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Sonntag, 19.05.2019
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 19. Mai 2019

Kontroverse um Voynich-Manuskript

Eines der geheimnisvollsten Dokumente der Geschichte soll nach 100 Jahren Rätselraten und Forschen entschlüsselt sein. Ein britischer Akademiker schreibt in der Fachzeitschrift "Romance Studies", er habe sowohl die mysteriöse Schrift als auch die Sprache des sogenannten Voynich-Manuskripts aus dem 15. Jahrhundert geknackt. Seit die Universität Bristol dies vergangene Woche bekannt gemacht hat, wächst allerdings die Skepsis unter Fachkollegen. Die Handschrift auf Pergament, 240 Seiten lang, sei in einer ausgestorbenen Sprache und einer heute unbekannten, aber einst üblichen Schrift geschrieben, sagte Gerard Cheshire, der es decodiert haben will. Die Sprache sei Protoromanisch, von der es bis heute keine andere Dokumentation gibt. Sie gilt als Verbindung zu heutigen romanischen Sprachen wie Spanisch Französisch oder Italienisch. Fachkollegen weisen Cheshires Schlussfolgerungen aber zurück. Cheshire habe seine Thesen seit längerem an Fachkollegen verschickt und sei zwei Jahre lang nicht ernst genommen worden, sagte der Computer-Linguist Jürgen Hermes von der Universität Köln, der das Voynich-Manuskript 2012 in seiner Dissertation behandelt hat, der Deutschen Presse-Agentur.

Künstler demonstrieren in Berlin für offene Gesellschaft

An der Volksbühne in Berlin-Mitte ist eine Kundgebung für eine offene Gesellschaft gestartet. Unter dem Motto "Unite & Shine - Für ein Europa der Vielen!" ziehen Künstler und Kultureinrichtungen zum Platz des 18. März. Die Veranstalter erwarteten 3000 Teilnehmer. Zur Demonstration werden Redebeiträge des Schriftstellers Ingo Schulze, des Warschauer Theaterintendanten Pawel Lysak sowie des Künstlers Wolfgang Tillmans erwartet, der für seine Fotografien den britischen Turner Prize gewonnen hat. Ingo Schulze forderte, sich für grundlegende Veränderungen stark zu machen. "Es reicht nicht, sich als weltoffen und bunt zu gerieren und die EU-Fahne zu schwenken", sagte er laut Mitteilung. "Eine Glorifizierung der EU in ihrer jetzigen Struktur und Funktionsweise ist genauso borniert und falsch wie ein Zurück zum Nationalstaat." Zeitgleich war in Berlin eine Demonstration gegen Nationalismus geplant. Diese sollte vom Alexanderplatz zur Siegessäule verlaufen. Das Bündnis "Die Vielen" hatte in mehreren Städten zu Demonstrationen aufgerufen - unter anderem auch in München, Hamburg und Wien.

Deutschlands beste Nachwuchsforscher ausgezeichnet

Beim 54. Wettbewerb "Jugend forscht" sind in Chemnitz die besten Nachwuchsforscher aus Deutschland ausgezeichnet worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte den mehr als ein Dutzend Gewinnern. Die Forschungsergebnisse und Entdeckungen könnten dazu beitragen, dass wir die Welt ein Stück besser verstehen und vielleicht sogar in Zukunft ein wenig besser leben und arbeiten können, sagte Steinmeier. Die 17-jährige Tara Moghiseh aus Rheinland-Pfalz bekam den ersten Preis in der Kategorie Arbeitswelt. Sie nutzte den Einsatz künstlicher Intelligenz, um verschiedene Typen weißer Blutkörperchen - etwa von Leukämiekranken - automatisch zu erkennen. Paul Kunisch und Thomas Derra aus Bayern gewannen für ihr neuartiges und kostengünstiges Bindemittel zur Bekämpfung von Ölteppichen aus Gewässern den Bundespreis für Chemie. Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb fördert Talente bis zu einem Alter von 21 Jahren in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Ausgezeichnet wurden die Bundessieger in sieben Fachgebieten wie Biologie, Chemie, Physik und Arbeitswelt, auch Sonderpreise etwa für die originellste Arbeit wurden vergeben.

Niederlande gewinnen Eurovision Song Contest

Die Niederlande haben den Eurovision Song Contest gewonnen, Deutschland landete bei dem Wettbewerb in Tel Aviv auf Platz 24. Die Kandidatinnen des Duos S!sters setzten damit die deutsche Misserfolgsserie fort, die nur im letzten Jahr unterbrochen wurde, als Michael Schulte überraschend auf Platz vier kam. Für die Niederlande ist es der fünfte Sieg - zuletzt gewann das Land 1975. Der 25-jährige Duncan Laurence traf mit seiner Ballade "Arcade" den Geschmack des Publikums und der Jury. Auf Rang zwei schaffte es Italien. Russland landete auf dem dritten Platz.

