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Kulturnachrichten

Dienstag, 10. März 2020

Kein Theater in Berlin wegen Corona

Das Kulturleben von Berlin und anderen deutschen Metropolen ist ab sofort wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus drastisch eingeschränkt. Die Aufführungen in den großen Sälen der staatlichen Häuser in der deutschen Hauptstadt sind bis zunächst 19. April, also bis nach den Osterferien, abgesagt. Betroffen sind Häuser wie die Philharmonie, die Staatsoper Unter den Linden, die Deutsche Oper, die Komische Oper oder das Deutsche Theater. Auch der Friedrichstadt-Palast sagte seine Vorstellungen ab.In München fallen die Aufführungen in der Bayerischen Staatsoper aus.

Wende im Streit um neue Bundesstiftung Bauakademie

Nach heftigen Kontroversen um seine Bewerbung als Direktor der Bundesstiftung Bauakademie steht der SPD-Politiker Florian Pronold nicht mehr für den Posten zur Verfügung. Er habe den Stiftungsrat gebeten, ihn von seiner Bereitschaft dazu zu entbinden, teilte Pronold auf seiner Internetseite mit. Die Bundesstiftung brauche gerade in ihrer Startphase "zügige Handlungsfähigkeit". Der Streit um die Direktorenstelle hatte auch schon die Gerichte beschäftigt. Im vergangenen Jahr hatten sich zahlreiche Architekten in einem offenen Brief gegen Pronold ausgesprochen. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium schrieb von einem "öffentlichen Wirbel, den interessierte Kreise um meine Person veranstaltet haben" sowie von "Neid und Standesdünkel".

Patricia Nickel-Dönicke geht ans Staatstheater Kassel

Patricia Nickel-Dönicke wird mit dem Intendantenwechsel zur Spielzeit 2021/22 neue Schauspieldirektorin und Chefdramaturgin der Schauspielsparte des Staatstheaters Kassel. Wie der designierte Intendant, Florian Lutz, mitteilte, stehe die Potsdamerin für ein starkes, innovatives und gut vernetztes Theater, das klassische Stoffe mit zeitgenössischen Themen über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen vereine. Die intensive Auseinandersetzung mit der Stadt und der Region Kassel werde im Zentrum der Arbeit der neuen Direktorin stehen, sagte Lutz. Politisch relevante Themen, die Nähe zum Publikum, die Autorenförderung und Gegenwartsdramatik bildeten Schwerpunkte ihrer Arbeit. Nickel-Dönicke ist seit 2017 Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin am Theater Oberhausen.

Österreichische Theater schließen zeitweise

Der Notfallplan der österreichischen Regierung zwingt auch weltbekannte Spielstätten wie das Burgtheater und die Staatsoper in Wien, ihre Aufführungen bis Ende März abzusagen. Das teilte die Bundestheater-Holding mit. Karten für Vorstellungen bis zum 31. März könnten bis 30. Juni gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben werden. Die Regierung in Wien hat bereits die Einreise aus Italien beschränkt und Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen in Gebäuden untersagt. In Österreich sind bisher 160 Menschen mit dem Virus infiziert.

Lit.Cologne fällt wegen des Corona-Virus aus

Das Literaturfestival Lit.Cologne ist wegen der weitere Ausbreitung des Corona-Virus abgesagt worden. Das teilte die Festivalleitung in Köln mit. Am Morgen hatte Geschäftsführer Osnowski im Deutschlandfunk Kultur bereits mitgeteilt, dass in diesem Jahr auch die traditionelle Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises ausfällt. Weil schon einige Autorinnen und Autoren ihre Teilnahme zurückgezogen hatten, sollte es auch keine Signierstunden geben. Dass das Festival nicht stattfindet, habe Kölns Oberbürgermeisterin Reker empfohlen, teilte die Lit.Cologne weiter mit. Jetzt werde man sich bemühen, die Veranstaltungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Nationales Fotografie-Institut soll in NRW entstehen

In Deutschland soll ein nationales Institut für Fotografie entstehen. Es soll die Nachlässe herausragender deutscher Fotografinnen und Fotografen sichern und die Forschungsexzellenz zu Restaurierung, Konservierung sowie zu analoger und digitaler Fotografie bündeln. Das hat eine Expertenkommission Kulturstaatsministerin Monika Grütters empfohlen. Unklar ist noch der künftige Standort des Instituts. Die Kommission sprach sich für Essen in Nordrhein-Westfalen aus. Der Haushaltsausschuss des Bundestages legte sich im November 2019 auf die Landeshauptstadt Düsseldorf fest und bewilligte 41,5 Millionen Euro für den Neubau. Die selbe Summe sagte Nordrhein-Westfalen zu.

