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Kulturnachrichten

Dienstag, 7. März 2017

Bürgerpreis der Zeitungen für Navid Kermani

Jury aus Chefredakteuren würdigt Engagement für Toleranz

Der Schriftsteller und Essayist Navid Kermani bekommt den Bürgerpreis der deutschen Zeitungen. Die Jury aus 259 Chefredakteuren im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat ihn zum "Bürger des Jahres" gewählt und würdigt damit sein Engagement für Toleranz und eine zivile Gesellschaft. Kermani werbe als Schriftsteller, Essayist und Redner leidenschaftlich für die Wahrung und Verteidigung zwischenmenschlicher Standards. Die Laudatio auf den Preisträger hält der Soziologe und Autor Wolf Lepenies. Der BDZV verleiht den Bürgerpreis bereits seit 2010 für "herausragendes bürgerschaftliches Engagement". Er ist mit 20 000 Euro dotiert.

Lange vergessene Liszt-Oper restauriert

Wissenschaftler entdeckte unbekanntes Werk

Es ist eine kleine Sensation: Ein Wissenschaftler der Universität Cambridge hat eine Oper des ungarischen Komponisten Franz Liszt restauriert. Dabei war nur ein Akt aus dem Werk erhalten. Und es gab ein zweites Problem: Liszt hatte eine äußerst unleserliche Handschrift. "Die Musik ist eine atemberaubende Mischung aus Lyrik im italienisierenden Stil und harmonischer Innovation", sagte der Wissenschaftler David Trippett. Er hatte die Oper namens "Sardanapale" in einem Weimarer Archiv entdeckt und mehr als zwei Jahre lang restauriert. Liszt war ein sehr produktiver Komponist, doch seine Anhänger kannten ihn vor allem für seine Klavierstücke. Bis die "Sardanapale" wiederentdeckt wurde, war nur seine französische Oper "Don Sanche oder Das Schloss der Liebe" bekannt.

Literaturarchiv gibt Kleist-Porträt zurück

Gefangenschaftbild wieder in Frankfurt (Oder)

Frohe Kunde für das Kleistmuseum: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (Baden-Württemberg) gibt ein Porträt des Dichters Heinrich von Kleist (1777-1811) an seine Geburtsstadt Frankfurt (Oder) zurück, wie eine Archiv-Sprecherin mitteilte. Das sogenannte Gefangenschaftsbild entstand 1807 und zeigt den Dichter während seiner Gefangenschaft in Frankreich. Der Maler des Bildes ist unbekannt. Wegen seiner unvollkommenen Maltechnik wird es einem Laien zugeschrieben. Es wurde auf Büttenpapier und mit Ölfarbe gemalt.

Schweizer Zoll beschlagnahmt Werke bei Kunstsammler

Streit um Abgaben in Millionenhöhe für kostbare Sammlung

Wertvolle Bilder eines Kunstsammlers sind vom Schweizer Zoll bei einer Razzia in einem Schweizer Luxushotel beschlagnahmt worden. Der Sammler habe zahlreiche Kunstgegenstände in die Schweiz eingeführt, ohne die Abgaben dafür zu zahlen, sagte ein Sprecher der Zollverwaltung. Allein bei der Mehrwertsteuer handle es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Werke seien nun eingezogen worden. Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) schrieb von 30 konfiszierten Kunstwerken im Wert von knapp 47 Millionen Euro. Unter den Kunstschätzen sollen sich Werke des kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero, von Jean Dubuffet und Niki de Saint Phalle sowie eine Skulptur von Joan Miró befinden. Der Kunstsammler wehrt sich gegen die Vorwürfe. Alle Werke seien rechtmäßig in die Schweiz eingeführt worden.

