Dienstag, 27.10.2020
 

Kulturnachrichten

Dienstag, 27. Oktober 2020

Dt. Schifffahrtsmuseum untersucht auch NS-Raubkunst in HH

Die Provenienzforscher am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven weiten ihre Arbeit zum Verbleib von NS-Raubgut aus. Die nach jahrelanger Arbeit erstellte Datenbank jüdischer Emigranten aus Bremen soll künftig auch Hamburg einschließen. Das wissenschaftliche Projekt will die Wege des Übersiedlungsgutes vom ursprünglichen Eigentümer bis hin zu den neuen Besitzern detailliert nachzeichnen, um verschollenen Besitz wieder zu finden. Die Gestapo hat das Übersiedlungsgut von jüdischen Emigranten beschlagnahmt und dann weiterverkauft. Das sei gut dokumentiert, sagte Projektleiterin Kathrin Kleibl.

"Keinohrhasen"-Drehbuchautorin gewinnt 1. Instanz

Wieviel Geld Til Schweigers Kinofilme "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" eingebracht haben: Das zu erfahren steht der Drehbuchautorin Anika Decker zu. Dieses Urteil sprach das Landgericht Berlin. Die Produktionsfirma und Rechteinhaberin der Filme sowie ein Medienkonzern seien mit Blick auf die Verwertungserträge dieser Filme verpflichtet, ihre Erträge auch durch DVD, Pay-TV und Streamingdienste offenzulegen. Hintergrund der Klage ist der sogenannte "Fairnessparagraf" im Urheberrecht. Er sieht eine Nachvergütung vor, wenn die ursprünglich vereinbarte Honorierung und die später erzielten Erträge in auffälligem Missverhältnis stehen. 2008 war "Keinohrhasen" der erfolgreichste deutsche Kinofilm. Laut Zivilkammer 15 des Landgerichts sei es unerheblich, ob die Klägerin Alleinautorin der Drehbücher oder lediglich Mitautorin gewesen sei.

Papst Franziskus sagt traditionelle Christmette ab

Wegen der Corona-Pandemie hat Papst Franziskus die traditionelle Christmette abgesagt. Das geht aus einer Verbalnote hervor, die vom vatikanischen Staatssekretariat an die Botschafter beim Heiligen Stuhl versandt wurde. Inwieweit überhaupt Gläubige an dem Gottesdienst zu Heiligabend teilnehmen könnten, war vom Büro für die päpstlichen Zeremonien und beim vatikanischen Presseamt zunächst nicht zu erfahren. Üblicherweise hält der Papst am ersten Weihnachtstag eine Ansprache und spendet den Segen "Urbi et Orbi". Diesen hatte er bereits Ostern im leeren Petersdom erteilt und die sonst von Zehntausenden besuchten Gottesdienste nur mit wenigen Geistlichen, Ordensfrauen und Vatikanmitarbeitern gefeiert.

Musikrat warnt vor erneutem kulturellen Lockdown

Morgen wird Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Chefs der Bundesländer beraten, ob ihnen härtere Corona-Maßnahmen zweckdienlich erscheinen. Der Deutsche Musikrat appelliert, Augenmaß zu halten und mit bewährten Hygienekonzepten das Kulturleben aufrecht zu erhalten. Generalsekretär
Höppner verweist auf das Robert-Koch-Institut, das die neuen Infektionszahlen vor allem mit dem privaten Raum in Zusammenhang setzt. Konzerthäuser und Theater hätten sich dagegen "als vergleichsweise sichere Räume erwiesen". Das nicht-virtuelle soziale Miteinander sei unverzichtbar, so Höppner: "Das stumpfe Schwert undifferenzierter Schutzmaßnahmen, wie es derzeit in Bayern zum Einsatz kommt, entspricht nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand und schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt gravierend.“

Jüdisches Museum Berlin ehrt Igor Levit

Den Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin erhält in diesem Jahr der Pianist und Aktivist Igor Levit. Kurz nachdem der 33-Jährige von einem Musikkritiker der "Süddeutschen Zeitung" angefeindet worden war, bezeichnet das Museum Levit als eine der wichtigsten Stimmen seiner Generation. Bei seinen Stellungnahmen lasse er sich nicht beirren und positioniere sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit. Außerdem wird mit dem Preis die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright ausgezeichnet.

