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Kulturnachrichten

Montag, 4. Mai 2020

Pulitzer-Preis für New York Times

Die "New York Times" hat den renommierten Pulitzer-Preis für ihre Russland-Berichterstattung erhalten. Die US-Zeitung habe über eine Reihe packender Geschichten mit großem Risiko berichtet und damit das aggressive Vorgehen von Russlands Präsident Putin enthüllt, so die Jury zur Begründung. Weitere Preise gingen an die "Anchorage Daily News" und die Recherche-Plattform "ProPublica" für ihre Geschichten zu Dörfern ohne ausreichenden Polizeischutz in Alaska. Auch Brian Rosenthal wurde ausgezeichnet, der ebenfalls für die "New York Times" schreibt, für seine Investigativ-Recherche zu Taxifahrern in New York. Die Gewinner der Pulitzer-Preise wurden zum 104. Mal bekanntgegeben. Wegen der Coronakrise war die Veranstaltung zuvor um zwei Wochen verschoben worden. Den Jury-Mitgliedern, zum Teil selbst Journalisten, die derzeit über die Pandemie berichten, sollte so mehr Zeit für ihre Entscheidung gegeben werden.

Hans-Christian-Andersen-Preis 2020 vergeben

Der diesjährige Hans-Christian-Andersen-Preis für Kinder- und Jugendliteratur geht an die US-Autorin Jacqueline Woodson und die Schweizer Illustratorin Albertine Zullo. Das gab die Jury des Board on Books for Young People bekannt. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und gilt als wichtigste internationale Auszeichnung in dieser Literatursparte. Woodsons Bücher wie "Brown Girl Dreaming" seien geprägt von einer lyrischen Sprache, kraftvollen Charakteren und vermittelten ein bleibendes Gefühl der Hoffnung, so die Jury. Die 57-Jährige hatte 2018 bereits den mit 520.000 Euro dotierten Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis bekommen. Albertine Zullo erhielt den Preis für ihr kinderliterarisches Gesamtwerk. Die internationale Jury würdigte die in Genf lebende Illustratorin für "ihre vielschichtigen Bilderbücher, die Spontaneität mit großer Liebe zum Detail und viel Sinn für Humor paaren". Die Preise, die an den für seine Märchen bekannten dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen erinnern, sind nicht dotiert. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten Goldmedaillen.

Kasper-Claridge neue DW-Chefredakteurin

Manuela Kasper-Claridge ist neue Chefredakteurin der Deutschen Welle. Wie der Sender mitteilte, hat die bisherige stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Abteilung Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt die neue Position mit Beginn des Monats Mai übernommen. Ihre Vorgängerin Ines Pohl, die seit März 2017 an der Spitze des deutschen Auslandssenders stand, wechselt im Sommer als Studioleiterin in die USA. Kasper-Claridge kam vor 28 Jahren zur Deutschen Welle und berichtete aus allen Teilen der Welt. Sie entwickelte nach Angaben des Senders preisgekrönte internationale TV- und Multimedia-Formate.

Gropius-Bau in Berlin öffnet wieder

Als eines der ersten wichtigen Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst öffnet der Gropius-Bau in Berlin am 11. Mai wieder seine Türen. Wegen der Coronakrise musste Direktorin Stephanie Rosenthal das Haus seit Mitte März geschlossen halten. Damit wird die Einzelausstellung des US-taiwanesischen Künstlers Lee Mingwei "Li, Geschenke und Rituale" mit Performances und Installationen aus drei Jahrzehnten erstmals zu sehen sein. Die Eröffnung war in der Zeit geplant, als der Gropius-Bau geschlossen bleiben musste. Bis zum 12. Juli werden die Arbeiten nun präsentiert, darunter im riesigen Lichthof des Gebäudes eine monumentale Version von Pablo Picassos "Guernica" in Sand.