Erfolg für Facebook in Würzburger Prozess

Landgericht weist Antrag auf einstweilige Verfügung zurück

Das soziale Netzwerk Facebook hat im Rechtsstreit um verleumderische Falschmeldungen über einen syrischen Flüchtling einen Erfolg errungen. Das Landgericht Würzburg wies in einer Entscheidung den Antrag auf eine einstweilige Verfügung zurück. Facebook sei "weder Täter noch Teilnehmer der hier unstreitigen Verleumdungen", hieß es zur Begründung. Bei den strittigen Einträgen handle es sich um "fremde Inhalte der Nutzer des Portals". Der Flüchtling hatte erreichen wollen, dass Falschmeldungen über ihn nach einem Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in dem sozialen Netzwerk gelöscht werden. Das im September 2015 entstandene Bild wurde später für Fotomontagen genutzt, die auf Facebook verbreitetet wurden. Der Syrer wurde dabei mit Anschlägen und Verbrechen in Verbindung gebracht.

Susanne Gaensheimer leitet Kunstsammlung NRW

Wechsel zum 1. September nach Düsseldorf beschlossen

Die international anerkannte Museumschefin und Kuratorin Susanne Gaensheimer wechselt zum 1. September als neue Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen nach Düsseldorf, wie die NRW-Staatskanzlei bekannt gab. Das Kuratorium und das Landeskabinett hätten der Empfehlung einer Findungskommission zugestimmt. Gaensheimer (49), die seit 2009 das Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt leitet, folgt auf Marion Ackermann, die bereits seit November 2016 Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden ist. "Mit Susanne Gaensheimer haben wir eine zugleich erfahrene wie engagierte und äußerst kompetente Museumsleiterin gewinnen können", sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

documenta zeigt 230 Kunstwerke aus Athen

Auswahl nach Relevanz der Kunstwerke

Rund 230 Werke aus der ständigen Sammlung des Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst (EMST) in Athen werden auf der Weltkunstausstellung documenta 14 vom 10. Juni bis 17. September in Kassel zu sehen sein. Die Werke der rund 70 griechischen sowie internationalen Künstler würden im Hauptausstellungsort der documenta, dem Fridericianum, präsentiert, sagte die Direktorin der Athener Museums, Katerina Koskina. Damit werde rund ein Viertel der ständigen Sammlung des Museums in Nordhessen zu sehen sein. Bei der Auswahl der Künstler für die Ausstellung in Kassel hätten sich die Kuratoren nicht von großen Namen, sondern von der gegenwärtigen Relevanz der Kunstwerke leiten lassen, erläuterte die Kuratorin Hila Peleg. "Wir wollen Meilensteine zeigen", sagte sie. Gezeigt würden auch Werke, die die Widersprüche in Griechenland aufzeigten und sich mit politischen Fragen sowie der "Idee der Grenzüberschreitung" beschäftigten.

Archäologen entdecken fast 1900 Jahre alte Straße

Israelische Altertumsbehörde gibt Fund bei Jerusalem bekannt

Israelische Archäologen haben in der Nähe von Jerusalem eine fast 1900 Jahre alte Straße entdeckt. Sie sei bis zu 6 Meter breit und etwa 1,5 Kilometer lang gewesen, teilte die Israelische Altertumsbehörde mit. Die Direktorin der Ausgrabung, Irina Zilberbod, sagte, das Bauwerk sei ungefähr in den Jahren 130 bis 135 entstanden. Die Straße habe eine Ortschaft südwestlich von Jerusalem mit der Hauptverkehrsader dorthin verbunden. Zwischen den Steinen entdeckten die Forscher auch Münzen, unter anderem aus den Jahren 67 und 41.

Gemeinsame Suche nach NS-Raubkunst

Kooperation zum Schicksal der Mosse-Sammlung

Die von den Nazis zerschlagene Kunstsammlung des deutsch-jüdischen Verlegers Rudolf Mosse (1843-1920) soll in einem bisher einmaligen Gemeinschaftsprojekt erforscht werden. Erstmals arbeiten dafür die Nachfahren der einstigen Opfer mit den heutigen, unfreiwilligen Nutznießern zusammen. Unter Federführung der Freien Universität Berlin sind mehrere deutsche Kunst-Institutionen und die amerikanische Mosse-Stiftung beteiligt. "Unser Ziel ist es, tiefergehende Beziehungen zu öffentlichen und privaten Institutionen zu entwickeln, um unseren Restitutionsbemühungen zum Erfolg zu verhelfen", sagte der Stiftungspräsent und Erbenvertreter Roger Strauch. Der Berliner Verleger Rudolf Mosse hatte vor 1933 eine der wichtigsten Kunstsammlungen in Deutschland aufgebaut. Nach der NS-Machtübernahme wurde sie zerschlagen. Viele Werke sind heute - oft noch unbekannterweise - in öffentlichem Besitz.