Comic-Autor Ralf König verteidigt Woody Allen

Der Autor und Comiczeichner Ralf König hat den Protest von Autoren des Rowohlt-Verlages kritisiert, die die Veröffentlichung der Autobiographie von Woody Allen verhindern wollen. Dass der Filmemacher auf Grund nicht bewiesener Vergehen derart sanktioniert werde, könne er nicht verstehen, sagte König im Deutschlandfunk Kultur. Er halte das für eine Hexenjagd. Andere Stimmen, die Allen verteidigten und die Vorwürfe für haltlos hielten, würden gar nicht gehört, so König. Zu dem Vorwurf der protestierenden Rowohlt-Autoren, es habe zu Allens Buch keinen Faktencheck gegeben, wies der Comiczeichner gleichfalls zurück. Eine Autobiographie sei die Sicht des Autors, da gebe es vorab nichts zu klären. Er wünsche sich, so König, dass Rowohlt das Buch herausbringe. Allen müsse eine Möglichkeit bekommen, sich zu verteidigen und zu sagen, wie es aus seiner Sicht gewesen sei.

Gericht spricht Led Zeppelin von Plagiatsvorwurf frei

Die legendäre Ballade "Stairway to Heaven" der britischen Rockband Led Zeppelin ist kein Plagiat. Dieses Urteil in dem langjährigen Urheberrechtsstreit hat ein Berufungsgericht in den USA gefällt. Es setzte das Urteil einer Geschworenen-Jury wieder in Kraft, die die Band schon 2016 freigesprochen hatte. In dem Prozess musste sich Led Zeppelin gegen den Vorwurf wehren, die Gitarren-Anfangsakkorde ihres Klassikers von dem Song "Taurus" der US-Band Spirit abgekupfert zu haben. Gitarrist Jimmy Page und Sänger Robert Plant erklärten, "Stairway To Heave" 1971 allein geschrieben zu haben.

Unbekannte Enzyklika von Papst Pius XII. entdeckt

Von Papst Pius XII. 81939-1958) ist eine bislang unbekannte Enzyklika entdeckt worden. In diesem Rundschreiben habe er "moderne Irrtümer der damaligen Zeit" behandeln wollen, sagte der Münsteraner Historiker Matthias Daufratshofer der Katholischen Nachrichten-Agentur. Bei Forschungen im Archiv der Glaubens- kongregation habe er "elaborierte Entwürfe" zu dem geplanten Rundschreiben gefunden. Darin sei es um moraltheologische Fragen, Autorität und Gehorsam in der Kirche sowie das Verhältnis von Staat und Kirche gegangen. Die Auswertung und Zuordnung der Dokumente werde aber nicht vor Ostern beginnen können, da die Vatikan-Archive wegen des Coronavirus geschlossen sind, sagte der Münsteraner Historiker.

Neuer Vorsitzender der Hauptstadt-Journalisten

Der Journalist Mathis Feldhoff ist neuer Vorsitzender der Bundespressekonferenz. Der 55-Jährige ZDF-Korrespondent löst den langjährigen Vorsitzenden Gregor Mayntz ab, der zuvor bereits seinen Rückzug angekündigt hatte. Mayntz stand als Korrespondent der Zeitung "Rheinische Post" seit 2011 an der Spitze des Vereins der Hauptstadtjournalisten. In den Pressekonferenzen des Vereins stellen sich unter anderem mehrmals pro Woche die Sprecher der Kanzlerin und der Ministerien den Fragen der Journalisten. Mit diesem Konzept ist die Bundespressekonferenz weltweit einmalig.

Protest gegen Haftanordnung für Berlinale-Gewinner

Die Berlinale protestiert gegen die Haftanordnung für den iranischen Regisseur Mohammad Rassulof. Man habe mit Bestürzung davon gehört, teilten die Internationalen Filmfestspiele in Berlin mit. Es sei erschütternd, dass ein Regisseur so hart für seine künstlerische Arbeit bestraft werde. Gerade erst hatte Rassulof mit seinem Film "Es gibt kein Böses" über die Todesstrafe in seinem Land den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Allerdings durfte er nicht selbst zu dem Filmfestival anreisen. Rassulof war im vergangenen Jahr im Iran wegen Propaganda gegen das System zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem zweijährigen Berufsverbot verurteilt worden. Bislang war die Strafe aber nicht vollstreckt worden. In der vergangenen Woche hatte ihn der zuständige Richter aufgefordert, die Haft anzutreten. Gegen die Haftanordnung protestierten auch andere Filmfestivals wie die in Cannes oder Hamburg sowie die Europäische und die Deutsche Filmakademie.

Petition für Erhalt von Frankfurter Theater und Oper

Eine Initiative kämpft für den Erhalt der Frankfurter Städtischen Bühnen. Mit einer Petition wollen die Unterzeichner den vom Stadtparlament beschlossenen Komplett-Abriss des gemeinsamen Gebäudes von Theater und Oper am Willy-Brandt-Platz doch noch verhindern. Zu den Initiatoren gehört auch Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie an der Universität Kassel. Zwei Gutachten hatten ergeben, dass eine Sanierung des Gebäudes teurer würde als die Städtischen Bühnen neu zu bauen. Die Autoren der Petition sprechen nun von einem mangelhaften Verfahren, dessen Ergebnis weder plausibel noch überzeugend sei. Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zeuge von Geschichtsvergessenheit, heißt es in der Petition. Bei dem Doppelgebäude aus dem Jahr 1963 handle es sich um einen wichtigen Nachkriegsbau der Stadt. Der Theaterbau habe in Frankfurt Stadtgeschichte geschrieben und Identität gestiftet.