Neue Führungsköpfe der Biennale von Venedig

Die Biennale von Venedig hat sich teilweise neu aufgestellt: Die römische Komponistin Lucia Ronchetti wurde zur Direktorin der Musikabteilung ernannt. Der britische Choreograph Wayne McGregor wird ab kommendem Jahr die Tanzabteilung leiten. Die Autoren und Regisseure Stefano Ricci und Gianni Forte stehen vier Jahre dem Theater vor. Im Amt bestätigt wurde Alberto Barbera als Direktor der Abteilung Kino. Für die Internationale Architekturausstellung im kommenden Jahres bleibt der Spitzenposten bei Hashim Sarkis. Die Internationale Kunstausstellung im Frühling 2022 wird Cecilia Alemani leiten.

kadawittfeldarchitektur erweitert die Komische Oper Berlin

63 Entwürfe wurden eingereicht, um einen Neubau für die denkmalgeschützte Komische Oper in Berlin zu errichten. Den Wettbewerb hat das Aachener Architekturbüro kadawittfeldarchitektur gewonnen. Das Team um Kilian Kada wird sich um neue Probebühnen, Büros, Technikräume und Gastronomie kümmern. Mit einer großen Glasfassade über mehrere Geschosse soll laut Bausenatorin Lüscher ein sowohl funktionaler als auch repräsentativer Ort Unter den Linden entstehen. Das Bauprojekt ist auf 227 Millionen Euro veranschlagt worden. Baubeginn soll 2023 sein.

Eltern fehlt es an Zeit und Bereitschaft zum Vorlesen

Eltern fehlte es im vergangenen Jahr wieder häufig an Zeit und Bereitschaft zum Vorlesen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Vorlesestudie der Stiftung Lesen, für die rund 500 Eltern von Kindern zwischen ein und sechs Jahren befragt wurden. Dass ein Drittel der Mütter und Väter selten oder nie vorlesen, sei eine seit Jahren konstante Zahl, heißt es. Knapp die Hälfte davon gab an, aus Überlastung oder Erschöpfung zu wenig zum Vorlesen zu kommen. Der andere Teil glaubte, ihren Kindern würde anderswo genug vorgelesen. Fast 70 Prozent gaben an, ihre Kinder besäßen höchstens zehn Bücher.

München berät über Zukunft der bayerischen Bühnen

Im Corona-Krisenstab in München geht es heute um die Zukunft der Bühnen in Bayern. Beraten wird über die Anträge auf außerordentliche Genehmigungen, die mehr als fünfzig Menschen in den Sälen zulassen. Die Häuser argumentieren, dass mit einem zweimonatigen Praxistest belegt werden konnte, dass es bei Einhaltung der einer Infektionsgefahr vorbeugenden Maßnahmen sehr gut möglich ist, vor 500 oder sogar noch mehr Besuchern zu spielen. Der Test sei von klinischen Ärzten und Wissenschaftlern der Technischen Universität durchgeführt worden. Man bitte um "eine rasche und positive Entscheidung". Am Mittwoch hatte die Landesregierung entschieden, dass nur noch zwischen 50 und 200 Menschen an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen dürfen.

Dt. Museumsbund fürchtet Einsparungen

Die öffentlichen Haushalte dürften nicht versuchen, die Schulden nach der Corona-Krise zulasten der Museen abzubauen. Dafür hat sich der Präsident des Deutschen Museumsbundes und Leiter des Badischen Landesmuseums, Eckart Köhne, ausgesprochen. Zwar redeten alle davon, dass Kultur und Bildung eine Gesellschaft zusammenhalten. Aber diese Bekenntnisse mündeten nicht in konkrete Finanzentscheidungen, so der Chef des Museumsbundes. Er fürchtet vielmehr, dass die Politik die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie über einen Sparkurs zu kompensieren versuche, der die Museen in Existenznot bringen wird. Deshalb müssten die Häuser ihre Aufklärungsarbeit verstärken und noch bürgernäher werden. Museen seien Archive für Kulturgüter.