Bremer Kunsthalle zeigt Skulpturen von Rodin

Ausstellung zum 100. Geburtstag des Bildhauers

Anlässlich des 100. Todestages von Auguste Rodin (1840-1917) zeigt die Bremer Kunsthalle bis zum 11. Juni Meisterwerke des französischen Bildhauers, zu dem das Museum zu Lebzeiten eine besondere Beziehung hatte. "Die Kunsthalle verfügt über eine der wichtigsten und ältesten Rodin-Sammlungen in Deutschland", sagte Kuratorin Eva Fischer-Hausdorf. Rodin gilt als ein Wegbereiter der Moderne. Mit seinen Skulpturen revolutionierte er die Bildhauerkunst der Jahrhundertwende. In der Kunsthalle stehen nun zehn Arbeiten von Rodin, darunter sein lebensgroßes Hauptwerk "Johannes der Täufer" (1878-1880).

Russland erlaubt Vorführung von neuem Disney-Film

Freigabe trotz Protest eines russischen Abgeordneten

Das russische Kulturministerium hat die Freigabe des neuen Disney-Films "Die Schöne und das Biest" trotz Protesten wegen einer homosexuellen Filmfigur genehmigt. Das Ministerium teilte mit, dass es dem Streifen eine Vorführungslizenz mit einer Altersbeschränkung ab 16 Jahren gewährt habe. Zuvor hatte der für seine extrem rechten Ansichten bekannte Abgeordnete Witali Milonow das Ministerium aufgefordert, den Film zu verbieten. In einem Brief behauptete Milonow, dass der Streifen "offene und schamlose Propaganda der Sünde und sexuellen Perversion unter dem Deckmantel eines Märchens" verbreite. Zu den Filmfiguren gehört der Diener Le Fou, der nach Angaben von Regisseur Bill Condon "über seine Sexualität verwirrt" sei. Im US-Staat Alabama entschied ein Autokino, den Film nicht zu zeigen.

"Vorboten der Gewalt" im NS-Dokumentationszentrum

Ausstellung zu rassistischen Aufklebern in München|

Antisemitische und rassistische Aufkleber waren vor und in der Nazi-Zeit weit verbreitet. Sie klebten nicht nur an Laternenpfählen und Garagentoren, sondern wurden auch auf Liebesbriefe und sogar Würste geklebt. Sie seien "Vorboten der Gewalt" gewesen, sagte der Direktor des NS-Dokumentationszentrums in München, Winfried Nerdinger, zur Eröffnung der Ausstellung "Angezettelt". Sie zeigt die Geschichte der Aufkleber von 1880 bis heute. Was vor der Nazizeit mit geklebten Hassbotschaften gegen Juden begann, "endete mit der Deportation in die Vernichtungslager", sagte Nerdinger.

Lit.Cologne erinnert an verfolgte Autoren in der Türkei

Literaturfestival in Köln erwartet 100.000 Besucher

Das Literaturfestival Lit.Cologne setzt sich in diesem Jahr für verfolgte Schriftsteller in der Türkei ein. Einer der ersten Gäste sei der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar, sagte Festivalleiter Rainer Osnowski. Dündar, Der frühere Chefredakteur der Zeitung «Cumhuriyet», muss sich in der Türkei wegen Unterstützung einer «bewaffneten Terrororganisation» vor Gericht verantworten und hat in Deutschland Zuflucht gefunden. Dündar nimmt an einer Lesung mit dem Titel "Die Freiheit des Wortes ist ein universelles Recht der Menschheit" teil. Die 17. Ausgabe der Lit.Cologne dauert bis zum 18. März. Erwartet werden mehr als 100 000 Besucher.

