Montag, 09.12.2019
 

Kulturnachrichten

Samstag, 23. März 2019

Demonstrationen gegen Urheberrechtsreform

In 40 deutschen Städten haben zehntausende Menschen gegen die geplante Urheberrechtsreform der EU demonstriert. Sie verlangten vor allem die Streichung des Artikels 13. Danach sollen Plattformen wie YouTube künftig schon beim Hochladen prüfen, ob Inhalte urheberrechtlich geschütztes Material enthalten. Kritiker befürchten, dass dies nur über automatisierte Filter möglich ist, was einer Zensur gleichkommen könnte. Das EU-Parlament will am Dienstag über den Entwurf zur Urheberrechtsreform abstimmen.

Chefdirigent der Domspatzen geht in Ruhestand

Der Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen, Roland Büchner, geht zum Schuljahresende in den Ruhestand. Büchner leitete den Chor war 25 Jahre lang. Wer ihm in das Amt folgt, ist noch nicht bekannt. Unter den Bewerbern sind auch Frauen – es könnte also erstmals in der mehr als 1000-jährigen Geschichte des Chores eine Domkapellmeisterin die Leitung übernehmen.

Fahrradhelm-Kampagne stößt auf Empörung

Eine Fahrradhelm-Kampagne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit leicht bekleideten Models ist auf Empörung gestoßen. Die Umsetzung des eigentlich richtigen Themas sei "peinlich, altbacken und sexistisch", sagte SPD-Fraktionsvize Katja Mast der "Passauer Neuen Presse". "Halbnackte Frauen und Männer sollten nicht mit Steuergeldern auf Plakate gebannt werden". Die SPD-Bundestagsabgeordnete Manja Schüle nannte die Kampagne "zutiefst sexistisch". Das Bundesverkehrsministerium hatte die Kampagne mit dem Titel "Looks like shit. But saves my life." gestern vorgestellt. Sie soll vor allem junge Radfahrerinnen und Radfahrer zum Tragen eines Helms animieren. Die Plakate sollen von kommender Woche an in deutschen Großstädten zu sehen sein. Auch in sozialen Netzwerken gab es Kritik an der Aktion.

Van Gogh in US-Kunstmuseum ist echt

Forscher aus den Niederlanden haben nachgewiesen, dass es sich bei einem Ölgemälde aus einem Kunstmuseum im US-Staat Connecticut um ein echtes Werk von Vincent van Gogh handelt. Das Wadsworth Atheneum Museum in Hartford twitterte, dass das Stillleben "Vase mit Mohnblumen" von 1886 für echt befunden wurde. "Heute verkünden wir, dass es zweifelsfrei ein van Gogh ist." Spezialisten des Amsterdamer Van Gogh Museums hätten zudem bestätigt, dass es unter der Farbe ein verstecktes Porträt gebe, berichtete "The Art Newspaper". Das zeige, dass van Gogh die Leinwand wiederverwendet habe, um Geld zu sparen. Laut "Hartford Courant" befand sich das Ölgemälde seit 1957 in der Sammlung des Museums. Zunächst wurde es van Gogh zugeschrieben, in den frühen 1990er Jahren mehrten sich jedoch Zweifel daran. Der niederländische Künstler malte das Gemälde 1886 - kurz nachdem er nach Paris gezogen war, wie es weiter hieß. Van Gogh (1853-1890) gilt als verkannter Künstler schlechthin, da er zeitlebens nur einige wenige Bilder verkaufte. Doch malte er nur während der letzten zehn Jahre seines Lebens, und fast alle Werke, die heute jeder kennt, entstanden erst wenige Jahre vor seinem Tod.

Rückkehr der Baby-Skulpturen nach Prag

Zehn riesige Baby-Skulpturen des tschechischen Künstlers David Cerny kehren an den Prager Fernsehturm zurück. Die Krabbelkinder mit dem Titel "miminka" (Babys auf Tschechisch) waren vor anderthalb Jahren abmontiert worden, um sie nun durch neue Kopien zu ersetzen, die Wind und Witterung besser standhalten. Ursprünglich sollten die Baby-Figuren nur eine temporäre Installation sein, als Prag im Jahr 2000 europäische Kulturhauptstadt war. Doch sie wurden schnell zu einer Touristenattraktion. Der Fernsehturm im Stadtteil Zizkov wurde in den Jahren 1985 bis 1992 errichtet und ist das höchste Bauwerk der Metropole an der Moldau. Die Installation der zehn neuen Exemplare aus einem Glasfaser-Laminat soll bis zum 9. April abgeschlossen sein.