Der Schauspieler Max von Sydow ist gestorben

Der schwedische Schauspieler Max von Sydow ist tot. Er starb gestern im Alter von 90 Jahren, wie sein Management mitteilte. Von Sydow wirkte in seiner langen Karriere in mehr als 80 Filmen mit. International bekannt wurde er durch die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Regisseur Ingmar Bergmann, mit dem er "Das siebente Siegel" drehte. Auch spielte er in vielen Horror- und Fantasy-Filmen mit, darunter "Der Exorzist". In den vergangenen Jahren war er auch in "Star Wars" und "Game of Thrones" zu sehen.

Juwelendiebstahl: Ermittlungen gegen Wachpersonal

Nach dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden ermitteln die Behörden auch gegen vier Wachleute des Museums. Sie könnten die Täter vor der Ausführung des Diebstahls Ende November unterstützt beziehungsweise diesen nicht verhindert haben. Das sagte der zuständige Oberstaatsanwalt. Bei zwei der Verdächtigen handelt es sich demnach um die Wachleute, die zum Zeitpunkt des Einbruchs Dienst hatten. Eine Privatperson habe Anzeige erstattet.

Geiger Hope will breitere Beschäftigung mit Beethoven

Der Geiger Daniel Hope möchte als neuer Präsident des Vereins Beethoven-Haus in Bonn zu einer breiteren Beschäftigung mit dem Komponisten beitragen. Er wolle das jährliche Kammermusik-Fest weiterführen, sagte er bei der Vorstellung seiner Pläne. Allerdings solle es in die Stadt getragen werden, etwa mit Veranstaltungen in Pflegeheimen, Schulen oder Kindergärten. "Beethoven zählt zu meinen großen Inspirationen", so der 46-jährige Künstler. Hope ist Nachfolger der Bratschistin Tabea Zimmermann. Der Verein hatte das Geburtshaus des Komponisten Ludwig van Beethoven 1889 vor dem Abriss gerettet. Aus dieser Bürgerinitiative ist eine weltweit beachtete Einrichtung mit Gedächtnisstätte, Museum und Kulturinstitut geworden. In diesem Jahr wird der 250. Geburtstag Beethovens gefeiert.

Autoren protestieren gegen Allen-Autobiografie

Autoren des Rowohlt-Verlages haben in einem offenen Brief gegen die geplante Veröffentlichung der Autobiografie des Filmemachers Woody Allen in ihrem Verlag protestiert. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen Margarete Stokowski, Sascha Lobo und Till Raether. Zuvor hatte der US-amerikanische Verlag Hachette nach Mitarbeiter-Protesten davon abgesehen, das Buch zu veröffentlichen. Die Tochter von Woody Allen, Dylan Farrow, hatte dem Künstler vorgeworfen, er habe sexualisierte Gewalt gegen sie ausgeübt. Zuvor hatte der Sohn Allens, Ronan Farrow, kritisiert, dass das Buch in den USA ohne Überprüfung der Fakten erscheinen sollte. Davon müsse man auch bei der Veröffentlichung in Deutschland ausgehen, sagte einer der Mitunterzeichner, der Autor Till Raether, im Deutschlandfunk Kultur. Das sei ein Zeichen mangelnden Respektes gegenüber den Opfern sexualisierter Gewalt. Unter anderem deshalb hätten er und weitere Autoren dem Rowohlt-Verlag in einem offenen Brief davon abgeraten.

Bund startet "Zukunftsprogramm Kino"

Kulturstaatsministerin Grütters hat ein neues Förderprogramm für Kinos gestartet. Über das "Zukunftsprogramm Kino" stellt der Bund in diesem Jahr bis zu 17 Millionen Euro für bestimmte Kinos zur Verfügung, hieß es in einer Mitteilung. Sie müssen eine besondere strukturelle oder kulturelle Funktion an ihrem Standort erfüllen. Das Programm richtet sich vor allem an Kinos in kleineren Städten bis 50.000 Einwohner. Pro Kino können je nach Größe bis zu 315.000 Euro beantragt werden, Kinos mit nur einem Saal erhalten maximal 60.000 Euro.
"Der Zugang zur Kultur im ländlichen Raum ist ein wichtiger Faktor für gleichwertige Lebensverhältnissen in ganz Deutschland", sagte Grütters. Wo Menschen nicht nur die Folgen von Abwanderung, demografischem Wandel und Versorgungslücken zu tragen hätten, sondern auch zunehmend die Folgen eines schwindenden kulturellen Angebots, fänden Populisten leichter Zulauf.

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