Rossini-Experte und Dirigent Alberto Zedda ist tot

Trauer um italienischen Musikwissenschaftler

Der italienische Dirigent Alberto Zedda ist tot, wie ein Sprecher des Rossini Opera Festivals bestätigte. Der Musikwissenschaftler wurde 89 Jahre alt. Zedda galt als Experte des italienischen Opernkomponisten Gioachino Rossini (1792-1868) und als treibende Kraft der Rossini-Renaissance in der Opernwelt. In den 90er Jahren war er künstlerischer Leiter der Scala in Mailand, von 2001 bis 2015 hatte er den Posten beim Rossini Opera Festival in Rossinis Heimatstadt Pesaro inne. Zedda stand auch mehrmals beim deutschen Belcanto-Festival "Rossini in Wildbad" auf der Bühne.

Orbán-Regierung fördert Film über Leslie Mandoki

Konzertfilm über Ex-Frontmann der Band Dschingis Khan

Die ungarische Regierung um Viktor Orbán zahlt umgerechnet 735 000 Euro für einen Film über den Musiker Leslie Mandoki. Die Regierung beschloss, Geld für einen "Konzertfilms über kulturell-künstlerische Veranstaltungen in Berlin, London und Paris" bereitzustellen. Mandokis Sprecherin bestätigte, dass es sich dabei auch um seine Konzerte handle, betonte aber, das Geld gehe an das ungarische öffentlich-rechtliche Fernsehen, das das Konzert in Berlin aufzeichnet, und nicht an Mandoki. Der Film drehe sich auch um andere Projekte, mit denen Mandoki, früher Frontmann der Band Dschingis Khan, nichts zu tun habe. Der Musiker gilt als Freund des ungarischen Ministerpräsidenten Orbáns und sorgt gelegentlich für die musikalische Begleitung von dessen Auftritten.

Großspende für unterfinanzierte Schulen in Chicago

Musiker Chance the Rapper unterstützt Kunstprogramme

Mit einer Großspende will der Grammy-gekrönte US-Musiker Chance the Rapper die Schulen in der US-Metropole Chicago unterstützen. Er spende eine Million Dollar (943.000 Euro) für Kunstprogramme an staatlichen Schulen in seiner Geburtsstadt, sagte der Rapper. Ihm gehe es dabei "nicht um Politik, es geht nicht ums Posen, es geht darum, sich um die Kinder zu kümmern", sagte Chance the Rapper. Sein Scheck sei "ein Aufruf zum Handeln" an Großunternehmen in Chicago und im ganzen Land. Der bekannte Rapper wurde bei der diesjährigen Grammy-Verleihung er in drei Kategorien ausgezeichnet, unter anderem als bester Newcomer.

Keine ermäßigte Mehrwertsteuer für E-Books

EuGH lässt andere Besteuerung als bei Druckwerken zu

Elektronische Bücher und Zeitungen oder Zeitschriften zum Herunterladen dürfen nach EU-Recht höher besteuert werden als gedruckte Ausgaben oder Publikationen auf Datenträgern wie CD-Rom. Dies stellte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg klar. Es ist danach zulässig, dass für gedruckte oder auf Datenträgern ausgelieferte Publikationen ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gilt, für Ausgaben zum Herunterladen aber nicht. Der EuGH bestätigte, dass die beiden Vertriebswege damit steuerlich ungleich behandelt werden. Dies lässt die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie aus Sicht der Richter unter bestimmten Bedingungen zu. Außerdem verweisen sie auf eine Mehrwertsteuer-Sonderregelung für den gesamten elektronischen Handel. In Polen hatte der dortige Bürgerbeauftragte gegen die Ungleichbehandlung geklagt. Das polnische Verfassungsgericht bat deshalb den EuGH um Auslegung des Unionsrecht. (Rechtssache C-390/15)

Abbas Khider wird Mainzer Stadtschreiber

Deutsch-irakischer Autor gibt den Heimatlosen eine Stimme

Der deutsch-irakische Stadtschreiber Abbas Khider (44) ist Mainzer Stadtschreiber 2017. Die vom ZDF, von 3sat und der Stadt Mainz vergebene und mit 12.500 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm im Mainzer Rathaus verliehen. Khider erzähle in einer musikalischen und schlanken Sprache tragikomische, erschütternde und anrührende Geschichten von Menschen, die unter Verfolgung und Vertreibung litten, begründete die Jury ihre Entscheidung. Er verleihe mit Sensibilität, Humor und Sympathie den Heimatlosen eine authentische, unüberhörbare Stimme. Khider schreibt auf Deutsch und verfasste die Romane "Der falsche Inder" (2008), "Die Orangen des Präsidenten" (2011) und "Ohrfeige" (2016).