Christian Kreis ist neuer Stadtschreiber von Halle

Der freie Schriftsteller und Kolumnist Christian Kreis ist der neue Stadtschreiber von Halle. Der gebürtige Bernburger erhalte das sechsmonatige Stipendium, weil er "seit Jahrzehnten die städtische Literaturszene prägt und diese über die Stadtgrenzen hinaus präsentiert", urteilte die Jury. Kreis studierte in Halle Soziologie und Politikwissenschaft und war 2016 Landesmeister im Poetry Slam. Der 42-Jährige erhalte vom 1. April an monatlich 1250 Euro und eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Halle hat das Stadtschreiber-Stipendium zum 18. Mal vergeben. Stadtschreiber hatten einst die Aufgabe, Urkunden oder andere Dokumente für Städte zu verfassen. Heute vergeben etliche Städte in Deutschland Stipendien, um freie Schriftsteller zu fördern.

Hype um Tutanchamun-Ausstellung in Paris

Sie ist seit mehr als 50 Jahren die erste Tutanchamun-Ausstellung in Paris und mit 150 Objekten die bislang größte außerhalb Ägyptens. Davon sind 60 Stücke erstmals außerhalb Ägyptens zu sehen. Damit wolle man die 100-jährige Entdeckung des Grabes des Pharaos feiern, sagte der Kurator und Ägyptologe Tarik al-Awadi. Die bis zum 15. September dauernde Schau "Tutanchamun. Der Schatz des Pharaos" in der Grande Halle de la Villette ist die erste Etappe in Europa innerhalb einer Welttournee, die im März 2018 in Los Angeles gestartet ist. Die Organisatoren rechnen mit einem Massenandrang. Weit mehr als eine Million Besucher werden erwartet. Bereits im Vorfeld der Schau waren 130 000 Tickets verkauft. Deutschland steht bislang nicht auf dem Programm.

Landessynode erlaubt Segnung homosexueller Paare

Künftig können in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gleichgeschlechtliche Paare in einem Gottesdienst öffentlich gesegnet werden. Eine entsprechende Regelung bekam auf der Landessynode mit 65 Ja-Stimmen die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, wie der Sprecher der Landeskirche, Oliver Hoesch, in Stuttgart sagte. Demnach gab es 23 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Der nächste Schritt sei nun der Entwurf einer Ordnung, wie solche Segnungsgottesdienste aussehen könnten. Vermutlich werde es ein paar Monate dauern, bis der erste Gottesdienst dieser Art stattfinde. Bisher war die Württembergische Landeskirche außer der in Schaumburg-Lippe bundesweit die einzige, in der solche öffentliche Segnungen ausgeschlossen waren.

"Ungewöhnlichster Buchtitel" gekürt

Der Poetry-Slammer und Moderator Henrik Szanto hat den Preis für den "Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres" gewonnen. Er wurde auf der Leipziger Buchmesse für seine Textsammlung "Es hat 18 Buchstaben und neun davon sind Ypsilons" ausgezeichnet. "Ich bin halb Finne und halb Ungar", erklärte Szanto den Hang zu Ypsilons. Sein Buch enthalte zwölf Slam-Texte, die sich um Vielsprachigkeit, aber auch um Politik mit Blick auf Ungarn drehen. Der Preis wurde zum sechsten Mal in Folge von der Online-Community "Wasliestdu?" vergeben. Das Voting der Nutzer fließt dabei ebenso ein wie das Urteil einer Jury, in der diesmal die Autoren Horst Evers, Volker Strübing, Axel Hacke und Rita Falk sowie die Moderatorinnen Julia Westlake und Insa Wilke saßen.

Schubert lässt Garnisonkirche-Kuratoriumssitz ruhen

Der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert sieht Widersprüche in seiner Rolle als Mitglied im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche und lässt seinen Sitz vorerst ruhen. Zum einen geht es um einen Beschluss der Stadtverordneten von 2008, den Wiederaufbau des Kirchturms zu unterstützen - die Stiftung nennt in ihrer Satzung den Wiederaufbau des Kultur- und Baudenkmals Garnisonkirche als Ziel. Zum anderen gibt es einen Beschluss nach einem Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau von 2014, nach dem der OB alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzen solle, um auf die Auflösung der Stiftung hinzuwirken. Schubert sieht in den Widersprüchen einen gesellschaftlichen Konflikt und einen unter den Stadtratsfraktionen. Er will aber nach Angaben der Sprecherin mit der Stiftung im Gespräch bleiben. Der Turm der Garnisonkirche in Potsdam wird derzeit wieder aufgebaut.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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