Montag, 09.12.2019
 

Kulturnachrichten

Samstag, 30. März 2019

Fontane-Jubiläumsjahr in Neuruppin eröffnet

Mit einem Festakt im brandenburgischen Neuruppin ist das Jubiläumsjahr zu Ehren des Schriftstellers Theodor Fontane eröffnet worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob Fontanes Kunst der Vermittlung von Gesprächskultur und Plaudereien hervor. Außerdem forderte er mehr Dialog zwischen Ost und West. Zum Festakt in Fontanes Geburtsstadt kamen knapp 1.000 Gäste in die Kulturkirche der Stadt. Mit einem umfassenden Programm erinnern Neuruppin und das Land Brandenburg in diesem Jahr an den Schriftsteller, dessen Geburtstag sich im Dezember zum 200. Mal jährt. Zu den bekanntesten Werken Fontanes gehören die Romane "Effi Briest" und "Der Stechlin" sowie die mehrbändigen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg".

Autor Kundera jahrelang von Prager Stasi observiert

Kurz vor dem 90. Geburtstag des weltbekannten Autors Milan Kundera sind Belege öffentlich geworden, dass ihn der kommunistische Geheimdienst der Tschechoslowakei acht Jahre länger ausspioniert hat, als vermutet. Das geht aus einer mehr als 2.000 Seiten dicken Observierungsakte hervor, über die eine Prager Zeitung berichtet. Kundera wurde aus der Kommunistischen Partei und aus der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste in Prag ausgeschlossen. 1979 wurde ihm auch die Staatsbürgerschaft entzogen. Kundera lebt in Frankreich und veröffentlicht nicht mehr in seiner Muttersprache. Er untersagte eine Zeitlang auch Übersetzungen ins Tschechische. 2018 hatte ihm Premier Babis bei einem privaten Treffen die Rückgabe der Staatsbürgerschaft angeboten. Eine offizielle Reaktion Kunderas darauf steht bislang aus.

Regisseur Ciulli rügt Umgang mit Migranten

Der Theaterregisseur Roberto Ciulli blickt pessimistisch auf die Zukunft der Menschheit. Der Homo sapiens treibe "dem Ende seiner Spezies zu", sagte der Leiter des renommierten Mülheimer Theaters an der Ruhr der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Gründe seien eine "Masse von Hass, die aktuell unter den Menschen herrscht, die Wohlstands-Schere durch die Gier der wenigen Reichen und das unmenschliche Verhalten gegenüber der Migration". Die Menschen heute hätten die Scham als einen zentralen Wert verloren, beklagte Ciulli. "Es muss wieder gelingen, dass Menschen sich schämen." Als Beispiel nannte der italienische Regisseur, Schauspieler und Intendant den Tod Tausender Flüchtlinge im Mittelmeer. Ciulli erwartet, dass sich die die europäischen Staaten eines Tages dafür verantworten müssen. Der promovierte Philosoph Roberto Ciulli gründete 1980 gemeinsam mit dem Dramaturgen Helmut Schäfer das Theater an der Ruhr.

Chöre und Orchester gründen Dachverband

Die beiden Dachverbände der Chöre und der Amateurorchester in Deutschland haben sich im thüringischen Gotha zu einem gemeinsamen Dachverband der Amateurmusik zusammengeschlossen. Der neugegründete "Bundesmusikverband Chor & Orchester e.V." vertritt etwa drei Millionen Musiker in rund 100 000 Ensembles. Das teilt das Unternehmen "Kultourstadt Gotha" mit. Die Gründung fand demnach vor den Tagen der Chor- und Orchestermusik 2019 in Gotha statt, die die Verbände an diesem Wochenende gemeinsam veranstalten. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser wurde den Angaben zufolge zum Präsidenten gewählt. Zu den Aufgaben des Verbandes zählen die Interessenvertretung der Amateurmusik nach außen und die Vernetzung der Mitgliedsverbände untereinander. Geschäftsstellen sollen in Berlin und Trossingen (Baden-Württemberg) eingerichtet werden.

Rolling Stones verschieben Nordamerika-Tournee

Die Rolling Stones haben ihre anstehenden Konzerte in Nordamerika wegen einer Erkrankung ihres Frontmannes Mick Jagger verschoben. Ärzte hätten dem Sänger geraten, derzeit nicht auf Tour zu gehen, da er medizinische Behandlung benötige, teilte die englische Rockband mit. Details wurden nicht genannt. Die Rolling Stones hatten für April, Mai und Juni mehr als ein Dutzend Auftritte in den USA und Kanada geplant. Die neuen Daten für die Tournee wolle die Gruppe in Kürze verkünden. Bereits erworbene Tickets behielten ihre Gültigkeit.

Kontroverse: Muslimische Mode im Museum

Im Frankfurter Museum Angewandte Kunst wird nächste Woche eine Ausstellung über muslimische Mode eröffnet. Die Schau zeigt Kopftücher, züchtige Kleider, Ganzkörper-Schwimmanzüge und Luxusartikel- aber keine Burka und keinen Nikab. Die Gruppe "Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung" bezeichnete die Ausstellung trotzdem als "Schlag ins Gesicht inländischer und ausländischer Frauenrechtlerinnen". Das Museum bekam außerdem Hass-Mails aus dem rechten Milieu. Deshalb wurden Einlasskontrollen verfügt. Dass es schon vorab Reaktionen gab, hat Museumsdirektor Matthias Wagner K. nicht überrascht - wohl aber ihre Vehemenz. In San Francisco sei die Ausstellung äußerst positiv aufgenommen worden - in Deutschland führe man schon politische Diskussionen, bevor überhaupt jemand die Ausstellung gesehen habe.