Kunst als Klammer für gespaltenes Europa

Ausstellung Kunst in Europa 1945-1968 im Puschkin Museum

Kunst muss in der Sicht des ZKM-Direktors Peter Weibel eine verbindende Klammer in einem Europa zunehmender Spannungen und Spaltungen sein. Politik und Religion teilten den Kontinent, "Kultur vereint Europa". Das sagte der Leiter des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (Karlsruhe) in Moskau zur Eröffnung der Ausstellung "Facing the Future. Art in Europe 1945-1968". Die Schau mit 200 Werken wird im Puschkin-Museum gezeigt und läuft bis zum 21. Mai. Sie belegt, wie ähnlich sich die künstlerische Avantgarde in West- und Osteuropa trotz der Trennung durch den Eisernen Vorhang war. Die Ausstellung ist eine Ko-Produktion zwischen Karlsruhe, Moskau und Brüssel und kombiniert Werke von Pablo Picasso, Fernand Leger, Jean Dubuffet, Lucian Freud und Otto Mühl mit dem Schaffen von Tadeusz Kantor, Alexander Dejneka, Wadim Sidur, Laszlo Lakner und Bela Kondor. Für die Kunst des geteilten Deutschlands stehen unter anderem Gerhard Richter, Joseph Beuys, Georg Baselitz, Werner Tübke und Willi Sitte.

Neuer Umgang mit kolonialem Kulturerbe gesucht

Museumsdirektoren diskutierten über neue Wege

Museumsdirektoren haben neue Wege im Umgang mit dem kolonialen Kulturerbe in europäischen Sammlungen und Museen angemahnt. In jedem Fall sollten menschliche Knochen in die Herkunftsländer zurückgebracht werden, sagte der Gründungsintendant des Berliner Humboldt-Forums, Neil MacGregor, auf einer Podiumsdiskussion in Berlin. Der Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln, Klaus Schneider, verwies darauf, dass es erste Rückführungen aus Deutschland in die afrikanischen Herkunftsgemeinden bereits gegeben habe. So habe die Berliner Charité vor einigen Jahren aus ihrer wissenschaftlichen Sammlung mehrere Schädel an Namibia zurückgegeben, die von Angehörigen der Herero und Nama aus dem früheren kolonialisierten Deutsch-Südwestafrika stammten. Wichtig sei, dass zuvor die Herkunft menschlicher Überreste zweifelsfrei geklärt wird, betonte Schneider. So seien häufig nicht Staaten, sondern bestimmte afrikanische Communities oder Familien die rechtmäßigen Besitzer.

Opernsänger Kurt Moll gestorben

Bayerischer, Hamburger und Wiener Kammersänger

Der Opernsänger Kurt Moll ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Der in Buir bei Köln geborene Bass erlag am Sonntag einer langen, schweren Krankheit, wie die Bayerische Staatsoper in München mitteilte. Intendant Nikolaus Bachler würdigte ihn als einen der wichtigsten Interpreten seines Fachs. "Wie kein anderer vermochte es Kurt Moll, die großen Bass-Partien von Wagner, Mozart und Strauss zum Leben zu erwecken." Moll hatte sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper im Jahr 1971 gegeben und sich dort 2006 von seinem Publikum verabschiedet. Neben München sang Moll unter anderem in Hamburg, Wien, Bayreuth und Salzburg; er war nicht nur Bayerischer, sondern auch Hamburger und Wiener Kammersänger. Zudem war er Gesangsprofessor an der Kölner Musikhochschule.