"Stuttgart 21" ist zu Kunst geworden

"Stuttgart 21" ist zu Kunst geworden. Als riesige Skulptur des Künstlers Peter Lenk. Es trägt den Titel "S 21. Das Denkmal - Chroniken einer grotesken Entgleisung" und steht vor dem Stuttgarter Stadt-Palais. Es ist neun Meter hoch, zehn Tonnen schwer und stellt über 150 Menschen dar, die mit dem umstrittenen Projekt der Deutschen Bahn beschäftigen waren. Herzstück des Satire-Kunstwerks ist eine Figur, die an Laokoon aus der griechischen Mythologie angelehnt ist und die Züge des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) trägt. Das Kunstwerk wurde aus privaten Spenden finanziert und ist vorerst bis März kommenden Jahres zu sehen.

Be van Vark wird Gastprofessorin in Leipzig

Die Choreografin und Tanzpädagogin Be van Vark übernimmt im kommenden Wintersemester die Bertolt Brecht Gastprofessur der Universität Leipzig. Die 55-Jährige gilt als eine der Einflußreichsten und Innovativsten ihrer Branche. Ihre Tanzprojekte werden in unterschiedlichsten sozialen Kontexten umgesetzt. Für die Arbeit ihres Vereins "Tänzer ohne Grenzen" ist Be van Vark mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Die Bertolt Brecht Gastprofessur will den nachhaltigen Theorie-Praxis Transfer zwischen Wissenschaften und Künsten fördern. Die erste Professur hatte 2017 Regisseur Peter Konwitschny inne.

Deutsche Menschenrechts-Filmpreisträger gewählt

365 Produktionen wurden in diesem Jahr eingereicht. Nun stehen die Gewinner des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises fest. In der Kategorie Langfilm wird am 5. Dezember der syrisch-britische Dokumentarfilm "Für Sama" ausgezeichnet. Gleich zwei Preise gibt es für die Satire "Masel Tov Cocktail". Als bester Kurzfilm wurde "Ab18! - Die Tochter von ..." ausgewählt. In diesem Jahr thematisierten die Einreichungen vor allem Krieg, Flucht, Rassismus, Antisemitismus und Geschlechterdiskriminierung, teilten die Veranstalter mit. Der Preis wird unter anderem von Amnesty International, der Deutschen Unesco-Kommission und dem katholischen Missionswerk Missio vergeben.

Welttag des audiovisuellen Erbes mit Deutschlandradio-Archivmaterial

Aus Anlass des heutigen Unesco-Welttages des Audiovisuellen Erbes öffnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland seine Archive. Das Deutsche Rundfunkarchiv, die ARD und das Deutschlandradio machen zeitgeschichtlich relevantes Material online frei zugänglich. Es ist zeitlich unbegrenzt in den Mediatheken zu finden. Aus rechtlichen Gründen derzeit allerdings nur mit Produktionen vor 1966. Das Archiv des Deutschlandradios reicht zurück bis ins Jahr 1946.

Direktor des Hay-Literaturfests suspendiert

Es gilt als eines der größten Literaturfeste der Welt: Das 1988 in Wales gegründete Hay-Festival. Jetzt wurde bestätigt, dass Mitbegründer und Direktor Peter Florence sein Amt ruhen lässt. Zu den Gründen zählt offensichtlich auch Kritik einer Mitarbeiterin am Königshaus von Abu Dhabi. Geschäftsführende Nachfolger von Florence, der im vergangenen Jahr Vorsitzender der Jury des Man Booker Preises war, sind Tania Hudson und Cristina Fuentes La Roche. Die Vorsitzende des Hay-Festivals, Caroline Michel, sagte laut BBC, ein Beschwerdeverfahren verzögere sich wegen der Krankschreibung von Peter Florence. Das Festival sei aber in guten Händen.

