Samstag, 24.10.2020
 

Kulturnachrichten

Mittwoch, 11. März 2020

Rassismus-Vorwürfe: Naidoo muss DSDS-Jury verlassen

Der Sänger Xavier Naidoo ist nicht mehr Jury-Mitglied in der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar". Das bestätigte ein Sprecher des Fernsehsenders der Deutschen Presse-Agentur. Erst am Nachmittag hatte Naidoo Rassismus-Vorwürfe gegen sich vehement zurückgewiesen. Er reagierte damit auf eine Debatte um ein Video, in dem zu sehen ist, wie er ein Lied mit umstrittenen Textzeilen singt. Naidoo schrieb auf Facebook, seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. In den Kommentarspalten zu dem Video hatten zahlreiche Nutzer dem Sänger Rassismus vorgeworfen. Wer das Video wann ins Netz stellte, ist unklar.

Grütters sagt Kulturszene Unterstützung zu

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will Künstler und Kultureinrichtungen bei den Folgen des Coronavirus unterstützen. Man müsse auf unverschuldete Härten und Notlagen reagieren und sie ausgleichen, sagte sie in Berlin. Absagen von Kulturveranstaltungen und spürbarer Besucherrückgang könnten gerade kleinere Einrichtungen und freie Künstlerinnen und Künstler in erhebliche Bedrängnis bringen. Die Kulturlandschaft sei durch Ausfälle schwer gebeutelt. Bundesgeförderte Kultureinrichtungen sollten sich an den Hinweisen des Robert-Koch-Instituts orientieren, so Grütters. Danach seien größere Veranstaltungen abzusagen, besonders solche, die in beengten Räumlichkeiten stattfänden. Bei kleineren Veranstaltungen müsse im Einzelfall geprüft werden, ob eine Durchführung verantwortbar sei. Und Monika Grütters sagte wörtlich: "Wir erkennen in dieser Situation aber auch: Kultur ist nicht ein Luxus, den man sich in guten Zeiten gönnt, sondern wir sehen jetzt, wie sehr sie uns fehlt, wenn wir für eine gewisse Zeit auf sie verzichten müssen".

Grimme-Preisverleihung fällt wegen Corona aus

Die Verleihung der Grimme-Fernsehpreise fällt in diesem Jahr wegen des Coronavirus aus. Es sei derzeit unklar, ob der Festakt zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden werde, teilte das Grimme-Institut mit. Die Verantwortlichen denken demnach auch über eine alternative Form der Würdigung für die 58 Preisträger nach. Sie hätten am 27. März ausgezeichnet werden sollen. Der Grimme-Preis wird seit 1964 im westfälischen Marl verliehen. Benannt ist er nach dem sozialdemokratischen Kulturpolitiker Adolf Grimme.

Harvey Weinstein zu 23 Jahren Haft verurteilt

Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ist wegen Sexualverbrechen zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Richter James Burke verkündete das Strafmaß in New York, rund zwei Wochen nachdem eine Jury Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung schuldig gesprochen hatte. Die Höchststrafe wären 29 Jahre Haft gewesen. Weinstein war in einem Rollstuhl vor Gericht erschienen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld noch einmal ausdrücklich eine harte Strafe gefordert. Der 67-Jährige habe jahrzehntelang Frauen missbraucht und zeige bislang keine Reue. Die Verteidigung hat bereits Berufung angekündigt.

Katholischer Jugendbuchpreis für Susan Kreller

Die Autorin Susan Kreller erhält in diesem Jahr den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 für ihr Buch "Elektrische Fische". An den Romanfiguren zeige sich, "wie unterschiedliche Menschen den Begriff Heimat für sich definieren und mit dem Verlust des Zuhauses umgehen", erklärte der Jury-Vorsitzende, der Trierer Weihbischof Robert Brahm, in Bonn. Die Jury empfiehlt das Buch für Jugendliche ab 13 Jahren. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. In "Elektrische Fische" erzählt Kreller die Geschichte von Emma, die mit ihrer Familie das vertraute Dublin verlassen muss und zu ihren deutschen Großeltern in ein kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern zieht, sich dort aber fremd frühlt. Susan Kreller wurde 1977 im sächsischen Plauen geboren. Sie lebt mit ihrer Familie in Bielefeld und arbeitet als freie Journalistin und Autorin.