Ulrich Woelk erhält Alfred Döblin-Preis

Der Schriftsteller Ulrich Woelk erhält den Alfred-Döblin-Preis 2019 für sein Romanprojekt "Für ein Leben". Darin gehe der Autor "detailgenau, lebensnah, tragisch und komisch den großen Fragen des Lebens nach: Liebe und Tod", teilte die Berliner Akademie der Künste zur Begründung mit. Der von Günter Grass gestiftete Preis für ein längeres, noch unabgeschlossenes Prosamanuskript wird am Sonntag Vormittag verliehen. Bei der Preisverleihung wird Woelk aus seinem Manuskript lesen. Außerdem hält Vorjahrespreisträgerin Maria Cecilia Barbetta eine Rede auf Alfred Döblin. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert und wird gemeinsam von der Akademie der Künste und dem Literarischen Colloquium Berlin ausgerichtet.

Kantpreis für Judy Korn und Harald Schumann

Die Berliner Erziehungswissenschaftlerin Judy Korn und der Berliner Journalist Harald Schumann haben in Freiburg den mit 15.000 Euro dotierten "Kant-Weltbürgerpreis 2019" erhalten. Korns Initiative "Violence Prevention Network" wurde für ihre pädagogische Arbeit mit gewalttätigen und extremismusgefährdeten jungen Menschen ausgezeichnet. Harald Schumann bekam den Preis für investigative Recherchen, etwa für den Dokumentarfilm "Das Microsoft-Dilemma". Er habe die Macht von Lobbyisten aufgedeckt und zeige, wie wichtig die Öffentlichkeit sei, um die demokratischen Freiheiten gegen Wirtschaftsinteressen und ökonomische Abhängigkeiten zu verteidigen. Die 2004 gegründete Kantstiftung zeichnet mit dem Preis Personen aus, die sich für Demokratie und Frieden oder in der Umweltarbeit engagieren.

Ulrich Matthes für Vereinigte Staaten von Europa

Schauspieler Ulrich Matthes glaubt an die europäische Idee. Der Präsident der Deutschen Filmakademie in Berlin sagt: "Ich fände es auch großartig, da wage ich mich jetzt mal vor, wenn es zu meinen Lebzeiten noch so etwas Ähnliches wie die Vereinigten Staaten von Europa geben würde." Schon bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises rief Matthes dazu auf, an der Europawahl teilzunehmen. Aus seiner Sicht ist Europa in "einem traurigen Zustand". Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dachte er darüber nach, "dass sich die Filmakademie als Institution und auch der deutsche Film als Massenmedium mehr Gedanken darüber machen sollte, wie man diese liberale Demokratie auch mit Filmen kräftigen könnte." Das sei ihm ein Herzensanliegen. Seit Februar ist er Präsident der Akademie, der rund 2000 Mitglieder aus der Filmbranche angehören. Matthes hat mehrfach Stellung gegen die AfD bezogen.

Satiriker Jan Böhmermann kannte Strache-Video

Der Satiriker Jan Böhmermann hat das heikle Video mit heimlichen Aufnahmen des FPÖ-Politikers Heinz-Christian Strache bereits vor Wochen gekannt. Das bestätigte sein Manager Peter Burtz der Deutschen Presse Agentur. Allerdings seien Böhmermann die Aufnahmen nicht angeboten worden, er habe sie also auch nicht abgelehnt. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, sagte Burtz. Das Video, das inzwischen zum Rücktritt des österreichischen Vizekanzlers geführt hat, zeigt diesen bei einem Treffen mit einer angeblichen russischen Oligarchin. Es ging um Wahlkampfhilfe und öffentliche Aufträge. Das Video wurde der „Süddeutschen Zeitung“ und dem "Spiegel" zugespielt und nun von diesen verbreitet. Satiriker Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Den Preis könne er nicht persönlich abholen, weil er "gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge", hatte Böhmermann gesagt. Er verhandele gerade, wie er die "Kronen Zeitung" übernehmen könne, dürfe darüber aber nicht reden. Der Auftritt hatte ihm scharfe Kritik in österreichischen Medien eingebracht. Er würdige die österreichische Regierung herab, hieß es damals.

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Fazit

ESC-Finale in Tel AvivSchlagershow im Konfliktgebiet
Der niederländische Beitrag von Duncan Laurence ist der Sieger des diesjährigen ESC. Ein junger Mann sitzt an einem Keyboard und singt in ein Mikrofon auf einer Bühne. (Ilia Yefimovich / dpa )

Der diesjährige Eurovision Song Contest in Tel Aviv ist und war umstritten. Der Nahostkonflikt und die Debatte über die antisemitische BDS-Bewegung prägten das Vorfeld. Unser Kritiker Martin Mair hat einen perfekt durchkomponierten Abend erlebt. Mehr

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