Erinnerungsstücke von Romy Schneider versteigert

Besteck, Bücher und Halstücher der Schauspielerin Romy Schneider sowie Möbelstücke aus ihrem Elternhaus sind im niederbayerischen Landshut versteigert worden. Insgesamt kamen etwa 50 Gegenstände unter den Hammer. Mehrere Dutzend Sammler boten fast 37 Jahre nach dem Tod des Filmstars mit. Besonders begehrt waren Halstücher. So zahlte ein Bieter für ein blau-beige gemustertes Baumwolltuch der Marke Yves Saint Laurent 2200 Euro. Zwei Mokkatassen samt Sahnekännchen des Herstellers Rosenthal waren einem Fan 500 Euro wert. Ein aufklappbarer Sekretär aus Nussbaumholz ging für 1800 Euro weg. Die Objekte stammen aus Haus Mariengrund in der Nähe von Berchtesgaden, wo Romy Schneider zeitweise ihre Kindheit verbrachte.

Literaturfestival Lit.Cologne endet in Köln

Rund 111 000 Besucher hat das internationale Literaturfestival Lit.Cologne in den vergangenen zwölf Tagen nach Köln gelockt. Damit habe man das Rekordergebnis vom Vorjahr wiederholen können, teilten die Veranstalter mit. Das Festival mit fast 200 Lesungen, Diskussionen und Auftritten von Schauspielern und Autoren endet am Abend mit der Zusatzveranstaltung "Sie mich auch...". Darin widmen sich die Kabarettistin Cordula Stratmann und der Schauspieler Bjarne Mädel "der hohen Kunst der Beleidigung". Außerdem verleiht die Hilfsorganisation Care Preise an junge Schreibtalente, die sich mit globalen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen.

Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin

Im stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof werden am Abend die Film- und Fernsehpreise "Goldene Kamera" verliehen. In der Kategorie "Beste Musik International" wird George Ezra ausgezeichnet. Seine erste Single "Budapest" erreichte in Deutschland und Österreich Gold-Status. Eine Goldene Kamera bekommt Jessica Chastain als beste internationale Schauspielerin. Vanessa Redgrave erhält die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk. Sie hat in über 100 Filmen mitgespielt und ist bis heute die einzige britische Schauspielerin, die einen Oscar, einen Emmy, einen Tony, einen Golden Globe sowie einen SAG-Award gewonnen hat. Den Sonderpreis für Klimaschutz bekommt Greta Thunberg. Die Gala wird von Steven Gätjen moderiert und im ZDF übertragen.

Familie von Manfred Krug bricht mit Wolf Biermann

In einem offenen Brief bricht Daniel Krug, der Sohn des verstorbenen Schauspielers Manfred Krug, mit Wolf Biermann, dem einstigen Freund und Weggefährten seines Vaters. Grund dafür ist ein Kapitel in Wolf Biermanns Buch "Barbara", in dem Daniel Krug seinen Vater verunglimpft sieht. Das berichtet der Spiegel. Krug jun. unterstellt, Biermann habe mit dem Verfassen der Anekdoten so lange gewartet, bis sich der vor knapp drei Jahren verstorbene Krug selbst nicht mehr dazu äußern könne. "Beim Lesen des Textes wird man ihn nicht los, den Mief von Neid und Retourkutsche für zu wenig erwiderte Aufmerksamkeit und Liebe", schreibt Daniel Krug in Anlehnung an seinen Vater. Der Sohn des 1977 von der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelten Schauspielers stört sich vor allem daran, dass die meisten von Biermann wiedergegebenen Geschichten über Krug aus dritten Quellen stammen. Daniel Krug kritisiert auch die Geschichte von einer angeblichen Party, bei der sich Krug gebrüstet haben soll, Millionär zu sein. Auch die Stasi lancierte zu DDR-Zeiten dieses Gerücht, um Krug zu diskreditieren.

Gewalt im Netz: Australien droht mit Strafen

Nach den Moschee-Anschlägen in Neuseeland will Australiens Regierung drastische Strafen für Social-Media-Konzerne einführen, die grausame Fotos oder Filme von Gewalt auf ihren Seiten dulden. Wenn Internet-Plattformen wie Facebook die Übertragung von Schwerverbrechen nicht verhindern, drohen künftig Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes und mehrjährige Haftstrafen für Führungskräfte. Das kündigte Premierminister Morrison an. Der Todesschütze von Christchurch hatte seinen Anschlag mit 50 Toten per Helmkamera live ins Netz gestellt. Über die gesetzlichen Auflagen soll kommende Woche das Parlament in der Hauptstadt Canberra beraten. Die geplanten Regeln richten sich nach Regierungsangaben gegen das Streamen oder die zeitverzögerte Wiedergabe von Terrorakten, Morden, Mordversuchen, Folter, Vergewaltigung und Entführungen in sozialen Netzwerken.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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