Sonntag, 25.08.2019
 

Kulturnachrichten

Donnerstag, 28. März 2019

Weitere Kritik an umstrittenem Rammstein Video

Der Kritik an einem Video der Rockgruppe Rammstein, in dem Band-Mitglieder Kleidung tragen, die an Insassen von NS-Konzentrationslagern erinnert, hat sich auch der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, angeschlossen. Er hat die Band in die KZ-Gedenkstätte Dachau eingeladen und sagte: „Das Leid und die Unmenschlichkeit des Holocaust verbieten sich für Werbezwecke oder Effekthascherei zur Bekanntmachung von Produkten ganz gleich welcher Art - in diesem Fall wohl ein neues Musikalbum." Zuvor hatten unter anderem auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, scharfe Kritik an dem Video geäußert.

Berlinale soll Publikumsfestival bleiben

Die neuen Verantwortlichen der Berlinale, Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, wollen die 70. Berlinale noch stärker mit der Stadt verknüpfen. Zum Jubiläum im kommenden Jahr soll das Festival auch an solchen Orten stattfinden, die vielleicht nicht unmittelbar mit Film zu tun haben, erklärte eine Sprecherin. Chatrian und Rissenbeek beginnen offiziell ihre Arbeit am 1. Juni. Heute gaben beide einen Ausblick zu ihren künftigen Plänen: "Wir möchten die Berlinale als Publikumsfestival und als Festival für Berlin erhalten". Die neue Führungsspitze löst den bisherigen Direktor Dieter Kosslick ab, der 18 Jahre das Filmfestival geleitet hat. Bei der Filmauswahl werden die beiden Leiter des Festivals für den Wettbewerb außerdem von einem siebenköpfigen Gremium unterstützt. Mark Peranson übernimmt neben seiner Aufgabe als Programmleiter den Vorsitz des Komitees. Weitere Mitglieder sind Lorenzo Esposito, Barbara Wurm, Verena von Stackelberg, Paz Lázaro, Aurélie Godet und Sergio Fant. Zudem übernimmt Michael Stütz die Leitung des Panoramas und Anna Henckel-Donnersmarck die Leitung von Berlinale Shorts.

Botticelli Gemälde bei Restaurierung entdeckt

Britische Restauratoren haben bei der Freilegung eines gelb übermalten Gemäldes ein Werk des italienischen Renaissancemalers Sandro Botticelli entdeckt. Nach Röntgenuntersuchungen hatten die Restauratoren von British Heritage in London zunächst angenommen, dass es sich um eine Nachahmung eines Werkes des bedeutenden Malers handeln würde. Nach der Freilegung sei jedoch klargeworden, dass das Gemälde "Madonna della Melagrana" - es zeigt Maria mit dem Jesuskind im Arm - ein Original ist. Das sagte die Konservatorin der British Heritage Sammlung Rachel Turnbull in einem Interview mit der BBC und ergänzte: "Das Bild war dem Original zu ähnlich, um eine Imitation zu sein. Es gehört in die richtige Entstehungszeit, ist technisch korrekt gearbeitet und wurde - für die Zeit typisch - auf Pappelholz gemalt." Berühmt für seine Gemälde, wie etwa "Die Geburt der Venus", fertigte Botticelli auch Kopien seiner Werke zum weiteren Verkauf an. Das um 1487 geschaffene Original der "Madonna della Melagrana" hängt in den Galerien der Uffizien in Florenz. Das jetzt restaurierte und neuzugeordnete Gemälde soll ab dem 1. April in der Londoner Ranger's House Gallery gezeigt werden.

Neue App erklärt Architektur am Oberrhein

Eine neue App der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) lädt zum Entdecken von historischen Gebäuden, Kirchen und Denkmälern im Dreiländereck Schweiz-Frankreich-Deutschland ein. Der kostenfreie Architekturführer "EuropeArt to go" wird ab dem 5. April kostenfrei für Android und Apple verfügbar sein. Kulturinteressierte können sich damit über wichtige Bauwerke in der Oberrheinregion, im Elsass und in der Pfalz informieren. Zum Start im April sind in der App 330 "Points of Interest" hinterlegt. Neben Fotografien soll es detaillierte Beschreibungen zur Baugeschichte sowie Informationen zu den Innenräumen - bei Kirchen etwa zu Kunstwerken oder Glasmalereien - geben. Die neue App wurde von der GSK in Zusammenarbeit mit Denkmalämtern im Elsass, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz entwickelt.