Jörg Pfuhl verlässt Holtzbrinck Verlag

Jörg Pfuhl gibt seinen Posten als CEO der Holtzbrinck Buchverlage nach vier Jahren auf eigenen Wunsch Ende Juni auf. Er wolle "nun noch einmal eine andere Herausforderung suchen". Neuer CEO wird Alexander Lorbeer, der seit 2018 die Bereiche Vertrieb, Marketing und Digitales der Holtzbrinck Buchverlage leitet. Zu den Verlagen gehören neben Rowohlt unter anderen auch S. Fischer sowie Kiepenheuer & Witsch.

Gitarre aus Princes "Purple Rain"-Phase wird versteigert

Eine Gitarre aus der "Purple Rain"-Phase von Prince und ein Beatles-Songtext aus der Feder Paul McCartneys sind die Prunkstücke einer Auktion von Rock-Memorabilia in Beverly Hills. Wer bei der Versteigerung am 19. und 20. Juni den Zuschlag erhalten will, wird tief in die Tasche greifen müssen: 100 000 bis 200 000 Dollar erwartet das Auktionshaus Julien's Auctions für die Gitarre und 200 000 bis 300 000 Dollar für McCartneys handgeschriebenen Text von "Maxwell's Silver Hammer". Unter den Hammer - auch online - sollen Sachen aus dem Besitz von Madonna, Michael Jackson, Whitney Houston, Johnny Cash, Jim Morrison, den Rolling Stones, Queen, Lady Gaga und David Bowie kommen.

Houellebecq glaubt nicht an bessere Welt nach der Krise

Für den umstrittenen französischen Bestseller-Autor Michel Houellebecq wird die Welt nach der Corona-Krise keine bessere sein. "Wir werden nach der Eindämmung nicht in einer neuen Welt aufwachen; es wird die gleiche sein, nur ein wenig schlimmer", schrieb er in in einem Brief an den Radiosender France Inter. Der Schriftsteller ("Elementarteilchen", "Unterwerfung") sieht eine Tendenz zur Beschleunigung von Vereinsamung und Entfremdung. Seit einigen Jahren hätten alle technologischen Entwicklungen die Reduzierung materieller und insbesondere menschlicher Kontakte zur Folge. Die Pandemie diene als großartiger Vorwand für diesen folgenschweren Trend.

Ägyptischer Filmemacher im Gefängnis gestorben

Der ägyptische Filmemacher Shady Habash ist im Gefängnis gestorben, er war wegen eines kritischen Videos 2018 inhaftiert worden. Shady Habash wurde 24 Jahre alt. Habash hatte Regie in einem Musikvideo des Sängers Ramy Essam geführt, der im Exil im Schweden lebt. In dem Video wird Ägyptens Staatschef al-Sisi kritisiert. Zur Todesursache von Shady Habash gibt es keine verlässlichen Informationen. Sein Anwalt sagte, der Gesundheitszustand seines Mandanten habe sich zuletzt verschlechtert, er sei auch psychisch instabil gewesen. Das Arabische Netzwerk für Informationen über Menschenrechte twitterte, Habashs Tod sei das Ergebnis von Nachlässigkeit und fehlender Gerechtigkeit. Der Autorenverband PEN America sprach von einem "verheerenden Schlag" für die künstlerische Freiheit.

Museen Schirn und Städel öffnen wieder

In Frankfurt am Main öffnen überregional bedeutsame Museen wie Schirn und Städel nach wochenlangen Schließungen wegen der Corona-Krise nun wieder. Die Schirn Kunsthalle ist ab Mittwoch, das Städel Museum ab Samstag wieder für Besucher geöffnet, wie die Häuser mitteilten. Die Schirn-Ausstellung "Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo", die eigentlich bis 24. Mai gezeigt werden sollte, werde bis 5. Juli verlängert, hieß es. Im Städel Museum sei außer der Sammlungspräsentation die Sonderausstellung "En Passant. Impressionismus in Skulptur" mit der Öffnung des Museums erstmals für das Publikum zu sehen. Die Vorsorgemaßnahmen für den Infektionsschutz umfassen unter anderem eine Besucherbegrenzung durch online erhältliche "Zeitfenstertickets», Abstandsregeln, sowie eine "vermehrte Reinigung neuralgischer Punkte".