Diebe stehlen tausend Jahre alte Reliquien

Unbekannte haben in Regensburg die über eintausend Jahre alten sterblichen Überreste des heiligen Wolfgang gestohlen - eines bedeutenden mittelalterlichen Kirchenfürsten. Der ideelle Schaden sei unermesslich, erklärte die Gemeinde auf ihrer Website. Am kommenden Samstag sollte ein Fest zu Ehren des Heiligen stattfinden. Der im Jahr 994 gestorbene Wolfgang war der erste Bischof von Regensburg. Bekannt war er unter anderem als Erzieher des späteren Kaisers Heinrich II. Wie bei mittelalterlichen Reliquien üblich, wurden Teile des Leichnams an verschiedenen Stellen beigesetzt. So gibt es heute in Regensburg zwei Wolfgangsgräber: Der größere Teil der Reliquien wird in der Emmerams-Basilika aufbewahrt, der kleinere Teil in der St. Wolfgangs-Kirche, die nun von den Dieben heimgesucht wurde. Weitere Reliquien befinden sich in dem nach dem Bischof benannten Ort St. Wolfgang am Wolfgangsee im österreichischen Salzkammergut und in Portugal.

Filmfestival DOK Leipzig eröffnet

Mit einer Online-Veranstaltung ohne Publikum ist am Montag das 63. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig eröffnet worden. Wegen der Corona-Pandemie sind die Plätze in den Kinos begrenzt, alle 150 Filme sind zusätzlich online abrufbar. Festivalleiter Christoph Terhechte kündigte an, die Gewinne aus dem Online-Ticketverkauf an die Filmschaffenden weiterzugeben. Ein klassischer Eröffnungsfilm wurde nicht gezeigt, das Programm startet mit Filmen aus dem Internationalen Wettbewerb. Pandemiebedingt wird das diesjährige DOK Leipzig in hybrider Form ausgerichtet. Die Zahl der Filme wurde auf 150 mehr als halbiert, Gäste aus der Branche wurden nicht eingeladen, viele Filmgespräche ins Digitale verlegt. Das Filmfest dauert bis zum 1. November.

Dirigent Muti gegen Schließung von Konzerthallen

Der Dirigent Riccardo Muti hat an die italienische Regierung appelliert, ihre Entscheidung zur Schließung von Theatern, Kinos und Konzerthallen wegen der Corona-Pandemie zu überdenken. In einem am Montag in der Zeitung "Corriere della Sera" veröffentlichten Brief an Regierungschef Conte schrieb der 79-jährige Italiener, die Gesellschaft brauche "geistige Nahrung" von Musik und Theater, sonst werde sie "hässlich". Seit Montag sind solche Veranstaltungsorte geschlossen - die Maßnahme wurde von Conte als Maßnahme zur Eindämmung der Coronavirus-Ausbreitung begründet. Muti betonte, dass Musik- und Theateraufführungen nicht "überflüssig" seien, wie es Regierungsmitglieder gesagt hätten. Eine solche Behauptung bedeute "Ignoranz, Mangel an Kultur und mangelnde Sensibilität". Ein paralleler Online-Aufruf von Theaterschaffenden und Schriftstellern gegen die Schließung von Kinos und Theatern zählte mehr als 79.000 Unterzeichner.

Beuys-Kunstwerk wieder in Oberhausen aufgetaucht

Das verschwundene Beuys-Kunstwerk "Capri-Batterie" ist wieder da. Das Theater Oberhausen und die Polizei bestätigten dem Besitzer, dass das Werk in einem Lagerraum entdeckt worden sei. Zuvor hatte die Künstlergruppe "Frankfurter Hauptschule" per Mail darauf hingewiesen, dass das Werk von Joseph Beuys (1921-1986) nicht, wie in der vergangenen Woche behauptet, nach Afrika gebracht worden sei. Das Werk war als Leihgabe des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster Teil einer Ausstellung. Es sei legitim, auf Probleme wie Raubkunst im Kolonialismus hinzuweisen, aber diese Art dürfe nicht Schule machen, sagte Museumsleiter Hermann Arnold. Das Vertrauen in das Theater Oberhausen sei nachhaltig gestört. Vergangene Woche hatte sich die Künstlergruppe zu dem Diebstahl bekannt. Das Theater Oberhausen hatte den Verlust zunächst nicht bemerkt, später Anzeige bei der Polizei erstattet und einen inszenierten Diebstahl vermutet.

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