbücher, Kostüme und Zeichnungen zu sehen. Die zwei weiteren Kulissen des Cafés und des Restaurants sollen für die Besucher auch begehbar sein.

Biennale Lyon um ein Jahr auf 2022 verschoben

Die Kunstbiennale von Lyon, Frankreichs wichtigstes Künstlertreffen, ist um ein Jahr verschoben worden. Statt im September 2021 findet das Branchenevent nun ein Jahr später statt. Die Corona-Krise habe die Möglichkeiten von Künstleraufenthalten und Produktionen und die Zusammenarbeit mit den Künstlern stark beeinträchtigt, erklärten die Organisatoren in einer Pressemitteilung. Die Biennale für zeitgenössische Kunst wurde 1991 gegründet. Ihre letzte Ausgabe zog im Januar mehr als 270 000 Besucher an. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurden auch die großen Biennalen in Venedig zu Architektur und zeitgenössischer Kunst bereits jeweils um ein Jahr verschoben. Sie finden jetzt 2021 beziehungsweise 2022 statt.

Polnisches Radio entfernt Spottlied auf Kaczynski

Der polnische Sender Radio Troika hat ein Spottlied auf den heimlichen Machthaber des Landes von seiner Hitliste entfernt und muss sich dafür jetzt Zensurvorwürfe anhören. Der Sänger Kazik Staszewski hatte mit seinem Lied "Twój ból jest lepszy niz mój" (Dein Schmerz ist besser als meiner) über einen Friedhofsbesuch von Regierungsparteichef Jaroslaw Kaczynski während der Ausgangssperre die Hitparade gestürmt und wurde am Freitag von den Hörern auf Platz eins gewählt. Einen Tag später verschwand das Lied von der Hitliste des Senders und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus - sogar im Regierungslager. Das Verschwinden des Songs von der Hitliste weckt neue Sorgen über die Pressefreiheit in Polen, allerdings handelt es sich im Fall des Kaczynski-Liedes wohl eher um Selbstzensur des Senders. Mehrere Mitarbeiter kündigten aus Protest.

Kritik an Ronan Farrows Weinstein-Enthüllungen

Der amerikanische Journalist Ronan Farrow, dessen Recherchen maßgeblich zum Prozess gegen Harvey Weinstein wegen sexuellem Missbrauch beitrugen, steht nun selbst in der Kritik. Die New York Times wirft ihm unsaubere Recherche vor. Ein Artikel von Farrow im Magazin New Yorker hatte den Weinstein-Fall ins Rollen gebracht. Darin seien Vorwürfe mutmaßlicher Opfer nicht gründlich überprüft worden. Versäumnisse, die der Autor, ein Sohn von Mia Farrow und Woody Allen, auch später in seinem Buch über die Affäre nicht korrigiert habe. Das Magazin New Yorker antwortete mit einer ausführlichen Gegendarstellung auf Twitter. Für seine Enthüllungen über Weinstein hatte Farrow den Pulitzer Preis gewonnen.

Filmkomponist Peter Thomas gestorben

Der Filmkomponist Peter Thomas ist im Alter von 94 Jahren in der Schweiz gestorben. Das teilten seine Verleger mit. Sein bekanntestes Werk ist der Soundtrack zur TV-Serie „Raumpatrouille Orion", dazu kam die musikalische Untermalung von zahlreichen Edgar-Wallace-Filmen. Bekannt war Thomas für seine experimentellen, oft hektisch-nervösen Sounds. Thomas zählte zu den wichtigsten deutschen Filmmusik-Komponisten der 60er- und 70er-Jahre. Von einer neuen Generation Musikern und Fans wurde er im Zuge des Easy-Listening-Revivals in den 90er-Jahren wiederentdeckt.

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