Kehlmann plädiert für Woody-Allen-Buch bei Rowohlt

Der Schriftsteller Daniel Kehlmann hat sich für die Veröffentlichung der Memoiren von Woody Allen im Rowohlt Verlag ausgesprochen. "Sollte ausgerechnet das Buch des bedeutendsten jüdischen Filmregisseurs der Nachkriegszeit hierzulande untersagt werden?", schrieb Kehlmann in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung "Die Zeit". Namhafte Rowohlt-Autoren hatten das Hamburger Haus zuvor aufgefordert, auf die Veröffentlichung zu verzichten. Kehlmann, der ebenfalls bei Rowohlt verlegt wird, kritisierte den Protest: Es gebe "ein genuines öffentliches Interesse", diese Memoiren lesen zu können. Gegen Woody Allen liegen seit Jahrzehnten Missbrauchsvorwürfe vor. Der US-Verlag Hachette hatte am vergangenen Wochenende auf die Proteste von Mitarbeitern und der Familie Allens reagiert und das Buch des Filmemachers aus seinem Programm entfernt.

Berliner Staatsoper überträgt "Carmen" im Internet

Die Staatsoper Unter den Linden weicht nach der Schließung aller großen Aufführungsstätten in Berlin teilweise auf das Internet aus. Die Vorstellung der Oper "Carmen" mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim werde am Donnerstag vor leeren Rängen aufgeführt und über die Internet-Plattformen der Staatsoper und des Rundfunks Berlin-Brandenburg kostenlos gestreamt, kündigte Intendant Matthias Schulz an. Auch im RBB-Hörfunk soll die Vorstellung ausgestrahlt werden. Für die Premiere der Mozart-Oper "Idomeneo" am 22. März mit dem Dirigenten Sir Simon Rattle ist eine ähnliche Lösung vorgesehen. Die Berliner Philharmoniker wollen ebenfalls Konzerte über das Netz streamen.

Filmakademie gibt Filmpreis-Nominierungen bekannt

Mit elf Nominierungen geht die Literaturverfilmung "Berlin Alexanderplatz" als Favorit ins Rennen um den Deutschen Filmpreis. Das Drama von Burhan Qurbani ist unter anderem als bester Spielfilm sowie für Regie und Drehbuch nominiert, teilte die Deutsche Filmakademie in Berlin mit. Auf neun Nominierungen kommt das Drama "Systemsprenger" über ein zu Gewalt neigendes Mädchen. Der Film ist auch als bester Spielfilm vorgeschlagen - so wie das Drama "Es gilt das gesprochene Wort», der Musikfilm "Lindenberg! Mach dein Ding" und die beiden Filme "Undine" und "Lara". Die Verleihung ist für den 24. April in Berlin geplant.

Polen schließt alle Bildungs- und Kultureinrichtungen

Als Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus schließt Polen für zwei Wochen alle Kindergärten, Schulen und Universitäten. Das gelte auch für Museen, Kinos und Theater, sagte Ministerpräsident Morawiecki in Warschau. Bis Freitag blieben Grundschulen und Kindergärten noch geöffnet, damit die Eltern das Familienleben organisieren könnten. Gesundheitsminister Szumowski appellierte an die Eltern, die Kinder während der schulfreien Zeit in Quarantäne zu halten. Nach Regierungs-Angaben sind in Polen 25 Menschen mit dem Virus infiziert.

Kulturrat für Absagen privater Großveranstaltungen

Nach der Schließung der staatlichen Theater und Opernhäuser in Berlin zur Eindämmung des Coronavirus fordert der Deutsche Kulturrat, auch private Großveranstaltungen abzusagen. Die Entscheidung von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sei richtig und verantwortungsvoll, sagte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Er erwarte, dass das früher oder später auch für private Veranstaltungen gelte. Außerdem fordere er einen Notfallfonds. Gerade freiberufliche Künstler seien jetzt auf finanzielle Hilfe angewiesen, sagte Zimmermann. Die großen Berliner Theater, Opernhäuser und Konzertsäle bleiben vorerst bis zum 19. April geschlossen. Kleinere Häuser und Säle mit bis zu 500 Plätzen können zunächst noch selbst entscheiden, ob Veranstaltungen stattfinden.