US-Musiklegende: US-Entwicklung gleich einem Tsunami

Laurie Anderson über die ersten 50 Tage unter Präsident Trump

Am Rand ihrer Performance „The Language of the Future in Berlin sprach die Künstlerin über ihren Kampf gegen die die neuen Machtverhältnisse in den USA. Im Deutschlandradio Kultur sagte sie: „Es macht die Leute buchstäblich krank. Alle, die ich in New York kenne, sind zur Zeit ziemlich krank. Es gibt eine sehr physische Reaktion darauf. Hier fällt das Gesetz auseinander. Und es ist mehr als überraschend festzustellen, dass man an einem gesetzlosen Ort lebt, an dem der Justizminister selber Meineid begeht. Es ist schon eine ziemlich faszinierende Situation und auch etwas, von dem wir nicht erwartet hätten, es in dieser Geschwindigkeit über uns hereinbrechen zu sehen. Die Zerstückelung der Demokratie in Amerika habe sich über viele Jahre abgezeichnet. Hoffentlich könnten andere Länder noch rechtzeitig die Bremse ziehen, hofft Anderson.

Kunstmäzen Gerard J. Corboud gestorben

Gemälde als "ewige Leihgabe" an das Wallraf-Richartz-Museum

Der Unternehmer und Kunstsammler Gerard J. Corboud ist tot. Er starb bereits am Sonntag in der Schweiz im Alter von 91 Jahren, teilte die Stadt Köln mit. "Sein Name wird auf ewig mit dem Museum Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud und damit mit der bedeutenden Kölner Kunstlandschaft verbunden bleiben", würdigte Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Stifter. Durch seine großherzige Stiftung mit über 170 bedeutenden Kunstwerken habe er vielen Kölnern, aber auch den internationalen Besuchern einen Blick auf weltbedeutende Werke der Kunstgeschichte ermöglicht. Der am 18. Mai 1925 in Fribourg in der Schweiz geborene Corboud lebte viele Jahre in Köln und war verheiratet mit der Kölnerin Marisol Corboud. Er engagierte sich über Jahrzehnte leidenschaftlich für das Wallraf-Richartz-Museum. Im März 2001 übergab er der Stadt seine hochkarätige Sammlung von mehr als 170 Gemälden des Impressionismus und Neoimpressionismus als "Ewige Leihgabe" für das Museum, das seither den Zusatz "Fondation Corboud" trägt. Die Sammlung umfasst Werke der großen Meister wie Auguste Renoir, Claude Monet, Alfred Sisley, Paul Cezanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh.

Anne-Frank-Ausstellung wird erneuert

Direktor: Ausstellung den Bedürfnissen der Besucher anpassen

Das Anne-Frank-Haus in Amsterdam wird erneuert. In Zukunft solle es mehr Informationen über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust geben, sagte der Direktor des Anne-Frank-Hauses, Ronald Leopold. Es sei wichtig, die Ausstellung an die Bedürfnisse der Besucher anzupassen, so der Direktor. Viele Besucher seien unter 25 Jahren und kämen nicht aus Europa. Der "authentische Charakter" des Hauses soll jedoch weiterhin im Vordergrund der Ausstellung stehen. Mit den Renovierungsarbeiten wird das Museum auch vergrößert. Eine angrenzende Studentenwohngemeinschaft, wird zu einem Raum für Gruppen und einer Garderobe umgewandelt. Das Museum wird auch während der zweijährigen Bauarbeiten geöffnet bleiben. Das jüdische Mädchen Anne Frank starb 1945 im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen. Vorher versteckte es sich mit seiner Familie mehr als zwei Jahre lang in dem Haus an der Prinsengracht, das heute das Anne-Frank-Museum ist. Dort führte sie ihr Tagebuch, das in mehr als 70 Sprachen übersetzt wurde.

Österreicher soll neuer Chef in Leipziger Museum werden

Alfred Weidinger derzeit Kurator des Wiener Belvedere Museums

Der Österreicher Alfred Weidinger soll neuer Chef des Museums der bildenden Künste in Leipzig werden. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Weidinger setzte sich gegen 29 Bewerber durch, von denen zehn ins engere Auswahlverfahren gekommen waren. Die Wahl Weidingers durch die Ratsversammlung ist für den 12. April vorgesehen. Der 55 Jahre alte Weidinger studierte Kunstgeschichte und ist derzeit Vizedirektor und Kurator des Belvedere Museums. Er tritt im Fall seiner Wahl die Nachfolge von Hans-Werner Schmidt an, der im April in den Ruhestand geht. Dienstbeginn Weidingers im Museum der bildenden Künste soll am 1. August sein.

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