Yilmaz Dziewior Kurator für deutschen Pavillon in Venedig

Der Direktor des Museum Ludwig in Köln, Yilmaz Dziewior, wird die künstlerische Gestaltung des deutschen Pavillons für die Kunstbiennale in Venedig im kommenden Jahr betreuen. Der 55 Jahre alte Kunsthistoriker wurde in Berlin von Außenminister Heiko Maas (SPD) zum Kurator berufen. "Yilmaz Dziewior ist ein herausragender Kurator und Museumsexperte", sagte Maas. Mit Themen wie Kunst und Gesellschaft, Kunst und Globalisierung, kulturelle Identität und Prägung stelle er Fragen, die im Zentrum der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik stünden. Dziewior ist seit 2015 Direktor des Museums Ludwig in Köln. Neben der documenta in Kassel gehört die Biennale di Venezia zu den international wichtigsten Präsentationen von Gegenwartskunst.

Neues Buch zum "Kunstfund Gurlitt" erschienen

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat eine neue wissenschaftliche Publikation zum "Kunstfund Gurlitt" herausgegeben. Der Sammelband in der Schriftenreihe "Provenire" bündelt den aktuellen Stand der Forschung und beleuchtet weniger bekannte Aspekte des spektakulären Falls, wie die Stiftung in Magdeburg mitteilte. Im November 2013 war der Fund von rund 1.500 Kunstwerken bei dem Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt publik geworden und machte als angeblicher "Nazi-Schatz" weltweit Schlagzeilen. Die Beiträge des Bandes widmen sich unter anderem Gurlitts Tätigkeit auf dem französischen und niederländischen Kunstmarkt und seinem Netzwerk in der Nachkriegszeit.

Bibelgesellschaft bringt "SlimBibel" heraus

Eine 1,8 Zentimeter dünne "SlimBibel" ist bei der Deutschen Bibelgesellschaft neu erschienen. Sie wende sich an alle, die sich eine kompakte Bibelausgabe in einem handlichen Format wünschten, etwa für Bahn- oder Flugreisen, teilte die Bibelgesellschaft in Stuttgart mit. Das englische Wort "slim" bedeutet "schlank". Die Bibel enthalte das komplette Alte und Neue Testament. Der Bibeltext mit Kapitel- und Versangaben sowie Überschriften sei "platzsparend durchgehend zweispaltig als Fließtext gesetzt". Die 860-seitige Bibel im Format von rund 15 mal 21 Zentimetern kostet 14,90 Euro.

Grütters vergibt Sonderpreis für Programmkinos

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) lobt in diesem Jahr einen einmaligen Sonderpreis für Programmkinos aus. Hierfür stehen insgesamt fünf Millionen Euro für bisherige Preisträger der Kinoprogrammauszeichnung zur Verfügung, wie Grütters in Berlin bekanntgab. "Die Programmkinos, die wir jedes Jahr mit dem Kinoprogrammpreis auszeichnen, zählen zum kulturellen Kern unserer Kinolandschaft", sagte Grütters. Der Kinoprogrammpreis wurde zum ersten Mal im Jahr 1970 vergeben. Der Sonderpreis zum 50. Jubiläum richtet sich an Preisträger, die in den Jahren 2017, 2018, 2019 mindestens einmal einen Kinoprogrammpreis erhalten haben. Der maximale Förderbetrag pro Kino beträgt 50.000 Euro.