Strafmaß-Verkündung im Weinstein-Prozess

Nach dem Schuldspruch gegen den früheren Hollywood-Produzenten Weinstein wegen Sexualverbrechen wollen die Richter am Mittwoch das Strafmaß verkünden. Dem 67-Jährigen drohen bis zu 29 Jahre Haft. Eine Jury hatte Weinstein Ende Februar wegen Vergewaltigung und Nötigung schuldig gesprochen. Er befindet sich derzeit in einem New Yorker Gefängnis. Die Verteidigung hat bereits Rechtsmittel gegen das Urteil angekündigt.

Studie zu musikalischer Bildung an Grundschulen

Viele Schulkinder haben keine hinreichende Chance auf musikalische Bildung in der Grundschule. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die sie gemeinsam mit dem Deutschen Musikrat und der Konferenz der Landesmusikräte in Auftrag gegeben hat. Als Gründe nennt die Untersuchung, dass Musik zu selten unterrichtet wird und zu oft von nicht dafür ausgebildeten Lehrkräften. Schon jetzt würden 23.000 Musiklehrer an den Grundschulen fehlen.

Patricia Nickel-Dönicke geht ans Staatstheater Kassel

Patricia Nickel-Dönicke wird mit dem Intendantenwechsel zur Spielzeit 2021/22 neue Schauspieldirektorin und Chefdramaturgin der Schauspielsparte des Staatstheaters Kassel. Wie der designierte Intendant, Florian Lutz, mitteilte, stehe die Potsdamerin für ein starkes, innovatives und gut vernetztes Theater, das klassische Stoffe mit zeitgenössischen Themen über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen vereine. Die intensive Auseinandersetzung mit der Stadt und der Region Kassel werde im Zentrum der Arbeit der neuen Direktorin stehen, sagte Lutz. Politisch relevante Themen, die Nähe zum Publikum, die Autorenförderung und Gegenwartsdramatik bildeten Schwerpunkte ihrer Arbeit. Nickel-Dönicke ist seit 2017 Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Theater Oberhausen.

Wende im Streit um neue Bundesstiftung Bauakademie

Nach heftigen Kontroversen um seine Bewerbung als Direktor der Bundesstiftung Bauakademie steht der SPD-Politiker Florian Pronold nicht mehr für den Posten zur Verfügung. Er habe den Stiftungsrat gebeten, ihn von seiner Bereitschaft dazu zu entbinden, teilte Pronold auf seiner Internetseite mit. Die Bundesstiftung brauche gerade in ihrer Startphase "zügige Handlungsfähigkeit". Der Streit um die Direktorenstelle hatte auch schon die Gerichte beschäftigt. Im vergangenen Jahr hatten sich zahlreiche Architekten in einem offenen Brief gegen Pronold ausgesprochen. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium schrieb von einem "öffentlichen Wirbel, den interessierte Kreise um meine Person veranstaltet haben" sowie von "Neid und Standesdünkel".

Österreichische Theater schließen zeitweise

Der Notfallplan der österreichischen Regierung zwingt auch weltbekannte Spielstätten wie das Burgtheater und die Staatsoper in Wien, ihre Aufführungen bis Ende März abzusagen. Das teilte die Bundestheater-Holding mit. Karten für Vorstellungen bis zum 31. März könnten bis 30. Juni gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben werden. Die Regierung in Wien hat bereits die Einreise aus Italien beschränkt und Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen in Gebäuden untersagt. In Österreich sind bisher 160 Menschen mit dem Virus infiziert.

Nationales Fotografie-Institut soll in NRW entstehen

In Deutschland soll ein nationales Institut für Fotografie entstehen. Es soll die Nachlässe herausragender deutscher Fotografinnen und Fotografen sichern und die Forschungsexzellenz zu Restaurierung, Konservierung sowie zu analoger und digitaler Fotografie bündeln. Das hat eine Expertenkommission Kulturstaatsministerin Monika Grütters empfohlen. Unklar ist noch der künftige Standort des Instituts. Die Kommission sprach sich für Essen in Nordrhein-Westfalen aus. Der Haushaltsausschuss des Bundestages legte sich im November 2019 auf die Landeshauptstadt Düsseldorf fest und bewilligte 41,5 Millionen Euro für den Neubau. Die selbe Summe sagte Nordrhein-Westfalen zu.

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