Johan Holten neuer Leiter der Kunsthalle Mannheim

Die Mannheimer Kunsthalle hat ab Oktober eine neue Führung. Johan Holten, bislang Direktor der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, wird als neuer Leiter an die Kunsthalle wechseln, wie die Stadt mitteilte. Holten folgt auf Ulrike Lorenz, die zur Klassik Stiftung Weimar wechselt. Die Stadt sei sicher, dass der Kunsthistoriker und Museumsmanager neue Impulse setzen werde, um die Kunsthalle national wie international zu positionieren. Für die Zukunft sei es wichtig, die Digitalstrategie des Museums weiter voranzubringen, sagte Holten. Die 1909 gegründete Mannheimer Kunsthalle zählt mit ihrer Kollektion zu den renommiertesten bürgerschaftlichen Sammlungen Deutschlands. Sie umfasst rund 1.900 Gemälde sowie 850 Werke aus den Bereichen Skulptur und Neue Medien, darunter Meisterwerke unter anderem von Edouard Manet, Francis Bacon, Auguste Rodin und Henry Moore.

Forscher finden längste Salzhöhle der Welt in Israel

Unter dem Berg Sodom am Toten Meer in Israel verbrigt sich die längste bekannte Salzhöhle der Welt. Das ist das Ergebnis einer Neuvermessung der Malcham-Höhle mit Lasertechnik. Rund 80 internationale Wissenschaftler unter Leitung des Höhlenforschungszentrums der Hebräischen Universität in Jerusalem haben die Arbeit durchgeführt. Die Höhle erstreckt sich demnach über eine Länge von mehr als zehn Kilometern. Stefan Kempe, emeritierter Geologie-Professor an der TU Darmstadt, bestätigte, dass bisher keine Salzhöhle mit mehr als zehn Kilometern Länge bekannt sei. Als längste Salzhöhle galt bisher die Namakdan-Höhle im Iran mit rund 6,5 Kilometern Länge. Die jetzt neuvermessene Malham-Höhle mit ihren Salzstalaktiten ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, wurde aber erst 1980 erstmals vermessen und kartographiert.

Potsdam soll Museum für DDR-Kunst bekommen

Potsdam soll in einem ehemaligen DDR-Bauwerk ein Museum für DDR-Kunst bekommen. Die Stiftung des Mäzens und Software-Milliardärs Hasso Plattner wolle dafür das frühere DDR-Terrassenrestaurant "Minsk" kaufen, berichteten die "Märkische Allgemeine Zeitung" und die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" unter Berufung auf eine nicht-öffentliche Sitzung der Potsdamer Stadtverordneten. Das seit Jahren leerstehende und verfallende Restaurant wurde 1977 eröffnet und gilt als bedeutendes Zeugnis für den Stil der Ostmoderne. Der Entwurf der Stiftung für das zukünftige Museum sieht vor, die Hülle des Gebäudes originalgetreu zu sanieren. Über das Angebot der Stiftung des SAP-Mitgründers Plattner müssen die Stadtverordneten noch entscheiden.

Erdogan will aus Hagia Sophia Moschee machen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will die berühmte Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee zurückverwandeln, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf ein TV-Interview berichtete. Im aktuellen Wahlkampf für Kommunalwahlen in der Türkei hatte Erdogan gesagt, es sei "nicht unmöglich", dass aus der Hagia Sophia wieder eine Moschee werde. Im Interview mit dem TV-Sender stellte er es jetzt so dar, als ob die Entscheidung bereits gefallen sei. Erdogan habe gesagt "Hagia Sophia wird nicht länger Museum genannt werden. Sie wird aus diesem Status herausgenommen. Wir werden Hagia Sophia eine Moschee nennen", berichtete Anadolu. Das im 6. Jahrhundert nach Christus errichtete Gebäude war rund ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung der Stadt am Ende des 15. Jahrhunderts wandelten die Osmanen die Kirche in eine Moschee um. Seit 1934 ist die Hagia Sophia ein Museum und zieht jährlich Hunderttausende Besucher an.

Mehr Vielfalt bei Musikförderung des Bundes gefordert

Die Grünen fordern im Rahmen der Musikförderung des Bundes mehr Geld für Rock, Pop und Jazz. Der Grünen-Kulturpolitiker Grundl warf Kulturstaatsministerin Grütters von der CDU vor, dass die Förderung einseitig ausgerichtet sei. Damit riskiere Grütters, dass großes Potenzial an musikalischer Vielfalt verloren gehe, kritisierte Grundl. Hintergrund ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Demnach wurden 2018 nur 1,22 Prozent des Gesamtetats für Rock, Pop, Hip-Hop, Elektro und Jazz ausgegeben. In diesem Jahr soll der Anteil sogar auf nur gut ein Prozent sinken. Grundl forderte ein Gesamtkonzept, "das solche kreativen Räume schafft und erhält". Dabei müssten "die unterschiedlichen Genres gleichwertig unterstützt werden", ohne dabei die unterschiedlichen Musiksparten gegeneinander auszuspielen.

