Sonntag, 08.12.2019
 

Kulturnachrichten

Donnerstag, 11. Mai 2017

Kritiker Joachim Kaiser gestorben

Der langjährige Feuilleton-Chef der SZ wurde 88 Jahre alt

"Es ist mir eigentlich egal, wer unter mir Feuilleton-Chef ist." Das soll Joachim Kaiser gesagt haben, nachdem er eben jenes Amt 1977 bei der "Süddeutschen Zeitung" aufgegeben hatte. Im Nachruf der SZ heißt es: "Seine Rolle in der Zeitung behielt er", der "jahrzehntelang der wohl einflussreichste deutsche Musikkritiker" war. 1928 in Ostpreußen geboren, studierte Joachim Kaiser Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie, unter anderem bei Theodor W. Adorno. 1951 begann Kaisers journalistische Karriere bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 1959 kam er in die Kulturredaktion der SZ und wurde neben seinem Freund Marcel Reich-Ranicki zum "Kritikerpapst". Kultur als Luxus zu betrachten, nannte er "leichtsinnig". Seine Lebenserinnerungen tragen den Titel "Ich bin der letzte Mohikaner".

Kölner U-Bahn-Bau Grund für Einsturz des Stadtarchivs

Das entsprechende Gutachten liegt der Staatsanwaltschaft vor

Es war der 3. März 2009, als das Stadtarchiv von Köln im Schlammwasser verschwand und zwei Menschen starben. Was seit damals vermutet wird, hat sich nun bestätigt: Eine Fehlstelle in einer unterirdischen Schlitzwand beim Bau der U-Bahn hat zum Einsturz geführt. Ob auf der Grundlage des nun vorliegenden Gutachtens Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer in Köln. Seinen Angaben zufolge drängt die Zeit, denn zehn Jahre nach dem Unglück verjährt das Unglück - obwohl die Staatsanwaltschaft zur Sicherheit 100 Beschuldigte nannte, um der eigentlich schon nach fünf Jahren einsetzenden Verjährung
vorzubeugen.

Volker Ludwig geht in Rente

Der Gründer des GRIPS-Theaters wird am 13. Juni 80 Jahre alt

Volker Ludwig gibt an seinem anstehenden runden Geburtstag die Leitung des legendären Berliner Kinder- und Jugendtheaters ab. Nach 48 Jahren wird der künstlerische Leiter Philipp Harpain die Gesamtleitung des Hauses übernehmen. Der derzeitige Projektmanager Andreas Joppich übernimmt die Geschäftsführung. Ludwig ist Pionier in seiner Sparte: 1969 wurde das sozialkritische Stück "Stokkerlok und Millipilli" uraufgeführt. Damals hieß es noch "Theater für Kinder im Reichskabarett". Das Musical "Linie 1" des GRIPS-Theaters wird seit 1986 in aller Welt nachgespielt. Vier Tage nach Ludwigs 80. Geburtstag wird sein Ehrentag mit einer Neubearbeitung von "Eine linke Geschichte" gefeiert.

Staatstheater Hannover bekommt zwei Chefinnen

Der Aufsichtsrat der GmbH hat seine Entscheidungen gefällt

Sonja Anders wird mit der Spielzeit 2019/20 Intendantin des Schauspiels in Hannover. Laura Berman übernimmt diese Position für die Oper. Für fünf Spielzeiten wurden sie auch als Geschäftsführerinnen bestellt. Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić begrüßte die Entscheidung für die beiden "außerordentlich innovative und hervorragend vernetzten" Frauen. Sonja Anders ist derzeit Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Deutschen Theater in Berlin, die US-Amerikanerin Laura Berman Operndirektorin in Basel. Das niedersächsische Kulturministerium hatte die Verträge von Lars-Ole Walburg und Michael Klügl nicht über die Spielzeit 2018/2019 hinaus verlängert.

Deutschlands erster Beitrag zum Immateriellen Kulturerbe

Unesco-Urkunde für die Genossenschaftsidee

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, hat sie überreicht: Damit ist die erste Eintragung Deutschlands in die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes offiziell: Die genossenschaftliche Selbsthilfe, im 19. Jahrhundert von Friedrich Wilhelm Raifeisen entwickelt. Böhmer sagte zur Idee, die angesichts der Not der Landbevölkerung entstanden war: "Rund 800 Millionen Menschen in über 100 Ländern sind genossenschaftlich organisiert und setzen sich so für die nachhaltige Entwicklung ihrer Regionen ein." Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen und Kulturformen. Über die nächste deutsche Nominierung "Orgelbau und Orgelmusik" soll laut Unesco im Dezember 2017 entschieden werden.

Pippi Langstrumpfs Papagei wird 50 Jahre alt

Der Ara spielte in der Verfilmung von 1970

Er ist ein Männchen und hört auf den Namen Douglas. Bekannt aber wurde der hellrote Papagei als Rosalinde in "Pippi in Taka-Tuka-Land". Weil der Zoo in seiner schwedischen Heimat Malmö keinen Platz mehr hatte, zog der alte Herr mit seiner Gattin Gojan nach Deutschland. Seit vergangenem Jahr wohnt er im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe. Sein Geburtstag soll nach Angaben des Zoos am 20. Mai gefeiert werden. Gojan ist inzwischen gestorben, Douglas ist neu liiert.