"XY"-Moderatorin Sabine Zimmermann ist tot

Die ehemalige "Aktenzeichen XY...ungelöst"-Moderatorin Sabine Zimmermann ist tot. Sie sei am 1. Mai im Alter von 68 Jahren in München gestorben, teilte das ZDF mit. Sabine Zimmermann war viele Jahre in der von ihrem Adoptivvater Eduard Zimmermann erfundenen Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" Komoderatorin. Von 1987 bis 2001 moderierte Sabine Zimmermann die Sendung an der Seite ihres Vaters und später neben Butz Peters. Zudem moderierte sie von 1998 bis zur zwischenzeitlichen Einstellung der Sendung 2001 die Sendung "Vorsicht, Falle!". In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Sabine Zimmermann 2015, in ihrer Familie habe sich niemand der Leidenschaft ihres Vaters für die Verbrecherjagd entziehen können, weil er "ein Tausendprozentiger war".

CNN startet neuen Fernsehsender in Tschechien

Der US-amerikanische Fernsehsender CNN hat sich in Tschechien mit einem lokalen Netzwerk zusammengetan und einen neuen Nachrichtensender lanciert. CNN Prima News, eine Kooperation zwischen CNN und dem tschechischen Netzwerk FTV Prima, startete gestern. Er kombiniert lokale Nachrichten von Prima-Reportern mit internationalen Nachrichten von CNN. CNN hat bereits Kooperationen in anderen Ländern wie Indonesien, Japan, den Philippinen, der Türkei, der Schweiz und Griechenland abgeschlossen.

Renan Demirkan: Altersdiskriminierung wegen Corona

Die Autorin und Schauspielerin Renan Demirkan warnt vor einer existenziellen Bedrohung älterer Künstler in der Corona-Krise. Weil sie aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe zählten, würden über 60-Jährige aus Drehbüchern herausgeschrieben. Bereits besetzte Kollegen erhielten Absagen, schreibt die 64 Jahre alte Demirkan in einem offenen Brief an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), den der "Kölner Stadt-Anzeiger" veröffentlichte. Sie empfinde es als aktive Sterbehilfe, auf das bloße Überleben reduziert zu werden. Demirkan forderte Laschet auf, sich bei den Versicherungen dafür einzusetzen, dass diese Corona als Ausfallgrund anerkennen und damit Produzenten Ausfallkosten ersetzen.

Loveparade-Prozess ist eingestellt

Das Landgericht Duisburg hat den Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 mit 21 Toten eingestellt. Bei den drei zuletzt verbliebenen Angeklagten hatte das Gericht zuvor nur eine geringe Schuld vermutet. Damit endet einer der aufwendigsten Strafprozesse der Nachkriegszeit nach 184 Sitzungstagen ohne Urteil. Es ging um den Tod von 21 jungen Menschen bei der Loveparade in Duisburg im Juli 2010. Sie starben in dem Gedränge auf dem einzigen Zu- und Abgang des Veranstaltungsgeländes. Mehr als 650 Menschen wurden verletzt.

Bericht bestätigt Kindeswohlgefährdung

Zu den Vorwürfen der Kindeswohlgefährdung an der Staatlichen Ballettschule Berlin liegt nun ein Zwischenbericht der Aufklärung vor. Wie der rbb berichtet, bestätigt das Papier eine -so wörtlich- Kultur der Angst, Günstlingswirtschaft und einen problematischen Umgang mit Schülerinnen und Schülern durch herabwürdigende, beleidigende und übergriffige Äußerungen. Außerdem wird in dem Bericht eine Dominanz der Elitenausbildung gegenüber der Allgemeinbildung beklagt. Die Schilderungen legen nahe, dass dies auf Kosten des Kindeswohls geschah. Der Zwischenbericht soll morgen in der Schule vorgestellt und danach auch veröffentlicht werden. Der Abschlussbericht ist für den Herbst angekündigt. An der Schule werden Studierende aus aller Welt ausgebildet.

Algerischer Sänger Idir gestorben

Der algerische Sänger Idir ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Er machte sich vor allem als Botschafter der Musik aus der Kabylei einen Namen. Sein größter Erfolg war das Chanson „Vava Inouva", das in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde und zu den wenigen algerischen Titeln gehört, die über die Grenzen des Maghreb hinaus Beachtung fanden. Zeitlebens setzte sich Idir für die Belange der Berber und ihre kulturelle Identität ein.

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Fazit

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