The-Beat-Sänger Ranking Roger gestorben

Der Musiker Ranking Roger, der mit bürgerlichem Namen Roger Charlery hieß, ist tot. Er starb mit nur 56 Jahren an einem Krebsleiden. Seine Band teilte mit, dass Roger friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen sei. Roger war Sänger der britischen Band The Beat, die für einen Mix aus Ska, Pop und New Wave bekannt ist. 1983 hatte sich The Beat aufgelöst, im Jahr 2000 fanden die Mitglieder in veränderter Besetzung wieder zusammen und veröffentlichten 2016 wieder ein Album. Im Januar diesen Jahres erschien das Album "Public Confidential".

Kritik an Rammstein-Video

Ein Werbevideo der Band Rammstein hat heftige Kritik provoziert. Laut Bild-Zeitung tragen die Mitglieder der Gruppe in dem Kurzfilm Kleidung, die an Insassen von NS-Konzentrationslagern erinnert. Außerdem hätten sie Stricke um den Hals. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Klein, sagte der Zeitung, mit dieser Selbst-Inszenierung sei eine rote Linie überschritten. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Knobloch, warf den Musikern eine Verharmlosung des Holocaust vor. Wie Rammstein hier die Ermordung von Millionen zu Entertainment-Zwecken missbrauche, sei frivol und abstoßend.

Berufsverbot gegen ägyptische Schauspieler

Die ägyptischen Behörden haben ein Berufsverbot gegen zwei Schauspieler verhängt, weil sie Präsident al-Sisi kritisiert haben. Die Kino-Stars Amr Waked und Chaled Abol Naga dürften in ihrem Heimatland nicht mehr auftreten oder für Filmproduktionen verpflichtet werden, teilte der regierungsnahe Schauspielerverband mit. Die beiden Schauspieler hätten der Sicherheit und Stabilität Ägyptens schaden wollen. Sie leben im Ausland und hatten sich am Montag mit Mitgliedern des US-Kongresses getroffen und über die Lage der Menschenrechte in Ägypten gesprochen. Seit der Amtsübernahme al-Sisis wurden zahlreiche Oppositionsanhänger, Journalisten und Künstler inhaftiert.

Klage Levines gegen Metropolitan Opera abgewiesen

Der frühere musikalische Direktor der Metropolitan Opera muss vor Gericht eine Niederlage einstecken. Ein Bundesgericht in New York wies einen großen Teil der Klage von James Levine gegen das Haus ab. Levine war von 1976 bis 2016 musikalischer beziehungsweise künstlerischer Leiter, später bekam er den Titel Musikdirektor Emeritus. Im März 2018 wurde er gefeuert, nachdem Ermittlungen in der Oper nach Aussage des Hauses Beweise für sexuellen Missbrauch und Belästigung durch den Stardirigenten ergaben. Levine verklagte die Oper drei Tage später wegen Vertragsbruchs und Verleumdung und forderte mindestens 5,8 Millionen US-Dollar (5,1 Millionen Euro) Schadenersatz. Richterin Andrea Masley wies bis auf einen Klagepunkt der Verleumdung alle ab. Eine Anwältin der Oper teilte mit, das Haus sei zufrieden.

Yad Vashem plant neues Archivzentrum

Die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem will ihre Archive vergrößern. Der Grundstein für das neue "Shoah Heritage Collection Center" soll am 2. Mai, dem israelischen Holocaustgedenktag, gelegt werden, teilte die Gedenkstätte heute mit. Im Sommer 2021 soll der unterirdische Neubau mit einer Fläche von fast 6.000 Quadratmetern fertig sein. Die Baukosten werden auf umgerechnet 44 Millionen Euro geschätzt, das meiste Geld sei bereits durch Spenden zusammengekommen, so Yad Vashem. Die Gedenkstätte war 1953 gegründet worden und ihre Sammlung wächst immer weiter an. Sie umfasst rund 210 Millionen Dokumente, 500.000 Fotografien, die Zeugenaussagen von 131.000 Holocaustüberlebenden sowie zehntausende Artefakte und Kunstwerke.

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