Bewährungsstrafe für Pokemon-Spieler in russischer Kirche

Tatbestand war die Verletzung religiöser Gefühle

Der russische Blogger Ruslan Sokolowski hatte im August 2016 einen Videoclip auf YouTube veröffentlicht, der zeigt, wie er in einer Kirche Pokemon-Go spielt. Nach mehreren Monaten in Untersuchungshaft ist er dafür zu einer Bewährungsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Damit entsprach das Gericht in Jekaterinburg der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte Sokolowski abfällige Äußerungen vorgeworfen, mit denen er Gläubige verletzt habe. Die Kathedrale steht an der Stelle, an der 1918 die Zarenfamilie hingerichtet wurde.

Bayerischer Staatspreis für Gerhaher und Wecker

Die Auszeichnungen werden am Montag verliehen

Der eine ist ein "weltweit führender Liedinterpret", der andere hat eine "unverkennbare Handschrift": Opernsänger Christian Gerhaher und Liedermacher Konstantin Wecker erhalten den Bayerischen Staatspreis für Musik. Kunstminister Ludwig Spaenle wird die Auszeichnungen im Münchner Cuvilliéstheater verleihen, teilte das Ministerium mit. Gewürdigt wird auch die Violinistin Carolin Widmann.

Klassikmusiker spielen in Berlin für Europas Einheit

Rund 400 Musiker engagieren sich bei "Musicians4unitedeurope"

Am kommenden Sonntag wollen Musiker in Berlin mit einem Konzert ein Zeichen für Demokratie, die Einheit Europas und mehr Solidarität setzen. Im Berliner Radialsystem werden Klassikmusiker spielen, die sich dem pro-europäischen Manifest der Bewegung "Musicians4unitedeurope" angeschlossen haben und mit dem Konzert auch zu mehr Solidarität aufrufen wollen. "Musicians4unitedeurope" unterstützen mittlerweile 400 Berufsmusiker, u.a. Mitglieder der Berliner Phliharmoniker und auch prominente Dirigenten, wie Paavo Järvi und Alan Gilbert. Der Konzertmeister der Berliner Philharmoniker Daishin Kasimoto wird am Sonntag auftreten, ebenso die Pianisten Alice Sara Ott, Pierre-Laurent Aimard und Francesco Piemontesi.

Wanka enttäuscht über fehlende diskursive Kraft der Hochschulen

Die Bundesforschungsministerin vermisst die Strahlkraft

Künstliche Intelligenz birgt für die Christdemokratin Johanna Wanka Risiken. Ein "Wahn", der "Zwang zur Selbstoptimierung", gegen den etwas unternommen werden müsse, sagte sie der "Welt". Der beste Oret entsprechende ethische Fragen zu diskutieren, seien die Hochschulen. Da sei sie allerdings "enttäuscht", dass die nicht ausreichend in die Gesellschaft ausstrahlen." Stefan Gosepath, Professor für Praktische Philosophie an der Freien Universität Berlin, wies im Deutschlandfunk Kultur auf die "Menge von kompetenten Beiträgen zu den offenen Fragen der Künstlichen Intelligenz" hin. Gleichzeitig räumte er ein, dass es seinem Fach offensichtlich noch nicht gelungen sei, das "ausreichend in die Öffentlichkeit zu geben."

Thielemann soll Chef der Staatskapelle Dresden bleiben

Orchester votiert für Vertragsverlängerung

Die Staatskapelle Dresden hat sich für eine weitere Zusammenarbeit mit Chefdirigent Christian Thielemann entschieden. Die Musiker votierten mit einer großen Mehrheit für eine Vertragsverlängerung des 58-Jährigen, wie das Orchester mitteilte. Thielemann ist seit der Spielzeit 2012/2013 in Dresden der Chef und hat noch einen Vertrag bis 2019. Details des neuen Kontrakts sollen bis Ende Juni mit dem Kunstministerium verhandelt werden. Das Votum des Orchesters war die Voraussetzung. Thielemann hatte stets betont, wie wohl er sich bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden fühle.

Schauspieler Michael Parks ist tot

Darsteller arbeitete oft mit Regisseur Tarantino

Der amerikanische Schauspieler Michael Parks ist tot. Nach Angaben seiner Agentin starb er am Dienstag in Los Angeles. Er wurde 77 Jahre alt. In David Lynchs Kultserie "Twin Peaks" mimte er den Drogendealer Jean Renault. Die Regisseure Robert Rodriguez und Quentin Tarantino holten ihn für "From Dusk Till Dawn", "Kill Bill", "Grindhouse" und "Django Unchained" vor die Kamera. Zuletzt war er an der Seite von Mel Gibson in dem französischen Thriller "Blood Father" (2016) zu sehen.

Re:publica verzeichnet Besucher-Rekord

Konferenz zur digitalen Gesellschaft mit positiver Bilanz

Nach Abschluss der Re:publica sind die Veranstalter zufrieden mit der diesjährigen Veranstaltung: Mehr als 9000 Netzaktivisten, Blogger, Journalisten, Wissenschaftler, Politiker, Künstler und sonstige Interessierte wurden bei der elften Ausgabe der Internetkonferenz gezählt. Für re:publica-Mitveranstalter Markus Beckedahl war die dreitägige Veranstaltung, die diesmal unter dem Motto "Love out Loud" stand, auch inhaltlich erfolgreich. "Wir sind ganz glücklich, vor der ganzen Debatte um Hate Speech oder Fake News unser Motto ausgerufen zu haben", sagte er. "Damit haben wir den Zeitgeist getroffen." Die Appelle, sich gegen Hass im Netz stark zu machen und sic stärker zu solidarisieren, seien angekommen.

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